Welche Produkte neben Öl und Gas durch die Blockade der Straße von Hormus knapp werden

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Ein Experte hat für die TASS zusammengefasst, welche Produkte durch die Blockade der Straße von Hormus für die Weltwirts...

anti-spiegel.ru📅 19.03.2026
Von Polymeren über Chips bis Lebensmittel

Welche Produkte neben Öl und Gas durch die Blockade der Straße von Hormus knapp werden

Die Blockade der Straße von Hormus wird die Weltwirtschaft in sehr vielen Bereichen treffen. Die Liste geht von Polymeren über Halbeiter bis zu Düngemitteln.

Ein Experte hat für die TASS zusammengefasst, welche Produkte durch die Blockade der Straße von Hormus für die Weltwirtschaft knapp werden und ich habe den Artikel übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Von Polymeren über Chips bis zu Lebensmitteln: Wie die Blockade der Straße von Hormus eine Kettenreaktion auslöst

Nikita Bredichin, leitender Investmentanalyst bei Go Invest, darüber, welche Branchen neben Öl und Logistik durch den Krieg im Nahen Osten gefährdet sind.

Die Schließung der Straße von Hormus wegen des Krieges im Nahen Osten hat vor allem die globalen Öl-, Gas- und Logistikbranchen getroffen. Während sich die Aufmerksamkeit auf die Kraftstoffpreise richtet, bleiben andere Sektoren im Schatten, dabei leiden einige sogar noch stärker unter der Blockade dieses wichtigen Verkehrsknotenpunkts.

Ein kurzer Überblick

Doch zunächst werfen wir einen genaueren Blick auf die Turbulenzen im globalen Kraftstoff- und Energiesektor. Die Preise für Brent-Rohöl sind seit dem 28. Februar um mehr als 35 Prozent gestiegen und durchbrechen an manchen Tagen im März (wie heute, dem 18. März) die psychologische Marke von 100 US-Dollar pro Barrel.

Unterdessen stiegen die Spotpreise für Erdgas je nach Region um 50–80 Prozent (Nordamerika, Asien und Europa, in dieser Reihenfolge).

Auch die globale Seelogistik verteuerte sich, da die Preise für Bunkeröl um etwa 40 Prozent gestiegen sind.

Polymere

Neben dem Stopp der Rohöl- und Erdgaslieferungen hat die Blockade auch den Export von Raffinerieprodukten unterbrochen.

Methanol ist ein wichtiger Bestandteil bei der Herstellung von Kunststoffen, Klebstoffen, Farben und synthetischen Textilien. Die Länder des Persischen Golfs – vor allem Iran, Saudi-Arabien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate – decken etwa 22 Prozent der weltweiten Methanolproduktion ab. Dabei entfielen auf die Lieferanten aus dem Nahen Osten im Jahr 2025 17,5 Millionen Tonnen Methanol, was 56 Prozent der weltweiten Gesamtexporte (31,1 Millionen Tonnen) entspricht. Der Großteil dieser Exporte ging mit 16,8 Millionen Tonnen Methanol in den asiatisch-pazifischen Raum.

Eine ähnliche Situation zeigt sich bei Naphtha. Neben seiner direkten Verwendung in der Kraftstoffproduktion dient Naphtha auch zur Herstellung von Polymeren. Olefine werden aus Naphtha gewonnen und sind essenziell für die Produktion von Kunststoffen, synthetischem Kautschuk, Fasern und Waschmitteln. Die Länder des Persischen Golfs sind für etwa 25 Prozent der weltweiten Naphtha-Exporte verantwortlich, wobei asiatische Länder die Hauptabnehmer sind.

Neben den Schwierigkeiten bei der Versorgung mit Komponenten für die Polymerproduktion bestehen auch Probleme beim Export fertiger Produkte. Iran, Saudi-Arabien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate produzieren etwa 7 Prozent der weltweiten Polymere, die in der Verpackungsindustrie, im Wasser- und Gasleitungsbau sowie in der Automobil- und Medizintechnik eingesetzt werden. Auf dem Weltmarkt ist dies ein kritischer Anteil: Wenn auch nur 5 bis 7 Prozent des Angebots zeitweise vom Markt verschwinden, können die Preise für Kunststoffe um 30 bis 50 Prozent steigen.

Da die Länder des Persischen Golfs ihre Ölproduktion reduziert haben und der Export von Erdölprodukten über Pipelines beeinträchtigt ist, dürfte sich die Knappheit an Polymerrohstoffen weiter verschärfen. Die Asien-Pazifik-Region wird aufgrund ihrer hohen Abhängigkeit von externen Lieferungen und langen Logistikwegen die Hauptlast der Verluste tragen. Das wird wiederum nicht nur zu höheren Preisen für Polymere, sondern natürlich auch zu höheren Preisen für die Endprodukte führen.

Halbleiter

Ein weiterer wichtiger Sektor, der von der Blockade von Hormus betroffen sein könnte, ist die Halbleiterindustrie.

Bisher stammten rund 98 Prozent aller Gaslieferungen nach Taiwan (dem weltweit führenden Halbleiterzentrum, das über 60 Prozent aller Chips weltweit produziert, darunter 90 Prozent der modernsten) aus Katar. Eine Unterbrechung dieser Lieferketten könnte zu einer Energieknappheit auf der Insel führen. Die Abhängigkeit von Energieimporten ist Taiwans bekannte Achillesferse. Das gilt insbesondere angesichts des Trends der letzten Jahre, Kohle- und Kernkraftwerke stillzulegen, die die Versorgungsengpässe teilweise ausgleichen könnten. Sollte Taiwan nicht schnell Lieferwege aus anderen Ländern aufbauen können, reichen seine Gasspeicher nur noch für etwa zwei Wochen.

