Laut ihrem Oberkommandanten ist die britische Flotte nicht kampfbereit

📰 anti-spiegel.ru

Im letzten Herbst habe ich einen langen Artikelüber den beklagenswerten Zustand der britischen Marine geschrieben, an de...

anti-spiegel.ru📅 03.04.2026
Trotz Milliardenausgaben

Laut ihrem Oberkommandanten ist die britische Flotte nicht kampfbereit

Großbritannien ist ein Paradebeispiel für Verschwendung im Bereich der Rüstung. Und vor allem zeigt der Zustand des britischen Militärs, dass die geopolitischen Ambitionen Londons eher den Symptomscherz über die verlorenen Kolonien widerspiegeln, als die tatsächlichen Möglichkeiten der britischen Streitkräfte.

Im letzten Herbst habe ich einen langen Artikelüber den beklagenswerten Zustand der britischen Marine geschrieben, an dem sich seitdem nichts geändert hat, wie eine aktuelle Meldung zeigt. Der Erste Seelord General Gwyn Jenkins gab in einem Interview mit der schwedischen Zeitung Svenska Dagbladet zu, die britische Marine sei nicht kriegsbereit, denn auf die entsprechende Frage antwortete er:

„Ich würde sagen, wir können jetzt schon Vorwärtsoperationen durchführen, und wenn wir den Befehl zum Krieg erhielten, würden wir ihn natürlich ausführen, das ist meine militärische Pflicht. Aber sind wir so bereit, wie wir sein müssten? Ich glaube nicht.“

Er fügte noch hinzu, er wolle „niemanden beunruhigen“, denn gemeinsam habe man „unglaubliche Ressourcen“.

Das hat mich an einen Artikel erinnert, der vor etwa einem Monat über den Zustand der brittischen Streitkräfte erschienen ist, den ich damals aus Zeitgründen aber nicht übersetzt habe. Das hole ich nun aus aktuellem Anlaß nach.

Beginn der Übersetzung:

Das britische Militär hat Geldprobleme und ist zu klein, um zu kämpfen

Dem britischen Verteidigungshaushalt fehlen im vorhandenen Haushalt Berichten zufolge 28 Milliarden Pfund.

von Ian Proud

Eine wichtige Aufgabe eines jeden Generals besteht darin, für höhere Ausgaben für das Militär zu argumentieren. Großbritannien ist da keine Ausnahme, nicht zuletzt angesichts der Verpflichtung der Regierung, bis 2035 für die Verteidigung 3,5 Prozent des BIP auszugeben. Doch im gegenwärtigen Großbritannien scheint es, dass kein Geld vorhanden ist, während die britische Armee schrumpft und das Land es nicht schafft, ordentliche neue militärische Ausrüstung zu produzieren.

Nachdem er von der Münchner Sicherheitskonferenz zurückgekehrt war, auf der er die europäischen NATO-Verbündeten aufforderte, „mehr auszugeben, mehr zu leisten und besser zu koordinieren“, dachte Premierminister Keir Starmer darüber nach, wie er die Ambitionen für die britischen Verteidigungsausgaben auf ein höheres Niveau heben könnte.

Gerüchte machten die Runde, dass er erwäge, die Ausgaben bis zum Ende der laufenden Legislaturperiode – also bis 2029 – auf drei Prozent zu erhöhen. Leider folgte am nächsten Tag eine Zurückweisung, nachdem Finanzministerin Rachel Reeves angeblich weitere Erhöhungen der Ausgaben abgelehnt hatte. Die Downing Street ruderte zurück und erklärte, man sei missverstanden worden, Großbritannien werde das Ziel von drei Prozent erst bis 2034 erreichen, also fünf Jahre später.

Großbritannien hat Geldprobleme. Bereits Anfang Januar räumte der Generalstabschef, Air Chief Marshal Sir Richard Knighton, ein, dass Großbritannien nicht auf einen groß angelegten Konflikt vorbereitet sei – insbesondere nicht auf einen, wie er mit Russland möglich wäre. Ein Grund dafür ist ein massives Finanzierungsdefizit im Verteidigungsministerium. Berichten zufolge fehlen der britischen Verteidigung im bestehenden Haushaltsrahmen konkret rund 28 Milliarden Pfund (32 Milliarden Euro).

Dieses Defizit betrifft nahezu vollständig die Beschaffung von Verteidigungsgütern. Ein vorgeschlagener Investitionsplan, der die Ausgaben im Rahmen einer Überprüfung der strategischen Verteidigung an die Prioritäten koppeln sollte, wurde verschoben, was Kritik der parlamentarischen Verteidigungs- und Haushaltsausschüsse hervorrief. Die warnten, dass dadurch „schädliche Signale an Gegner gesendet“ würden. Der letzte umfassende Ausrüstungsplan wurde 2022 veröffentlicht. Seitdem verschleiert und verzögert das Verteidigungsministerium.

Dies führte dazu, dass der Haushaltsausschuss 2024 feststellte, es gebe „keinen glaubwürdigen Plan der britischen Regierung zur Bereitstellung militärischer Fähigkeiten“. Das Ministerium habe nicht die nötige Disziplin gezeigt, sein Budget auszugleichen und schwierige Entscheidungen darüber zu treffen, welche Programme finanzierbar seien. Die britische Rüstungsbeschaffung ist übersät mit zahlreichen „Zombie-Projekten“, die massiv über dem Budget und hinter dem Zeitplan liegen. Tatsächlich umfasst der Plan rund 1800 Ausrüstungsprojekte, die das Ministerium finanzieren will.

