Die Ukraine greift TurkStream mit Drohnen an

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Deutsche Medien berichten darüber bestenfalls nebenbei, dabei sind das für Europa sehr wichtige Meldungen. In den letzte...

anti-spiegel.ru📅 17.03.2026
Energieterrorismus

Die Ukraine greift TurkStream mit Drohnen an

Die Ukraine hat in den letzten Tagen die Gaspipeline TurkStream mit Drohnen angegriffen. Hätte sie Erfolg, würde das die Gaskrise in Europa weiter verschärfen.

Deutsche Medien berichten darüber bestenfalls nebenbei, dabei sind das für Europa sehr wichtige Meldungen. In den letzten Tagen hat die Ukraine Pumpstationen der Gaspipelines TurkStream und Blue Stream in Russland mit Drohnen angegriffen. Die russische Luftabwehr konnte die Angriffe bisher abwehren, aber sollte die Ukraine eines Tages Erfolg haben, würde das sowohl die Türkei als auch europäische Länder wie Ungarn, die Slowakei und Serbien schwer treffen, die dann ohne russisches Pipeline-Gas dastehen würden.

Da deren Versorgung dann aus anderen Quellen erfolgen müsste, hätte das auch negative Folgen für den Weltmarkt, auf dem die Gaspreise wegen des Iran-Krieges ohnehin astronomische Höhen erreicht haben. Und natürlich würden die Gaspreise in der EU noch einmal steigen, weil Ungarn, die Slowakei und Serbien dann ebenfalls LNG bräuchten, von dem es in der EU schon jetzt zu wenig gibt, wie die extrem leeren Gasspeicher zeigen.

Trotzdem hört man weder aus Brüssel noch aus den großen EU-Staaten irgendeine Kritik an der Ukraine. Selbst dann, wenn es der Wirtschaft der EU schadet, von deren Unterstützung Kiew lebt, kann das Selensky-Regime machen was es will. Die EU verschließt sogar vor ukrainischem Energieterrorismus, der der EU selbst schadet, die Augen.

Kiew setzt auf maximalen Schaden

Kiew legt es dabei auf Beschädigungen der Pipelines an, die sie möglichst lange ausschalten würden. Daher greifen die Drohnen nicht nur die oberirdischen Gasleitungen an, sondern vor allem die Kompressorstationen, denn sollte ein Gasrohr beschädigt werden, dauert sein Austausch nur einige Tage. Würde jedoch eine Kompressorstation mit ihren komplexen Gasturbinen beschädigt, würde sich die Reparatur über Monate hinziehen.

Während in den Erdgaskompressorstationen von TurkStream russische Turbinen verbaut sind, ist in der Kompressorstation „Beregowaja“ der Gaspipeline Blue Stream eine Turbine des US-Herstellers General Electric installiert, die wegen der Sanktionen derzeit nicht ersetzt werden kann. Da Blue Stream die Türkei mit Gas versorgt, bedeuten diese Angriffe de facto Angriffe auf die Türkei.

Selensky schadet sogar der Ukraine selbst

Damit aber nicht genug, denn letztlich greift Kiew damit sogar die Ukraine selbst an. Der Grund dafür ist, dass auch die Ukraine ihr Gas inzwischen aus der EU bezieht, also zum Teil auch aus Ungarn und der Slowakei, die wiederum russisches Gas über TurkStream bekommen. Hätten die Angriffe Erfolg, würde Kiew damit der Slowakei und Ungarn das Gas entziehen, das sie selbst teilweise importiert.

Dass die Ukraine ohnehin schon Probleme mit der Stromversorgung hat und dass die Menschen dort oft täglich mehrere Stunden ohne Strom und Heizung sind, scheint Selensky egal zu sein, denn mit seinen Angriffen riskiert er, die Lage in der Ukraine noch zu verschlimmern. Im vergangenen Jahr hat die Ukraine bis zu drei Milliarden Kubikmeter Gas auch Ungarn und die Slowakei bezogen. Aber die könnten nicht mehr liefern, wenn Kiew TurkStream beschädigt.

Wen das wie hart treffen würde

Russland würde, wenn TurkStream ausfällt, wohl 12 Milliarden Dollar jährlich an Einnahmen verlieren. Das wäre schmerzhaft, aber nicht tödlich.

Ungarn und die Slowakei hingegen müssten über Nacht auf das teure LNG umsteigen, das nicht nur das Doppelte des russischen Pipelinegases kostet, sondern angesichts der Krise im Nahen Osten sogar ein Vielfaches davon – wenn man überhaupt welches bekommt, denn durch den Ausfall der Golfstaaten fehlt etwa ein Viertel des weltweiten LNG auf dem Markt.

Europa leidet selbstverschuldet unter Gasmangel

Es sei daran erinnert, dass die weltweite Gaskrise, die der Iran-Krieg ausgelöst hat, die EU gar nicht treffen würde, wenn die russischen Pipelines noch arbeiten würden. Die haben Europa fast fünf Jahrzehnte zuverlässig mit ausreichend billigem Gas versorgt, dessen Preise stabil und unabhängig von den Schwankungen am Weltmarkt waren.

Warum sie davon unabhängig waren? Ganz einfach: Weil man Pipelinegas, im Gegensatz zu einem LNG-Tanker, nicht einfach in einen anderen Teil der Welt umleiten kann. Daher waren die Gaspreise in Europa stabil und vollkomme unabhängig vom Börsenpreis, als noch russisches Gas importiert wurde.

Und das könnte morgen wieder so sein, denn dazu müsste die EU nur die Einschaltung der noch vorhandenen Pipelines aus Russland zulassen (oder erzwingen): Die Jamal-Pipeline, die aus Russland über Weißrussland nach Polen und Deutschland führt, hat Polen schon im Dezember 2021 abgeschaltet. Die ukrainische Pipeline hat Kiew zum 1. Januar 2025 abgeschaltet. Und eine Röhre der (von den USA oder der Ukraine) gesprengten Nord Streams ist ebenfalls jederzeit bereit, den Betrieb wieder aufzunehmen.

Die Gaskrise in der EU könnte also morgen gelöst werden, aber die Eliten in der EU und ihren führenden Mitgliedsstaaten ist es wichtiger, die Ukraine zu unterstützen, als etwas für die eigenen Bürger oder die eigene Wirtschaft zu tun.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.


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