Wie sich der Waffenstillstand zwischen Iran und den USA auf die Ölmärkte ausgewirkt hat

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Ein Energieexperte hat für die TASS in einem Artikel erklärt, warum die Ölpreise nach dem Waffenstillstand zwischen dem ...

anti-spiegel.ru📅 11.04.2026
Energiekrise

Wie sich der Waffenstillstand zwischen Iran und den USA auf die Ölmärkte ausgewirkt hat

Nach der Verkündung des Waffenstillstandes zwischen den USA und dem Iran sind die Ölpreise stark gefallen, um danach wieder zu steigen. Was sind die Gründe für die Preisschwankungen?

Ein Energieexperte hat für die TASS in einem Artikel erklärt, warum die Ölpreise nach dem Waffenstillstand zwischen dem Iran und den USA so stark schwanken und wie sich die Preise in der Zukunft entwickeln dürften. Ich habe den Artikel übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Preisschwankungen: Wie sich der Waffenstillstand zwischen Iran und den USA auf die Ölmärkte ausgewirkt hat

Igor Jusvhkow, Experte an der Finanzuniversität und beim Nationalen Energiesicherheitsfonds, analysiert die Reaktion der Aktienkurse auf den Waffenstillstand in der Straße von Hormus und die Frage, ob mit weiteren Preisrückgängen im Energiesektor zu rechnen ist.

Der globale Energiemarkt blickt weiterhin auf die Lage im Nahen Osten. Daher hat sich der am 8. April zwischen den USA, Israel und dem Iran verkündete Waffenstillstand unmittelbar auf die Energiepreise ausgewirkt. Das Abkommen sieht die Öffnung der Straße von Hormus vor, durch die zuvor rund 20 Prozent des weltweiten Ölverbrauchs und genauso viel Flüssigerdgas (LNG) transportiert wurden. Der Preis für Brent-Rohöl fiel nach Bekanntwerden des Waffenstillstands von 116 US-Dollar pro Barrel auf 92 US-Dollar. Die Erdgaspreise in Europa sanken um fast 20 Prozent. Obwohl noch kein einziges Schiff die Straße von Hormus passiert hat, sind die Preise bereits gefallen. Das erklärt sich dadurch, dass der Börsenhandel auf Erwartungen basiert und psychologische Faktoren eine wichtige Rolle spielen.

In der Praxis gab es jedoch keine vollständige Öffnung der Straße von Hormus. Auch gibt es keinen Waffenstillstand. Am ersten Tag tauschten beide Seiten heftige Schläge aus. Der Waffenstillstand ist insgesamt sehr fragil, da die beiden Seiten in praktisch allen Punkten uneins sind: Die Möglichkeit des Iran, sein Atom- und Raketenprogramm weiterzuentwickeln, Entschädigung für Schäden, Nichtangriffsgarantien etc.

So ist es auch mit der Straße von Hormus. Wenn während der Kämpfe durchschnittlich zwölf Tanker die Straße passiert haben, beabsichtigt Iran laut inoffiziellen Berichten nun, 15 Tanker pro Tag durchzulassen. Von einer Rückkehr zur vorherigen freien Schifffahrt in Hormus ist derzeit keine Rede. Die Revolutionsgarden haben gefordert, dass die Durchfahrt jedes Schiffes individuell mit ihnen vereinbart wird. Um die Überwachung zu erleichtern, hat die iranische Seite erklärt, dass die bisherigen regulären Routen in der Straße aufgrund von Seeminen unsicher seien und dass nur die Gewässer nahe der iranischen Küste genutzt werden sollte.

Der Stolperstein

Der weitere Betrieb der Straße von Hormus ist ein eigenes Thema. Bisher war sie, wie fast alle Meerengen weltweit, kostenlos. Laut UN-Seerechtsübereinkommen sind Durchfahrtsgebühren verboten, zusätzliche kostenpflichtige Dienstleistungen wie Lotsendienste jedoch erlaubt. Der Iran hat das Übereinkommen jedoch nicht ratifiziert und beabsichtigt nun, eigene Regeln für die Durchfahrt durch Hormus festzulegen. Das Land plant, Gebühren für Schiffe zu erheben, die diese Route passieren. Der iranische Staatssender IRIB hat sogar berechnet, dass das Land dadurch jährlich rund 64 Milliarden US-Dollar einnehmen könnte.

Allerdings wird das Funktionieren der Straße von Hormus zu einem Streitpunkt zwischen dem Iran und praktisch allen anderen Akteuren. Die Trump-Regierung könnte Gebühren für Tanker zustimmen, aber nur, wenn das Geld an einen Betreiber der Straße fließen, an dem amerikanische Unternehmen zu Großaktionären werden. Das Problem ist, dass Iran die Durchfahrtsgebühr für die Straße von Hormus nicht nur – oder vielleicht nicht nur – als Einnahmequelle, sondern auch als politisches Instrument betrachtet. Wenn alle dem neuen System zustimmen, wird Irans Kontrolle über die Straße von Hormus damit anerkannt.