Natürlich könnte ein Stromausfall in der Region Probleme bei der Stromversorgung von Chipfabriken verursachen. Das Hauptproblem sind dabei nicht einmal die steigenden Strompreise, sondern vielmehr die Zunahme fehlerhafter Produkte. Schließlich ist die Chipproduktion ein kontinuierlicher Zyklus von drei bis vier Monaten. Selbst geringfügige Stromausfälle können zum Verlust ganzer Produktionschargen und damit zu Verzögerungen bei Halbleiterlieferungen führen, wie es in diesem Sektor von 2020 bis 2022 der Fall war.

Düngemittel

Dieser Sektor verdient besondere Aufmerksamkeit, da die globale Ernährungssicherheit direkt von ihm abhängt. Die Situation im Nahen Osten, insbesondere die Blockade der Straße von Hormus, wirkt sich auf den Markt gleich aus verschiedenen Richtungen aus.

Die Düngemittelproduktion ist direkt von Gas abhängig, denn daraus wird Ammoniak gewonnen. Fast alle Stickstoffdünger für Pflanzen werden daraus hergestellt. Gas macht etwa 80 Prozent des Ammoniakpreises aus. Daher trifft jede Erhöhung der Kraftstoffpreise die Landwirte unmittelbar.

Die Beschränkungen für die Schifffahrt durch die Straße von Hormus behindern die Exporte von Flüssigerdgas (LNG) aus Ländern des Nahen Ostens, vor allem aus Katar. Katar produziert etwa 20 Prozent des weltweiten LNG. Diese Beschränkungen verschärfen die physische Verknappung von LNG und treiben so die Gaspreise in die Höhe. Das wirkt sich direkt auf die Kosten von Ammoniak und damit auch auf Düngemittel insgesamt aus.

Neben den direkt gestiegenen Produktionskosten wird auch eine physische Verknappung von Düngemitteln festgestellt. Fünf Länder am Persischen Golf – Iran, Katar, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain – decken rund 34 Prozent des weltweiten Handelsvolumens von Harnstoff ab, dem gängigsten Stickstoffdünger.

Auch alternative Düngemittel wie Phosphatdünger stehen vor logistischen Herausforderungen. Für ihre Herstellung wird Schwefelsäure benötigt, und Schwefel, ein Nebenprodukt der Erdölraffination, wird ebenfalls in erheblichen Mengen aus den Ländern am Persischen Golf exportiert, das sind etwa 40 Prozent des weltweiten Bedarfs.

Man muss erwähnen, dass Russland der weltweit größte Exporteur und nach China der zweitgrößte Düngemittelproduzent ist. Doch selbst Russland kann die Versorgungslücke nicht vollständig schließen. China könnte durch die Aufhebung der Exportbeschränkungen Abhilfe schaffen. Ein Mangel an LNG könnte jedoch zu einem Rückgang der chinesischen Produktion führen und die Ernährungssicherheit gefährden. Gleichzeitig sind die amerikanischen Produzenten überlastet. Die USA selbst importieren Düngemittel aus Russland. Marokko, ein wichtiger Phosphatlieferant, könnte seine Exporte zwar steigern, doch komplizierte Logistik und steigende Frachtkosten treiben die Preise in die Höhe.

Da die Blockade der Meerenge mit dem Beginn der aktiven Düngemittelausbringung auf der Nordhalbkugel zusammenfiel, dürfte die Marktknappheit anhalten.

Laut dem USGS (United States Geological Survey) ist Katar mit einem Anteil von 33 Prozent der zweitgrößte Heliumproduzent der Welt, nach den USA mit 42 Prozent. Helium fällt üblicherweise als Nebenprodukt der Erdgasverarbeitung an, wird aber nicht gewonnen, wenn sein Anteil unter 0,1 Prozent liegt. Im Fall Katars führt die großflächige Verflüssigung von Erdgas zur LNG-Produktion jedoch zur Bildung eines Gemisches mit anderen Gasen (außer Methan). In diesem Gemisch ist die Heliumkonzentration deutlich höher, wodurch die Gewinnung rentabler wird.

Die Stilllegung der Verflüssigungsanlagen in Katar hat daher direkte Auswirkungen auf die Heliumproduktion und führt zu einem Defizit von 30 Prozent des weltweiten Verbrauchs. Andere große Produzenten, die USA und Russland, können die Produktion schnell steigern und die Produktionsausfälle ausgleichen.

Selbst nach der Wiedereröffnung der Straße von Hormus wird es mehrere Monate dauern, bis das vorherige Exportniveau wieder erreicht ist. Die Produktion muss in der gesamten Region um fast 50 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau gesteigert werden (unter Berücksichtigung des Rückgangs gegenüber Februar). Auch die Infrastruktur zur Gasverflüssigung benötigt Zeit zum Trocknen, Kühlen und Beladen der Anlagen. Zudem dürften die Exporte aufgrund großer Staus in den Häfen und eines Mangels an Schiffen zum Rohölexport beeinträchtigt werden.

Daher ist eine schnelle Deckung der aktuellen Defizite praktisch unmöglich, sodass in den kommenden Monaten mit anhaltend hohen Preisen in diesen Bereichen zu rechnen ist.

Ende der Übersetzung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.


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