Warum Pakistan Kampflugzeuge in Saudi-Arabien stationiert hat

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Die Atommacht Pakistan und Saudi-Arabien haben im September ein Militärbündnis geschlossen, das kaum Schlagzeilen gemach...

anti-spiegel.ru📅 14.04.2026
Naher Osten

Warum Pakistan Kampflugzeuge in Saudi-Arabien stationiert hat

Das neue Bündnis, das Saudi-Arabien und die Atommacht Pakistan kürzlich geschlossen haben, hat kaum Schlagzeilen gemacht. Nun hat Pakistan eine stattliche Anzahl an Kampfjets in Saudi-Arabien stationiert. Was bedeutet das?

Die Atommacht Pakistan und Saudi-Arabien haben im September ein Militärbündnis geschlossen, das kaum Schlagzeilen gemacht hat, obwohl es die Sicherheitsarchitektur im Nahen Osten und auch weltweit verändern kann. Nun hat Pakistan, das den Iran als Gegner betrachtet, mit dem es im Januar 2024 sogar einen militärischen Konflikt hatte, demonstrativ Kampfflugzeuge in Saudi-Arabien stationiert. Pakistan hatte 2025 außerdem noch einen militärischen Konflikte mit Indien und 2026 einen mit Afghanistan, während Saudi-Arabien als Folge der amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran gerade erst vom Iran beschossen wurde.

Ein russischer Experte hat für die TASS einen Artikel über die Auswirkungen dieser Entwicklungen geschrieben, den ich übersetzt habe.

Beginn der Übersetzung:

Ein Wandel in der Sicherheitsarchitektur: Was die pakistanischen Flugzeuge in Saudi-Arabien verändern

Nikolay Gaponenko, promovierter Wirtschaftswissenschaftler und außerordentlicher Professor am Institut für Recht und Nationale Sicherheit, erläutert, warum die Umsetzung des Verteidigungsabkommens zwischen Riad und Islamabad alle betreffen wird.

Während die Welt die gescheiterten Verhandlungen in Islamabad verfolgte, passierte in Saudi-Arabien etwas, das sich langfristig als noch bedeutsamer erweisen könnte. Pakistanische Kampf- und Unterstützungsflugzeuge trafen auf dem Luftwaffenstützpunkt King Abdulaziz ein. Das sind offensichtlich keine Übung oder Geste des guten Willens. Das ist die praktische Umsetzung des im September 2025 zwischen Riad und Islamabad unterzeichneten Verteidigungsabkommens. Und seine Folgen werden alle betreffen.

Das Abkommen enthält den Schlüsselsatz: „Jede Aggression gegen eines der Länder wird als Aggression gegen beide betrachtet.“ Mit anderen Worten: Das ist ein vollwertiges Militärbündnis. Dabei ist das Bündnis von besonderer Natur, da Pakistan das einzige muslimische Land mit Atomwaffen ist. Das bedeutet, dass Saudi-Arabien, das sich jahrzehntelang auf den amerikanischen Militärschirm verlassen hat, nun seine eigene „Atomversicherung“ hat. Und der „Versicherer“ ist nicht Washington, sondern Islamabad.

Die in öffentlich zugänglichen Quellen veröffentlichten Zahlen sind beeindruckend. Laut verfügbaren Informationen wurden in Saudi-Arabien zwischen 10 und 18 Kampfflugzeuge stationiert, und die Gesamtzahl der pakistanischen Truppen könnte 13.000 erreichen.

Warum gerade jetzt?

Saudi-Arabien lebt seit einigen Wochen unter ständigem Beschuss. Iranische Drohnen und Raketen greifen die Ölinfrastruktur des Königreichs an. Experten schätzen, dass die Ölproduktion bereits um etwa 600.000 Barrel pro Tag gesunken ist. Eine wichtige Pipeline hat bereits etwa 700.000 Barrel pro Tag an Kapazität verloren. Für ein Land, dessen Haushalt zu 70 bis 80 Prozent von Öleinnahmen abhängt, ist dies nicht nur ein Alarmsignal, sondern ein direkter Schlag für die finanzielle Stabilität.

Die USA verstärken ihre Präsenz. Am 11. April traf das siebte Versorgungsflugzeug auf dem Luftwaffenstützpunkt Prinz Sultan ein und US-Präsident Donald Trump verkündete den Beginn der Minenräumung in der Straße von Hormus. Die saudische Regierung hat jedoch offenbar entschieden, dass eine alleinige Abhängigkeit von ihrem transatlantischen Verbündeten zu riskant ist. Das pakistanische Militärkontingent ist der Versuch, eine eigene, besser berechenbare und leichter zugängliche Verteidigungslinie aufzubauen.

