Welche Folgen wird der Ärger der USA über die Kriegsverweigerung der Europäer haben?

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In der TASS ist eine interessante Analyse über den Konflikt zwischen den USA und den Europäern erschienen, die ich als B...

anti-spiegel.ru📅 03.04.2026
USA vs. Europa

Welche Folgen wird der Ärger der USA über die Kriegsverweigerung der Europäer haben?

Inzwischen kann auch im deutschen Mainstream lesen, dass die Absage der Europäer, den USA in ihrem Krieg gegen den Iran zu helfen, die Existenz der NATO und der transatlantischen Verbindungen bedroht.

In der TASS ist eine interessante Analyse über den Konflikt zwischen den USA und den Europäern erschienen, die ich als Beitrag zu den Diskussionen über die Zukunft der transatlantischen Beziehungen übersetzt habe, um zu zeigen, wie russische Analysten die Lage betrachten.

Beginn der Übersetzung:

Die Geopolitik des Verärgerung: Werden die USA die Europäer für ihre Kriegsverweigerung im Iran bestrafen?

Igor Gaschkow darüber, wie die NATO-Staaten im Nahen Osten klären, wer wem was und wie viel schuldet.

Am 28. Februar 2026, dem ersten Tag der amerikanischen-israelischen Operation im Iran, befand sich der italienische Verteidigungsminister Guido Crosetto im Urlaub in Dubai. Als die Raketen der Islamischen Republik auf die Stadt niedergingen, war Crosetto, der keine Vorwarnung erhalten hatte, eingeschlossen. Die Reaktion des Ministers: „Stellen Sie sich vor, Sie sind in einem fernen Land, wenn ein Krieg ausbricht, und Sie sind dort mit Ihren Kindern, und jemand sagt Ihnen: ‚Herr Minister, ein Flugzeug kommt, um Sie abzuholen‘, und Sie blicken Ihre Kinder an und schwanken zwischen Ihrer Rolle als Ehemann und Minister. (…) Ich war dort, weil meine Kinder dort waren. Ich habe diese Entscheidung getroffen. Vielleicht hätte ich meine Kinder dort lassen und nach Italien zurückkehren sollen, aber ich bin geblieben.“

Am 31. März wurde bekannt, dass diese Geschichte eine Fortsetzung hatte. Crosettos Entscheidung verweigerte einem amerikanischen Bomber die Betankung auf einem Stützpunkt im Mittelmeer. Offiziell geschah dies aus formalen Gründen: Die USA hatten den Flug erst nach dem Start der Maschine angemeldet. Es ist auch eine andere Interpretation möglich: Crosetto wollte nicht wieder vor vollendete Tatsachen gestellt werden.

Dieses Spiel kann man zu zweit spielen

Nach Donald Trumps Wahl zum US-Präsidenten im Jahr 2024 galt die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni (ursprünglich eine radikale Rechtskonservative) als die geeignetste Gesprächspartnerin in Europa für die neue US-Regierung. Anders als Emmanuel Macron und Olaf Scholz erhielt Meloni eine Einladung zur Amtseinführung des US-Präsidenten im Jahr 2025.

14 Monate später haben die Beziehungen zwischen den beiden Ländern ihren Tiefpunkt erreicht. Laut der Daily Mail gab das italienische Verteidigungsministerium Ende März bekannt, dass US-Kampfflugzeuge künftig nur noch „nach Erklärung des Verwendungszwecks und mit Zustimmung der italienischen Regierung“ auf italienischen Stützpunkten landen dürfen.

Diese symbolische Kehrtwende über dem Apennin bedeutet zwar kein Einfrieren der Beziehungen zwischen Italien und den USA, aber sie zeugt von einer gewissen Distanz. In der Diplomatie spricht man von einem veränderten Tonfall. Im März hatte Donald Trump die europäischen Länder aufgefordert, die Straße von Hormus selbst zu öffnen, um das eingeschlossene Öl zu holen. Im April war klar, dass Italien sich nicht an dieser Aktion beteiligen würde, obwohl es von 2001 bis 2021 an der Seite der USA gegen die Taliban gekämpft hatte und der ehemalige Ministerpräsident Silvio Berlusconi, ein Weggefährte Melonis, 2003 den Einmarsch der USA in den Irak öffentlich befürwortete.

Das Signal, das die Italiener diesmal an Washington senden, kann man als Distanzierung interpretieren. Rein formal sind noch immer 12.000 amerikanische Soldaten auf der italienischen Halbinsel stationiert. Die USA unterhalten dort eigene Stützpunkte und sind daher nicht vollständig von Rom abhängig. Eine so umfassende Zusammenarbeit innerhalb kurzer Zeit zurückzufahren, ist unmöglich. Dennoch zieht es die Ewige Stadt vor, den Vorfall mit dem Militärflugzeug nicht zu verschweigen, sondern ihn öffentlich zu thematisieren. Das deutet darauf hin, dass die Beziehungen zwischen der konservativen amerikanischen Regierung und der rechtsextremen italienischen Regierung, die ein Jahr gleichgesinnte Verbündete waren, nicht mehr so ​​reibungslos verlaufen wie zuvor.

