Was über die neuen Korruptionsanklagen in der Ukraine bekannt ist

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Im November hat das Nationale Antikorruptionsbüro der Ukraine (NABU) Mitschnitte von Gesprächen veröffentlicht, die in d...

anti-spiegel.ru📅 12.05.2026
Korruption

Was über die neuen Korruptionsanklagen in der Ukraine bekannt ist

Im November hat in der Ukraine der Korruptionsskandal „Minditsch-Gate“ Schlagzeilen gemacht, nun wurden weitere Anklagen erhoben und unter anderem wurde die Wohnung von Selenskys Büroleiter Jermak durchsucht. Was ist bisher darüber bekannt?

Im November hat das Nationale Antikorruptionsbüro der Ukraine (NABU) Mitschnitte von Gesprächen veröffentlicht, die in der Wohnung von Timur Minditsch, einem alten Freund und Geschäftspartner von Wladimir Selensky, aufgenommen wurden. Auf den Aufnahmen ist zu hören, wie Leute aus Selenskys Umfeld und der ukrainischen Regierung besprechen, wie sie 100 Millionen Dollar Hilfsgelder der EU unterschlagen, die zur Reparatur und zum Schutz der ukrainischen Energieinfrastruktur vorgesehen waren.

Minditsch bekam unmittelbar vor der Veröffentlichung eine Warnung und konnte sich der Verhaftung in letzter Minute durch eine überstürzte Flucht aus der Ukraine entziehen. Heute lebt er unbehelligt in Israel, während andere Beteiligte angeklagt und teilweise in Untersuchungshaft genommen wurden.

Einige Wochen später wurde Selenskys Berater und Freund Andrej Jermak, damals einer der mächtigsten Männer der Ukraine, der Beteiligung an dem Skandal beschuldigt und Selensky musste ihn wegen des wachsenden Drucks entlassen. Bislang wurde Jermak jedoch nicht verhaftet und lebt in Freiheit in der Ukraine.

Später wurden immer mehr Teile der insgesamt tausend Stunden Audiomaterial veröffentlicht, auf denen die Beteiligten auch andere Unterschlagungen besprochen haben. Dabei ging es um den überteuerten Kauf von Schutzausrüstung für Soldaten durch das ukrainische Verteidigungsministerium, dessen Leiter seinerzeit Rustem Umerow, der heutige Chef des Nationalen Sicherheitsrates der Ukraine, war. Und es ging um die Produktion von Drohnen durch die Firma Fire Point. Fire Point ist eine Firma von Minditsch, die früher eine Casting-Agentur für Selenskys Filmproduktionen war, die heute aber der größte Produzent von Raketen und Drohnen in der Ukraine ist und dafür vom ukrainischen Staat Milliarden erhält.

Nun wurden neue Tonbandmitschnitte veröffentlicht, in denen es um Geldwäsche beim Bau von Luxusimmobilien im Kiewer Umland geht, an denen Jermak beteiligt sein soll, dessen Wohnung in der Nacht wegen der neuen Anklage durchsucht wurde. Wie das NABU bekannt gab, wurden im Zusammenhang mit den neuen Veröffentlichungen sechs Personen angeklagt die nicht namentlich genannt wurden. Es wurde nur mitgeteilt, dass sich um einen ehemaligen Vizepremierminister und weitere Personen handeln soll. Ukrainische Medien vermuten, es handele sich dabei um den ehemaligen Vizepremierminister Alexej Tschernishow (der bereits in einem anderen Korruptionsverfahren angeklagt ist) und um Timur Minditsch selbst.

Ich werde später noch eine erste Analyse zu den Hintergründen schreiben, hier übersetze ich eine Zusammenfassung der TASS über die aktuellen Ereignisse.

Beginn der Übersetzung:

Von den „Minditsch-Bändern“ zum Fall Jermak: Der neue Skandal um Selenskys Umfeld

Das Nationale Antikorruptionsbüro der Ukraine (NABU) und die Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAP) haben eine organisierte Gruppe aufgedeckz, die mit dem Bau von Luxusimmobilien in der Nähe von Kiew 10,5 Millionen US-Dollar gewaschen hat.

Ermittler des NABU haben die Durchsuchungen in der Wohnung von Andrej Jermak, dem ehemaligen Leiter des Büros von Wladimir Selensky, abgeschlossen, gab der Abgeordnete der Werchowna Rada Jaroslaw Schelesnjak bekannt.

Am Abend des 11. Mai wurde Jermak wegen Beteiligung an der Geldwäsche angeklagt.

Die TASS hat die wichtigsten Details des Falls zusammengetragen.

