Wie Putin die schwierigen Beziehungen zwischen China und Indien einschätzt

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Es ist zu einer Tradition geworden, dass Putin sich im Zuge des Petersburger Wirtschaftsforums stundenlang den Fragen de...

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Putin im O-Ton

Wie Putin die schwierigen Beziehungen zwischen China und Indien einschätzt

Im Zuge des Petersburger Wirtschaftsforums ist es Tradition, dass sich Präsident Putin stundenlang den Fragen internationaler Journalisten stellt. Dabei wurde Putin von einer indischen Journalistin nach den schwierigen Beziehungen zwischen Indien und China und Russlands Rolle dabei gefragt.

Es ist zu einer Tradition geworden, dass Putin sich im Zuge des Petersburger Wirtschaftsforums stundenlang den Fragen der international wichtigsten Nachrichtenagenturen stellt. Der Anti-Spiegel übersetzt danach die Fragen und Antworten, die für das deutsche Publikum interessant sind.

Ich übersetze hier eine Frage, die eine indische Nachrichtenagentur Putin nach den schwierigen Beziehungen zwischen Indien und China und Russlands Rolle dabei gestellt hat, und Putins Antwort darauf.

Joshi: Herr Präsident, Sie sprachen heute Vormittag über die russisch-chinesischen Beziehungen. Sie sagten, diese hätten nicht erst gestern begonnen, sondern hätten sich über Jahrhunderte entwickelt.
Indien hat auch solche Beziehungen zu China, allerdings anderer Natur. Wir haben ein schwieriges Verhältnis zu China, gleichzeitig aber auch ein schwieriges Verhältnis zu Pakistan an der Westgrenze. Ich denke, Sie verstehen, worauf ich hinauswill.
Pakistan steht heute militärisch unter chinesischer Kontrolle. 80 Prozent der pakistanischen Militärausrüstung stammen aus China. China liefert Pakistan zudem fortschrittliche Technologie: sowohl Geheimdienstinformationen als auch militärische Ausrüstung. Und das bereitet Indien Sorgen.
Sie unterhalten sehr gute Beziehungen sowohl zu China als auch zu Pakistan. Möchten Sie etwas unternehmen, um Indiens Sicherheitsinteressen in diesem Zusammenhang zu wahren?
Und noch eine Frage: Ich habe heute gehört, dass die letzten Bataillone der S-400-Raketen erfolgreich nach Indien geliefert wurden. Das fünfte Bataillon fehlt noch. Welche fortschrittlichen Technologien wird das fünfte Bataillon einsetzen, und wie sieht der Zeitplan für die gemeinsame Entwicklung der Su-57, moderner Kampfflugzeuge, und die Entwicklung neuer Atom-U-Boote aus?
Vielen Dank.

Putin: Natürlich sind wir uns aller Fallstricke bewusst, vielleicht nicht aller, aber zumindest der wichtigsten Probleme im Zusammenhang mit der Grenzsituation, der Situation zwischen Pakistan und Indien. Sie sagten, Pakistan sei ein vollständig von China kontrolliertes Land, das denke ich nicht. Schließlich ist Pakistan erstens ein recht großes Land und unterhält sehr vielfältige Beziehungen. Ja, natürlich gibt es Fragen der Zusammenarbeit mit der Volksrepublik China, die für Pakistan von großer Bedeutung sind. Aber alle bauen die Beziehungen zu China aus. China ist eine der größten Volkswirtschaften der Welt, die Nummer eins weltweit nach Kaufkraftparität. Indien liegt an dritter, Russland an vierter Stelle.
Das sage ich übrigens auch für Ihren französischen Kollegen, der nach der Lage der russischen Wirtschaft gefragt hat. China, die USA, Indien und Russland sind nach Kaufkraftparität die vier größten Länder. Wir haben übrigens alle europäischen Länder und auch Japan, überholt.
Sich in eine so heikle und vielschichtige Beziehung zwischen zwei Ländern wie Indien und China einzumischen, ist eine undankbare Aufgabe. Aber wir stehen selbstverständlich mit unseren Freunden in Indien und China in Kontakt.

