Königlicher Befehl zur Domreparatur

📰 paz.de

Ein Grund für die Wiederentdeckung des Mittelalters in Preußen – Magdeburg widmet seinem Dom eine große Sonderschau

paz.de📅 14.04.2026

Der preußische König Friedrich Wilhelm III. besuchte vor 200 Jahren eine Musikaufführung im Magdeburger Dom. Ihm fiel dessen Baufälligkeit auf, weshalb er beschloss: „Das altehrwürdige Gebäude darf nicht verfallen.“ Aus seiner eigenen Schatulle gab er 60.000 Taler und ließ den Rest der 221.012 Taler teuren Domreparatur aus der Staatskasse begleichen.

Am südwestlichen Vierungspfeiler ist dem König eine Dankestafel gewidmet: „Der Frömmigkeit Sr. Majestät des Königs Friedrich Wilhelm III. verdankt dieser ehrwürdige Dom seine vollständige Herstellung in den Jahren 1825 bis 1834.“ Das 200. Jubiläum des Beschlusses der groß angelegten Reparatur des größten Gotteshauses Mitteldeutschlands ist Anlass für eine sehenswerte Sonderschau in Magdeburgs Kulturhistorischem Museum. Sie heißt: „Erbauung (an) der Vergangenheit – Der Magdeburger Dom und die Wiederentdeckung des Mittelalters in Preußen.“

Dem Dom war es während der Besetzung der Stadt durch die Franzosen schlecht ergangen. Er diente als Militär-Magazin und Schafstall. Seit 1815 war Magdeburg die Hauptstadt der preußischen Provinz Sachsen. Als Landesherr und Oberhaupt der evangelischen Landeskirche war Friedrich Wilhelm III. schon von Amts wegen verpflichtet, Sorge für den altehrwürdigen Dom mit der Grablege Kaiser Ottos des Großen (912–973) zu tragen. Gabriele Köster, die Direktorin des Kulturhistorischen Museums, weist auf weitere Beweggründe für die große Domreparatur hin: „Nach den Befreiungskriegen gegen Napoleon, als das mittelalterliche Reich zur Projektionsfläche eigener Wünsche nach nationaler Einheit wurde, entdeckte man in Preußen das Potenzial der auf dem Hochufer der Elbe gelegenen, weithin sichtbaren Landmarke des Magdeburger Doms als Sinnbild dieser Ideale.“

Der Magdeburger Dom war neben der 1817 begonnenen Restaurierung der Marienburg Ausgangspunkt der systematischen Denkmalpflege in Preußen. Die Ausstellung weist mit Gemälden und Grafiken auf frühe Beispiele aus der Region hin. Zum Beispiel auf den Halberstädter Dom, das Kloster Jerichow, die Quedlinburger Stiftskirche und die Kirche des ehemaligen Klosters Schulpforte.

Im Falle des Magdeburger Doms war es das Ziel, sein mittelalterliches Erscheinungsbild wiederherzustellen. Deshalb beseitigte man viele spätere Zutaten. Der Magdeburger Regierungspräsident Wilhelm Anton von Klewitz war Vorsitzender der Dombaukommission. Vor allen bedeutenden Maßnahmen wandte er sich mit Gutachten an den König, der als Schirmherr der großen Domreparatur das letzte Wort hatte. Die beiden ausgestellten Gemälde Carl Hasenpflugs von 1827/28 zeigen den Chor von Norden. Auf der einen der dem König vorgelegten Darstellungen sind die damals noch vorhanden gewesenen Walmdächer abgebildet. Auf der anderen ist das Chordach flach, was dem ursprünglichen Zustand entspricht. Auf den legte sich Friedrich Wilhelm III. fest und ließ die Walmdächer abreißen.

Die Schau zeigt uns den Dom in präzisen Bauzeichnungen, Grundrissen, Querschnitten und Detaildarstellungen, auf stimmungsvollen Grafiken, Postkarten und frühen Fotografien sowie auf Porzellan. Äußerst imposante Auftritte lässt ihm Hasenpflug zuteilwerden. Der mit einem königlichen Reisestipendium ausgestattete Maler begab sich 1826 nach Magdeburg. Die 1827 gemalte Westfassade des Doms sieht majestätisch aus. Links vorn liegen große Sandsteinquader für die Bauarbeiten bereit. Zehn Jahre später malte Hasenpflug erneut die Westfassade, gibt sie jedoch keineswegs realitätsgetreu wieder. Eine der Baumaßnahmen war das Anbringen einer Uhr im Giebel des Mittelbaus der Westfassade. Bei Hasenpflug aber sitzt sie wie vor Beginn der Bauarbeiten am nordwestlichen Turm. Künstlerische Freiheiten gestattete er sich auch auf anderen Gemälden des Doms. So gewährt er etwa einen unverstellten Blick von Nordosten auf den Dom, indem er die ihn umgebenden Häuser einfach weglässt.

Ab 1847 bekam der Dom 89 neue Glasmalereifenster. Den im Zweiten Weltkrieg zerstörten Fenstern ist ein Ausstellungskapitel gewidmet. Erhalten sind Fragmente des 1900 in der Werkstatt Fritz Geigers in Freiburg im Breisgau geschaffenen Fensters zur Domgeschichte. Daneben ist der vorbereitende Fensterriss zu sehen. Oben ist die Taufe der Wenden durch Bischof Norbert dargestellt, in der Mitte die 1207 erfolgte Grundsteinlegung des ältesten gotischen Kathedralbaus von Deutschland, unten die Austeilung des Abendmahls nach dem Übertritt des Domkapitels 1567 zum evangelischen Glauben.

Der Dom ist reich an Sehenswürdigkeiten. Der Taufstein aus ägyptischem Rosenporphyr ist ein ehemaliger Brunnen aus der römischen Kaiserzeit. In der Paradiesvorhalle weinen die Skulpturen der törichten und lächeln die der klugen Jungfrauen (1240/50). Weitere Anziehungspunkte sind die Sechzehneckkapelle (um 1250) – und natürlich das Grab Ottos des Großen im Hohen Chor. Es wurde bei der großen Domreparatur 1831 erstmals geöffnet und nochmals 1844. Derzeit ist es zwecks Sanierung zum dritten Mal geöffnet. Die vorgefundenen Knochen werden in Hinblick auf das Alter, Krankheiten und Lebensweise der bestatteten Person untersucht, um sie wie erhofft als Otto I. identifizieren zu können. Zudem versuchen die Forscher, dem Kaiser mit Hilfe des gut erhaltenen Schädels ein Gesicht zu geben. Ob es wohl dem der Ottoskulptur ähneln wird, die der Bildhauer Friedrich Wilhelm Holbein anlässlich der großen Domreparatur für das Westportal geschaffen hat?

• Bis 17. Mai im Kulturhistorischen Museum Magdeburg, Otto-von-Guericke-Straße 68–73, geöffnet täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr, sonnabends und sonntags bis 18 Uhr, Eintritt: 8 Euro
www.khm-magdeburg.de

👁 0 Aufrufe 👤 0 Leser

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert