Was die Verstärkung von US- und NATO-Truppen in Rumänien bedeutet
Schon der Aufbau der US-Raketenabwehr in Polen und Rumänien wurde vor fast 20 Jahren damit begründet, das sei zur Abwehr iranischer Raketen nötig, obwohl schon damals klar war, dass das gegen Russland gerichtet war. Und zwar zu einer Zeit, als Russland im Westen noch als Partner und regelrechter Freund bezeichnet wurde.
Nun entsteht in Rumänien der größte NATO-Stützpunkt und dort werden immer mehr Truppen und Angriffswaffen stationiert. Und wieder ist der Vorwand der Iran.
Ein russischer Experte hat für die TASS darüber einen Artikel geschrieben, den ich übersetzt habe.
Beginn der Übersetzung:
Ein formaler Vorwand? Wer sollte auf die Verstärkung der US-Truppen in Rumänien reagieren?
Boris Rozhin darüber, wie die NATO ihre Ostflanke stärkt und welche Rolle Iran und Russland dabei spielen.
Nach dem Beginn der amerikanisch-israelischen Operation gegen den Iran und dem Scheitern der Pläne für einen Blitzkrieg zum Sturz der iranischen Regierung sah sich Washington mit der dringenden Notwendigkeit konfrontiert, einen neuen Plan für einen Krieg zu entwickeln, der sich über Monate hinziehen könnte. Unter den verschiedenen vorgeschlagenen Anpassungen war die Entscheidung, zusätzliche US-Streitkräfte nach Rumänien zu verlegen, ein bemerkenswertes Ereignis. Der formale Vorwand hierfür lautet: „Unterstützung von Operationen gegen den Iran“. Warum ist das für Russland besonders wichtig?
Nicht das erste Signal
Diese Aktionen haben eine gewisse Vorgeschichte. Schon während der faktischen Auflösung der ABM-Verträge und der Stationierung von US-Systemen in Rumänien erklärte Washington wiederholt, dies geschehe speziell, um „iranische ballistische Raketen abzuwehren, die Europa und die NATO bedrohen“. Moskau argumentierte seinerseits, das sei ein verlogener Vorwand, die Stationierung des Raketenabwehrsystems in Rumänien sei Teil des strategischen Drucks der USA und der NATO auf Russland und der Osterweiterung der Streitkräfte des Bündnisses. Unter George W. Bush wurde mit dem Abkommen über den Zugang zu Militäreinrichtungen in Rumänien der Grundstein gelegt, und unter Barack Obama wurden im Rahmen des Programms „European Phased Adaptive Approach“ (EPAA) Raketenabwehrsysteme in Deveselu installiert.
Der Bau des Raketenabwehrstützpunkts begann 2013 und wurde im Dezember 2015 abgeschlossen. Dort wurden das Aegis-Ashore-System stationiert, und das Raketenabwehrsystem THAAD (Terminal High Altitude Area Defense), das unter anderem auch eine gewisse Bedrohung für russische Raketen darstellt, wurde im Rotationsverfahren eingesetzt. Diese Schritte wurden von der militärpolitischen Führung Russlands und der Expertengemeinschaft zunächst als Teil einer Strategie Washingtons betrachtet, die darauf abzielte, die Parität bei Atomraketen zu untergraben und im Bereich strategischer Waffen eine strategische Überlegenheit der USA gegenüber Russland zu erlangen.
Nach Beginn des Stellvertreterkriegs des Westens gegen Russland in der Ukraine wurde der Stützpunkt zunehmend als wichtiges Instrument zur „Eindämmung Moskaus“ positioniert. Die offizielle Begründung der „Abwehr iranischer Raketen“ wurde faktisch aufgegeben.
Was die Truppenstärke betrifft, so tauchten in der zweiten Hälfte der 2010er-Jahre regelmäßig größere Kontingente der US-Armee (darunter schwere Panzerfahrzeuge und verschiedene Raketensysteme) in Rumänien auf. Das geschah im Rahmen diverser multinationaler NATO-Übungen, denen jedoch meist sofort eine anti-russische Legende gegeben wurde. Außerdem sind US-Kampfjets und US-Bomber, darunter auch strategische Bomber, immer häufiger nach Rumänien geflogen.
