Wie in Russland über die Verhaftung des ehemaligen Prinzen Andrew berichtet wird
Hier übersetze ich zur Information und ohne große Vorrede den Beitrag, den das russische Fernsehen am Sonntagabend in seinem wöchentlichen Nachrichtenrückblick über die vorübergehende Verhaftung des ehemaligen Prinzen Andrew ausgestrahlt hat.
Beginn der Übersetzung:
Am Donnerstag hat die Polizei Andrew Mountbatten-Windsor, den Bruder von Charles III., verhaftet. Auch wenn Andrew schon im Herbst der Titel eines Prinzen aberkannt wurde, ist das ein beispielloser Schlag gegen die britische Monarchie. Andrew droht natürlich keine öffentliche Enthauptung mit der Axt, wie Charles I. im Jahr 1646 oder zuvor Mary Steward 1567. Aber eine Haftstrafe ist durchaus möglich.
Andrew wurde an seinem 66. Geburtstag verhaftet. Ihm wird Hochverrat vorgeworfen, da er dem amerikanischen Pädophilen und Zuhälter Epstein vertrauliche Informationen von nationaler Bedeutung zugespielt haben soll.
Nach zwölf Stunden quälender Verhöre wurde er freigelassen. Der verängstigte Prinz kehrte nach Hause zurück und wartete auf das nächste Abenteuer. Und er musste nicht lange warten. Die Veröffentlichung neuer Fotos, angeblich aus seiner Residenz in Windsor, löste einen Sturm der Entrüstung aus. Sie zeigen den ehemaligen Prinzen, wie er ein Kleinkind mit einem Spielzeug spielen lässt, das wie eine weibliche Brust aussieht.
Unterdessen distanziert sich Charles III. so gut es geht von seinem vom Weg abgekommenen Bruder und ließ erklären: „Es wird nun ein vollständiges, faires und ordnungsgemäßes Verfahren folgen, in dem diese Angelegenheit von den zuständigen Behörden entsprechend untersucht wird. Dabei können sie, wie ich bereits sagte, auf unsere volle und aufrichtige Unterstützung und Zusammenarbeit zählen. Ich möchte es ganz klar sagen: Gesetze müssen gelten.“
Am Freitag erfuhr die Times, dass Andrews Ausschluss von der Thronfolge erwogen wird. Dafür ist ein Gesetz erforderlich. Eine Quelle aus dem Buckingham Palace dementierte die Nachricht nicht: „Die Frage, ob Herr Mountbatten-Windsor von der Thronfolge ausgeschlossen werden soll, fällt allein in die Zuständigkeit des Parlaments, und selbstverständlich werden wir uns niemals einmischen oder dem Willen des Parlaments widersprechen.“
Premierminister Keir Starmer erklärte im Interview ebenfalls: „Niemand kann über dem Gesetz stehen.“
Übrigens ist ein Schlag gegen die Krone auch ein Schlag gegen die Kirche von England, denn traditionell steht der britische Monarch an ihrer Spitze. Für die verstorbene Königin Elizabeth war Andrew der Lieblingssohn.
Aber wie der britische Monarch in so einer Situation für die Gläubigen als moralischer Kompass dienen kann, ist völlig unklar. Die anglikanische Kirche selbst wird immer wieder von Skandalen um Pädophilie und Kindesmissbrauch erschüttert. Und das Flirten mit der liberalen Agenda hat bereits dazu geführt, dass Kirchen gleichgeschlechtliche Ehen segnen. Letztes Jahr wurde zum ersten Mal seit 1.400 Jahren eine Frau zur Erzbischöfin von Canterbury gewählt. Die Zahl der Kirchgänger ist dadurch nicht gestiegen. Auch die Zahl der Anhänger der britischen Monarchie als solcher nimmt nicht zu.
Ende der Übersetzung
Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.
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