Die Positionen der wichtigsten Akteure

USA: Offiziell erhebt Washington keine Einwände. Langfristig gesehen ist das saudisch-pakistanische Bündnis für die Amerikaner jedoch ein Alarmsignal. Es bedeutet, dass ein wichtiger Verbündeter in der Region die amerikanischen Garantien nicht mehr als absolut ansieht und begonnen hat, ein alternatives Sicherheitssystem aufzubauen. Das schwächt den Einfluss der USA auf Riad.

Israel: Tel Aviv schweigt vorerst, doch seine Analysten berechnen sicher bereits die Konsequenzen. Aber Saudi-Arabien und Pakistan betrachten den Iran als gemeinsamen Gegner. Das bedeutet, dass ihre Stärkung indirekt demselben Zweck dient wie die israelischen Angriffe auf die Hisbollah und Ziele im Iran. Während Teheran durch den pakistanischen Faktor abgelenkt ist, hat Israel zudem mehr Handlungsspielraum im Libanon.

Iran: Für Teheran ist das ein doppelter Schlag. Erstens verlegt Pakistan, das gestern noch die Verhandlungen mit den Amerikanern vermittelt hat, nun Truppen zu einem Verbündeten, der mit dem Iran Krieg führt. Das Vertrauen in die pakistanische Neutralität ist erschüttert. Zweitens birgt die Präsenz pakistanischer Streitkräfte in Saudi-Arabien die Gefahr einer zweiten Front. Iranische Offizielle haben sich bisher mit direkten Drohungen gegen Islamabad zurückgehalten, warnen aber über ihre Kanäle bereits vor möglichen Vergeltungsmaßnahmen, einschließlich Angriffen auf pakistanisches Gebiet. Die Lage eskaliert und neue Angriffe auf Ziele in Saudi-Arabien könnten Pakistan in einen Krieg hineinziehen, zu dem es angesichts der Spannungen an der Grenze zu Indien und Afghanistan absolut nicht bereit ist.

Russland: Moskau beobachtet die Entwicklung mit zurückhaltendem Interesse. Das saudisch-pakistanische Bündnis, das sich zu einem „islamischen nuklearen Schutzschirm“ entwickelt, berührt potenziell die Interessen Russlands strategischem Partner Indiens. Der Kreml hat sich dem jedoch noch nicht aktiv widersetzt. Das liegt unter anderem daran, dass die Saudis, je tiefer sie in ihr Bündnis mit Pakistan verstrickt sind, immer weniger bereit sind, die Ölpreise mit den USA zu koordinieren, was dem russischen Haushalt zugutekommen könnte.

Globale Auswirkungen

Das erste und offensichtlichste sind die Ölpreise. Saudi-Arabien ist der weltweit größte Exporteur und jede Instabilität im Land wirkt sich unmittelbar auf die Preise aus. Die Stationierung pakistanischer Truppen ist ein Versuch, die Lage zu stabilisieren, doch die Märkte reagieren nervös auf solche Nachrichten. Je mehr Truppen in der Region stationiert sind, desto höher ist das Risiko eines versehentlichen oder vorsätzlichen Zusammenstoßes, der die Straße von Hormus blockieren könnte. Und das würde garantiert zu einem sprunghaften Anstieg der Benzinpreise an jeder Tankstelle von Tokio bis Berlin führen.

Das zweite sind die langfristigen geopolitischen Turbulenzen. Die Bildung alternativer Militärbündnisse, die nicht von Washington kontrolliert werden, macht die Welt unberechenbarer. In einem solchen Umfeld ziehen es Anleger vor, sich in sichere Anlagen zurückzuziehen: Gold, den Schweizer Franken und Staatsanleihen verlässlicher Länder. Für den Durchschnittsbürger könnte das steigende Zinsen und allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit bedeuten.

Daher ist die Stationierung der pakistanischen Luftwaffe in Saudi-Arabien nicht nur ein militärisches Manöver, sondern ein struktureller Wandel in der Sicherheitsarchitektur des Nahen Ostens. Die Region beginnt, ihr eigenes, komplexeres und vielschichtigeres Bündnissystem aufzubauen. Der einfache Verbraucher kann nur die Nachrichten verfolgen und hoffen, dass der Benzinpreis an der Zapfsäule nicht so schnell ansteigt, wie eine Rakete beim Start ins Weltall.

Ende der Übersetzung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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