Was Politik und Medien der Öffentlichkeit alles als „hybriden Krieg Russlands gegen Europa“ verkaufen
Politik und Medien schüren seit Jahren eine wahre Kriegshysterie, indem sie Russland die Führung eines hybriden Krieges gegen Europa vorwerfen. So haben die Medien beispielsweise fast ein Jahr lang breit berichtet, Russland habe Kabel in der Ostsee sabotiert, aber als sich herausstellte, dass die Vorfälle natürlichen Ursprungs waren und dass es keine „russische Spur“ gab, sahen die Medien keine Notwendigkeit, ihre vorherigen Berichte richtigzustellen und ihr Publikum darüber zu informieren.
Danach wurden die angeblichen russischen Sabotageakte gegen Unterseekabeln in der Ostsee durch Vorfälle mit angeblich russischen Drohnen ausgetauscht, über die die Medien ab etwa September 2025 zu berichten begannen. Seitdem wird jede Drohnensichtung in Europa Russland angedichtet, auch wenn es dafür keinen einzigen Beleg gibt. Dass die Ermittlungen bei sehr vielen der Drohnenvorfälle hinterher ergeben, dass Russland nichts damit zu tun hatte, verschweigen die Medien genauso, wie das schon bei den Unterseekabeln getan haben.
In der TASS ist ein Artikel über diese Phänomene erschienen, den ich übersetzt habe.
Beginn der Übersetzung:
Sterne, Vögel, Störsignale: Wovor Europa sich erschrocken und es für russische Drohnen gehalten hat
Litauen schloss den Flughafen von Vilnius, nachdem ein Vogelschwarm für nicht identifizierte unbemannte Flugobjekte gehalten worden war. Um der vermeintlichen Bedrohung zu begegnen, stieg ein NATO-Kampfjet auf. Der Vorfall ereignete sich am 13. September 2026. Es ist nicht das erste Mal, dass europäischen Sicherheitskräften so konfus handeln. Normalerweise wird Russland sofort für derartige Vorfälle verantwortlich gemacht. Die TASS berichtet darüber, was Europa warum am Himmel „erschreckt“.
Was war das?
„Auf dem Radar hinterlassen Vögel und Drohnen auf den ersten Blick identische Spuren“, rechtfertigte sich das litauische Nationale Krisenmanagementzentrum bezüglich des Kampfeinsatzes wegen des Vogelschwarms.
Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich im September 2024 in Lettland. Damals löste ein Vogelschwarm an der Grenze zu Weißrussland den Einsatz von NATO-Abfangjägern aus.
Gleichzeitig sind von der Ukraine gestartete Drohnen häufige Gäste am Himmel über dem Baltikum. Sie überfliegen das Gebiet, stürzen ab, explodieren und verursachen Zerstörungen. So beschädigte beispielsweise am 7. Mai 2026 eine Drohne ein Öllager im lettischen Rēzekne. Der Vorfall „vernichtete“ die lettische Regierung: Am 14. Mai kündigte Ministerpräsidentin Evika Siliņa ihren Rücktritt an, bereits wenige Tage zuvor hatte Verteidigungsminister Andris Sprūds sein Amt niedergelegt.
2025 schloss sich Dänemark der „Drohnen-Hysterie“ an. Unter Berufung auf die dänische Polizei berichtete Reuters, dass im September innerhalb eines einzigen Tages mehr als 500 Meldungen über Drohnensichtungen im dänischen Luftraum eingingen. Am 26. September sperrten die Behörden vorübergehend den Flughafen Billund, den zweitgrößten des Landes. Später räumte die Polizei ein, dass ein heller Stern fälschlicherweise für eine Drohne gehalten worden war.
