Was über die Kämpfe an der afghanisch-pakistanischen Grenze bekannt ist
Die russische Nachrichtenagentur TASS hat eine Zusammenfassung über die Lage an der afghanisch-pakistanischen Grenze und die Gründe für die Eskalation veröffentlicht, die ich übersetzt habe.
Beginn der Übersetzung:
Luftangriffe und die Einnahme von Posten: Die Spannungen zwischen Afghanistan und Pakistan
Der pakistanische Verteidigungsminister Khawaja Asif erklärte, sein Land und die Taliban-Regierung befänden sich nun in einem offenen bewaffneten Konflikt.
Das afghanische Verteidigungsministerium gab das Ende einer am Vorabend durchgeführten Vergeltungsoperation gegen die pakistanischen Streitkräfte bekannt.
Später meldete der afghanische Fernsehsender Ariana News, dass die Kämpfe wieder aufgenommen worden seien.
Die TASS fasst das Wichtigste über die Eskalation Lage zusammen.
Zusammenstöße und Luftangriffe
Am Abend des 26. Februar brachen an der pakistanisch-afghanischen Grenze Kämpfe aus.
Kabul gab bekannt, als Reaktion auf pakistanische Luftangriffe eine Militäroperation gestartet und 15 Grenzposten eingenommen zu haben.
Islamabad meldete die Zerstörung afghanischer Befestigungen und Ausrüstung bei Vergeltungsaktionen.
Der pakistanische Informationsminister Attaullah Tarar erklärte, die pakistanische Luftwaffe habe mehrere militärische Ziele in Afghanistan, darunter nahe der Hauptstadt, angegriffen.
In einem Interview mit PTV erklärte der Minister, die Luftangriffe hätten wichtige afghanische Streitkräfte in Kabul, Kandahar und Paktia getroffen.
Unter anderem seien mehrere Brigade- und Korpshauptquartiere, Munitionsdepots und Logistikzentren zerstört worden.
Das afghanische Verteidigungsministerium gab den Abschluss der am Vorabend durchgeführten Vergeltungsoperation gegen die pakistanischen Streitkräfte bekannt.
In der Erklärung hieß es, die Operation sei eine Reaktion auf die „Verletzung der territorialen Integrität Afghanistans und den Tod von Frauen und Kindern“ infolge pakistanischer Militäraktionen.
Nach Angaben des Verteidigungsministeriums starteten afghanische Streitkräfte am 26. Februar um 20:00 Uhr Ortszeit (16:30 Uhr deutscher Zeit) eine Offensive im Osten und Südosten entlang der Grenze zu Pakistan (Durand-Linie), die die Provinzen Paktika, Paktia, Khost, Nangarhar, Kunar und Nuristan umfasste.
Nach Angaben des Verteidigungsministeriums gelang es den afghanischen Streitkräften während der vierstündigen Gefechte, zwei pakistanische Militärbasen und 19 Posten einzunehmen, während die pakistanische Truppen vier weitere Grenzposten aufgegeben hätten.
Flugzeuge der pakistanischen Luftwaffe patrouillieren über der afghanischen Provinz Kandahar, nachdem sie Luftangriffe auf militärische Einrichtungen im Nachbarland durchgeführt haben, berichtete der pakistanische Fernsehsender PTV unter Berufung auf Quellen.
Die Kämpfe an der afghanisch-pakistanischen Grenze wurden am Morgen des 27. Februar wieder aufgenommen, wie der afghanische Fernsehsender Ariana News meldete.
Die afghanische Luftwaffe griff pakistanische Militärbasen in der Nähe der Städte Abbottabad, Jamrud, Nowshera und Faisalabad an und erreichte dabei ihre Ziele, wie das afghanische Verteidigungsministerium mitteilte.
Pakistanische Streitkräfte griffen den Distrikt Dand Aw Pathan in der Provinz Paktia im Osten Afghanistans an, berichtete Ariana News.
Laut Samaa TV eroberte die pakistanische Armee fünf afghanische Militärbefestigungen in der Provinz Paktia.
Dem Sender zufolge hisste das Militär pakistanische Flaggen an afghanischen Stellungen. Der Sender behauptet außerdem, dass die Taliban hätten „schwere Verluste erlitten“.
Pakistanische Streitkräfte schossen mehrere von afghanischem Gebiet aus gestartete Drohnen ab, so der pakistanische Informationsminister Attaullah Tarar.
Er fügte hinzu, dass es bei dem Angriff keine Opfer gab.
Afghanische Streitkräfte hätten eine „Atomanlage“ in Pakistan und einen Militärstützpunkt in der Stadt Kakol nahe Abbottabad in der Provinz Khyber Pakhtunkhwa angegriffen, berichtete der afghanische Fernsehsender Ariana News.
