Worüber Putin und Trump in ihrem Telefonat gesprochen haben
Am Freitagabend fand wieder ein Telefonat zwischen den Präsidenten Trump und Putin statt, das das anderthalb Stunden gedauert hat. Präsident Trump sprach danach in einem Post auf TruthSocial von einem sehr „erfolgreichen Gespräch“. Später teilte er noch mit, er habe sich mit Putin auf Diesellieferungen in die USA geeinigt. Das sei ein großer Deal, der gigantische Lieferungen in die USA bringe, das sei Diesel, den die USA dringend bräuchten. Dafür dankte er Putin überschwänglich.
Auf russischer Seite fand nach dem Telefonat der Präsidenten eine Telefonkonferenz statt, auf der Juri Uschakow, der außenpolitische Berater von Präsident Putin, die Journalisten über das Telefonat informierte, am Ende stellten einige Journalisten noch Fragen. Ich habe diese Telefonkonferenz, deren Mitschrift, wie in Russland üblich, auf der Seite des Kreml veröffentlicht wurde, übersetzt.
Beginn der Übersetzung:
Uschakow: Ich möchte mit einem kurzen Hintergrundbericht beginnen und Ihnen einen kleinen Einblick in die „Küche“ gewähren, in der das „Gericht“ namens „Telefonat zwischen den Präsidenten Russlands und der USA“ zubereitet wurde.
Am Nachmittag des 7. Oktober haben Steve Witkoff, der Sondergesandte des US-Präsidenten, und ich telefoniert. Er bat darum, dem russischen Präsidenten Wladimir Putin herzliche Glückwünsche und die besten Wünsche von US-Präsident Donald Trump zu übermitteln. Steve Witkoff bat zudem darum, seine eigenen sowie die besten Wünsche von Jared Kushner an unseren Präsidenten anzuschließen, für den er aufrichtigen Respekt hegt und auf ein baldiges Treffen mit ihm hofft.
Steve Witkoff teilte auch mit, dass der US-Präsident Wladimir Putin gerne persönlich telefonisch gratulieren wolle und wir suchten in den Terminkalendern beider Präsidenten – unter Berücksichtigung des Zeitunterschieds zwischen Moskau und Washington sowie der Tatsache, dass der russische Präsident am Morgen des 8. Oktober zum GUS-Gipfel nach Turkmenistan aufbrach – nach einem geeigneten Zeitfenster. Schließlich einigten wir uns darauf, dass der günstigste Zeitpunkt für ein Gespräch unmittelbar nach der Rückkehr unseres Präsidenten von dieser Reise wäre.
Präsident Trump verschob einige seiner für heute bereits geplanten Termine, und so kam es am späten Abend des 9. Oktober zu diesem Telefonat.
Natürlich gratulierte Donald Trump Wladimir Putin sofort herzlich zum Geburtstag, sprach ihm unformell seine Wünsche für Erfolg und Wohlergehen aus und vergaß auch nicht, Grüße von seiner Ehefrau Melania zu übermitteln.
Wladimir Putin dankte seinem amerikanischen Kollegen für die Glückwünsche und die freundlichen Worte an seine Adresse und betonte, dass wir die Aufmerksamkeit schätzen, die der US-Präsident und sein Team dem Dialog mit Russland widmen, obwohl innenpolitische Angelegenheiten und Themen im Nahen Osten sie sehr in Anspruch nehmen.
Was den eigentlichen Inhalt des Gesprächs betrifft, so kann ich, sehr geehrte Kollegen, Ihre Neugier natürlich nicht befriedigen und die konkreten Fragen, über die die Präsidenten gesprochen haben, im Detail offenlegen.
Einen bemerkenswerten Punkt des Gesprächs nenne ich dennoch, das sind die Dankesworte unseres Präsidenten an die First Lady der USA für ihr aktives humanitäres Engagement und insbesondere für ihren Beitrag zu den Bemühungen, Kinder, die im Zuge des Ukraine-Konflikts von ihren Familien getrennt wurden, wieder mit ihren Familien zu vereinen.
Was die geäußerten Besorgnis über die humanitäre Lage in der Stadt Aljoschki im Gebiet Cherson angeht, wurde vereinbart, dass die Menschenrechtsbeauftragte Jana Lantratowa in ständigem Kontakt mit dem Stab von Melania Trump stehen wird.
Die Präsidenten beider Länder sprachen ausführlich über die Vorbereitung umfassender wirtschaftlicher Initiativen, einschließlich möglicher Lieferungen russischer Erdölprodukte auf den amerikanischen und den Weltmarkt. Dazu haben die Präsidenten Russlands und der USA übrigens bereits spezielle Erklärungen abgegeben. Zudem wurde Zufriedenheit über die zwischen den Ländern bestehenden Kommunikationskanäle auf Ebene der Verwaltungen, der Geheimdienste und anderer Behörden geäußert.
Natürlich wurde auch den Aussichten auf eine Beilegung des Ukraine-Konflikts große Aufmerksamkeit gewidmet.
Wladimir Putin erzählte ausführlich von den Maßnahmen, die wir als Reaktion auf die Terrorangriffe des Kiewer Regimes ergreifen, das auf Eskalation und mit allen Mitteln auf eine Verlängerung des Konflikts setzt. Es wurde betont, dass Kiews Bestreben, den Vormarsch der russischen Truppen entlang der gesamten Kontaktlinie durch Schläge tief in unser Territorium hinein zu stoppen, keinerlei Aussicht auf Erfolg hat. Unsere Streitkräfte haben die Initiative vollständig in der Hand und rücken souverän vor.