Die Mediengruppe Deutsche Welle berichtete im März 2025 über den Überflug einer mutmaßlich russischen Drohne über das Gemeinsame Forschungszentrum der EU-Kommission (JRC) in Norditalien. Medienberichten zufolge waren das keine Einzelfälle. Die italienische Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf. „Es findet ein hybrider Krieg statt. Er ist ebenso gefährlich wie heimtückisch, dauerhaft und erdrückend“, kommentierte der italienische Verteidigungsminister Guido Crosetto seinerzeit, ohne konkrete Staaten zu nennen. „Er umfasst eine Kombination aus gezielten Cyberangriffen […], dem Diebstahl militärischer und industrieller Technologien und Patente sowie zahlreichen weiteren feindseligen Handlungen, die von einer Vielzahl staatlicher und nicht-staatlicher Akteure ausgehen.“
Gegen Jahresende empfahl die italienische Staatsanwaltschaft jedoch laut Reuters die Einstellung der Ermittlungen. Die Sicherheitsbehörden kamen zu dem Schluss, dass es sich bei den 21 gemeldeten Drohnenüberflügen in Wahrheit um Störungen des JRC-Sicherheitssystems durch einen nahegelegenen Mobilfunkmast gehandelt hatte.
Wenn was unklar ist, ist Russland Schuld
Im August 2024 berichtete die „Berliner Morgenpost“ über die Gefahr eines Angriffs auf den NATO-Luftwaffenstützpunkt Geilenkirchen in Westdeutschland, wo AWACS-Aufklärungsflugzeuge stationiert sind. Unter Berufung auf die Nachrichtenagentur dpa meldete sie eine mutmaßliche Beteiligung Russlands an einem möglichen Vorfall. Allerdings dementierte die Nachrichtenagentur Reuters diese Angaben unter Berufung auf eigene Quellen. „Das Wort ‚Russland‘ fiel kein einziges Mal. Wir sprachen von einer von Drohnen ausgehenden Bedrohung“, zitierte die Agentur einen NATO-Vertreter auf dem Stützpunkt.
In den ersten drei Monaten des Jahres 2025 wurden in Deutschland mehrere hundert Überflüge nicht identifizierter Drohnen über wichtigen Einrichtungen, darunter Militärstützpunkte, registriert, aber nur in acht Fällen konnten die Piloten ermittelt werden. Die Ermittlungen konnten eine Beteiligung ausländischer Staaten an diesen Vorfällen weder nachweisen noch ausschließen.
Im November 2024 wurden wiederholt Drohnen über mehreren Stützpunkten der US-Luftwaffe in Großbritannien gesichtet, wo Anfang des Monats drei amerikanische strategische Bomber des Typs B-52 Stratofortress eingetroffen waren. Das Militär konnte weder den Startort lokalisieren, noch das Steuersignal der Drohnen unterbinden. Das ließ darauf schließen, dass es sich bei den Fluggeräten nicht um handelsübliche Konsumdrohnen handelte. Die britische „Times“ zitierte eine Quelle aus US-Geheimdienstkreisen, der zufolge es keine „handfesten Beweise für eine russische Beteiligung“ gebe. Dennoch berichtete die Quelle, dass die US-Geheimdienste Grund zu der Annahme hätten, Russland sei in diese Drohnenstarts involviert.
In Belgien wurden im Jahr 2024 mehr als 31.000 Fälle registriert, in denen nicht identifizierte Drohnen in der Nähe militärischer Einrichtungen sowie kritischer Infrastruktur auftauchten. Anfang November 2025 wurden nachts in der Nähe des Luftwaffenstützpunkts Kleine-Brogel, wo amerikanische taktische Atomwaffen gelagert sind, „große Drohnen“ gesichtet. Die Polizei nahm mit einem Hubschrauber und mehreren Fahrzeugen die Verfolgung auf, verlor die verfolgten Objekte jedoch bald aus den Augen. Westliche Medien machen unter Berufung auf verschiedene Quellen traditionell Russland für solche Vorfälle verantwortlich.
Drohnen des Anstoßes
Einer der letzten spektakulären Fälle, in denen Russland eine Beteiligung an Drohnenvorfällen vorgeworfen wurde, ereignete sich im August 2026. Anfang des Monats wurde auf dem Rollfeld des deutschen Flughafens Leipzig/Halle in der Nähe eines ukrainischen Transportflugzeugs eine mit einem Sprengsatz versehene Drohne entdeckt, der Sprengsatz wurde später unschädlich gemacht. Ein anderes Flugzeug des Expressdienstleisters DHL kollidierte nahe dem Flughafen in der Luft mit einer Drohne und wurde dabei leicht beschädigt.
