Der Iran konnte seine Einnahmen im Krieg sogar steigern, während die Kosten für die USA explodieren
In einem TASS-Artikel wurde auf eine für viele überraschende Folge des Iran-Krieges hingewiesen. Ich habe den Artikel übersetzt.
Beginn der Übersetzung:
Die USA geben Geld aus, der Iran verdient: Wie Teheran einen Ausweg aus der finanziellen Sackgasse gefunden hat
Während sich Europa auf eine weitere Finanzkrise vorbereitet, verdient der Iran doppelt so viel wie vor den Angriffen der USA und Israels. Lesen Sie mehr im TASS-Artikel.
In Europa breitet sich eine Atmosphäre aus, die an die COVID-19-Ära erinnert. Kurz gesagt: Die Europäer haben Angst. Es ist eine Überraschung, aber es zeigt sich, dass ein Leben ohne Öl und Gas ziemlich schwierig ist. Und nun schlagen europäische Beamte Alarm, dass ein potenzieller Energiemangel und die daraus resultierende „wirtschaftliche Ansteckung“ gravierender sein könnten als die Krise von 2020.
Die Prognosen machen Angst. So sehr, dass EU-Ratspräsident António Costa die Einberufung eines Dringlichkeitsgipfels der EU-Staats- und Regierungschefs erwägt. Brüssel sucht Antworten auf zwei Fragen: Wie schwerwiegend wird die Krise auf dem Kontinent sein und wie weitreichend werden ihre Folgen sein? Jetzt besteht die Gefahr, dass die Krise alle Industriezweige erfassen wird.
Der Trick der Europäer, es sich in Jahrzehnten der Zusammenarbeit mit ihren ausländischen Partnern bequem gemacht zu machen, funktionierte diesmal nicht. Europäische Beamte haben es weiterhin nicht gewagt, eine klare und vor allem richtige Position zum Krieg im Iran zu beziehen. Von allen Ländern hat nur Spanien den Krieg der USA und Israels gegen den Iran kategorisch abgelehnt. Alle anderen spielen stillschweigend mit.
Die Straße des Anstoßes
Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat bestätigt, dass die Straße von Hormus – genauer gesagt, ihre Schließung – die Energiemärkte erschüttert hat. Laut dem Finanzinstitut war Irans Stopp des Transits die Reaktion auf die Aggression und hat sich zur größten Krise auf dem Ölmarkt entwickelt. Für die ölimportierenden Länder, so beklagen IWF-Analysten, kommt das einer plötzlichen und erheblichen Einkommenssteuer gleich. Wer hätte das gedacht?
„Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) hat die faktische Schließung der Straße von Hormus und die Beschädigung der regionalen Infrastruktur zur größten Störung des globalen Ölmarktes in der Geschichte geführt“, heißt es in der Studie des IWF.
Unterdessen hielt US-Präsident Donald Trump, der Erfinder und Regisseur dieser Energiekrise, am Dienstag, dem 1. April (europäischer Zeit), eine Rede, die man leicht für einen Scherz hätte halten können. Doch das war kein Wirtz. Der Präsident erklärte, die USA hätten keine Pläne, sich um eine Normalisierung des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus zu kümmern.
„Wir werden uns sehr bald von dort zurückziehen. Und wenn Frankreich oder ein anderes Land Öl oder Gas bekommen möchte, das durch die Straße von Hormus geht, müssen sie selbst dorthin gehen und sich selbst darum kümmern. Ich denke sogar, es wird sehr sicher sein, aber wir haben damit nichts zu tun“, sagte er vor Journalisten.
„Was wird mit der Straße von Hormus? Wir werden damit nichts zu tun haben, denn diese Länder, China, werden hinfahren, ihre prächtigen Schiffe beladen, davonsegeln und sich um selbst kümmern. Wir haben keinen Grund, uns darum zu kümmern“, fügte Trump hinzu.
Eine neue Einnahmequelle
Das ist für die Angreifer eine traurige Realität, nicht aber für die Opfer des Angriffs. Laut Mohammad Mokhber, einem Berater des Obersten Führers der Islamischen Republik, werden Irans Einnahmen aus der Kontrolle der Straße von Hormus mindestens doppelt so hoch sein wie seine Erlöse aus dem Ölexport. Er wies zudem darauf hin, dass Iran dieselben Rechte an der Meerenge habe wie die Türkei am Bosporus und Ägypten am Suezkanal.