Dem Bericht zufolge wurden „Hunderte Tote und Verwundete“ in das Pakistan Institute of Medical Sciences in Islamabad gebracht.
Kakol beherbergt die pakistanische Militärakademie.
Verluste
Mindestens 274 afghanische Soldaten wurden bei pakistanischen Vergeltungsaktionen getötet und über 400 verwundet, erklärte Ahmed Chaudhry, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der afghanischen Streitkräfte, auf einer Pressekonferenz.
Er sagte, die pakistanische Armee habe zudem 73 afghanische Kontrollpunkte zerstört und 18 weitere eingenommen.
Chaudhry gab außerdem bekannt, dass über 115 militärische Ausrüstungsgegenstände, darunter Panzer, Schützenpanzer und Artillerie, beschädigt wurden.
Mindestens 12 pakistanische Soldaten seien seit Ausbruch der Kampfhandlungen mit Afghanistan getötet worden, fügte er hinzu. 27 Soldaten seien verwundet und einer werde vermisst.
Afghanistan meldete den Tod von 55 pakistanischen Soldaten, die Gefangennahme mehrerer Soldaten und den Verlust von Ausrüstung, darunter ein Panzer sowie leichte und schwere Waffen, und es meldete den Verlust von acht eigenen Kämpfern und elf Verwundete.
Außerdem seien 13 Zivilisten bei einem pakistanischen Raketenangriff auf ein Flüchtlingslager in der Provinz Nangarhar verletzt worden.
Pakistanische Erklärungen
Der pakistanische Verteidigungsminister Khawaja Asif erklärte, sein Land und die Taliban-Regierung in Afghanistan befänden sich nun in einem offenen bewaffneten Konflikt.
Asif warf Kabul vor, Afghanistan in eine indische Kolonie verwandelt zu haben, Terrorismus zu fördern und zu exportieren sowie die Bevölkerung zu unterdrücken.
Premierminister Shahbaz Sharif erklärte, die pakistanischen Streitkräfte seien bestens gerüstet, um jeden Angriff auf pakistanisches Gebiet vernichtend abzuwehren. D
er pakistanische Botschafter in Russland Faisal Niaz Tirmizi sagte gegenüber der Nachrichtenagentur TASS, Islamabad hoffe, eine Eskalation des Konflikts mit Kabul zu einem umfassenden regionalen Krieg zu verhindern.
Die afghanische Position
Jegliche Angriffe auf afghanisches Gebiet würden spürbare Konsequenzen für Pakistan haben, erklärte der afghanische Innenminister Sirajuddin Haqqani.
Er machte Islamabad zudem für die Eskalation der Spannungen verantwortlich.
Der afghanische Generalstabschef Qari Fasihuddin Fitrat warnte, die afghanischen Streitkräfte seien bereit, Militäroperationen tief im pakistanischen Gebiet, einschließlich Islamabad, durchzuführen, falls die nationale Sicherheit bedroht sei.
Zabihullah Mujahid, der Sprecher der Taliban-Regierung, erklärte auf einer Pressekonferenz, die afghanischen Regierung sei entschlossen, die Differenzen mit Pakistan friedlich beizulegen.
Die Gründe für die Eskalation
Am 22. Februar meldete das pakistanische Ministerium für Information und Rundfunk gezielte Angriffe auf Stellungen von Kämpfern der Tehrik-e-Taliban Pakistan und von Wilayat Khorasan, einem Ableger des Islamischen Staates in Afghanistan.
Das Ministerium erklärte, die Operation sei eine Reaktion auf die jüngsten Terroranschläge in Pakistan, darunter der Bombenanschlag auf eine Moschee in Islamabad.
Die afghanische Regierung berichtete von Dutzenden getöteten Zivilisten infolge des pakistanischen Angriffs, den sie als „Provokation“ bezeichnete.
Kabul erklärte, es behalte sich das Recht vor, auf die „Verletzung der territorialen Integrität“ des Landes entschieden zu reagieren.
Internationale Reaktionen
Russland ruft Afghanistan und Pakistan auf, ihre gefährliche Konfrontation zu beenden und an den Verhandlungstisch zurückzukehren, heißt es in einer Erklärung der Sprecherin des russischen Außenministeriums Maria Sacharowa.
Russland hofft, dass die direkten Zusammenstöße an der afghanisch-pakistanischen Grenze bald ein Ende finden werden, erklärte Dmitri Peskow, der Sprecher des russischen Präsidenten.
China ist bereit, im eskalierenden Konflikt zwischen Afghanistan und Pakistan zu vermitteln, erklärte Mao Ning, die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, auf einer Pressekonferenz.
Die Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS) beobachtet die Lage an der afghanisch-pakistanischen Grenze aufmerksam und ist an Frieden und Stabilität in der Region interessiert, teilte das OVKS-Sekretariat Journalisten mit.
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Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.
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