Am 24. August 2026 veröffentlichte die Pressestelle des russischen Auslandsnachrichtendienstes (SWR) eine Erklärung, in der von einer nicht veröffentlichten ukrainischen Spur in dem Drohnenfall die Rede war und dass die Ukraine darauf spekuliert habe, dass das mediale Echo des Vorfalls auf eine „russische Spur“ hindeuten würde. Deutsche Politiker und europäische Medien hatten da bereits entschieden, Russland trage die Schuld an dem Vorfall. „In Kiew wird triumphiert: Die Aktion ist gelungen“, hieß es in der Erklärung des russischen Auslandsnachrichtendienstes (SWR). Man habe die Europäer mit neuen „Fakten über die aggressive und feindselige Politik Russlands aufgerüttelt“.
Anfang September identifizierten die deutschen Behörden Verdächtige, die mit dem Vorfall in Verbindung stehen, angeblich waren es Staatsbürger Russlands und Litauens, und machten Russland für die Situation verantwortlich. Unter Berufung auf verschiedene Quellen berichtete der „Spiegel“, Deutschland beschuldige Russland aufgrund von Hinweisen eines ausländischen Geheimdienstes. Das Ergebnis waren Gegenmaßnahmen, darunter die Schließung des Russischen Hauses in Berlin und des russischen Generalkonsulats in Bonn sowie verschärfte Einreisekontrollen für russische Staatsbürger.
Der russische Präsident Wladimir Putin bezeichnete die anti-russischen Entscheidungen Deutschlands als einen weiteren schweren Fehler der Führung des Landes, der den Interessen des deutschen Volkes zuwiderlaufe. „Angesichts sinkender Umfragewerte und anstehender Wahlkämpfe, etwa in Sachsen, stellt sich natürlich die Frage nach der politischen Zukunft der deutschen Führungselite“, sagte er. „Ich denke, dass das vor allem damit zusammenhängt.“ Der russische Außenminister Sergej Lawrow bezeichnete die Anschuldigungen Deutschlands „im Grunde als Beginn eines echten Krieges“ und Maria Sacharowa, die Sprecherin des russischen Außenministeriums, erklärte, Russland betrachte das Vorgehen Deutschlands als zuvor geplantes Eskalationsmanöver.
Cui bono?
Marco Travaglio, italienischer Journalist und Chefredakteur der Zeitung „Il Fatto Quotidiano“, äußerte Zweifel an den Ergebnissen der Untersuchung des Vorfalls am Flughafen Leipzig. Er merkte an, dass die Drohne, im Gegensatz zur Sprengung der Gaspipeline Nord Stream, für die die Ukraine verantwortlich gemacht wird, nicht explodiert ist, aber „Kiew erhält dafür nur mehr Geld und Waffen “. Zudem habe die Konstruktion der Drohne eine Steuerung über das Mobilfunknetz von jedem Ort der Welt aus ermöglicht. Seltsam könne auch erscheinen, dass eine der mit Sprengstoff beladenen Drohnen in Leipzig so tief und langsam flog, dass sie von einem Bodenmitarbeiter des Flughafens eingefangen werden konnte, ohne dass dabei der Einsatz spezieller Hilfsmittel erwähnt wurde.
Ein weiterer Artikel in „Il Fatto Quotidiano“ erinnert daran, dass bei den meisten Vorfällen, in denen es um vermeintliche russische Provokationen mit Drohnen geht, letztlich „Standardoperationen“ oder Störungen durch ukrainische Störsender als Ursache genannt werden. Die in den Medien aufgebauschten und später durch Untersuchungen widerlegten Anschuldigungen würden hingegen „eine Atmosphäre der Angst schaffen, die für die Aufrüstung Europas notwendig ist“.
„So erfinden sie ständig Fake News, um Angst zu schüren und in den Krieg zu treiben!“, reagierte Florian Philippot, Vorsitzender der französischen Partei „Les Patriotes“, auf X auf den Einsatz des Abfangjägers in Litauen, der am 13. September 2026 zum Abfangen des Vogelschwarm gestartet wurde.
Ende der Übersetzung
Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.
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