Das iranische Parlament arbeitet bereits an einem Gesetz über Mautgebühren für Schiffe, die die Straße von Hormus passieren, so Mohammad Reza Rezaie Kouchi, Vorsitzender des Ausschusses für öffentliche Arbeiten des iranischen Parlaments. „Wir im Parlament erarbeiten einen Gesetzentwurf, der Irans Herrschaft, Souveränität und Kontrolle über die Straße von Hormus rechtlich festschreiben wird. Die Erhebung von Mautgebühren wird zudem eine Einnahmequelle für das Land schaffen“, sagte er. (Anm. d. Übers.: Das Gesetz wurde im Iran inzwischen beschlossen, anscheinend wurde der Artikel schon vor einigen Tagen geschrieben und später veröffentlicht.)
Laut dem Abgeordneten ist der Gesetzentwurf fertiggestellt, bedarf aber noch weiterer Überarbeitung. Er soll dem Parlament in Kürze vorgelegt werden.
„Gemäß dem Gesetzentwurf wird der Iran eine Gebühr erheben, um die Sicherheit der Schiffe in der Straße von Hormus zu gewährleisten. Das ist völlig selbstverständlich. Wie bei anderen Transitrouten werden auch hier Gebühren auf die Fracht erhoben. Auch die Straße von Hormus ist ein Transitkorridor. Wir gewährleisten seine Sicherheit und es ist daher völlig normal, dass Schiffe und Tanker Gebühren entrichten“, erklärte der Abgeordnete.
Sie verdienen doppelt so viel
Wie Wladimir Lewtschenko, Finanzanalyst und Experte am Stolypin Institut für Wachstumsökonomie, gegenüber der TASS erklärte, „zeigen die Zahlen bereits, dass der Iran durch die gesamte Situation im Nahen Osten tatsächlich doppelt so viel verdient.“ „Mehr noch, das Land könnte zusätzliche Einnahmen generieren, indem es Schiffe durch die Straße von Hormus lotst, beispielsweise indem es Tankern unter anderer Flagge die Durchfahrt gestattet“, erläuterte der Experte.
Lewtschenko zufolge betrifft die Situation derzeit nur eine geringe Anzahl von Handelsschiffen, doch selbst unter diesen Umständen erzielt der Iran einen beträchtlichen Gewinn. „Diese Einnahmen könnten die Verluste durch die kriegsbedingten Zerstörungen ausgleichen“, so der Experte.
Lewtschenko merkte zudem an, dass der Iran „jetzt deutlich mehr mit Ölverkäufen verdient als vor dem Krieg“, räumte aber ein, dass genaue Zahlen schwer zu nennen seien.
„Erstens sind die Ölpreise deutlich gestiegen, von etwa 70 auf 110 US-Dollar. Das bedeutet, dass der Iran selbst bei gleichbleibender Ölmenge mehr verdienen würde als zuvor. Zweitens unterliegt der Iran seit Langem Sanktionen, was offensichtlich zu einem Preisabschlag für iranisches Öl im Vergleich zu beispielsweise Brent geführt hat. Im Falle Russlands ist der Preisabschlag für russisches Öl nach Beginn des Golfkriegs recht schnell zusammengeschmolzen. Ähnliches ist nun auch beim iranischen Öl geschehen“, bemerkte die Expertin.
Gleichzeitig stellte Elmira Imamkulieva, Dozentin an der Fakultät für Weltwirtschaft und Internationale Angelegenheiten der Nationalen Forschungsuniversität Hochschule für Wirtschaftswissenschaften und Leiterin des Forschungslabors für Zeitgenössische Iranstudien, fest: „Wir erleben derzeit eine neue Operation des 21. Jahrhunderts, bei der Tanker auf verschiedenen Seewegen abgefangen werden, nicht nur in der Straße von Hormus.“ Sie erklärte, es gehe dabei um die Etablierung einer neuen politischen und wirtschaftlichen Transportordnung.
