Wenn einer eine Reise macht, dann kann er hinterher was erzählen: Und so berichten diese Zeilen von der Einladung des Pommerschen Volkstanzkreises Rega aus Hamburg nach Köslin in Hinterpommern. Zwölf Frauen und zwei Männer machten sich in privaten Pkws auf, um in der über 500 Kilometer entfernten Stadt aufzutreten. Untergebracht in einem gut gewählten Hotel und betreut von dem Berliner Reisebegleiter Thomas, mit Wurzeln in Köslin, begann das Abenteuer.
Die Stadtfeier zum 760. Jubiläum der Gründung Köslins nach Lübischem Recht hatten am 21. Mai mit einer Sitzung des Stadtrats begonnen, als auch die Tanzgruppe auf dem Ratshausmarkt eintraf. Gerade formierte sich eine Parade mit zahlreichen historischen Kostümen zu einem Umzug als sich der Volkstanzkreis Rega in seinen pommerschen Trachten neben Wikingern, Rittern, Gauklern und Damen in Reifröcken eingliederte.
Zunächst gab es noch kleine Gespräche und Fotos. Dann aber ging es los! Ein bunter Zug bahnte sich seinen Weg durch festlich geschmückte Straßen, begleitet vom Winken aus den Fenstern und von den Gehwegen. Wenn die Parade immer wieder mal ins Stocken kam, brachten die Tänzer aus Hamburg sofort Schwung in den Zug: Sie warfen ihre Bluetooth-Box an und tanzten gegen den Stillstand an.
Angekommen am Amphitheater, in den 1970ern mit seinem kühnen geschwungenen Dach gebaut und bekannt für große Kösliner Chortreffen, bot sich dem Volkstanzkreis Rega nun die Möglichkeit, die zahlreichen Ständen, die nahezu jeden kulinarischen Wunsch erfüllten, zu besuchen. Der Tag klang für die Gruppe mit der Darbietung einiger pommerscher Tänze im Innenhof des Museums und einer anschließenden furiosen Lasershow aus.
Der 22. Mai, sollte für den Volkstanzkreis Rega zu einem der Höhepunkte seiner Reise nach Köslin werden. Auf dem Programm stand das Jamunder Hochzeitsbrauchtum, das passend zum offiziellen Programm „Lasst uns in Jamno heiraten“ von der Gruppe in Szene gesetzt wurde. Voller Aufregung betraten die Tänzer die Bühne, um sie mit schwungvollen pommerschen Tänzen kräftig zum Beben zu bringen.
Natürlich waren neben der Belbucker Festtracht, welche die Gruppe trägt, auch die typischen Jamunder Trachten vertreten, sodass insbesondere Braut und Bräutigam in traditioneller Kleidung „heiraten durften“.
Nach dem Schwedentanz lud der Hochzeitsbitter – mit geschmücktem Zylinder und Stab, mit dem er kräftig auf den Bühnenboden klopfte – die Gäste zur Hochzeit ein. Dann, nach dem nächsten Tanz, wurden Braut und Bräutigam mit dem traditionellen Jamunder Hochzeitsstaat geschmückt. Die Braut erhielt den Jamunder Peil, der aus Brautkrone, Halsband mit Kragen und Brautgürtel besteht und den wichtigsten und berühmtesten Brautschmuck darstellte, während er, flugs mit Dreimaster und Seidenschleife aus Goldbrokat ausgestattet, sich noch einen guten Tropfen schmecken ließ.
Einige Tänze später verkündete der Hochzeitsbitter die Hochzeit, worauf das Brautpaar zum Hochzeitsmarsch das Blumenspalier durchstreifte und sich schwungvoll und flirtend durch die Blumentore bewegte. Nach dem Hochzeitstanz sorgte ein Storch mit seinen Bissen dafür, dass sich Nachwuchs ankündigen soll. Schließlich trat der Schnabbuk, eine Holzfigur in Bockgestalt auf, um die Hochzeitsgäste zu erschrecken und wurde bald vom stolzen Schimmelreiter auf dem Steckenpferd verscheucht. Zum Ende der Hochzeitszeremonie kommt die Frau „unter die Haube“ und wechselt die Brautkrone nun gegen die pelzbesetzte Frauenhaube.
Der Volkstanzkreis Rega wusste wieder einmal mit spielerischer Lebensfreude und ausgelassenen Tänzen, wie der Kirmespolka oder dem schwedische Klapptanz, ebenso zu überzeugen wie Stunden später, als es noch zu einem weiteren Auftritt auf dem etwa sieben Kilometer entfernten Jamunder Hof ging. Nach einem durchtanzten Tag klang dieser für die unermüdliche Tanzgruppe wohlverdient am Jachthafen des Jamunder Sees aus.
Damit endete auch das offizielle Programm für die Tänzer. Die zwei noch verbleibenden freien Tage nutzten sie für wunderbare Ausflüge zum alten Seebad Kolberg, zur Lontzke-Düne – eine der höchsten und bekanntesten Wanderdünen Europas, die sich über den flachen Leba-See erhebt. Nun erinnern bereits Fotos an die Kösliner Festtage, verknüpft mit vielen Erinnerungen. Auf Wiedersehen! – Vielleicht um einmal hier Ferien zu machen.