Die Lage in Madrid

Im benachbarten Spanien ähnelt die Situation der in Italien. Das US-Kontingent in den Pyrenäen umfasst rund 4.000 Soldaten. Es kontrolliert die Stützpunkte Rota und Morón sowie einen großen und stetig wachsenden Waffenmarkt. Allein in den letzten fünf Jahren haben sich Madrids Waffenkäufe bei amerikanischen Herstellern verdoppelt: Unter dem Einfluss geänderter NATO-Regeln erhöht Spanien seine Verteidigungsausgaben.

Das hat Ministerpräsident Pedro Sánchez jedoch nicht davon abgehalten, die US-Kampagne im Iran zu kritisieren: „Die spanische Regierung erklärt: ‚Nein zum Krieg!‘ Wir werden uns nicht aus Angst vor den Konsequenzen an Aktionen mitschuldig machen, die den Frieden bedrohen und unseren Werten widersprechen.“

In Madrid ging man, wie in Rom, von Worten zu Taten über. Seit dem 30. März ist der spanische Luftraum für US-Kampfflugzeuge gesperrt. Logistisch sind die Auswirkungen allerdings nicht groß: Zum Tanken an der spanischen Küste mussten hauptsächlich Flugzeuge, die von Stützpunkten in Großbritannien starteten. Dennoch kam es zu einer Unannehmlichkeit: Die Amerikaner nahmen die spanische Warnung ernst und zogen ihre Bomber aus den Pyrenäen ab.

Wie Italien sind auch Spanien und die USA in einer rhetorischen Gegnerschaft. Die Amerikaner drohen mit einem vollständigen Abbruch der Handelsbeziehungen zu Spanien, was technisch kaum möglich ist, denn das würde eine Ausweitung des Embargos auf die gesamte EU erfordern. Spanien antwortet selbstsicher, dem Druck nicht nachzugeben. Die Regierung Sánchez hat die schärfsten Angriffe auf das Weiße Haus gestartet, die die Europäer bisher gewagt haben. Trotzdem ist nicht die Rede davon, die Aktivitäten des amerikanischen Militärs im Königreich zu reduzieren.

Eine Taktik der kleinen Stiche

Am 31. März wurde bekannt, dass zwei weitere EU-Länder offenbar ebenfalls „Nein“ zu Amerika und Israel gesagt hatten (wenn auch aus jeweils eigenen Gründen). Polen, ein traditioneller Verbündeter der USA, besitzt zwei Patriot-Luftverteidigungssysteme. Laut polnischen Medienberichten bat die Trump-Regierung um die Ausleihe eines dieser Systeme für den Einsatz im Nahen Osten geebnet. Ob der Antrag tatsächlich gestellt wurde, ist nicht bekannt. Der polnische Verteidigungsminister sah sich jedoch veranlasst, in sozialen Medien zu antworten: „Unsere Patriot-Batterien sind zum Schutz des polnischen Luftraums und der NATO-Ostflanke vorgesehen. Daran wird sich nichts ändern. Und wir haben keinerlei Pläne, sie irgendwohin zu verlegen!“

Eine weitere Ablehnung wurde aus Trumps Reaktion auf Frankreichs Vorgehen bekannt, über die Frankreich selbst nicht berichtete. Am 30. März verkündete der amerikanische Präsident, sein Verbündeter im Nahen Osten habe Schaden erlitten: „Frankreich hat Flugzeuge mit Militärgütern für Israel am Überflug seines Territoriums gehindert.“ Der Beitrag war emotional aufgeladen. Trump nannte Emmanuel Macrons Vorgehen äußerst „unnütz“ und versprach, es sich zu merken.

Trump wird auch über diesen Vorfall hinaus Grund haben, Groll gegen die Franzosen zu hegen. Seit Beginn der Iran-Kampagne hat sich Macron nach anfänglichem Zögern den Kritikern angeschlossen, da er darin einen „Bruch des Völkerrechts“ sieht. Frankreich hat zudem die ihm angebotene Rolle abgelehnt: Es weigert sich, die USA bei der Öffnung der Straße von Hormus zu unterstützen, solange die Kampfhandlungen andauern.

