Wie die anscheinend geplante Sperrung von Telegram in Russland begründet wird

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Wie die deutschen Medien derzeit darüber berichten, dass Russland Telegram sperren will, ist irgendwie lustig, denn sie ...

anti-spiegel.ru📅 23.02.2026
Streitthema in Russland

Wie die anscheinend geplante Sperrung von Telegram in Russland begründet wird

Da deutsche Medien darüber berichten, dass es in Russland Pläne gibt, Telegram zu sperren, will ich hier zeigen, wie das in Russland begründet wird, weil deutsche Medien darüber gerne unvollständig und verwirrend berichten.

Wie die deutschen Medien derzeit darüber berichten, dass Russland Telegram sperren will, ist irgendwie lustig, denn sie werfen Russland dabei mal wieder Zensur oder Einschränkung der Meinungsfreiheit vor, dabei haben sie beispielsweise während Corona selbst ein hartes Vorgehen gegen Telegram gefordert. Und dass die deutschen Medien die Meinungsfreiheit nicht bedroht sehen, wenn die EU den Internetplattformen vorschreibt, was die zensieren müssen, ist ebenfalls interessant.

Aber sei es drum, denn an diese Doppelmoral der deutschen Medien sind wir gewöhnt. Hinzu kommt, dass es Russland bei der Diskussion über Telegram überhaupt nicht um Meinungsfreiheit, also das, was in Telegram-Gruppen veröffentlicht wird, geht, sondern um etwas ganz anderes. Weil man die wahren Gründe in deutschen Medien fast nicht erfährt, übersetze ich hier einen Beitrag aus dem wöchentlichen Nachrichtenrückblick des russischen Fernsehens darüber.

Beginn der Übersetzung:

Telegram kann dem Gegner im Hinterland als Waffe dienen

Der Geheimdienst FSB warnt in einer Mitteilung vor dem Messenger Telegram. Der sei eine Gefahr für das Leben russischer Soldaten, denn alle darüber versendeten militärischen und geheimen Informationen sind sowohl westlichen als auch ukrainischen Geheimdiensten zugänglich. Der FSB schreibt: „Der russische Inlandsgeheimdienst FSB verfügt über verlässliche Informationen, dass die Streitkräfte und Geheimdienste der Ukraine die Möglichkeit haben, auf Telegram veröffentlichte Informationen schnell zu erfassen und für militärische Zwecke zu nutzen. Eine Analyse von Telegram hat zahlreiche glaubwürdige Berichte ergeben, wonach die Nutzung des Messengers durch Angehörige der russischen Streitkräfte im Einsatzgebiet in den vergangenen drei Monaten wiederholt zur Gefahr des Lebens von Soldaten geführt hat.“

Telegram, das lautstark die vollständige Verschlüsselung von Nachrichten verspricht, scheint in der modernen Kriegsführung das ideale Kommunikationsmittel zu sein. Doch die Daten geraten immer wieder in die falschen Hände, wie ein Zugführer der Gruppe Ost der russischen Streitkräfte erzählt: „Im Gebiet der Militäroperation nutzen wir Telegram nicht zur Führung von Einheiten, da sich die Server im Ausland befinden und der Feind leicht Zugriff auf die Nachrichtenprotokolle und Telemetriedaten erlangen könnte, was zum Tod unserer Kameraden führen könnte.“

Im Grunde ist die Kommunikation über Telegram im Gebiet der Militäroperation gleichbedeutend mit Kommunikation über einen offenen Kommunikationskanal. Der Gegner erhält Zugriff auf Daten zur Koordinierung von Kräften, Einsatzpläne und andere geheime Informationen.