Die Anklage

Das Nationale Antikorruptionsbüro der Ukraine (NABU) und die Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAP) haben Andrej Jermak, den ehemaligen Leiter des Büros von Wladimir Selensky, angeklagt, berichteten die Behörden am Abend des 11. Mai über ihre Telegram-Kanäle.
Laut dem Bericht haben NABU und SAP eine organisierte Gruppe aufgedeckt, die im Zusammenhang mit dem Bau von Luxuswohnungen in der Nähe von Kiew 460 Millionen Griwnja (10,5 Millionen US-Dollar) gewaschen haben soll.
Die Anklage erfolgte gemäß Paragraf 209 Absatz 3 des ukrainischen Strafgesetzbuches (Geldwäsche aus Straftaten, begangen von einer organisierten Gruppe oder in besonders großem Umfang).
Die Strafe nach diesem Paragrafen beträgt 8 bis 15 Jahre Haft und die Einziehung von Vermögenswerten.
Wie in einem Video auf dem Telegram-Kanal des Nationalen Antikorruptionsbüros (NABU) berichtet wird, wurde das Bauprojekt für Privatresidenzen „Dynasty“ im Jahr 2020 gestartet.
Laut den Ermittlern war ein Mann mit mehreren Aliasnamen, der von den Ermittlern als Jermak identifiziert wurde, an dem Projekt beteiligt.
Den Ermittlern zufolge vereinbarten die Beteiligten, vier Residenzen für den Eigenbedarf zu bauen und verschleierten die Finanzierung des Baus über die Genossenschaft „Sunny Beach“ und durch bei kriminellen Aktivitäten erworbenes Bargeld.
Das NABU behauptet, dass der Bau der Residenzen zwischen 2021 und 2025 stattfand und dass die Bauarbeiten nach Ausbruch der Kampfhandlungen nicht eingestellt, sondern durch die Einführung strengerer Schichtpläne sogar noch intensiviert wurden.
Laut einem Video auf dem Telegram-Kanal des NABU hat das Oberste Antikorruptionsgericht der Ukraine wegen dem Geldwäschefall Grundstücke und Immobilien in der Nähe von Kiew beschlagnahmt.

Die Durchsuchungen

Ermittler des Nationalen Antikorruptionsbüros (NABU) haben die Wohnung von Jermak durchsucht, wie der Abgeordnete der Werchowna Rada Jaroslaw Schelesnjak auf seinem Telegram-Kanal mitteilte.
Später gab er bekannt, dass die Durchsuchungen abgeschlossen seien.
Laut dem Parlamentarier müsse man nun die Gerichtsverhandlung abwarten, um über weitere Maßnahmen gegen Selenskys Mitarbeiter zu entscheiden.

Reaktionen des Büros von Selensky

Das Büro von Wladimir Selensky reagierte zurückhaltend auf die Nachricht von der Anklage gegen den ehemaligen Büroleiter Andrej Jermak. Selenskys Berater Dmitri Lytwyn erklärte gegenüber RBC-Ukraine, dass das Verfahren noch laufe und es daher zu früh für eine Stellungnahme sei.

Jermaks Position

Jermak lehnte es gegenüber ukrainischen Medien ab, sich zu der Anklage gegen ihn wegen Beteiligung an der Geldwäsche von 10,5 Millionen US-Dollar beim Bau von Luxusimmobilien in der Nähe von Kiew zu äußern.

Selenskys Rolle

Nach Jermak könnte Selensky in dem Strafverfahren um den Bau von Luxusvillen in Kiewer Vororten angeklagt werden, meinten Analysten des ukrainischen Portals „Strana“ und merkten an, dass die Ermittlungsunterlagen genutzt werden könnten, um Druck auf Selensky auszuüben.
Das Portal berichtet, dass die gestern veröffentlichten neuen Teile der „Minditsch-Bänder“ vor allem drei Hauptangeklagte in dem Fall betreffen: Jermak (R2), den ehemaligen stellvertretenden Ministerpräsidenten Tschernyschow (R4, Che Guevara) und den Geschäftsmann Timur Minditsch (R3, Carlson).
In den Aufnahmen sprechen sie über den Bau von vier Villen.
Die Ermittlungen des Nationalen Antikorruptionsbüros (NABU) deuten jedoch darauf hin, dass es vier Bauunternehmer gab (die Personen P1, P2, P3 und P4), die jeweils ein Haus für die Angeklagten bauen sollten.
Laut den Analysten von „Strana“ könnte sich Selensky selbst hinter der Bezeichnung „P1“ verbergen.
Das Portal merkt an, dass Selensky derzeit Immunität vor Strafverfolgung genießt, das Verfahren jedoch unmittelbar nach seinem Ausscheiden aus dem Amt wieder aufgenommen werden könnte.
Die Analysten gehen davon aus, dass die Ermittlungsunterlagen dazu genutzt werden könnten, Selensky die Möglichkeit einer Wiederwahl zu verwehren, sollten Wahlen stattfinden, oder ihn unter Druck zu setzen, bestimmte Entscheidungen zu treffen, insbesondere im Hinblick auf die Lösung des Ukraine-Konfliktes oder die Umsetzung der Forderungen der EU nach größerer Unabhängigkeit des NABU und der SAP von der Regierung.