„Es gibt bestimmte Allianzen und die Möglichkeit, dass Schiffe innerhalb bestimmter Allianzen und Partnerschaften loyale Gebiete durchfahren, was folglich zu Widerstand vonseiten anderer Länder des gegnerischen Lagers führt. Daher geht es eher um die Verteidigung der eigenen politischen und wirtschaftlichen Interessen als um die Erzielung übermäßiger Gewinne“, erklärte die Expertin.
2 Millionen Dollar für einen „sicheren Korridor“
Nikolai Novik, Experte am Institut für Weltmilitärökonomie und -strategie, wies in Bezug auf die zusätzlichen Einnahmen durch die Durchfahrt von Tankern unter anderer Flagge darauf hin, dass in dieser Situation klar zwischen Fakten und Expertenmeinungen unterschieden werden müsse.
„Inoffiziellen Informationen aus verschiedenen Quellen zufolge verlangt der Iran, der die Durchfahrt fast aller Öl- und Gastanker durch die Straße von Hormus blockiert, bis zu 2 Millionen Dollar pro Schiff für einen ‚sicheren Korridor‘. Diese Gebühren werden jedoch selektiv und nicht systematisch erhoben und sind Teil der sogenannten selektiven Schließung der Straße, bei der Teheran Schiffe von ‚Aggressorländern‘ blockiert, anderen Schiffen, darunter auch eigenen, aber die Durchfahrt gestattet“, so der Experte.
Lloyd’s List, eine der ältesten und angesehensten Schifffahrtspublikationen der Welt, berichtete am vergangenen Sonntag über mindestens einen Tanker, der so eine „Gebühr“ entrichtet hat, sagte Novik.
Gleichzeitig warnte der Experte vor verfrühter Euphorie für die iranischen Partner, obwohl er die gestiegenen Einnahmen bestätigte. „Laut Daten von TankerTrackers.com, die von Bloomberg und mehreren internationalen Publikationen zitiert werden, erzielte der Iran im März 2026 täglich rund 140 Millionen US-Dollar aus dem Verkauf seiner wichtigsten Rohölsorte Iranian Light. Das sind 22 Prozent mehr als im Februar, aber deutlich weniger als die gemeldete Verdopplung“, so Novik.
Er hob auch den positiven Trend beim Preisabschlag für iranisches Öl hervor. „Vor dem Konflikt lag der Abschlag für Iranian Light gegenüber Brent aufgrund der Sanktionen bei über 10 US-Dollar pro Barrel. Im März verringerte er sich aufgrund des Wettbewerbs um die verfügbaren Mengen auf 2 US-Dollar“, erklärte der Experte und merkte an, dass der Iran seine Exporte trotz der Kriegshandlungen bei bis zu 1,6 Millionen Barrel pro Tag halten konnte.
Novik erklärte außerdem, dass das US-Finanzministerium am 20. März eine befristete Genehmigung erteilt habe, die Operationen mit bereits auf Tanker verladenem iranischem Öl bis zum 19. April erlaube. „Das wichtigste Ziel ist es, Schocks zu vermeiden und schnellstmöglich rund 140 Millionen Barrel iranisches Öl auf den Markt zu bringen, um die Preise zu senken und eine Energiekrise zu verhindern“, so Novik abschließend.
Gleichzeitig wies der Politikwissenschaftler Ilja Graschtschenkow, Direktor des Zentrums für regionale Politikentwicklung, darauf hin, dass Irans Logik klar sei: Er versuche, seine Kontrolle über einen globalen Handelsengpass zu monetarisieren. „Nicht nur durch den Preis des eigenen Öls, sondern auch durch das selektive Durchlassen von Schiffen, mögliche Gebühren, Grauzonengeschäfte, Risikoprämien und die Steigerung des eigenen Verhandlungswerts. Es ist eine typische Strategie für einen Staat unter Sanktionen und militärischem Druck, die geografische Lage als Ressource zu nutzen. Doch so ein Modell funktioniert gut als Instrument der Erpressung und kurzfristigen Gewinnmaximierung, nicht aber als nachhaltige Wirtschaftsstrategie“, resümierte der Experte.
Ende der Übersetzung
Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.
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