Wie der Spiegel Russland für von Kiew verursachtes Leid verantwortlich machen will

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Im Spiegel ist ein Artikel mit der Überschrift „Unter russischer Besatzung – In Oleschky essen sie Unkraut, ...

anti-spiegel.ru📅 30.09.2026
Kriegspropaganda

Wie der Spiegel Russland für von Kiew verursachtes Leid verantwortlich machen will

Die Ukraine terrorisiert die Menschen im Kriegsgebiet, aber der Spiegel beschuldigt Russland. Aber das tut er so primitiv, dass aufmerksame Leser das sogar ohne Kenntnis der Lage vor Ort erkennen können.

Im Spiegel ist ein Artikel mit der Überschrift „Unter russischer Besatzung – In Oleschky essen sie Unkraut, um zu überleben“ erschienen, der durch seine Dreistigkeit hervorsticht. Die Geschichte des Artikels ist schnell erzählt: Der Spiegel berichtet über den Ort Aljoschkin, für den der Spiegel den ukrainischen Namen Oleschky benutzt, in dem die Menschen angeblich hungern und unter Beschuss leben müssen, und Schuld sind natürlich die bösen Russen.

Ich war 2022 mehrmals in Aljoschkin und habe es als schönes und verträumtes Städtchen nahe dem Dnjeprufer mit wirklich sehr netten und offenen Menschen in Erinnerung. Aber das war bevor Russland im Herbst 2022 die Stadt Cherson räumen musste, seitdem liegt Aljoschkin mit seiner direkt an der Frontlinie, die dort nun der Dnjepr bildet. Und natürlich haben die meisten Einwohner das Städtchen daher längst verlassen.

Die Ukraine hat seit 2022 viele Versuche gemacht, auf der nun russischen Dnjepr-Seite einen Brückenkopf zu bilden. Dabei hat Kiew tausende Soldaten in den sinnlosen Tod geschickt, denn die landeten dabei auf dem Präsentierteller und waren leichte Ziele für die russische Artillerie und später Drohnen. Das ganze waren reine PR-Aktionen Kiews, die militärisch sinnlos waren, denn selbst im Erfolgsfall wäre es unmöglich gewesen, den Brückenkopf über den Fluss auch zu versorgen. Genau aus dem Grund musste Russland Cherson ja aufgeben, weil es unmöglich ist, eine kämpfende Truppe über den Dnjepr zu versorgen.

Ukrainische Kriegspropaganda im Spiegel

Der Spiegel berichtet in seinem Artikel über eine Episode, die sich letzte Woche in der UNO abgespielt hat, als der ukrainischen Außenminister über Aljoschkin sprach:

„Dort bahne sich gerade eine Hungersnot an, warnen ukrainische Politiker. Mitten in Europa. »Wenn Sie nur eine Sache aus dieser Sitzung mitnehmen, erinnern Sie sich an Oleschky«, rief der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha diese Woche bei einer Uno-Sitzung in New York internationalen Diplomaten zu. Sybiha sprach von einer »Katastrophe« und forderte die Anwesenden auf, Druck auf Russland auszuüben, um einen humanitären Korridor zu eröffnen und die Einwohner zu evakuieren.“

Das klingt dramatisch, Russland verweigert angeblich vom Hunger bedrohten Menschen die Evakuierung aus dem Kriegsgebiet.

Nur stimmt das eben nicht. Ich war oft genug im Konfliktgebiet und weiß, dass Russland niemanden daran hindert, das Gebiet zu verlassen. Dass das Problem in Wahrheit der ukrainische Beschuss ist, kann man auch im Spiegel erfahren, nur wird es dort als russische Propaganda dargestellt:

„Moskau hat eingestanden, dass sich Oleschky in einer »kritischen Lage« befinde. Freilich wies Kremlsprecher Dmitrij Peskow der Ukraine die Schuld zu: Weil ukrainische Truppen die Gegend unter Beschuss hielten, könne Russland Oleschky nicht versorgen.“

Um davon abzulenken, dass das Problem die Ukraine und ihr Beschuss ist, der sowohl die Versorgung der Stadt als auch die geordnete und sichere Evakuierung der letzten dort verbliebenen Menschen unmöglich macht, lässt der Spiegel angebliche Zeugen sehr ausführlich erzählen, was beispielsweise so klingt:

„Melnyk heißt in Wahrheit anders. Ein Gewährsmann übermittelt seine Erzählung. Beides sind Vorsichtsmaßnahmen angesichts der russischen Besatzung, unter der Melnyk heute noch lebt, obwohl er sich aus Oleschky hat retten können.“

Natürlich war kein Spiegel-Mitarbeiter in Aljoschkin oder auch nur in der Nähe. Stattdessen beruft sich der Spiegel in seinem Artikel auf mehrere solcher angeblicher Zeugen, die angeblich aus Aljoschkin geflohen sind und sich nun im „russisch besetzten Gebiet“ verstecken. Zu den angeblichen Zeugen des Spiegel kommen wir noch, aber generell stellt sich die Frage, warum sie sich verstecken sollten, schließlich werden die Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet von Russland gut versorgt.