Aber wissen Sie, worauf ich hinaus will? Ich werde nicht ins Detail gehen, da das unangebracht ist, aber ich kann mit Gewissheit sagen, dass sowohl Premierminister Modi als auch der chinesische Präsident Xi Jinping versuchen, sich der Lösung aller Fragen von gemeinsamem Interesse, einschließlich der Grenzbeziehungen, zu widmen. Daran gibt es keinen Zweifel.
Russland unterhält seine eigenen Beziehungen zu China und seine eigenen Beziehungen zu Indien. Das haben Sie bereits erwähnt. Und das stört niemanden, glauben Sie mir, es stört wirklich niemanden. Diese Beziehungen haben sich über Jahrzehnte entwickelt. Alles hat sich ganz natürlich entwickelt. Russlands Beziehungen zu Indien stören China nicht, und Russlands Beziehungen zu China stören Indien nicht. Und die Verbindung der drei Länder hilft allen.

Wir sprechen über die BRICS. Wissen Sie, wo BRICS entstanden ist? Hier in St. Petersburg. Hier habe ich einst ein Treffen mit dem chinesischen Staatschef und dem indischen Regierungschef mit mir vorgeschlagen. Wir drei haben uns hier getroffen und RIC – Russland, Indien und China – war geboren. Wir fanden Gesprächsthemen, Punkte, über die wir uns einigen konnten, und wir einigten uns. Dann schloss sich Brasilien an, hat um Beitritt zum trilateralen Format gebeten, und BRIC war geboren, und dann Südafrika, und BRICS war geboren. Weitere Erweiterungen folgten. Wenn wir uns also treffen und miteinander reden, einigen wir uns.
Ich wiederhole: Es gibt keine Fragen zu Russlands Zusammenarbeit mit China oder Russlands Zusammenarbeit mit Indien. Jeder ist sich unserer umfassenden militärtechnischen Zusammenarbeit bewusst. Ja, wir arbeiten zusammen, auch mit Indien, an der Entwicklung moderner Waffensysteme. Die BrahMos-Mittelstreckenrakete ist der ganzen Welt bekannt. Sie ist mittlerweile sowohl see- als auch landgestützt einsetzbar, und wir entwickeln sie stetig weiter.

Was die Su-57 betrifft, so haben wir unseren indischen Freunden einst vorgeschlagen, dieses Flugzeug gemeinsam zu entwickeln. Das ist ein Flugzeug der fünften Generation, meines Erachtens das beste der Welt. Unsere indischen Freunde sagten damals: „Macht das erst einmal selbst und dann sehen wir weiter.“
Prinzipiell hätte dieses Flugzeug unser Joint Venture sein können. Wir haben es selbst entwickelt und sind selbstverständlich bereit, mit Indien zusammenzuarbeiten, es zu liefern und weiterzuentwickeln. Es gibt hier keinerlei Einschränkungen.
Dasselbe gilt für Luftverteidigungssysteme. Einzelne Geräte zu haben, ist wichtig, aber noch wichtiger ist die Entwicklung eines Luftverteidigungssystems. Was bedeutet das? Es bedeutet, in verschiedenen Höhen gegen unterschiedliche Ziele zu operieren: tief fliegende, langsam und auch hoch fliegende. Wichtig ist, all dies in ein einziges Informationssystem zu integrieren, das in Echtzeit arbeitet. Es ist eine komplexe, hochtechnologische Aufgabe. Wir arbeiten derzeit selbst daran und perfektionieren dieses System. Noch ist nicht alles gelöst, aber das ist eine wirklich einzigartige Erfahrung. Diese Erfahrung gibt es sonst nirgendwo. Wir haben sie, und wir sind bereit, sie mit unseren chinesischen und indischen Freunden zu teilen. Und das tun wir auch. Die Arbeiten in all diesen Bereichen laufen bereits und werden mit Indien fortgesetzt.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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