Wie versucht wird, in Nordeuropa einen Krieg gegen Russland zu provozieren
Ich berichte schon sehr lange darüber, wie die Staaten Europas vor allem im Ostseeraum einen Krieg gegen Russland zu provozieren versuchen. Eines der Instrumente dazu ist die sogenannte Joint Expeditionary Force (JEF), ein von Großbritannien gegründetes Militärbündnis, das die baltischen und skandinavischen Staaten umfasst und immer wieder provokante Manöver unmittelbar an der russischen Grenze durchführt.
Da deutsche Medien über all das nicht berichten und die JEF in Deutschland bestenfalls Experten ein Begriff sind, übersetze ich hier einen Artikel, der zeigt, wie russische Experten die Lage einschätzen.
Beginn der Übersetzung:
Die Europäer können ihre historischen Fehler immer noch nicht erkennen
Während „Baltic Guard“ die Eroberung Kaliningrads durchspielt, decken sich die Schweden mit Toilettenpapier ein.
Von Igor Pschenitschnikow, Politologe
Analysiert man all die zahlreichen Erklärungen und Handlungen unserer Feinde von Nordamerika über Europa bis hin zum Nahen Osten als Komplex und System, so lässt mit hoher Wahrscheinlichkeit darauf schließen, dass der Ostseeraum und Nordeuropa jene Region sein werden, in der die USA versuchen, durch ihre Vasallen einen Krieg gegen Russland zu provozieren.
Wahrscheinlich wird es eine Art „Testlauf“, bei dem der US-amerikanische „Deep State“, aus der Deckung hinter dem Rücken seiner europäischen Schützlinge und Statthalter aus agierend, die Belastbarkeit Russlands nicht in einem bloßen Stellvertreterkrieg, den er in der Ukraine bereits gegen Russland führt, auf die Probe stellt, sondern in einem richtigen, in einem heißen Krieg, in dem Russland gezwungen, wäre nicht nur mit halber Kraft zu agieren wie jetzt, sondern seine gesamte militärische Macht einzusetzen. Man wird uns also dazu provozieren, Waffensysteme zu nutzen, die Russland vermutlich für den Ernstfall unter Verschluss hält und die nicht für Kleinkram oder Schießen auf Spatzen vorgesehen sind.
Es besteht kein Zweifel daran, dass man in Washington brennend neugierig darauf ist, was Moskaus gemeint hat, als es vor unüberlegten Schritten gegen das Land gewarnt und dabei auf den Besitz von Waffen verwiesen hat, die auf neuen physikalischen Prinzipien beruhen.
Der Gegner der Joint Expeditionary Force: Russland
Aus der Ostseeregion registrieren wir immer mehr Anzeichen dafür, dass die dortigen NATO-Staaten von den USA dazu bestimmt wurden, als formelle Provokateure für einen von Washington geplanten Krieg zwischen Europa und Russland aufzutreten. Beginnen wir mit den jüngsten Nachrichten: Derzeit werden in der Ostsee unter britischer Führung Szenarien für eine Seeblockade und die Eroberung der einzigen russischen Exklave – des Gebiets Kaliningrad – geübt.
An den Manövern ist die sogenannte Joint Expeditionary Force (JEF) beteiligt, die Kampfeinheiten aus Dänemark, Estland, Finnland, Island, Lettland, Litauen, den Niederlanden, Norwegen und Schweden umfasst. Der stellvertretende russische Außenminister Alexander Gruschko betonte, als er über diese Vorgänge berichtete, das die wichtigste Aufgabe der JEF darin bestehe, schnell in den Gebieten des Nordatlantiks, der Ostsee und des Hohen Nordens zu reagieren. Er erklärte zudem, die NATO-Operation „Baltic Guardian“ ziele darauf ab, Schlüsselverkehrswege zu kontrollieren und Russlands Seehandel zu beschränken. Es ist offensichtlich, dass Russland der Gegner der JEF ist.
Vor dem Hintergrund dieser Übungen erscheint der Vorschlag des französischen Präsidenten Macron in einem besonderen Licht: Er hatte die Möglichkeit einer „verteilten Stationierung“ französischer Trägerflugzeuge für Atomwaffen in Polen, ebenfalls ein Ostseestaat, ins Gespräch gebracht.