Aber das wissen die Spiegel-Leser ja nicht. Und dass sich die Leute vor den „russischen Besatzern“ verstecken müssen, klingt natürlich schön dramatisch.

Wirklich plumpe Propaganda

Eingangs habe ich behauptet, dass der Spiegel hier so plumpe Propaganda betreibt, dass aufmerksame Leser das sogar ohne Kenntnis der Lage vor Ort erkennen können. Dazu kommen wir nun, denn der Spiegel schreibt über einen anderen angeblichen Zeugen:

„Der 49-Jährige hat sein ganzes Leben in Oleschky verbracht, darunter vier Jahre unter russischer Besatzung, bis er im März 2026 fliehen konnte. Heute lebt er in der ukrainischen Oblast Tschernihiw, wo der SPIEGEL ihn telefonisch erreicht. Mit vielen Einwohnern von Oleschky hält er weiterhin Kontakt. Als einer von damals etwa einem Dutzend Männern in der Stadt, die als Fahrer arbeiteten, habe er regelmäßig Einwohner aus Oleschky nach Skadowsk gebracht. Diese Hafenstadt ist weiter von der Front entfernt und besser versorgt. Auf dem Rückweg brachten sie Nahrungsmittel und Medikamente mit. »Aber wir wurden von Drohnen angegriffen«, sagt Kostjan. Im Januar 2026 kam einer von ihnen um, als er auf eine Mine fuhr. Danach hätten sie die Fahrten nach Skadowsk eingestellt.“

Nehmen wir das mal auseinander. Einerseits behauptet der Spiegel, Russland würde die Evakuierung der Stadt verhindern und den Menschen die Flucht verbieten. Auch diesem angeblichen Herrn Kostjan, der laut Spiegel “im März 2026 fliehen konnte”. Andererseits war Herr Kostjan laut dem Spiegel aber einer von „etwa einem Dutzend Männern in der Stadt, die als Fahrer arbeiteten“ und dabei „regelmäßig Einwohner aus Oleschky nach Skadowsk gebracht“ haben.

Ja, was denn nun? Hindern die bösen Russen die Menschen daran, Aljoschkin zu verlassen? Oder konnte man früher, bevor die ukrainischen Drohnen das unmöglich gemacht haben, problemlos aus Aljoschkin wegkommen? Und übrigens: Wer in Skadowsk, das ich ebenfalls gut kenne, angekommen ist, der kann problemlos fahren, wohin er will. Dort gibt es regulären Busverkehr und so weiter.

Aber zurück zu den Drohnen. Der angebliche Kostjan hat dem Spiegel erzählt, die Fahrer seien von Drohnen angegriffen worden und mussten ihre Fahrten daher einstellen. Da stellt sich doch die Frage, wessen Drohnen das denn sind, die Fahrten von und nach Aljoschkin so gefährlich machen, dass sowohl die Evakuierung als auch die Versorgung des Stadt praktisch unmöglich geworden sind.

Spiegel-Leser sind offenbar so gut konditioniert, dass sie sich diese Frage gar nicht stellen, für sie ist Russland an allem Übel dieser Welt Schuld.

Dabei ist es ganz einfach, wenn man ein wenig nachdenkt: Aljoschkin steht unter russischer Kontrolle. Der Spiegel schreibt an einer Stelle sogar, dass „Ukrainer und Russen einander nun über den Fluss hinweg mit Drohnen und Artillerie bekämpfen“ und dass Aljoschkin „in der Schusslinie liegt“. Wer schießt also auf Aljoschkin?

Richtig, die Ukraine. Aber dieser Gedanke dürfte nur sehr wenigen Spiegel-Lesern kommen, weil sie beim Lesen offenbar nicht mitdenken.

Die Gehirnwäsche funktioniert

Dieser Spiegel-Artikel ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie gut die Gehirnwäsche der deutschen Medien bei ihrem Publikum wirkt, denn das wird sogar noch deutlicher. Eingebettet in emotionale Erzählungen, die Russland für eine Lage in Aljoschkin verantwortlich machen, bei der Leichen angeblich einfach in Keller gelagert werden müssen, schreibt der Spiegel nämlich:

„»Die ukrainische Seite vermint die Straßen und unterbricht die Versorgungswege der Russen«, lautet Melnyks Antwort auf die Frage, wer die Gewalt verantworte.“

Wir halten fest: Die Ukraine vermint die Straßen um Aljoschkin. Das tut sie, indem sie Drohnen Minen abwerfen lässt. Es ist die Ukraine, die sowohl die Versorgung von Aljoschkin als auch die Evakuierung der Menschen verhindert. Dass Russland in dieser Situation keine Evakuierung organisieren kann, liegt auf der Hand. Die ukrainischen Drohnen beschießen ja sogar zivile Fahrzeuge, wie das des angeblichen Herrn Kostjan, und verminen die Straßen.

