Trump hat das Ziel erreicht, dass die USA den weltweiten LNG-Markt dominieren
Als die USA Ende letzten Jahres ihre neue Nationale Sicherheitsstrategie veröffentlicht haben, da habe ich mit meiner ersten Analyse ziemlich ins Schwarze getroffen. In der Sicherheitsstrategie ist Asien – nach den amerikanischen Kontinenten – die für Trump wichtigste Region der Welt und das wichtigste Land ist natürlich China, das die USA als ihren wichtigsten Konkurrenten ansehen.
Trumps Sicherheitsstrategie
Allerdings will Trump keinen Krieg mit China, wie ihn viele Falken in Washington erträumen, sondern in seiner Sicherheitsstrategie hat Trump geschrieben, die Indo-Pazifik-Region werde eines der zentralen „geopolitischen Schlachtfelder“, denn sie „trägt bereits fast die Hälfte zum globalen BIP bei (…) und dieser Anteil wird im Laufe des 21. Jahrhunderts zweifellos weiter steigen“. Man habe China zu stark werden lassen und müsse seine Politik ändern, denn China stelle eine wirtschaftliche Herausforderung dar, aber ein Krieg müsse verhindert werden. Die neue Strategie betrachtet China daher in erster Linie als wirtschaftliche Herausforderung und bekräftigt, dass Washington „die Wirtschaftsbeziehungen zur Volksrepublik China neu ausrichten und Gegenseitigkeit und Fairness priorisieren wird, um die amerikanische wirtschaftliche Unabhängigkeit wiederherzustellen“.
Mit anderen Worten: China wirtschaftlich zu besiegen ist eine von Trumps wichtigsten Prioritäten in der Außenpolitik. Und im Januar habe ich in einer weiteren Analyse erklärt, dass Trump die Weltherrschaft der USA über die Dominanz auf den weltweiten Energiemärkte wiederherstellen will.
Jetzt muss man nur noch eins und eins zusammenzählen und man versteht, dass Trump mit dem Iran-Krieg versucht, genau das zu erreichen. Der Krieg läuft für die USA ganz und gar nicht nach Plan, aber Trump scheint sein wichtigstes Ziel, nämlich die Dominanz über die LNG- und Ölmärkte zu gewinnen und China mit den Folgen des Krieges zu schwächen, schon so gut wie erreicht zu haben.
Die Dominanz auf dem LNG-Markt
Vor dem Iran-Krieg waren die Top-5 der LNG-Produzenten: Die USA (102 Mio. Tonnen pro Jahr), Australien (82 Mio. Tonnen), Katar (77 Mio. Tonnen), Russland (37 Mio. Tonnen) und Malaysia (32 Mio. Tonnen). Die USA Australien und Katar haben damit 60 Prozent des weltweiten LNG produziert.
Wenn Katar komplett ausfällt, dann fallen etwa 18 Prozent des weltweiten LNG weg. Entsprechend wächst die Marktmacht der anderen großen Player USA und Australien, wobei Australien bekanntlich ein loyaler Vasall der USA ist. Und diese beiden Länder zusammen würden dann die Hälfte des weltweiten LNG liefern, was eine wohl nie dagewesene Marktmacht darstellt.
China hat seine Öl- und Gasimporte zwar breit diversifiziert, aber trotzdem kommt ein beachtlicher Teil des Öls und Gases für China aus den Golfstaaten. Vor allem Katar ist als Lieferant von Flüssiggas (LNG) sehr wichtig. Aber nachdem in dem Krieg LNG-Anlagen in Katar schwer getroffen wurden, ist bereits klar, dass Katar auf Jahre hinaus weitaus weniger LNG liefern können wird, als vor dem Krieg, denn die Reparatur der Schäden wird laut Experten bis zu fünf Jahre dauern.
Die Verringerung des auf den Weltmärkten verfügbaren LNG wird die Preise auf Jahre stark steigen lassen, was für die Wirtschaft der Importländer ein echtes Problem wird. Und das gilt natürlich auch für China.
Indem Trump mit seinem Krieg das LNG verknappt hat, hat er ein Ziel seiner Sicherheitsstrategie umgesetzt, nämlich Chinas Wirtschaft anzugreifen und zu schwächen. Das wird sicher eine Folge des Krieges sein, denn auch Russland kann den Ausfall nicht kompensieren – und auch Russland würde natürlich nicht darauf verzichten, angesichts der Lage auf dem LNG-Markt höhere Preise zu nehmen.