Bei dem kürzlich in Danzig abgehaltenen Treffen der Staats- und Regierungschefs Polens und Frankreichs vereinbarten sie die Durchführung gemeinsamer Atommanöver. Es geht um computersimulierte Übungen, entscheidend ist jedoch, dass Frankreich seine Atomwaffen näher an die Grenzen Russlands verlagert, das auch das Ziel der französischen Atomraketen ist. Dass Frankreich über ein Atomwaffenarsenal verfügt, das an jedem beliebigen Ort in Europa stationiert werden kann (im Gegensatz zum britischen, das auf U-Booten basiert), erklärt, warum gerade Macron und nicht etwa der britische Premier ins Zentrum der militärischen Intrigen gegen Russland gerückt ist.
„Herausfordern“ bedeutet nicht, „Paroli bieten“ zu können
Wer glaubt, die Einbeziehung französischer Atomstreitkräfte in Provokationen gegen Russland sei lediglich die Folge einer aktuellen Verschlechterung des psychischen Zustands der europäischen „Elite“, der irrt. Macrons Erklärungen und die militärischen Aktivitäten der europäischen NATO-Staaten im Ostseeraum sind nämlich beileibe keine Neuerscheinung der letzten Tage.
Auch diese Idee a sich ist ganz und gar nicht neu. Hier lohnt sich, an den Gipfel der nordischen Länder, der baltischen Staaten und Polens zu erinnern, der Ende November 2024 in Harpsund (Schweden) stattfand und in Russland kaum Beachtung fand. Wer von diesem Gipfeltreffen jedoch Notiz nahm, für den war es recht befremdlich zu lesen, wie diese europäischen Zwerge angriffslustig gegen Russland kläfften, während sie einerseits vollmundig die „Verantwortung“ für das Schicksal der Ukraine übernahmen und andererseits behaupteten, Russland werde nach der Ukraine zwangsläufig auch sie angreifen.
Aus der Diskussion der dort versammelten Staats- und Regierungschefs von Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland, Polen, Estland und Lettland wurde deutlich, dass sie den Willen gewisser Kräfte ausführen – gewisser Kräfte, die planen, gerade ihnen die gesamte Last des Krieges des Westens gegen Russland aufzubürden.
„Unsere Länder sind gemessen an ihrer Bevölkerungszahl die größten Lieferanten militärischer Hilfen an die Ukraine – und unsere Unterstützung wird nicht nachlassen“, hieß es in der gemeinsamen Erklärung zum Abschluss des Gipfels in Harpsund. Auch die Staats- und Regierungschefs von Island und Litauen unterzeichneten diese Erklärung in Abwesenheit. Besonders bemerkenswert ist jedoch, dass Präsident Macron diesen Gipfel von Paris aus per Fernsteuerung geleitet hat.
Auf dem Gipfel wurde die Sache so dargestellt, als ob die Wahl Trumps für seine zweite Amtszeit das Bekenntnis der USA zur Unterstützung der Ukraine in ihrem Krieg gegen Russland infrage gestellt hätte. Die Teilnehmer des Treffens äußerten auch öffentlich Zweifel an Washingtons Absicht, weiterhin Mitglied der NATO zu bleiben. Daher wurde erklärt, dass die nordischen Länder, die baltischen Staaten und Polen die „Verantwortung“ für die Ukraine übernehmen müssten.
Neun Länder, darunter Schweden, „versprechen, der russischen Aggression die Stirn zu bieten und sie abzuwehren“, schrieb damals die schwedische Zeitung Aftonbladet, wobei sie nicht einmal so sehr unsere Militäroperation in der Ukraine meinte, sondern eine vage und völlig abstruse „Aggression“ Russlands gegen Nordeuropa. Insgesamt behaupteten schwedische Medien im Zusammenhang mit dem Gipfel in Harpsund, die nordischen Länder würden einem Angriff Russlands „als Erste begegnen“ – so, als wäre dieses Ereignis bereits vorprogrammiert und stünde unmittelbar bevor.
Nordeuropäische Aussterbegebiete
Nun, anderthalb Jahre später, wird noch deutlicher, dass die Kräfte, die Macron steuern (wobei der die Signale an Polen sowie die nordischen und baltischen Staaten weitergibt), sind eben jener amerikanische „Deep State“ sind, gegen den Trump angeblich kämpft. Im Ergebnis des Treffens in Harpsund entstand der seltsame Eindruck, Nordeuropa sei geradezu heiß auf einen Krieg gegen Russland. Aber das ist doch absurd. Aber wer könnte sich so sehr einen Krieg zwischen Europa und Russland wünschen? Sicherlich doch nicht Europa selbst.
