Was der Spiegel alles über die Einberufung des russischen Botschafters verschweigt
Es ist schockierend, wie konsequent deutsche Medien wie der Spiegel die Kriegsgefahr verschweigen, die die EU und ihre Mitgliedsstaaten provozieren, denn dabei spielt die Bundesregierung inzwischen eine führende Rolle. Schauen wir uns am Beispiel des Spiegel an, was der deutschen Öffentlichkeit alles verschwiegen wird.
Propaganda durch Verschweigen
Der Spiegel berichtet unter der Überschrift „Konflikt mit Moskau – Auswärtiges Amt bestellt russischen Botschafter ein“ und in der Einleitung des Artikels erfährt der Spiegel-Leser:
„Wegen »Drohungen gegen Ziele in Deutschland« muss der russische Botschafter zum Rapport. Nach SPIEGEL-Informationen ist eine vor wenigen Tagen in Moskau veröffentlichte Liste der Grund für die Einbestellung.“
Leser des Anti-Spiegel wissen, worum es dabei tatsächlich geht, denn ich habe letzte Woche über die Erklärung des russischen Verteidigungsministeriums berichtet, die Details dazu finden Sie hier. Bei seinem Berlinbesuch haben der ukrainische Machthaber Selensky und Kanzler Merz letzte Woche eine strategische Zusammenarbeit verkündet, in der unter anderem die Produktion ukrainischer Drohnen für Langstreckenangriffe auf Russland durch ukrainische Firmen an Standorten in Deutschland beschlossen wurde.
Das ist völkerrechtlich eine eindeutige Kriegsbeteiligung Deutschlands, weil Deutschland sich damit als sicheres Hinterland für die Produktion ukrainischer Waffen zur Verfügung stellt. Es ist völkerrechtlich nämlich das Eine, dass Deutschland der Ukraine Waffen liefert, aber es ist etwas ganz anderes, ukrainischen Rüstungsunternehmen Schutz zu bieten, indem man ihnen Produktionsstandorte in Deutschland zur Verfügung stellt.
Darauf hat das russische Verteidigungsministerium in seiner Erklärung in aller Deutlichkeit hingewiesen und auch 21 Standorte im Ausland genannt, an denen ukrainische Rüstungsunternehmen Waffen für Angriffe auf Russland produzieren. Die meisten dieser Standorte liegen in der EU, drei davon in Deutschland.
Danach haben russische Offizielle die Erklärung des russischen Verteidigungsministeriums unterstützt. Sowohl Dmitri Medwedew, der stellvertretende Chef des russischen Nationalen Sicherheitsrates, als auch dessen Chef Sergej Schoigu haben darauf hingewiesen, dass das in der UN-Charta verbriefte Recht auf Selbstverteidigung Angriffe auf Staaten einschließt, die sich am Krieg gegen Russland beteiligen, indem sie ukrainischen Firmen Produktionsstandorte zur Verfügung stellen, die sicher vor russischen Angriffen sind, oder indem sie der Ukraine erlauben, ihren Luftraum für Angriffe mit Langstreckendrohnen auf Ziele in Russland zu nutzen, was Polen, die drei Baltenstaaten und Finnland tun.
Von all dem wissen die Leser des Spiegel oder anderer deutscher Medien nichts, weil diese ihren Lesern nicht erklären, dass diese Dinge eine offene Kriegsbeteiligung darstellen. Auch das habe ich letzte Woche in diesem Zusammenhang bereits thematisiert, denn deutsche Medien haben über die russische Warnung praktisch nicht berichtet. Im Spiegel beispielsweise fanden sich darüber keinerlei Informationen, er hat seinen Lesern das komplett verschwiegen.
Die deutsche Öffentlichkeit wird nicht darüber informiert, mit welchem Feuer die Bundesregierung und die EU spielen. Das sehen wir nun wieder bei der Einberufung des russischen Botschafters und den deutschen Medienberichten darüber.
Um zu verstehen, wie diese Propaganda durch Verschweigen funktioniert, gehen wir den Spiegel-Artikel nun komplett durch.
