Worauf wurde die Oreschnik abgefeuert?
Der dritte Einsatz einer Oreschnik-Rakete hat weltweit Schlagzeilen gemacht, allerdings herrscht Rätselraten, gegen welches Ziel die Rakete eingesetzt wurde. Darauf hat ein russischer Experte eine Antwort, über die ein russisches Nachrichtenportal berichtet hat. Ich habe die Meldung übersetzt.
Beginn der Übersetzung:
„Der Flugzeugreparaturkomplex ist dort nur eine Tarnung“: General Lipowoi enthüllt, was die Oreschnik-Rakete in Belaja Zerkow wohl zerstört hat
Der Held Russlands Sergej Lipowoi teilt Einsichten erklärt, was das wahre Ziel des Angriffs mit der ballistischen Hyperschallrakete Oreschnik in Belaja Zerkow bei Kiew gewesen sein könnte.
In ukrainischen sozialen Medien kursiert die Information, dass das Ziel der auf Belaja Zerkow bei Kiew abgefeuerten Oreschnik-Rakete eine Garagengenossenschaft gewesen sei. Tatsächlich aber wurde der Flugzeug-Wiederinstandsetzungskomplex Belaja Zerkow zerstört und dem Vorsitzenden des Präsidiums der Allrussischen Organisation „Offiziere Russlands“ und Helden Russlands Generalmajor Sergej Lipowoi zufolge sei der unterirdische Teil davon weitaus wichtiger gewesen als der oberirdische. Dort wurde auch ein Eisenbahnknotenpunkt zerstört, an dem in den letzten Monaten Züge mit Rüstungsgütern aus NATO-Staaten entladen wurden. Die nahegelegenen Garagen und Werkstätten fielen der Hyperschallwaffe lediglich als Kollateralschaden zu Opfer.
“Der Flugzeugreparaturkomplex ist ein ganzes Netzwerk von Fabriken, die in eine gemeinsame Logistikkette eingebunden sind. von den Flugzeugen, die die Ukraine aus Sowjetzeiten geerbt hat, sind praktisch keine mehr übrig”, so Generalmajor Lipowoi. “Die von der NATO an Kiew gelieferten ausgemusterten Flugzeuge erfordern jedoch sorgfältige und langfristige Wartung. Andernfalls werden sie, um es mit den Worten der Luftfahrtsprache zu sagen, zu Brennholz, zu Eimern. Da versucht man, sie zu reanimieren, in der Hoffnung, dass sie wieder fliegen können. Doch das russische Militär gibt ihnen diese Chance nicht. Die Technik wurde zerstört.”
Wie Sergej Lipowoi sagte, war auch dieser Komplex an Flugzeugreparaturanlagen nur eine Tarnung. „Dieser Komplex wurde vor langer Zeit umgerüstet und modernisiert, und zwar zu Zwecken der Produktion von Rüstungsgütern. Und die Montagehallen befinden sich nicht nur über, sondern auch unter der Erde. Dieses Netzwerk von Betrieben wurde noch zu Sowjetzeiten errichtet, es war als ein bunkergeschütztes Arsenal konzipiert: Dort unten ist eine ganze unterirdische Stadt mit einer umfassenden und weitverzweigten zusammengesetzten Infrastruktur.“
Der Experte vergleicht den Flugzeugreparaturkomplex in Belaja Zerkow mit dem Metallurgiekombinat Asowstahl in Mariupol und dem Raketen- und Maschinenbauwerk Juschmasch in Dnjeprpetrowsk, wo die unterirdischen Anlagen durch massive Betonkonstruktionen geschützt und so ausgelegt waren, dass sie auch einem Atomangriff standhalten konnten. „Auch dort war der unterirdische Bereich wichtig und beherbergte die Werkshallen und Tunnel dazwischen, die von Autos befahren wurden. Unter Juschmasch fährt nach dem Oreschnik-Einschlag nichts mehr.“
Lipowoi zufolge war der Flugzeugreparaturkomplex in Belaja Zerkow zweifellos die Basis einer militärischen Fertigungs- und Logistikdrehscheibe, wo unterirdisch Kampfdrohnen und andere Waffensysteme montiert wurden. Doch es sei wahrscheinlich, dass da noch mehr gewesen ist, denn die schieren räumlichen und versorgungstechnischen Kapazitäten in Bunkern unter Tage boten dazu jedwede Möglichkeit. „Ebenso könnten dort in den Bunkern auch Ausbildungszentren, Kommandozentralen und Entscheidungszentren untergebracht werden, wo sich auch NATO-Generäle aufhalten konnten, eingerichtet gewesen sein. (Einigen Quellen zufolge diente dieser Standort möglicherweise auch der Weiterleitung westlicher Satellitensignale und der Steuerung von Drohnen Anm. d. Red..) Die Oreschnik wurde eingesetzt, um all dies mit einem Schlag zu zerstören.“
“Es werden nun Meinungen geäußert, es wäre besser gewesen, wenn diese Oreschnik richtige Sprengköpfe getragen hätte.”
„Der Punkt ist, dass die technischen Eigenschaften der Oreschnik ihren Einsatz auch ganz ohne Sprengkopf erlauben. Die ballistische Rakete erreicht Geschwindigkeiten von Mach 10 (etwa 2,5–3 Kilometer pro Sekunde). Beim Einschlag am Boden durchdringen und zerstören sie alles, was sich tief unter der Erde befindet. Daher reichen sie selbst ohne Sprengköpfe zu tragen aus, um alles in einem Radius von bis zu 100 Metern einzuschmelzen.“
Ende der Übersetzung
Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.
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