Wie Trump die G7 ausmanövriert hat

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Der Frankreich-Korrespondent der TASS hat in einem Artikel auf interessante Details hingewiesen, die in den deutschen Me...

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G7-Gipfel

Wie Trump die G7 ausmanövriert hat

Beim G7-Gipfel in Frankreich gab es einige interessante Details, die in den Medien kaum Beachtung fanden.

Der Frankreich-Korrespondent der TASS hat in einem Artikel auf interessante Details hingewiesen, die in den deutschen Medien Kaum Beachtung gefunden haben, weshalb ich seinen Artikel übersetzt habe.

Beginn der Übersetzung:

Der Gipfel, der endete, bevor er überhaupt begonnen hatte: Wie Trump die G7 ausmanövriert hat

Dmitri Gorochow, Leiter des TASS-Büros in Frankreich, über das Gold von Versailles und Fahrräder zm Trost – und darüber, wie Macron versuchte, sein Gesicht zu retten.

Der Gipfel in Évian-les-Bains, der 52. G7-Gipfel, war im Grunde schon beendet, bevor er überhaupt begonnen hatte. Die Regierungschefs Großbritanniens, Deutschlands, Italiens, Kanadas und Japans waren in den französischen Alpenort gereist, um in der Gesprächsrunde ihre Ansichten zu Lösungsansätzen für die Blockade der Straße von Hormus darzulegen. Doch bei ihrer Ankunft stellten sie fest, dass ihr Rat nicht mehr gefragt war.

Ein Versuch, den Club zu retten

Am Vorabend des Treffens zweifelte kaum jemand daran, dass dieses Thema im Mittelpunkt der G7-Diskussionen stehen würde. Doch am 15. Juni erfuhren die G7-Partner der USA, dass Washington und Teheran bereits eine Absichtserklärung erzielt hatten, die am 17. Juni unterzeichnet wurde. Diese Nachricht veränderte den Charakter der Verhandlungen in Évian grundlegend.

Der Gastgeber des Treffens versetzte den Verhandlungen mit einem unerwarteten diplomatischen Schachzug einen weiteren Schlag. Der französische Präsident Emmanuel Macron wollte zu Ehren seines amerikanischen Amtskollegen Donald Trump ein separates Galadinner im Schloss Versailles ausrichten.

Lange vor dem Gipfel galt dessen Ausrichtung in Frankreich als letzter verzweifelter Versuch, diesen elitären Club zu retten, dessen Einfluss – nicht zuletzt aufgrund von Trumps demonstrativer Gleichgültigkeit – deutlich geschwunden war. Um das Ansehen der Organisation wiederherzustellen, deren Länder nur noch 28 Prozent der Weltwirtschaft repräsentieren, mussten die französischen Organisatoren zwei Probleme lösen. Wie der Analyst Timothée Vilar von Le Nouvel Obs anmerkte, ging es nicht nur darum, ein schönes Gruppenfoto der Teilnehmer zu bekommen, sondern vor allem darum, Trumps Anwesenheit von Anfang bis Ende sicherzustellen.

Das Weiße Haus hatte seinen Partnern schon lange angedeutet, dass der US-Präsident das Treffen womöglich ganz ignorieren könnte. Das wäre natürlich eine beispiellose Ohrfeige für die G7 gewesen. Alle erinnern sich noch daran, wie Trump vor einem Jahr Kananaskis in Kanada wegen seiner Ablehnung langweiliger Sitzungen vorzeitig verließ. Damals reiste er nach nur wenigen Stunden ab und begründete das mit dringenden Angelegenheiten, die er persönlich von Washington aus erledigen müsse, darunter die eskalierende Nahostkrise und die Iran-Frage.

Diesmal löste er die heikle Teheran-Frage kurz vor seiner Ankunft in Frankreich und verkündete am 14. Juni, seinem 80. Geburtstag, das Abkommen mit dem Iran. Wieder einmal hat das Weiße Haus die Abkommen im Geheimen vor den anderen sechs Mitgliedern des Clubs ausgehandelt. „Ich bin der Boss“, verkündete Trump anstatt einer Entschuldigung, als er deutlich verspätet zu einem der Treffen des Clubs erschien. Die Anwesenden begrüßten ihn höflich.

Hoher Empfang und Macrons Interesse

Das festliche französisch-amerikanische Abendessen in der historischen Residenz Versailles sollte, wie Macrons Gefolge erklärte, den bevorstehenden 250. Jahrestag der US-amerikanischen Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776 feiern. Die Wahl des Ortes wurde mit seiner Symbolik begründet: Am 3. September 1783 unterzeichneten die USA und ihre Verbündeten, darunter Frankreich, im Schloss Versailles einen Friedensvertrag mit Großbritannien und beendeten damit den siegreichen Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg.

Französischen Medien zufolge verbarg sich hinter der prachtvollen historischen Fassade jedoch eine rein pragmatische Überlegung: Macron wollte lediglich verhindern, dass Trump den G7-Gipfel vorzeitig verließ.

Dabei war keiner der anderen G7-Partner zu der Veranstaltung eingeladen. Der französische Präsident zog es vor, privat mit seinem amerikanischen Amtskollegen zu speisen. Trump selbst lobte die Einladung begeistert und sagte, „Versailles ist nicht vergoldet, es ist echtes Gold.“ In Macrons neunjähriger Präsidentschaft war er – nach dem russischen Präsidenten Wladimir Putin im Jahr 2017, dem japanischen Kaiser Naruhito (damals noch Kronprinz) im Jahr 2018 und König Karl III. von Großbritannien im Jahr 2023 – erst das vierte ausländische Staatsoberhaupt, das in den Gemächern des Schlosses empfangen wurde.