Weiter sagte der Zugführer: „Wir benutzen jetzt den russischen Messenger. Der funktioniert einwandfrei. Kommunikation, Daten, Bilder, alles. Telegram benutzen wir eigentlich nicht mehr.“

Telegram kann vom Gegner auch im Hinterland als Waffe eingesetzt werden. Der Messenger spielte laut den Ermittlungsbehörden bei nahezu jedem spektakulären Verbrechen eine Rolle. Die Terroristen, die bei einem Konzert in der Crocus City Hall 150 Menschen ermordet haben, haben alle ihre Aktionen über Telegram koordiniert, ebenso wie die Mörder von Igor Kirillow, dem Chef der ABC-Schutztruppen. Ukrainische Geheimdienste nutzen Telegram, um Attentäter zu rekrutieren, sie über Bezugsquellen für Waffen und Sprengstoff zu informieren und ihnen Anweisungen für die Flucht nach dem Anschlag zu geben.

Westliche Geheimdienste nutzen Telegram zur Informationsbeschaffung. Maria Butina, die anderthalb Jahre in einem US-Gefängnis verbrachte, hat das am eigenen Leib erfahren, wie sie erzählt: „Wenn man im Gefängnis sitzt und Korrespondenz über sich selbst liest, die in FBI-Dokumenten ohne richterliche Anordnung auftaucht, also einfach von Telegram geleakt wurde, dann kommen einem schon Fragen.“

Pavel Durow, Staatsbürger Russlands und dreier weiterer Länder, erfand Telegram im Jahr 2013. Die App, die Messenger und soziales Netzwerk vereint, wurde fast sofort von Kriminellen für ihre Zwecke missbraucht. Allein in den letzten vier Jahren wurden in Russland über Telegram 30.000 Sabotage- und Terroranschläge geplant.

Aexander Ionow, Mitglied des Menschenrechtsrates beim Präsidenten, sagte: „Terroristen nutzen Telegram routinemäßig. Und auf alle Anfragen von russischer Seite werden die Kanäle nicht blockiert und nicht gelöscht.“

Im August 2024 wurde Pavel Durow unmittelbar nach seiner Ankunft in Paris verhaftet. Ihm wurde Beihilfe zu Straftaten vorgeworfen, da sein Messenger kriminelle Operationen weltweit ermöglicht. Durow stimmte einer Vereinbarung mit der französischen Justiz zu. Ähnliche Forderungen Russlands lehnte er jedoch ab.

Dazu sagte Viktor But, Mitglied des Parlaments im Gebiet Uljanowsk: „Von Telegram wurden im Prinzip sinnvolle Dinge gefordert: Hier Server aufzustellen und den Sicherheitskräften bei Gerichtsentscheidungen Chats zur Verfügung zu stellen.“

Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich offiziell in Dubai, doch fast das gesamte Team arbeitet dezentral im Homeoffice. Auch der Standort der Telegram-Server gibt Anlass zu Spekulationen. Offiziell stehen sie in den Vereinigten Arabischen Emiraten, doch das russische Projekt „WikiLeaks 2.0“ hat eigene Recherchen durchgeführt. Zu den Ergebnissen sagte Tim Stegall, der Leiter des Projekts: „Ich habe die gesamte Route zu diesem Server überprüft, und die Vereinigten Arabischen Emirate waren nicht dabei. Da waren Google, Kalifornien, und London war da auch. Der NSA hat dazu physischen Zugang, stellt dort ihre Ausrüstung auf und liest alles online.“

„Das bedeutet, sie können alles kontrollieren. Meine Familienangehörigen, meine Chats, meine Kontakte, und auf diesem Weg können sie jemanden dann vielleicht erpressen“, sagte das Mitglied der russischen Gesellschaftskammer Konstantin Jaroschenko.

In Russland sind Sprachanrufe über Telegram seit August letzten Jahres eingeschränkt. Seit Februar dieses Jahres ist der gesamte Dienst, an den russische Strafverfolgungs- und Regulierungsbehörden viele Fragen haben, die bisher unbeantwortet blieben, zudem gedrosselt.

Ende der Übersetzung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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