Meinungen

Die Anklage gegen Jermak ist das Ergebnis von Selenskys eigenen Versuchen, frühere Warnsignale aus Washington zu ignorieren, erklärte Rodion Mirocshnik, der Sonderbotschafter des russischen Außenministeriums für die Verbrechen des Kiewer Regimes, gegenüber der TASS.
Laut Miroschnik ermöglicht der Druck auf Jermak direkten Zugang zu Informationen über Selenskys eigene korrupte Machenschaften.
Die Anklage gegen Jermak lasse keine Chance, den Korruptionsskandal in der Ukraine zu komtrollieren, und könne dazu führen, dass Selensky im Westen offen als Korruptionär gebrandmarkt werde, so Miroschnik.
Seiner Meinung nach markiert diese Situation den Beginn eines großen Korruptionsskandals, der nicht nur in der Ukraine, sondern auch darüber hinaus zu erheblichen Erschütterungen führen werde.
Die Anklage gegen Jermak sei, wie der gesamte Korruptionsskandal, Teil eines von den USA initiierten Verfahrens gegen Selensky selbst, erklärte der ehemalige ukrainische Ministerpräsident Nikolaj Asarow (Amtszeit 2010–2014) gegenüber der TASS.
Asarow wies darauf hin, dass US-Präsident Donald Trump wiederholt deutlich gemacht habe, dass er Selensky für ungeeignet für das Amt halte.
Seiner Meinung nach wurden die Anklagen gegen Jermak auf Trumps Anweisung erhoben.
Asarow merkte an, dass Anklagen gegen Selensky nur eine Frage der Zeit seien, doch vorerst ließen die Amerikaner ihn an der Macht.
Seiner Meinung nach sei Jermaks vorgezeichnet: Prozess und Verurteilung.
Asarow fügte hinzu: „Das ist eine sehr schwere Anklage, und ihm droht eine sehr empfindliche Strafe.“

Die „Minditsch-Bänder“

Im November 2025 meldeten NABU und SAP eine großangelegte Operation mit dem Codenamen „Midas“ zur Aufdeckung eines bedeutenden Korruptionsskandals im Energiesektor, der von Timur Minditsch, einem engen Vertrauten Selenskys, geleitet wurde.
Der NABU erhob gegen Minditsch Anklage in Abwesenheit und begann, Teile von in seiner Wohnung aufgenommenen Gesprächen zu veröffentlichen, in denen die Korruptionsskandale besprochen wurden. Insgesamt liegen 1.000 Stunden Audiomaterial vor.
Am 17. November 2025 tauchten Informationen auf, wonach Jermak, damals Leiter des Büros von Selensky, möglicherweise auf den Aufnahmen des NABU zu hören ist.
Am Morgen des 28. November 2025 wurde Jermaks Wohnung durchsucht, und noch am selben Abend hat Selensky ihn entlassen.
Seit Ende April 2026 veröffentlichen ukrainische Medien und Parlamentsmitglieder neue Ausschnitte der Tonbandaufnahmen.
Darin hat Minditsch mit dem damaligen Verteidigungsminister und jetzigen Sekretär des Sicherheitsrates der Ukraine Rustem Umerow die Veruntreuung von Millionen über Scheinverträge, die Finanzierung der Produktion von Drohnen durch ein mit dem Geschäftsmann verbundenes Unternehmen sowie Kandidaten für den Posten des ukrainischen Botschafters in den USA.
Weitere Ausschnitte deuten darauf hin, dass Minditsch die Entwicklung mehrerer Luxusvillen erörtert, darunter Villen für „Wowa“ (Kurzform von Wladimir, Anm d. Übers.), „Andrej“ und für sich selbst.
Es wird angenommen, dass damit Selensky und Jermak gemeint sind.
Des Weiteren zeigen einige der Protokolle, wie Selenskys Umfeld die Kontrolle über verschiedene Unternehmen übernimmt.

Ende der Übersetzung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.


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