Anwachsend
Nach 2022 wurde Bukarest eng in das System der Unterstützung der Ukraine in dem Konflikt eingebunden. Konkret diente das Land als Logistikdrehscheibe für den Umschlag militärischer Güter über die Donau und entlang der rumänischen Schwarzmeerküste für das Kiewer Regime. Über Rumänien wurden Operationen der ukrainischen Streitkräfte beim Kampf um die Schlangeninsel sowie Angriffe auf Schiffe der Schwarzmeerflotte unterstützt.
Es wird nicht verheimlicht, dass das Ziel der vielen Operationen – insbesondere über Rumänien – darin besteht, die Kontrolle Kiews über den verbleibenden Teil der Schwarzmeerküste zu sichern.
Darüber hinaus begann 2022 eine großangelegte Stationierung von US-amerikanischen und NATO-Bodentruppen in Rumänien. Bis zu 4.000 Soldaten und Offiziere der Eliteeinheit 101. Luftlandedivision, Einheiten der 82. Luftlandedivision und des 2. Kavallerieregiments wurden dort stationiert. Darüber hinaus sind verschiedene Unterstützungseinheiten, Nachrichtendienste, Luftraumüberwachungssysteme und weitere Ressourcen im Land stationiert. Der rumänische Luftraum wird regelmäßig von US-amerikanischen und NATO-Aufklärungsflugzeugen (B-52, B-1B Lancer), F-35-Kampfjets und unbemannten Aufklärungsdrohnen genutzt.
Allein im Jahr 2025 fanden auf rumänischem Boden mehrere Militärübungen statt: Steadfast Dart (ca. 10.000 Soldaten), Sea Shield (über 2.500), Dacian Fall (über 5.000) und Saber Guardian (ca. 6.000).
Seit Herbst wird Rumänien von den USA und der NATO aktiv für die anti-russischen Übungen „Eastern Sentinel“ genutzt. Am 14. September 2025 beschuldigte Bukarest Moskau ohne Beweise eines „Fluges einer russische Drohne über polnischem Territorium“ und nutzte das als Rechtfertigung für die aktive Teilnahme von NATO-Truppen an Übungen auf rumänischem Boden, die der „Abschreckung Russlands“ dienen sollten.
Eine entscheidende Rolle spielt heute der Militärstützpunkt Mihail Kogălniceanu. Laut den verkündeten Plänen für seine Erweiterung und Modernisierung soll er zum größten US-amerikanischen und NATO-Stützpunkt an der Ostflanke des Bündnisses werden. Er liegt 26 Kilometer nordwestlich von Constanta, dem größten Seehafen des Landes, und ist geografisch g+nstig gelegen. Die dort stationierten Flugzeuge haben eine Einsatzreichweite über weite Teile der Schwarzmeerregion, einschließlich ukrainischer und russischer Gebiete. Der Stützpunkt wird seit 1999 von den USA und der NATO genutzt und spielte 2003 eine wichtige logistische Rolle bei der Unterstützung des Irakkriegs. Von 2010 bis 2018 war dort ein rotierendes Kontingent von bis zu 500 US-Soldaten und Offizieren stationiert. Seit Februar 2017 ist ein Bataillon einer Panzerbrigade im neunmonatigen Rotationsrhythmus auf dem Stützpunkt stationiert. Zusätzlich waren in diesem Zeitraum Hubschrauber der 1. Kampfhubschrauberbrigade der 1. Infanteriedivision dort stationiert. Diese Präsenz und Rotationszyklen entsprechen zwar dem üblichen Standard, doch allein ihre Anwesenheit in diesem Gebiet ruft zwangsläufig Reaktionen hervor. Das gilt insbesondere angesichts des systematischen Wachstums des amerikanischen Militärkontingents auf dem Stützpunkt seit Beginn der Militäroperation
Neben den amerikanischen Streitkräften sind auf dem Stützpunkt Mihail Kogălniceanu auch quasi-militärische Vertreter Großbritanniens, Deutschlands, Italiens und mehrerer anderer NATO-Mitgliedstaaten stationiert. Während die Zahl der NATO-Kontingente auf dem Stützpunkt bis 2024 auf 4.000 bis 5.000 geschätzt wurde, soll die Gesamtzahl des Militär- und Unterstützungspersonals laut strategischen Plänen bis 2040 auf 25.000 bis 30.000 ansteigen. Das bedeutet eine grundlegende und drastische Erweiterung des Stützpunktgeländes, einschließlich des Baus zusätzlicher Start- und Landebahnen, der Infrastruktur für Stationierung und Lagerung, Kasernen, neuer Zufahrtsstraßen, Brücken usw. Mihail Kogălniceanu wird voraussichtlich 1,5- bis 2-mal größer sein als die größten US-Stützpunkte in Deutschland. Die Gesamtinvestitionen in das Projekt werden 4,5 Milliarden US-Dollar übersteigen.