So wie China sich angesichts der westlichen Sanktionen über kräftige Rabatte auf russisches Öl gefreut hat, so wird Russland sich angesichts der kommenden LNG- und Gaskrise freuen, von China höhere Preise für Pipelinegas und LNG zu nehmen. China dürfte aus politischen Gründen für Russland ein bevorzugt belieferter Kunde sein, aber Geld hat auch Russland nicht zu verschenken.
Was bedeutet das für Europa?
Auch wenn Trump ausgesprochen abfällig über die europäische Politik spricht, hat er Europa weder komplett abgeschrieben noch fallen gelassen. Europa ist für ihn als Gegengewicht zu Russland wichtig, und natürlich, um es finanziell auszusaugen.
Das hat er mehr als deutlich gezeigt. Man erinnere sich beispielsweise an die von ihm in der NATO durchgesetzten 5 Prozent des BIP für Rüstung, von denen der Löwenanteil an US-Konzerne gehen wird, oder an das Handelsabkommen, das Trump EU-Kommissionschefin von der Leyen im letzten Sommer abgepresst hat und in dem die EU alle Importzölle auf US-Waren aufhebt, aber einverstanden ist, für ihre eigenen Waren in den USA 15 Prozent Importzölle zu zahlen. Und so weiter, in nur einem Jahr hat Trump der EU so viel Geld abgepresst, wie nur wenige US-Präsidenten zuvor in so kurzer Zeit.
Und nachdem es in der EU rumort, weil das Handelsabkommen erstens einseitig und unfair ist und weil Trumps Ambitionen auf Grönland den Europäern nicht gefallen haben, haben die USA gerade erst angedroht, die LNG-Lieferungen an die EU einzustellen, wenn die EU das Handelsabkommen nicht in unveränderter Form ratifiziert.
Da die EU von durchgeknallten Ideologen (sorry, anders kann man die nicht bezeichnen) regiert wird, hat die EU in dieser Situation trotzdem bekräftigt, kein russisches Öl und Gas zu importieren, sondern lieber Rationierungen bei der Stromversorgung hinzunehmen, als in Russland einzukaufen. Damit hat sich die EU komplett in die Hände von Trump begeben, der das natürlich ausnutzen wird, wie die aktuelle Erpressung bei den LNG-Lieferungen zeigt.
Und niemand sollte glauben, dass sich das unter einem demokratischen US-Präsidenten ändern wird, denn den Plan, die EU in Sachen Öl und Gas von den USA abhängig zu machen, um sie politisch noch effektiver kontrollieren zu können, haben in den letzten 20 Jahren alle US-Präsidenten verfolgt. Man erinnere sich nur an Bidens Drohung gegen Nord Stream in Anwesenheit von Kanzler Scholz und die nur Monate später erfolgte Sprengung der Pipelines.
Trumps Erfolg, der ihn den Kopf kosten kann
Trotzdem muss man festhalten, dass der Iran-Krieg für Trump nicht nach Plan verläuft. Nachdem der geplante Blitzkrieg mit dem Ziel eines schnellen Enthauptungsschlages gescheitert ist, hat Trump sich in einem langen Krieg wiedergefunden, der unter seinen Anhängern sehr unpopulär ist, weil Trump im Wahlkampf das Gegenteil versprochen hat und weil die Benzinpreise in den USA stark gestiegen sind, was Trump so sicher auch nicht wollte.
Das ändert nichts daran, dass Trump seinem Ziel, die globalen Öl- und Gasmärkte zu dominieren, einen großen Schritt näher gekommen ist. Und das ist ein Erfolg für Trump.
Die Frage wird nun sein, ob er seinen Anhängern diesen Erfolg verkaufen kann, oder ob die sich für den Erfolg nicht interessieren, weil America first für sie nicht so sehr die Weltmachtstellung der USA, sondern vielmehr ihr eigener Lebensstandard ist. Und der leidet unter den Folgen des Krieges.
So gesehen kann Trumps Erfolg ihn bei den Zwischenwahlen buchstäblich den Kopf kosten. Und wenn die Demokraten beide Häuser des US-Parlaments gewinnen, ist das nächste Amtsenthebungsverfahren gegen Trump vorprogrammiert. Dann hieße der neue US-Präsident J.D. Vance, was wieder einige Karten neu mischen würde.
Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.
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