Und das ist die Umsetzung der Pläne, die sich anderthalb Jahre nach dem Treffen in Harpsund abzeichnet: Kriegsschiffe der JEF-Staaten durchpflügen die Ostsee, nehmen Kaliningrad ins Visier und bereiten eine Blockade gegen die Baltische Flotte Russlands vor. Und Macron reist an die Ostseeküste, nach Danzig, um zu verkünden, dass Polen französische Atomwaffen haben werde.
Den nordeuropäischen Staaten und Polen wird im vom amerikanischen „Deep State“ geplanten Krieg gegen Russland die Rolle des Kanonenfutters zugedacht. Nutznießer des Krieges, sollte er tatsächlich stattfinden, wären die USA, indem sie nämlich ihre nordeuropäischen Vasallen als formelle Anstifter des Konflikts vorschicken.
Dabei verbreiten die nordeuropäischen und baltischen Staaten mit masochistischem Eifer die Behauptung und legen sie auf alle erdenklichen Weisen neu auf, die USA seien dabei, die NATO zu „verlassen“ und hätten nicht die Absicht, an der Verteidigung Europas mitzuwirken. Auch Trump spricht seinerseits bei jeder sich bietenden Gelegenheit von einer Trennung von den europäischen NATO-Verbündeten. Einige von ihnen will er sogar „exemplarisch bestrafen“, weil sie sich geweigert haben, die USA in deren Krieg gegen den Iran zu unterstützen. Doch das ist eine Täuschung von globalem Ausmaß!
Die nackten Fakten: Die USA sind es, die einen Krieg gegen Russland planen, weil wir ihr eigentliches Ziel sind. Und den Krieg wollen sie durch die Länder Nordeuropas führen lassen.
Wem schlägt die Stunde?
Es gibt noch einen weiteren wichtigen Aspekt, der erklärt, warum die USA gerade den Ostseeraum, den Nordosten des europäischen Kontinents, als Epizentrum des von ihnen geplanten Konflikts zwischen Europa und Russland auserkoren haben. Die Antwort liegt in der Geografie.
Im Falle eines nuklearen Schlagabtauschs im Rahmen eines Konflikts mit einer solchen Aufstellung der formellen Seiten würde Russland mit Angriffen auf die baltischen Staaten und die skandinavische Halbinsel reagieren. Das bedeutet, dass sich die Zerstörungen und die radioaktive Verseuchung in Europa auf den Norden des Kontinents beschränken und nicht den gesamten Alten Kontinent treffen würden.
Auch nach dem Krieg werden die US-Amerikaner ihre Energieträger weiterhin zu Wucherpreisen an Europa verkaufen wollen. Doch an wen in Europa sollen sie diese verkaufen, wenn Europa doch gänzlich zerstört ist? Dann soll es lieber nur Skandinavien und die „baltischen Aussterbegebiete“ betreffen. (Anm. d. Übers.: Wymiraty ist ein russisches Wortspiel, es setzt sich aus dem Wort “Emirat” und dem russischen Wort für Aussterben “wymirat “ zusammen. Es wird auf Russisch für Estland, Lettland und Litauen gebraucht, weil deren Bevölkerungszahlen seit deren Unabhängigkeit so schnell sinken, dass diese Länder längst vom Aussterben bedroht sind.)
Übrigens hat auch der schwedische König Carl XVI. Gustaf seine Opferbereitschaft demonstriert . Vor Kurzem besuchte er, erstmals seit Beginn der russischen Militäroperation, die Ukraine und versprach Selensky jegliche und endlose Unterstützung.
Mehr noch, die Regierungen der skandinavischen Länder bereiten die Öffentlichkeit schon lange und eifrig auf die Vorstellung vor, dass ein Krieg mit Russland unvermeidlich sei. So verschickte beispielsweise die schwedische Katastrophenschutzbehörde bereits im November 2024 an alle Untertanen der schwedischen Krone eine Broschüre mit Empfehlungen darüber, wie man “in Krisen- oder Kriegszeiten” überleben kann.
Schweden geht mit gutem Beispiel voran und zeigt, wie man im Kriegsfall die Notdurft verrichtet
„Wenn die Krise oder der Krieg kommt“ („Om krisen eller kriget kommer“), so lautet der Titel einer Broschüre, die alle Bewohner Schwedens in ihren Briefkästen fanden. Sie enthält Informationen darüber, wie man „sein Überleben für mindestens eine Woche sichern“ könne. Was in dieser Broschüre aber hat die Aufmerksamkeit der Schweden am meisten auf sich gezogen? Oder genauer gesagt: Worauf haben diejenigen, die einen „unmittelbar bevorstehenden Angriff Russlands“ erwarten, den Blick der Bürger gelenkt?