Meiner Ansicht nach zeigen diese Summen und der Planungshorizont deutlich, dass die USA beabsichtigen, sich langfristig in der Schwarzmeerregion zu etablieren.
Die Notwendigkeit von Truppenverlegungen
Dabei soll laut jüngsten Meldungen ein zusätzliches Kontingent von 500 Soldaten, Offizieren und Spezialisten auf dem Luftwaffenstützpunkt Mihail Kogălniceanu für Operationen gegen den Iran stationiert werden. Angesichts der Zerstörung mehrerer amerikanischer Luftwaffenstützpunkte im Nahen Osten durch Teheran sowie des britischen Luftwaffenstützpunkts Akrotiri auf Zypern (der von Hisbollah-Drohnen aus dem Libanon angegriffen wurde), wird davon ausgegangen, dass der rumänische Stützpunkt für die Stationierung von Boeing KC-135 Stratotanker-Tankflugzeugen genutzt werden soll. Diese Tankflugzeuge spielen eine entscheidende Rolle bei der Unterstützung von Luftangriffen gegen den Iran. Von Rumänien aus können sie amerikanische Flugzeuge, die aus syrischem und irakischem Luftraum angreifen, in der Luft betanken. Bislang haben die USA ein solches Tankflugzeug im Westirak verloren, und sechs weitere wurden im Irak und in Saudi-Arabien (bei iranischen Angriffen auf den Militärstützpunkt Prinz Sultan) beschädigt.
Ein wichtiger Faktor für Rumäniens offizielle Genehmigung, den Luftwaffenstützpunkt Mihail Kogălniceanu gegen den Iran zu nutzen, ist Teherans Erklärung, dass jeder US-Stützpunkt weltweit ein legitimes Ziel wäre, sollte der Iran von dort aus angegriffen werden. Damit macht die rumänische Führung ihr Territorium zu einem Angriffsziel.
Der Iran verfügt über ballistische und Hyperschallraketen, die Rumänien durchaus erreichen können, wenn sie nach Nordwesten über Armenien und Georgien abgefeuert werden, deren Raketenabwehrkapazitäten äußerst begrenzt sind und die Raketen nicht abfangen könnten. Zu diesen Raketen gehören die Shahab-3, Sumar und Sajil-2 mit einer Reichweite von über 2.000 Kilometern. Sie können Ziele in ganz Rumänien treffen, darunter den Luftwaffenstützpunkt Mihail Kogălniceanu und den Raketenabwehrstützpunkt Deveselu. Im Grunde geht die Bedrohung für Rumänien nicht vom Iran selbst aus, sondern vom Handeln der USA und der rumänischen Regierung. Ein iranischer Angriff auf Rumänien ist zwar nicht zwangsläufig, die Wahrscheinlichkeit dafür steigt jedoch.
Dabei stelle ich fest, dass ein solches Szenario, in dem Bukarest in den Krieg hineingezogen wird, ohne die Manipulation der Präsidentschaftswahlen in Rumänien kaum möglich gewesen wäre. Zur Erinnerung: Călin Georgescu wurde im Dezember 2024 von den Wahlen ausgeschlossen. Er vertrat dezidiert souveräne Positionen, kritisierte die Stationierung des Raketenabwehrstützpunkts in Deveselu als „Versagen der Diplomatie“ und stellte die Sinnhaftigkeit der rumänischen NATO-Mitgliedschaft in ihrer jetzigen Form infrage. Seine Ansichten gefährdeten somit eindeutig die Pläne, Rumänien als anti-russisches Sprungbrett zu nutzen.