Teheran wird ein auf seiner geopolitischen Ausrichtung basierendes Gebührensystem schaffen können. Beherbergt ein Land, das sein Öl durch die Straße von Hormus transportieren will, einen US-Militärstützpunkt, werden für seine Tanker hohe Gebühren erhoben. Verweigert es hingegen die Zusammenarbeit mit den USA, könnten die Gebühren auf null sinken. Teheran wird somit versuchen, die USA aus der Region zu verdrängen. Das ist auch der Zweck der Bedingung, dass die Durchfahrtsgebühren in Yuan oder Kryptowährung und nicht in Dollar oder Euro zu entrichten sind.

Für die USA ist dieser Ansatz inakzeptabel, da er den Status des Dollars als globale Reservewährung untergräbt. Israel wird zudem alles daransetzen, Irans Bemühungen, Durchfahrtsgebühren für die Straße von Hormus zu erheben, zu torpedieren, da dies Teheran eine bedeutende Einnahmequelle verschaffen würde, die auch für Verteidigungszwecke verwendet werden kann. Die Kontrolle über die Straße von Hormus ist jedoch Irans wichtigste Trumpf in den Verhandlungen mit den USA.

Teheran wirft im Rahmen der Verhandlungen mit Washington auch die Aufhebung der Sanktionen auf. Sollten die USA dem zustimmen, werden die Ölpreise weiter sinken. Im Iran gibt es viele Ölfelder mit vergleichsweise niedrigen Förderkosten. Wenn globale Ölfeldserviceunternehmen mit moderner Technologie und entsprechenden Investitionen ins Land zurückkehren, könnte Iran die Produktion in den nächsten zwei bis drei Jahren deutlich steigern.

Das wiederum würde den Fortbestand des OPEC+-Abkommens infrage stellen. Derzeit gelten für den Iran keine Förderquoten, da das Land Sanktionen unterliegt und so viel fördert, wie es kann. Steigt die Förderung jedoch rapide an, wird unweigerlich die Frage nach Beschränkungen aufkommen. Weigert sich Teheran, werden auch die anderen Teilnehmer ihre Quoten aufgeben und maximal fördern, was zum Zusammenbruch von OPEC+ führen würde.

Die Frage des Preises

Für Russland ist jede Preissenkung ungünstig. Das erste Quartal 2026 war hinsichtlich der Öl- und Gaseinnahmen äußerst schwach. Die Einnahmen stammen hauptsächlich aus der Mineralgewinnungssteuer auf Öl. Der Steuersatz ändert sich monatlich in Abhängigkeit vom durchschnittlichen Ölpreis des Vormonats. Laut dem russischen Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung lag der Durchschnittspreis für Urals-Rohöl im Dezember 2026 bei 39,18 US-Dollar pro Barrel (was den Steuersatz für Januar 2026 bestimmt hat). Im Januar dieses Jahres betrug er 40,95 US-Dollar und im Februar 44,59 US-Dollar.

Die Einnahmen aus Öl und Gas des ersten Quartals 2026 wurden durch eben diese niedrigen Preise bestimmt. Der Durchschnittspreis für März von 77 US-Dollar pro Barrel Urals-Rohöl hat den Steuersatz für April bestimmt. Daher wird das russische Finanzministerium erst Anfang Mai berechnen können, wie viel der Staatshaushalt durch die Preiserhöhung infolge der Schließung der Straße von Hormus eingenommen hat. Der Preisanstieg ermöglicht es uns somit, das Defizit aus dem ersten Quartal auszugleichen: Laut dem russischen Finanzministerium lagen die Einnahmen aus Öl und Gas im ersten Quartal 2026 um 45,4 Prozent niedriger.

Für Russland ist es wichtig, dass die Öl- und Gaspreise möglichst lange hoch bleiben. Ein Anstieg auf Rekordniveau birgt jedoch Risiken. Je höher der Preis, desto geringer die Nachfrage. Sollten die USA und der Iran eine Einigung über die Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus erzielen, werden die Ölpreise dennoch höher bleiben als zu Jahresbeginn, vor dem Konflikt. Schließlich haben die Verbraucherländer während der Blockade Öl aus strategischen Reserven genommen. Nun müssen sie Öl sowohl für den laufenden Verbrauch als auch zur Auffüllung der Reserven kaufen.

Beim Gas ist die Situation noch schwieriger. Es wird mehrere Wochen dauern, bis die LNG-Anlagen ihren Betrieb wieder aufnehmen. Außerdem hat der Iran die Gasinfrastruktur Katars angegriffen, was in den nächsten drei bis fünf Jahren zu einer Reduzierung der Produktionskapazität um 17 Prozent führen wird. Daher werden die Gaspreise relativ hoch bleiben. Es ist jedoch noch zu früh, von einer Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus oder einem Ende des Krieges zu sprechen. Darum haben sich die Ölpreise nach dem starken Einbruch infolge der Nachricht vom Waffenstillstand am folgenden Tag wieder auf 100 US-Dollar pro Barrel erholt.

Ende der Übersetzung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.


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