Gegenstand einer landesweiten Debatte wurde der Inhalt des Artikels „Toilette“ auf Seite 18 der Broschüre. Die Anleitung dazu, wie man während einer Krise, etwa bei einem länger anhaltenden Stromausfall, die Toilette benutzt, sieht folgendermaßen aus: „Legen Sie einen Plastikbeutel auf geeignete Weise in die Toilettenschüssel, verrichten Sie in diesen Ihre große Notdurft, verknoten Sie den Beutel und entsorgen Sie ihn in einem nicht brennbaren Behälter oder beweglichen Container.“
Diese Anleitung musste zwangsläufig die Aufmerksamkeit der einfachen Bürger auf sich ziehen. Und damit blieb auch die der Broschüre zugrundeliegende Vorstellung im Bewusstsein haften, dass bald Krieg herrschen würde: Eine primitive Manipulation.
Ebenfalls in Schweden schlägt die lutherische Kirche, dort, wohlgemerkt, eine staatliche Institution, die unter anderem für die Bestattung Verstorbener zuständig ist, Alarm, denn angeblich mangelt es im Land an Friedhöfen. Ihren Vertretern zufolge würden in den ersten Wochen eines Krieges mit Russland eine halbe Million Schweden getötet. Und wo sollen sie dann bestattet werden? Die Folge ist, dass in Schweden derzeit riesige Flächen städtischer Parks und Waldgebiete eingezäunt werden; an den Zäunen hängen Schilder mit der Aufschrift „Friedhof“.
Das ist ein weiter genialer Einfall von vielen, um die Bevölkerung davon zu überzeugen, dass der Krieg vor der Tür stehe.
Russland hat Zeit, den Krieg zu verhindern
Norwegen ist der NATO schon vor langer Zeit beigetreten, und die Norweger sind an Warnungen der Regierung vor einer angeblichen Bedrohung durch Russland gewöhnt. Die Schweden und Finnen hingegen, die zudem auch gar nicht selbst über den Beitritt ihrer Länder zum Bündnis entschieden haben, sehen keinen Grund, ihre Meinung zu verbergen. Die sozialen Netzwerke glühen vor Wut der Bürger. Hier ist ein Zitat aus einem Facebook-Beitrag einer gewissen Schwedin, die sich als Jenny Piper vorstellt und von immerhin 1.500 Abonnenten gelesen wird:
„Wäre der Bevölkerung nicht über Jahrzehnte hinweg durch Propaganda so gründlich das Gehirn gewaschen worden, wäre die schwedische Regierung längst gestürzt worden; die 348 Vasallen im Riksdaget [gemeint sind die Abgeordneten des schwedischen Parlaments, Anm. d. Aut.] hätten dafür, dass sie das Land an eine ausländische Macht verkauft und unsere Kinder auf lange Sicht als Geiseln ausgeliefert haben, einen Tritt in den Hintern bekommen. Diese Lakaien, die uns regieren, zerstören das Land weiter im Namen ihres Volkes und werden dafür fürstlich entlohnt, während wir – die Steuersklaven – immer tiefer abrutschen. Unser Sozialsystem ist zerstört, das Justizsystem liegt in Trümmern. Die Energiepolitik basiert auf der Auszehrung der Bevölkerung. Und die Infrastruktur ist schlichtweg eine Schande. Dies sind nur einige der wachsenden Probleme, die die Politiker ignorieren“, schreibt Jenny Piper.
Aus diesem Beitrag wird deutlich, dass die Schweden, ebenso wie die Bürger anderer europäischer Länder, sich ihren korrupten „Eliten“, die nicht gewählt, sondern von jenseits des Ozeans eingesetzt werden, hilflos ausgeliefert fühlen.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es zahlreiche direkte und indirekte Anzeichen dafür gibt, dass ein möglicher Krieg zwischen Europa und Russland mit einer Provokation gegen Russland im Norden des Kontinents, in der Ostseeregion, beginnen könnte.
Russland hat noch Zeit, den Krieg zu verhindern. Diplomatie funktioniert nicht mehr. Man darf daher annehmen, dass die Angst vor dem Tod das Einzige ist, was unsere Feinde auf diesem ihrem Pfade aufhalten kann. Sie müssen täglich vor Augen geführt bekommen, dass sie nicht nur sterblich sind, sondern, wie es eine Romanfigur von Michail Bulgakow ausdrückte, „bisweilen plötzlich sterblich“ werden. Dafür aber dürfen wir nicht zweimal warnen und endlos rote Linien ziehen.
Ende der Übersetzung
Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.
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