Wegen Trumps verspäteter Abreise aus Évian traf seine Wagenkolonne von fast hundert Fahrzeugen mit drei Stunden Verspätung am Schloss ein. Die Präsidenten begaben sich nicht sofort zum privaten Treffen. Zunächst versammelten sich 30 Personen um einen Tisch – französische Minister, Wirtschaftsvertreter und ein Teil der amerikanischen Delegation. Den Gästen wurden Spargel mit Hummer und schwarzem Kaviar, gebratenes Hähnchen mit Trüffeln sowie Schokoladenkuchen und Vanilleeis zum Dessert serviert.

Laut Jérôme Jaffrey, Analyst am Pariser Institut für Politikwissenschaften, fand dieser Empfang in Versailles jedoch weniger für Trump als vielmehr für Macron selbst statt. „Damit wollte der französische Präsident zeigen, dass er zu den Großen dieser Welt gehört“, bemerkt der Politikwissenschaftler. Macron darf 2027 nicht für eine dritte Amtszeit kandidieren, doch laut Jaffrey stellt sich die Frage, welche Rolle der scheidende Präsident bei den anstehenden Wahlen spielen wird, da er immer noch die Möglichkeit hat, „die Kandidaten zu ärgern“.

Chinesischer Subtext

Während die separaten Abkommen Washingtons mit Teheran und die Treffen in Versailles die Medien vollauf beschäftigten, mussten die G7 bei ihren offiziellen Treffen in Évian noch geplante Wirtschaftsentscheidungen formalisieren. Die wichtigste davon war die Unterzeichnung eines Dokuments zur Sicherung der Lieferketten.

Eine der neun gemeinsamen Erklärungen der G7-Staats- und Regierungschefs enthielt eine feste Vereinbarung: Bis 2030 solle der Anteil der Importe von Seltenen Erden aus einem einzigen Lieferanten 60 Prozent nicht überschreiten. „Wir wollen unsere Abhängigkeit von einem einzigen Lieferanten außerhalb der G7 deutlich reduzieren“, hieß es in der Erklärung. Der wichtigste Adressat dieser Botschaft war leicht verständlich, da derzeit über 80 Prozent der weltweiten Seltenen Erden in China abgebaut und verarbeitet werden.

Auf der abschließenden Pressekonferenz beeilte sich Macron jedoch, die Wogen zu glätten und wies den Vorwurf einer anti-chinesischen Ausrichtung des Abkommens kategorisch zurück. „Dieser Gipfel war in keiner Weise anti-chinesisch, da das nicht der Position Frankreichs entspricht“, versicherte der Gastgeber. „Wir erkennen die Unterschiede in unseren Ansätzen an, insbesondere im Hinblick auf demokratische Werte. Unsere Politik ist jedoch von Respekt geprägt. Wir wollen lediglich die Verwundbarkeit unserer Wirtschaft verringern, aber es gibt hier keinen Konflikt.“

Selensky mit ausgestreckter Hand und einem zweideutigen Geschenk

Ein ebenso wichtiger – und traditionell konfrontativer – Diskussionspunkt war die Ukraine-Frage, der Grund für Wladimir Selenskys Besuch in Evian. Vor dem Hintergrund der sich abschwächenden Nahostkrise versuchten die G7-Teilnehmer, die geopolitische Initiative zu ergreifen. Die Staats- und Regierungschefs der G7 erklärten sich bereit, die Sanktionen gegen den russischen Öl- und Gassektor auszuweiten, und versprachen Kiew zudem, die Lieferungen von Luftverteidigungssystemen zu erhöhen und die Übertragung von Lizenzen für die Produktion von Waffen innerhalb der Ukraine zu prüfen.

Man sollte sich jedoch nicht von diesem plötzlichen Konsens täuschen lassen. Trumps Unterschrift ist nicht mehr als ein vorübergehendes Zugeständnis. Hinter verschlossenen Türen enttäuschte er seine Kollegen in Evian mit Äußerungen über die übermäßigen Kosten der Sanktionen gegen Russland. Aufnahmen vom Protokolltreffen verdeutlichten jedoch Trumps wahre Haltung zum Ukraine-Fall. Sie zeigen deutlich, wie der amerikanische Präsident seine europäischen Kollegen beim Betreten des Raumes demonstrativ begrüßt, aber an Selensky vorbeigeht und dessen ausgestreckte Hand ignoriert.

Die Organisatoren des Treffens versuchten, die offensichtliche Kluft innerhalb der Gruppe mit einer betont friedlichen Geste am Ende des Gipfels zu überbrücken. Als Abschiedsgeschenk erhielt jeder G7-Teilnehmer ein personalisiertes Rennrad in den Nationalfarben seines Landes.

Meiner Meinung nach unterstrich dieses umweltfreundliche Souvenir jedoch nur die Zweideutigkeit des Treffens. Man kann nur raten, ob dieses Geschenk in den Augen der Partner Frankreichs den Besuch in Évian-les-Bains und die fehlende Einladung nach Versailles rechtfertigte.

Ende der Übersetzung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.


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