Frieden – Frieden – Frieden – Ganz Pommern im Blickpunkt

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Manfred Schukat und Friedhelm Schülke organisierten ein großartiges Treffen in Anklam

paz.de📅 24.04.2026

Das Volkshaus erstrahlte in einem gelben Blütenmeer, und die Besucher strahlten auch: Fast 600 Pommern, Freunde der Heimat und ihre Gäste füllten am 11. April die Mehrzweckhalle im Herzen der kleinen Stadt Anklam. Ein langer Reigen fast aller pommerschen Heimatfahnen schmückte die Wände, und über der Bühne prangten das neunfeldrige große Pommernwappen, sechsmal das mahnende Wort „Frieden“ in Großbuchstaben sowie der berühmte Croy-Teppich und die historische Lubinsche Pommernkarte im Großformat. Mehr als 50 neue und vor allem jüngere Gäste waren erstmals dabei. Laut Auswertung bezahlte nur ein Gast weniger als 2025.

Der Bund der Vertriebenen mit seinem Vorsitzenden Manfred Schukat hatte wieder ein reich gefülltes Programm vorbereitet. Den Auftakt machte am Vormittag das 1. Pommersche Blasorchester Wolgast mit schwungvoller Blas- und Marschmusik. Die Morgenandacht hielt der Verfasser zum Thema „Glaube auf Pommersch“ über den Schächer am Kreuz. Dazu gab er Erfahrungen und Episoden aus DDR-Zeiten zum Besten.

Im feierlichen Totengedenken wurde der seit dem letzten Treffen verstorbenen 23 Landsleute gedacht und an die Große Flucht und den Verlust der Heimat Pommern vor 81 Jahren erinnert. Stehend sangen die Pommern und ihre Gäste alle fünf Strophen ihrer Heimathymne „Wenn in stiller Stunde“. Keine Frage ist für unsere Zeit wichtiger als der Frieden – nicht nur in der Ukraine, sondern auch im Iran, im Sudan und überall.

Die Pommersche Landsmannschaft hatte folgendes Grußwort geschickt: „Sehr geehrter Herr Schukat, sehr geehrter Herr Schülke, unsere Grüße und guten Wünsche gehen am 11. April ganz besonders nach Anklam zum Pommerntreffen. Wir wünschen allen Teilnehmern einige schöne Stunden des Wiedersehens und des Gedenkens an unsere Heimat Pommern. In heimatlicher Verbundenheit – Pommersche Landsmannschaft e.V. – Die Vorsitzenden Margrit Schlegel und Adalbert Raasch.“

Auch Staatssekretär Philipp Amthor MdB versicherte in seiner zünftigen Ansprache, weiter fest an der Seite der Pommern zu stehen. Weitere Grußworte übermittelten die Direktorin des Pommerschen Landesmuseums Greifswald, Ruth Slenczka, sowie ihre Kulturreferentin Dorota Makrutzki. Sie brachten die Handreichung „Fragen an früher“ mit, die den Kindern und Enkeln der Vertriebenen helfen soll, die Erlebnisgeneration zum Erzählen der Familiengeschichte anzuregen.

Viele Grüße und Glückwünsche

Grüße aus der Heimat richteten Detlef Rach vom Bund der Deutschen in Stolp, Lydia Zander aus Schimmerwitz/Kreis Lauenburg und Peter Nycz von der Deutschen Minderheit Stargard aus. Auch Professor Ivan Seibel hatte weit entfernte Grüße von den Pomeranos in Brasilien geschickt. Zuletzt stellte Dr. Günther Jikeli alte pommersche Apfelsorten vor und bot auf dem Treffen auch gleich einige Setzlinge „Pommerscher Krummstiel“ zum Verkauf an. Davon wurde rege Gebrauch gemacht.

Stark frequentiert waren ebenso die Informations- und Verkaufsstände des Heimatkreises Arnswalde mit Sigrid Busse, des Christlichen Zentrums Stettin mit Friedemann Gillert, des Vereins „Pommerscher Greif“ mit Bernd Jordan sowie der BdV-Büchertisch.