Die USA haben das Verhalten Brüssels, das sich fortwährend und offen in die Wahlen von EU- und NATO-Mitgliedstaaten einmischt, öffentlich verurteilt. Dennoch hat Washington nicht gezögert, die Führung – die faktisch von Brüssel eingesetzt wird und bereit ist, das Staatsgebiet weiterhin zur „Eindämmung Russlands“ zur Verfügung zu stellen – auszunutzen, um Rumänien in das Abenteuer im Nahen Osten hineinzuziehen.
Moskau schläft nicht
Hier ist es wichtig zu verstehen, dass die Bedrohung, die von den USA und der NATO für Russland ausgeht (trotz aller Rhetorik und Bemühungen um eine friedliche Lösung im Ukraine-Konflikt), unter der aktuellen US-Regierung nicht abgenommen hat (auch nicht aus Rumänien). Es gibt weiterhin Berichte über Pläne, NATO-Truppen in die Ukraine zu entsenden, auch aus Rumänien, um die Kontrolle über Odessa und die Region Odessa zu erlangen. Die Probleme sind nicht nur nicht verschwunden, sondern haben sich zu einer direkten Eskalationsdrohung entlang der Transnistrisch-Moldawischen Republik entwickelt. Auch die Pläne zur Annexion Moldawiens und dessen Eingliederung in Rumänien spielen eine Rolle.
In diesem Zusammenhang stellt die anhaltende Präsenz großer US-amerikanischer und NATO-Kontingente in Rumänien, ausgestattet mit Luft- und Raketenabwehrsystemen sowie einer Vielzahl verschiedener Angriffsplattformen, eine systemische Bedrohung für Russland dar. Daher kann und sollte jede Stärkung der militärischen Kapazitäten in Rumänien als potenzielle Zunahme der Bedrohung für Russland interpretiert werden, welche vorgeschobenen Gründe auch immer genannt werden.
Russlands militärpolitische Führung hat Brüssel, Washington und Bukarest wiederholt aufgefordert, die militärischen Drohungen einzustellen und stattdessen ein neues, geeintes und unteilbares europäisches Sicherheitssystem zu schaffen. Dies umfasst insbesondere verschiedene vertragliche Beschränkungen, die die Wahrscheinlichkeit von Konflikten, auch im Schwarzmeerraum, verringern würden.
All diese Vorschläge haben der Westen und die rumänische Regierung jedoch konsequent abgelehnt, was den bewussten Kurs zur Eskalation nur bestätigt. Russland reagiert mit einer Reihe militärtechnischer Maßnahmen und baut seine Angriffskapazitäten im Schwarzmeerraum weiter aus. Die russischen Streitkräfte verfügen dort über ein breites Spektrum an Marschflugkörpern, ballistischen Raketen und Hyperschallraketen (die sich im Übrigen in der Militäroperation in der Ukraine, auch gegen westliche Luftverteidigungssysteme, die mit den in Rumänien stationierten identisch sind, hervorragend bewährt haben). Die Raketensysteme Iskander-M, Zirkon, Kinzhal und Onyx stellen die größte Bedrohung für den Gegner dar. Darüber hinaus werden unbemannte Systeme, die NATO-Ziele in Rumänien von der Krim oder dem Kaukasus aus angreifen können, weiterentwickelt. Außerdem wird aktiv an der Entwicklung unbemannter Boote für Operationen in feindlichen Küstengebieten gearbeitet.
Rumänien ist im Grunde kein souveräner Staat, der zu unabhängigen Entscheidungen fähig ist, und Washington und Brüssel gehen bei der Nutzung seines Territoriums gegen Russland sehr überlegt vor. Die Tatsache, dass es immer noch gegen den Iran eingesetzt werden könnte, bestätigt nur den „Wert“ der rumänischen Militarisierung in den Augen derjenigen, die sich für die „regelbasierte Ordnung“ einsetzen.
Wie der Krieg gegen den Iran jedoch zeigt, kann der Rausch des Erfolgs sowohl für die Urheber der Aggression als auch für jene Länder, die ihre Souveränität an fremde Kontrolle abgetreten haben, verheerende Folgen haben.
Ende der Übersetzung
Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.
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