Weiter schreibt der Spiegel über den angeblichen Herren Melnyk:

„Vor zwei Wochen sei ihm und seiner Familie die Flucht dennoch gelungen – sie gingen 25 Kilometer zu Fuß, bei Tageslicht. »Nachts geht es nicht, weil man uns für vorrückende russische Soldaten hätte halten können. Tagsüber erkennen die ukrainischen Drohnen, wer sich da bewegt.«“

Auch hier also schreibt der Spiegel vollkommen offen, dass die Menschen sich vor den ukrainischen – und nicht etwa vor den russischen – Drohnen verstecken müssen. Und kein Russe hat sie daran gehindert, Aljoschkin zu verlassen, schließlich sehen nicht nur die ukrainischen, sondern auch die russischen Drohnen, wer da über die Felder läuft. Das Problem sind ganz offensichtlich die ukrainischen Streitkräfte, nicht die russischen.

Das bestätigt übrigens auch der Leiter der Region Aljoschkin, Ruslan Chomenko, der am 28. September auf Telegram Bilder von in Aljoschkin durch ukrainischen Beschuss beschädigte Wohnhäuser gepostet hat. Demnach gab es dort innerhalb von zwei Tagen 102 Einschläge von Artillerie und 154 Treffer von Drohnen. Aber natürlich berichtet der Spiegel darüber nicht.

Die angeblichen Quellen des Spiegel

Der Spiegel-Artikel ist denkbar emotional geschrieben und hat das unbestreitbare Ziel, die anti-russische Stimmung anzuheizen. Das ist per Definition Propaganda, aber natürlich gibt es auch wahre Geschichten über Elend. Um einschätzen zu können, ob es sich hierbei vielleicht doch um einen Tatsachenbericht handelt, und nicht etwa um ukrainische Propaganda, muss man die Quellen anschauen, auf die der Spiegel seinen mit fast zehn Minuten Lesezeit ziemlich langen Artikel stützt.

Über den angeblichen Herrn Kostjan schreibt der Spiegel:

„Wolodymyr Kostjan hat diesen steten Niedergang miterlebt. Der 49-Jährige hat sein ganzes Leben in Oleschky verbracht, darunter vier Jahre unter russischer Besatzung, bis er im März 2026 fliehen konnte. Heute lebt er in der ukrainischen Oblast Tschernihiw, wo der SPIEGEL ihn telefonisch erreicht.“

Wir halten fest: Kein Spiegel-Redakteur hat die Geschichte von Herrn Kostjan überprüft. Die haben lediglich mit ihm telefoniert. Es kann also niemand überprüfen, wer dieser Mann tatsächlich ist – und ob er jemals auch nur in der Nähe von Aljoschkin war. Ist das eine verlässliche Quelle?

Über die anderen angeblichen Zeugen schreibt der Spiegel:

„Für den SPIEGEL stellt Kostjan Kontakt zu zwei Bekannten aus Oleschky her: Dmytro Melnyk und Mariia Schewtschenko, die ebenfalls anders heißt. Ihre Antworten auf einen Fragenkatalog übermittelt er schriftlich. Ihre Identitäten konnte der SPIEGEL nicht verifizieren.“

Wir fassen zusammen: Die einzigen Quelle für die Horrorgeschichte aus Aljoschkin, die der Spiegel seinen Lesern ausführlich erzählt, ist der angebliche Kostjan, mit dem der Spiegel lediglich telefoniert hat und dessen Identität niemand überprüfen konnte. Ob es seine zwei angeblichen Bekannten wirklich gibt, die der Spiegel ebenfalls ausführlich zitiert, weiß nicht einmal die Spiegel-Redaktion, denn deren Antworten hat der Spiegel nur schriftlich von dem angeblichen Kostjan bekommen, ohne selbst mit ihnen Kontakt gehabt zu haben.

Mal ehrlich: Wenn ich so arbeiten und mich in einem langen Artikel ausschließlich auf solche dubiosen Quellen berufen würde, wäre mir das peinlich. Und Spiegel-Leser würden mir vollkommen zu Recht plumpe Propaganda vorwerfen. Warum bemerken sie es nicht, wenn der Spiegel so plumpe Propaganda macht? Das zeigt, wie wirksam die Gehirnwäsche der deutschen Medien ist.

Im Gegensatz zur Ukraine, wo angebliche Zeugen anonymisiert werden, nennt Russland seine Zeugen beim Namen und erlaubt internationalen Organisationen auch, mit ihnen zu sprechen. Ein aktuelles Beispiel dafür ist der neue russische Bericht über das angebliche Massaker von Butscha.

Offenbar war dieser Spiegel-Artikel eine Auftragsarbeit der ukrainischen Regierung, die die Rede des ukrainischen Außenministers in der UN unterfüttern sollte. Anscheinend hat die ukrainische Regierung dem Spiegel den Telefonkontakt zum angeblichen Herrn Kostjan vermittelt, denn wäre er ein Kontakt des Spiegel, hätte das Spiegel-Büro in Kiew ihn sicher persönlich interviewt.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.


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