Zum Marsch „Es ist so schön, ein Musikant zu sein“ von Slavko Avsenik trug Vorstandsmitglied Steffen Thomassek einen großen bunten Maienkranz rings um den Saal. Vor ihm schritt ein original uniformierter preußischer Füsilier mit Pickelhaube und gezücktem Degen, ihm folgten ein Kaschube aus Stolp in Volkstracht und der Verfasser in kaschubischer Fischerkleidung. Von der Bühne aus trug er einiges Wissenswerte über das weithin unbekannte Völkchen der Kaschuben vor.

Diese wendische Restbevölkerung von Pommern und Pommerellen hat ihre Sprache und Kultur trotz Assimilierungsdruck im Deutschen Reich und auch nach dem Kriege in Polen treu bewahrt. Heute wird dieses Erbe sogar geschützt. Für Helga Stephan, Rostock, geborene Ziegenhagen aus Klempin, Kreis Belgard-Schievelbein, erklang zu ihrem 100. Geburtstag ein Ständchen, ebenso wie für Barbara Eulitz, Sassnitz, aus Danzig-Langfuhr zum 82. und für den langjährigen Leiter des Museums im Steintor Anklam,
Dr. Wilfried Hornburg aus Farbezin, Kreis Naugard, zum 70. Wiegenfest. Wie immer spendierte der Veranstalter dazu eine Saalrunde Kräuterlikör „Stargarder Mampe halb & halb“.

Mittagessen, Kaffee und Kuchen reichten zum Glück für den großen Ansturm, denn der Veranstalter hatte auf pommersche Art gut vorgesorgt, sodass noch viel übrig blieb. Inzwischen war auch Pfarrer Bernhard Riedel eingetroffen. Eine Kindtaufe hatte ihn zur Andacht am Vormittag verhindert – nun entbot er als Vorsitzender des Konvents evangelischer Gemeinden aus Pommern ein frisches und informatives Grußwort. Es folgte das heimatliche Kulturprogramm. Dazu hatte das befreundete Kinder- und Jugend-Ensemble „Pieśni i Tańce“ (Lieder und Tänze) aus Pyritz unter seiner Leiterin Joanna Suwińska neue Lieder und Tänze einstudiert – zunächst ein polnisches Folklore-Programm, nach der Kaffeepause ein pommersches in echten Pyritzer Weizacker-Trachten. Der ganze Saal zeigte sich von den 40 Kindern und Jugendlichen begeistert. Als Gastgeschenk überreichte die Betreuerin des Heimatkreises Pyritz, Heidemarie Schaller aus Grimmen, ein Modell der Pyritzer Stadtmauer mitsamt dem Stettiner Tor und allen Türmen. Diese wertvolle Bastelarbeit hatte ein alter, inzwischen verstorbener Pyritzer in wochenlanger Kleinarbeit angefertigt – sie wird nun in der Heimat die deutsche Geschichte dokumentieren. Danach stimmte der Shanty-Chor Insel Usedom e.V. bekannte Seemannslieder von Heimat und Meer an – diese wurden nicht nur mitgesungen, sondern es bildete sich wieder eine lange Polonaise, die mehrere Runden durch den Saal zog.

Erstmals Kaschuben dabei

Erstmals beim Pommerntreffen kam eine sechsköpfige Kaschubengruppe aus Stolp in ihren typischen Trachten und den bekannten Volksinstrumenten zum Einsatz – mit Brummtopf und Teufelsgeige. Die flotten Rhythmen wurden von einem Brummtopf aus Anklam kräftig unterstützt. Obwohl die Besucher davon wenig verstanden, schunkelten und klatschten sie tüchtig mit.

Zum großen Finale kamen alle Mitwirkenden noch einmal auf die Bühne und stimmten das polnische Volkslied „Szla dziewieczka do laseczka“ (Ging ein Mädchen in das Wäldchen) an. Wenn auch ohne öffentliche Förderung, so konnten alle Rechnungen dank vieler Spenden bezahlt werden. Auch 3.000 verkaufte kleine und große Flaschen Bärenfang halfen zur Deckung der Unkosten. Öffentlicher großer Dank galt den über 30 ehrenamtlichen Helfern für die Dekoration und Essensausgabe, am Einlass und den Verkaufsständen für das Ein- und Ausräumen und die hervorragende Organisation. So sehen Besucher und Veranstalter dem Pommerntreffen Mecklenburg-Vorpommern 2027 hoffnungsvoll entgegen.

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