Dabei machte Wladimir Putin deutlich, dass unsere Position hinsichtlich der Ziele und Aufgaben der Militäroperation unverändert bleibt, ebenso wie unsere Bereitschaft zu einer politisch-diplomatischen Regelung, die auf einen langfristigen und dauerhaften Frieden abzielt.
Besonders hervorgehoben wurde, dass, wenn in einem früheren Gespräch der Präsidenten noch von der Möglichkeit einer Wiederaufnahme der trilateralen Verhandlungen unter Beteiligung der USA und der Ukraine unmittelbar nach den Wahlen zur Staatsduma die Rede war, die Situation jetzt eine andere ist. Durch ihre Versuche, unsere Wahlen zu sabotieren, indem das Kiewer Regime am wichtigsten Wahltag einen massiven Drohnenangriff auf Moskau, andere Städte, Wahllokale sowie auf Personen verübte, die mit der Organisation der Wahlen betraut waren, hat es faktisch die Möglichkeit einer sofortigen Wiederaufnahme des Verhandlungsprozesses zunichtegemacht. Nun, so der Präsident, werden wir abwägen, wann diese Verhandlungen wieder aufgenommen werden können.
Donald Trump hörte sich unsere Argumentation aufmerksam an und erklärte, er werde veranlassen, dass entsprechende Signale an die ukrainische Delegation übermittelt werden, die sich derzeit zu Gesprächen mit amerikanischen Vertretern in Miami aufhält.
Wladimir Putin betonte nachdrücklich, dass die diplomatischen Möglichkeiten im Hinblick auf den Iran keineswegs ausgeschöpft seien. Mit Teheran könne und müsse man zu einer Einigung gelangen.
Der Präsident erwähnte, dass er mit dem iranischen Präsidenten Peseschkjan gestern in Turkmenistan ausführlich über die aktuelle Lage gesprochen hat. Er merkte an, dass die Amerikaner, ungeachtet gelegentlicher scharfer öffentlicher Äußerungen, unter Einbeziehung Katars weiterhin einen indirekten Dialog mit den Iranern führen. Übrigens bleibt unser Vorschlag, hochangereichertes iranisches Uran nach Russland zu verbringen, als möglicher Ausweg aus der Sackgasse, weiterhin bestehen.
Es war bezeichnend, dass Donald Trump diese Bemerkung nicht unkommentiert ließ und das Engagement Moskaus bei der Beilegung der Lage um den Iran begrüßte.
Vielleicht muss ich auch noch ein Detail des Gesprächs erwähnen, bei dem der amerikanische Präsident, als das Thema auf Sport kam, die Verdienste von Alexander Owetschkin für das Welteishockey würdigte.
Das überaus inhaltsreiche und, wie ich sagen würde, freundschaftliche Gespräch der Präsidenten dauerte anderthalb Stunden. Niemand wollte als Erster auflegen. In diesem Zusammenhang hoffe ich, dass der US-Präsident es mir nicht übelnimmt, wenn ich seine Worte darüber zitiere, dass er bereit sei, den Austausch mit Wladimir Putin fortzusetzen, sei es heute Abend, Nacht oder am nächsten Tag.
Damit möchte ich schließen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Frage: Wer hat am Ende aufgelegt, wenn es eigentlich niemand wollte?
Uschakow: Sie haben gleichzeitig aufgelegt, gleichzeitig.
Ich habe die Worte Trumps zitiert, denn erstens sind sie meiner Meinung nach sehr wertvoll und zweitens zeigen sie, welchen Charakter das Gespräch zwischen den beiden Präsidenten hatte.
Frage: Können Sie die Aussage von Präsident Trump bezüglich der Menge an Diesel bestätigen, die an die USA geliefert werden soll? Präsident Trump hat auf TruthSocial einen Beitrag veröffentlicht, in dem er einen Lieferplan darlegte. Er berichtete, dass zunächst 300.000 Tonnen Diesel geliefert würden und anschließend weitere 500.000 Tonnen…
Uschakow: Wissen Sie, ich habe diese Erklärung gelesen und sie auch erwähnt, als ich Ihnen vom Verlauf des Gesprächs berichtete. Was ich noch anmerken kann: Der russische Präsident hat eine eigene Erklärung zu diesem Thema abgegeben, die bereits in allen Medien verbreitet wurde. Zudem haben sich auch Vertreter unseres Energieministeriums dazu geäußert.
Frage: Wann könnte ein bilaterales Treffen der beiden Präsidenten stattfinden?
Uschakow: Wissen Sie, über diese Frage wurde nicht konkret gesprochen. Aber wir alle wissen, dass in China ein wichtiges internationales Ereignis ansteht, der APEC-Gipfel. Und beide Präsidenten, sowohl der russische als auch der amerikanische, haben, zumindest nach aktuellem Stand, Interesse an dieser Veranstaltung teilzunehmen. Wenn also beide Präsidenten auf demselben internationalen Forum sind, gehe ich davon aus, dass sie eine Gelegenheit finden werden, einander zu begegnen, einander die Hände zu schütteln und zu reden.
Frage: Können Sie sagen, ob es seitens der USA Zugeständnisse an Russland als Gegenleistung dafür gab, dass Russland sich bereit erklärt hat, Diesel in die USA zu liefern?
Uschakow: Wissen Sie, ich glaube, die amerikanische Seite wird dazu noch gewisse zusätzliche Erläuterungen geben. Ich habe Ihnen gesagt, was ich sagen wollte. Was nötig war, hat unser Präsident bereits in seiner speziellen Erklärung klar zum Ausdruck gebracht.
Ende der Übersetzung
Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.
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