Die Öffentlichkeit unwissend halten
Der erste Absatz des Spiegel-Artikels lautet:
„Das Auswärtige Amt hat den russischen Botschafter in Berlin, Sergej J. Netschajew, unter Verweis auf »direkte Drohungen Russlands gegen Ziele in Deutschland« einbestellt. Diese seien »ein Versuch, unsere Unterstützung für die Ukraine zu schwächen und unsere Geschlossenheit zu testen«, erklärte das Außenamt in sozialen Medien. Deutschland lasse sich aber »nicht einschüchtern«, hieß es. Derartige Drohungen »und alle Arten von Spionageaktivitäten in Deutschland« seien »vollkommen inakzeptabel«.“
Jeder kann nachempfinden, dass die deutsche Regierung „direkte Drohungen Russlands gegen Ziele in Deutschland“ als „vollkommen inakzeptabel“ empfindet. Und für den Spiegel-Leser, dem Russland seit Jahren als Ausgeburt des Bösen präsentiert wird, ist das damit eine weitere Untat Russlands, weil er die Vorgeschichte nicht kennt und gar nicht weiß, worum es in der russischen „Drohung“ überhaupt geht und was die Gründe dafür sind.
Aber es stellt sich eine Frage: Deutschland reagiert entrüstet auf die „russischen Drohungen“, aber warum soll Russland es schulterzuckend hinnehmen, wenn die Bundesregierung die Ukraine Waffen in Deutschland produzieren lässt, die dann Ziele in Russland angreifen? Von Deutschland gehen damit nicht bloß Drohungen in Richtung Russland aus, sondern durch das, was die deutsche Regierung tut, sterben in Russland Menschen.
Man kann ja der Meinung sein, dass Deutschland die Ukraine unterstützen soll und diese Maßnahme gut finden. Nur muss man dann eben akzeptieren, dass man damit Kriegspartei ist und dass Russland das Recht hat, die entsprechenden Ziele anzugreifen.
Würde der Spiegel seine Leser auf dieses Detail hinweisen, wären seine Leser wohl kaum begeistert von dem, was Deutschland und die EU tun, denn auch Spiegel-Leser wollen keine Kriegspartei im Krieg gegen Russland sein. Also verschweigt der Spiegel ihnen, was das bedeutet. Die Öffentlichkeit soll das nicht erfahren.
„Nach SPIEGEL-Informationen…“
Der zweite Absatz des Spiegel-Artikels ist fast schon lustig:
„Den Grund für die Einbestellung konkretisierte das Auswärtige Amt in seinem offiziellen Statement nicht. Nach SPIEGEL-Informationen hat der Schritt mit einer Erklärung des russischen Verteidigungsministeriums von vergangener Woche zu tun: Das Ministerium drohte darin, Unternehmen in Europa ins Visier zu nehmen, die Verbindungen zur Ukraine haben.“
Es ist amüsant, wie der Spiegel versucht, sich wichtig zu machen, indem er auf „SPIEGEL-Informationen“ verweist. Hätte der Spiegel seinen Lesern letzte Woche über die russische Erklärung berichtet, wüsste jeder auch ohne den Verweis auf „SPIEGEL-Informationen“, worum es geht. Der Spiegel hält seine Leser unwissend, indem er ihnen die russische Erklärung verschweigt, und macht sich danach wichtig, indem er suggeriert, er verfüge über irgendwelche exklusiven Informationen.
Aber dieser Absatz des Spiegel-Artikels ist noch aus einem anderen Grund sehr geschickte Propaganda. Indem der Spiegel formuliert, der Russland habe gedroht, „Unternehmen in Europa ins Visier zu nehmen, die Verbindungen zur Ukraine haben“, verschweigt er ein wichtiges Detail. Es geht ja nicht um irgendwelche Firmen mit irgendwelchen Verbindungen zur Ukraine, sondern in der russischen Erklärung ging es explizit um Filialen ukrainischer Unternehmen oder um Gemeinschaftsunternehmen mit ukrainischer Beteiligung, die Standorte in Deutschland und anderen Ländern zur Produktion von Drohnen für Langstreckenangriffe auf Russland nutzen.
Aber dieses wichtige Detail verschweigt der Spiegel und suggeriert stattdessen, Russland habe gedroht, alle „Unternehmen in Europa ins Visier zu nehmen, die Verbindungen zur Ukraine haben“.
