Israel greift iranische Gasindustrie an, der Iran antwortet mit Angriffen auf arabische Ölindustrie
Zwischen dem Iran und Katar liegt das größte Gasfeld der Welt. Im Iran wird es South Pars, in Katar North Field genannt. Beide Länder beuten das Gasfeld aus. Israel hat am Mittwoch die iranischen Förderanlagen des Gasfeldes angegriffen und damit eine vom Iran verkündete rote Linie überschritten.
Und auch die USA dürften über den israelischen Angriff nicht erfreut sein, denn die USA haben Israel bereits aufgefordert, die iranische Öl- und Gasindustrie nicht anzugreifen, schließlich war es der Plan der USA, das iranische Öl und Gas unter ihre Kontrolle zu bekommen. Die Förderung aber erst mit Milliardeninvestitionen reparieren zu müssen, dürfte nicht der Plan der USA sein.
Allerdings berichteten israelische Medien nach dem Angriff, der sei mit den USA koordiniert gewesen, die USA hätten dem also zugestimmt. Ob das stimmt, werden wir wohl erst später erfahren.
In jedem Fall kann man festhalten, dass es der Plan Israels war, den Iran dazu zu provozieren, nun auch die Öl- und Gasinfrastruktur der Golfstaaten anzugreifen, von deren Gebiet aus die USA den Iran angreifen und deren Luftraum auch Israel für seine Angriffe nutzt. Damit möchte Israel die arabischen Staaten auf seiner Seite in den Krieg hineinziehen.
Der erste Teil des Plans scheint aufgegangen zu sein, weil der Iran unmittelbar danach Angriffe auf arabische Anlagen angekündigt hat. Allerdings zeigen die ersten Reaktionen aus arabischen Ländern, dass der zweite Teil des Plans wohl nicht aufgeht, weil die Staaten sich in ersten Erklärungen gegen Israel gestellt haben.
Die ersten Reaktionen der Araber
Die katarische Regierung betrachtet Israels Angriffe auf Anlagen des iranischen Gasfelds South Pars im Persischen Golf als gefährlichen und unverantwortlichen Schritt, der die globale Energiesicherheit bedroht, erklärte Majid bin Mohammed al-Ansari, Berater des Premierministers und Sprecher des katarischen Außenministeriums auf X:
„Die israelischen Angriffe auf Anlagen des iranischen Gasfelds South Pars, einer Erweiterung des katarischen Gasfelds North Field, stellen angesichts der aktuellen militärischen Eskalation in der Region einen gefährlichen und unverantwortlichen Schritt dar.“
Al-Ansari betonte, dass Angriffe auf Energieinfrastruktur „eine Bedrohung für die globale Energiesicherheit sowie für die Bevölkerung und die Umwelt der Region darstellen“ und er schrieb weiter:
„Wir bekräftigen, wie bereits mehrfach betont, die Notwendigkeit, Angriffe auf lebenswichtige Anlagen zu vermeiden. Wir rufen alle Parteien zur Zurückhaltung, zur Einhaltung des Völkerrechts und zur Deeskalation auf, um die Sicherheit und Stabilität in der Region zu gewährleisten.“
Auch das Außenministerium der Vereinigten Arabischen Emirate äußerte sich ähnlich und bezeichnete die israelischen Angriffe auf Anlagen des iranischen Gasfelds South Pars im Persischen Golf als gefährliche Eskalation, die die globale Energiesicherheit unmittelbar bedrohe:
„Die Angriffe auf Energieanlagen im Gasfeld South Pars stellen eine gefährliche Eskalation dar. Die VAE betonen, dass Angriffe auf Energieinfrastruktur eine unmittelbare Bedrohung für die globale Energiesicherheit darstellen.“
Die Reaktion des Iran
Die Islamischen Revolutionsgarden kündigten nach dem Angriff an, in den kommenden Stunden Öl- und Gasanlagen in Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar anzugreifen. In einer Erklärung hieß es:
„Diese Objekte werden in den kommenden Stunden Ziel von militärischen Angriffen. Alle Mitarbeiter und Anwohner in den angrenzenden Gebieten sollten sich zu ihrer eigenen Sicherheit umgehend aus der Umgebung evakuieren.“
In der Erklärung wurde angekündigt, dass die Angriffe die Ölraffinerie Jubail in Saudi-Arabien, das Gasfeld Al Hosn in den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie die Raffinerie Ras Laffan und den zu Chevron gehörenden petrochemischen Komplex in Mesaieed in Katar treffen würden.