Das ist sicherlich nicht im Interesse Trumps: Amerikanische Verbraucher leiden unter hohen Benzinpreisen und erwarten angesichts der bevorstehenden Kongresswahlen, dass das Weiße Haus – entweder eigenständig oder mit Unterstützung anderer – den Benzinpreis senkt. Der Einsatz der französischen Marine zu diesem Zweck wäre verlockend gewesen, doch die republikanische US-Regierung konnte das Manöver nicht durchsetzen.

USA und Europa: Was nun?

Angesichts der aktuellen Entwicklungen stellt sich eine Frage: Wie bedeutend ist die „Revolte der Europäer“ insgesamt? Die USA unterhalten 2026 40 Stützpunkte in Europa mit rund 70.000 Soldaten. Das ist eine äußerst umfangreiche Infrastruktur. Durchgesickerte Informationen deuten darauf hin, dass diese Infrastruktur direkt in den Konflikt involviert ist. Das Wall Street Journal lieferte die umfassendsten Informationen dazu: Laut seinen Angaben haben Deutschland, Portugal, Frankreich, Italien und Griechenland in den letzten Wochen amerikanischen Kampfflugzeugen die Verlegung, Betankung und Bewaffnung von ihren Stützpunkten aus gestattet, ganz zu schweigen von der Unterstützung beim Betrieb von Drohnen.

Das ist kein großes Geheimnis: Portugal beispielsweise hat seine logistische Beteiligung am Krieg offen eingeräumt.

Deutschland hat solche Eingeständnisse vermieden, doch Donald Trump hat es verraten: Im März lobte er Deutschland bei einem Treffen mit Bundeskanzler Merz für seine militärische Kooperation. Verteidigungsminister Boris Pistorius gab später bekannt, dass es gegen die Nutzung des deutschen Luftwaffenstützpunkts Ramstein zur Steuerung von Drohnen gegen den Iran rechtlich keine Beanstandung gebe. Ein entsprechendes Urteil hat das deutsche Bundesverfassungsgerichts bereits 2025 gefällt (allerdings für den Fall eines Konflikts mit den Huthis im Jemen). Nichts hindert Deutschland daran, dem US-Militär die Munition „zu reichen“ – und Washington scheint damit durchaus zufrieden zu sein.

Sind die Akte des europäischen Widerstands vor diesem Hintergrund lediglich isolierte Vorfälle, medienwirksamer als Realitäten der internationalen Politik? Jein. Einerseits ist der Schaden, der den USA durch den europäischen Widerstand zugefügt wird, als symbolisch zu bezeichnen. Er kann als maximal abgeschwächter Angriff von Juniorpartnern gesehen werden, die – direkt durch die USA verursacht – gezwungen sind, deutlich zu viel für Öl und Gas zu bezahlen und daher nach einer Möglichkeit suchen, ihren Unmut auszudrücken. Andererseits ist es wichtig, dass sich die Spannungen von diplomatischen auf militärische Themen verlagert haben, anders als beispielsweise im Irakkrieg 2003.

Italien und Spanien machen den USA unmissverständlich klar, dass der Zugang der USA zu ihren Territorien nicht mehr garantiert ist und schaffen damit einen beispiellosen Präzedenzfall. Das untergräbt die Logik des Existenz der NATO, da das Weiße Haus die Organisation primär dazu nutzt, die Gebiete ihrer Verbündeten notfalls als Rückzugsgebiet einzusetzen. Wenn das nicht mehr gewährleistet ist, verliert vieles seinen Sinn – allem voran die amerikanischen Ausgaben für die Verteidigung der Alten Welt gegen äußere Bedrohungen.

Sieben Jahre sind vergangen, seit der französische Präsident Emmanuel Macron 2019 die Welt mit seinen Worten über den „Hirntod der NATO“ schockierte. Diese Worte richteten sich an die Türkei, die an der syrischen Grenze militärisch gegen die Kurden vorgegangen war und das Bündnis ignoriert hatte. Paris warnte, dass es im Falle eines größeren Krieges im Nahen Osten das Recht habe, Ankara nicht zu Hilfe zu kommen. Die französisch-türkischen Spannungen hätten damals beinahe zu Blutvergießen geführt, insbesondere auf See, wo die Marine der Fünften Republik versuchte, die türkischen geologischen Erkundungen in den Hoheitsgewässern Zyperns zu behindern.

Jahre später erscheint die Krise innerhalb der NATO deutlich gravierender, da die USA die Rolle des Unruhestifters übernommen haben. Ein Bruch mit den USA wäre für das Bündnis fatal, da die Amerikaner mindestens 60 Prozent des gesamten NATO-Budgets tragen. Im Bewusstsein dieser Machtverteilung halten die Europäer ihre Angriffe subtil. Donald Trump hingegen konnte die von ihm benötigte Unterstützung aus Europa nicht gewinnen. Welche Form sein Zorn annehmen wird, wird die Zeit zeigen.

Ende der Übersetzung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.


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