Wem der Iran die Durchfahrt durch die Straße von Hormus erlaubt
Da es in den Medien heißt, die Straße von Hormus sei komplett für Tanker gesperrt und das laut deutschen Politikern die Schuld des Iran sei, werde ich hier aufzeigen, dass das so nicht stimmt. Dass die Schuld für die (teilweise?) Sperrung der Straße von Hormus bei den USA und Israel liegt, weil die Meerenge ohne den Krieg gegen den Iran nicht gesperrt wäre, muss wohl nicht extra erwähnt werden.
Am 13. März teilte der iranische Botschafter im Irak mit, dass irakische Schiffe durch die Straße von Hormus fahren dürfen.
Am 14. März meldete der indische Fernsehsender NDTV, die unter indischer Flagge fahrenden Tanker Shivalik und Nanda Devi die Straße von Hormus passiert hätten. Am gleichen Tag meldete India Today, dass der Iran indischen Schiffen generell die Durchfahrt durch die Meerenge erlaubt hat. Außerdem sagte der iranische Außenminister an dem Tag in einem Interview, dass die Meerenge von Hormus nur für US-amerikanische und israelische Schiffe gesperrt sei.
Am 15. März sagte der indische Außenminister Subrahmanyam Jaishankar der Financial Times, dass Indien mit dem Iran über die Durchfahrt eines jeden Schiffes verhandelt. Er fügte hinzu, dass es kein Abkommen über die Durchfahrt aller indischen Schiffe durch die Straße von Hormus gebe, die Verhandlungen mit dem Iran zu dem Thema aber andauerten.
Am 16. März meldete Bloomberg, dass der pakistanische Tanker Karachi die Meerenge mit Öl aus den Vereinigten Arabischen Emiraten passiert habe.
Diese Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und natürlich haben diese wenigen Tanker keinen nennenswerten Einfluss auf die Lage auf den internationalen Ölmärkten, aber das zeigt, dass der Iran zumindest einigen Tanker aus Ländern, die er als freundlich gesinnt betrachtet, die Passage erlaubt. Und das zeigt auch, der der Iran die Straße von Hormus nicht vermint hat, denn dann könnte kein Schiff gefahrlos durch die Meerenge fahren.
Allerdings könnte sich daran etwas geändert haben, denn am 17. März erklärte der iranische Parlamentspräsident:
„Die Straße von Hormus ist nun geschlossen. Wir wollten sie nicht schließen, aber sie ist geschlossen. Die Straße von Hormus kann nicht mehr so sein wie früher und wird auch nicht wieder in ihren früheren Zustand zurückkehren, denn mit der Präsenz der USA und des zionistischen Regimes gibt es keine Sicherheit mehr.“
Am 18. März erklärte der stellvertretende iranische Außenminister:
„Wenn dieser Krieg zu Ende ist, werden wir gemeinsam mit Oman definitiv ein juristisches Regime für die Durchfahrt der Straße von Hormus etablieren. Es ist eine Tatsache, dass die Islamische Republik ein neues juristisches Regime in der Straße von Hormus errichten wird. Wir werden dieses Regime mit unseren Streitkräften durchsetzen.“
Der Iran hat an dem Tag als Bedingung für ein Ende des Krieges gefordert, dass die USA sich komplett aus dem Nahen Osten zurückziehen sollen. Offenbar wächst im Iran derzeit mit jedem Kriegstag das Selbstbewusstsein.
Ob der Iran nun tatsächlich keine Schiffe mehr durch die Straße von Hormus lässt, oder ob er für befreundete Länder weiterhin Ausnahmen macht, werden die nächsten Tage zeigen.
Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.
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