Der Sprecher der iranischen Streitkräfte kündigte an, als Vergeltung für die Angriffe auf iranische Ölanlagen werde der Iran die gesamte Öl- und Gasinfrastruktur der Gegner zerstören:
„Dies ist eine deutliche Warnung und Drohung an die Verbrecher, die Teile der iranischen Treibstoff- und Energieinfrastruktur im Süden des Landes angegriffen haben. Die mit dem Ursprung der Aggression verbundene Treibstoff-, Energie- und Gasinfrastruktur wird bei nächster Gelegenheit dem Erdboden gleichgemacht. Wir erklären der feigen und aggressiven Armee des verbrecherischen Amerikas und dem grausamen, kindermordbesessenen zionistischen Regime, dass sie gezwungen sein werden, ihre Soldaten ins Wasser zu werfen und ihre Würde zu verlieren.“
Der Vorsitzende des iranischen Parlaments erklärte, der Angriff auf die iranische Gasinfrastruktur habe eine neue Phase des Konflikts in der Region eingeläutet:
„Der Feind ist wütend und will seine Niederlagen auf dem Schlachtfeld durch Angriffe auf die Infrastruktur vertuschen. Für ihn ist das Selbstmord.“
Weiter sagte er, nun sei „das Prinzip ‚Auge um Auge‘ in Kraft getreten und es hat eine neue Eskalationsstufe begonnen“.
Kommt nun eine weltweite Öl- und Gaskrise?
Noch ist genug Öl und Gas auf den Märkten vorhanden, trotzdem sind die Preise bereits stark gestiegen, weil für die Zukunft ein echter Mangel an Öl und Gas erwartet wird, denn die Lieferungen aus dem Persischen Golf können von den restlichen Öl- und Gasförderländern nicht ersetzt werden.
Sollte der Krieg noch einige Zeit andauern und sollten dabei die Öl- und Gasförderanlagen am Golf massiv beschädigt werden, kann die Reparatur Monate oder Jahre dauern. Und selbst wenn der Krieg morgen endet, dauert es selbst bei unbeschädigten Anlagen etwa zwei Wochen, die Produktion und Verladung von LNG wieder anlaufen zu lassen.
Das wird vor allem für Europa ein Problem, denn die EU will den Import von russischem Öl und Gas komplett verbieten, weshalb man in Russland darüber nachdenkt, die Lieferungen von LNG nach Europa schon jetzt einzustellen und das russische LNG stattdessen auf den asiatischen Markt zu schicken, wo es händeringend gesucht wird und wo die Länder Russland gegenüber freundlich gesinnt sind.
Da der Nahe Osten als Lieferant ausgefallen ist, ist jedoch bereits ein Bieterwettbewerb um amerikanisches Öl und Gas entbrannt und viele LNG-Tanker, die eigentlich auf dem Weg nach Europa waren, haben Kurs auf Asien genommen.
Und weil die Gasspeicher in Europa auf einem historischen Tiefststand sind, ist es inzwischen fraglich, ob sie bis zum Herbst wieder gefüllt werden können. Sollten die Lieferungen aus dem Nahen Osten für einige Monate ausfallen, dürfte Europa im nächsten Winter eine massive Energiekrise inklusive der Rationierung von Strom erleben.
Für die Menschen heute mag das unvorstellbar sein, aber die Älteren erinnern sich noch an die Ölkrise von 1973. Damals gab es Fahrverbote an Sonntagen, das dazu geführt hat, dass Anwohner auf den Autobahnen Picknicks veranstaltet haben, weil dort kein einziges Auto fuhr.
Ein solches Szenario könnte sich vor allem in Europa wiederholen, da es sich mit den Russland-Sanktionen selbst eine wichtige Quelle für Öl und Gas raubt, während auf der Welt ein Bieterwettbewerb um die verbleibenden (und nicht ausreichenden) Öl- und Gaslieferungen ausbricht.
Trotzdem trauen sich europäische – und vor allem deutsche – Politiker nicht, die Aggressoren USA und Israel zu kritisieren oder ihnen gar mit Sanktionen zu drohen, obwohl deren Krieg zur einer existenziellen Gefahr für die europäische Wirtschaft zu werden droht, um die es ohnehin schon nicht zum Besten steht.
Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.
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