Nicht nur Verschweigen, sondern auch Lügen
Der dritte Absatz des Spiegel-Artikels lautet:
„Genannt werden auch drei deutsche Firmen, unter anderem Davinci Avia – ein Tochterunternehmen des ebenfalls gelisteten niederländischen Rüstungskonzerns Destinus, der Motorenhersteller und Rüstungszulieferer 3W Professional in Hanau und das Münchner Luftfrachtunternehmen Airlogistics Germany.“
Hier beschränkt sich der Spiegel schon nicht mehr auf Verschweigen, sondern geht bereits zum Lügen über. Airlogistics ist kein deutsches Unternehmen, wie der Spiegel behauptet, sondern ein rein ukrainisches Unternehmen, das seine Produktion teilweise nach München ausgelagert hat und dort die Langstreckendrohne „Anubis“ produziert, die 1.600 Kilometer Reichweite und einen 45-Kilo-Sprengkopf hat. Die Frankfurter Rundschau beispielsweise war da ehrlicher und hat Airlogistics als „ukrainisches Rüstungsunternehmen“ bezeichnet.
Aus dem Zusammenhang reißen
Der vierte Absatz des Spiegel-Artikels lautet:
„Das russische Ministerium verwies in einer Nachricht im Onlinenetzwerk Telegram auf Pläne der Ukraine, gemeinsam mit europäischen Partnern die Drohnenproduktion auszubauen. Es wertete die Pläne als »mutwilligen Schritt, der zu einer scharfen Eskalation der militärischen und politischen Situation auf dem gesamten europäischen Kontinent« führe. Die europäische Rüstungsunterstützung für die Ukraine werde die Länder »zunehmend in den Krieg mit Russland hineinziehen«.“
Da der Spiegel-Leser all die Hintergründe nicht kennt, muss das, was der Spiegel hier aus der russischen Erklärung zitiert, für ihn natürlich wie eine aggressive russische Drohung klingen.
Das funktioniert nur, weil der Spiegel die entscheidenden Teile der russischen Erklärung verschweigt, deren Übersetzung und auch Links zum Original auf Russisch und Englisch Sie hier finden. Denn die russische Erklärung beginnt wie folgt:
„Laut vorliegenden Informationen haben die Regierungen mehrerer europäischer Länder am 26. März 2026 angesichts steigender Verluste und eines sich verschärfenden Personalmangels in den ukrainischen Streitkräften beschossen, die Produktion und Lieferung von Drohnen für Angriffe auf russisches Territorium in der Ukraine zu erhöhen. Es ist eine signifikante Steigerung der Drohnenproduktion für das Kiewer Regime ist durch erhöhte Finanzmittel für „ukrainische“ und „gemeinsame“ Unternehmen in europäischen Ländern geplant, die Kampfdrohnen und deren Komponenten herstellen.“
Man muss den Russen ja nicht zustimmen, aber man muss zumindest die Möglichkeit haben, deren Argumente zu erfahren. Aber deutsche Medien wie der Spiegel verschweigen sie konsequent. Die Menschen in Deutschland sollen unwissend bleiben. Und im Falle einer militärischen Eskalation werden sie vollkommen überrascht sein über die „unprovozierte russische Aggression“. Wüssten die Menschen in Deutschland die ganze Wahrheit, würde das so nicht mehr funktionieren.
Der fünfte und letzte Absatz des Spiegel-Artikels lautet:
„Russlands Vizechef des nationalen Sicherheitsrats, Dmitrij Medwedew, bezeichnete auf der Plattform X die aufgeführten Unternehmen zudem als »Liste potenzieller Ziele für die russischen Streitkräfte«. Wie schnell solche Schläge Realität würden, hänge von der weiteren Entwicklung ab, drohte er.“
Auch hier gilt, dass der Spiegel-Leser nicht verstehen kann, warum in Russland diese Warnungen ausgesprochen werden, weil ihnen die Gründe verschwiegen werden.
Deutsche Medien wie der Spiegel sehen ihre Aufgabe offensichtlich nicht (mehr) darin, ihre Leser zu informieren, sondern sie sehen ihre Aufgabe darin, ihre Leser unwissend zu halten und in einen Krieg mit Russland zu treiben, den die EU so zielgerichtet provoziert, indem EU-Staaten ihre Lufträume für Angriffe ukrainischer Langstreckendrohnen auf Ziele in Russland zur Verfügung stellen, mit der Blockade russischer Ostseehäfen und mit der Blockade der russischen Exklave Kaliningrad drohen. Und indem sie der Ukraine nun auch noch erlauben, die Waffen für ihre Langstreckenangriffe in der EU zu produzieren.
Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.
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