Das Budget für 2022/23 machte bereits 49 Prozent des gesamten Verteidigungshaushalts für zehn Jahre aus und lag dennoch 16,7 Milliarden Pfund (18 Milliarden Euro) unter dem Bedarf. Nur zwei von 46 Großprojekten galten als sehr wahrscheinlich termingerecht und im Rahmen des Budgets und in der gewünschten Qualität realisierbar. Nachdem das Verteidigungsministerium für seine mangelhafte Leistung kritisiert wurde, hat es seither keine neuen Pläne veröffentlicht.

Ein Blick auf prestigeträchtige Programme zeigt eine lange Liste von Misserfolgen. Das neue Programm für die Fregatte „Type 26“ wurde mehrfach verzögert und verteuert; die acht Schiffe werden voraussichtlich erst zwischen 2028 und 2035 einsatzbereit sein.

Ein Großteil der Verschwendung liegt im Bereich der nuklearen Verteidigung, der für den Bau von U-Booten der Klasse „Dreadnought“ und „Astute“ sowie der geplanten U-Boote für AUKUS verantwortlich ist. Großbritannien befindet sich in der bemerkenswerten Situation, ein Nachfolgeprogramm für eine U-Boot-Klasse zu starten, deren letzte Einheiten noch gebaut werden. Ein ehemaliger Leiter der Nuklearpolitik im Verteidigungsministerium erklärte, das Land sei aufgrund jahrelanger Misswirtschaft nicht mehr in der Lage, sein U-Boot-Programm effektiv zu betreiben.

Der Kampfpanzer „Challenger 3“, der eigentlich eine Modernisierung des nicht mehr neuen „Challenger 2“ ist, ist noch nicht in der Serienproduktion und wird erst in den 2030er-Jahren in Dienst gestellt, obwohl ursprünglich eine Lieferung bis Ende der 2020er geplant war. Das 5,5 Milliarden Pfund (6,3 Milliarden Euro) teure Programm für das „Ajax“ Panzerfahrzeug, das 2014 bei General Dynamics in Auftrag gegeben wurde, hatte wiederholt Probleme und wurde in einer kritischen Überprüfung im Jahr 2023 als Symbol für das schlechte Beschaffungswesen des Ministeriums bezeichnet. Die Nutzung des Fahrzeugs wurde kürzlich auf unbestimmte Zeit ausgesetzt, nachdem 35 Soldaten Verletzungen durch Vibrationen und Lärm gemeldet hatten.

Ich könnte noch viele weitere Beispiele nennen. Der entscheidende Punkt ist jedoch, dass das Verteidigungsministerium offenbar so schlecht im Beschaffungsmanagement ist, dass die Verantwortlichen vermutlich nicht einmal einen Obst- und Gemüsestand auf einem Markt betreiben könnten, geschweige denn komplexe Waffenprogramme.

Was bedeutet das für die militärische Stellung Großbritanniens weltweit? Die britische Armee beträgt heute ein Zwanzigstel der russischen. Seit dem Jahr 1800 gab es nur drei Jahre, in denen sie noch kleiner war als heute. Aktuell umfasst sie etwas über 73.000 Soldaten. Im April vergangenen Jahres wurde berichtet, dass die Streitkräfte monatlich um etwa 300 Soldaten schrumpfen.

Die Royal Navy ist nun so klein wie seit dem Jahr 1650 nicht mehr. Sie umfasst derzeit maximal 63 einsatzfähige Überwasserschiffe und neun U-Boote, von denen sich viele jedoch in Wartung befinden. Damit beträgt sie bei voller Stärke etwa ein Siebtel der russischen Marine.

Um Großbritanniens militärische Relevanz zu demonstrieren, kündigte Premierminister Starmer an, 2026 eine Flugzeugträgerkampfgruppe in die Arktis zu entsenden. Allerdings bestand die im vergangenen Jahr in den Indo-Pazifik entsandte Kampfgruppe lediglich aus drei Überwasserschiffen. Am 17. Februar erklärte zudem der Chef der Luftwaffe, vermutlich, um zusätzlichen finanziellen Druck aufzubauen, dass die Flotte der F-35 Schwierigkeiten in der arktischen Kälte haben könnte. Doch weitere Milliarden in ein schlecht geplantes Beschaffungssystem zu investieren, dürfte das Problem kaum lösen.

Die traurige Wahrheit ist: Ohne zusätzliches Geld werden sich die ohnehin schleppenden Projekte weiter verzögern. Mit mehr Geld könnte Großbritannien zwar das Ziel von drei Prozent des BIP für Verteidigungsausgaben erreichen – aber es hätte trotzdem nicht mehr Soldaten. In der politischen Satire „Yes Minister“ hätte man darüber vielleicht gelacht. Doch in der Realität ist es ein ganz anderer, bitterer Witz.

_________

Ian Proud war von 1999 bis 2023 Mitglied des Diplomatischen Dienstes Ihrer Majestät. Von Juli 2014 bis Februar 2019 diente er an der britischen Botschaft in Moskau. Er war außerdem Direktor der Diplomatischen Akademie für Osteuropa und Zentralasien und stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Anglo-Amerikanischen Schule in Moskau.

Ende der Übersetzung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

Zurück
N&aumlchster Beitrag: Europas größte Fluggesellschaft erwägt Streichung von 10% der Flüge wegen von Treibstoffknappheit
📋 Vollständig gespiegelt von anti-spiegel.ru
👁 3 Aufrufe 👤 3 Leser

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert