Was ist Trumps „Friedensrat“ und welche Staaten machen dabei mit?

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Ursprünglich hat Präsident Trump seinen „Friedensrat“ im Oktober 2025 in seinem 20-Punkte-Plan zur Regulieru...

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Ersatz für die UNO?

Was ist Trumps „Friedensrat“ und welche Staaten machen dabei mit?

US-Präsident Trump hat seinen „Friedensrat“ gegründet, der laut seiner Charta eine Art Ersatz-UNO werden und Konflikte in aller Welt lösen soll. Was genau ist also der „Friedensrat“, welche Staaten machen dabei mit und was hat die erste Sitzung ergeben?

Ursprünglich hat Präsident Trump seinen „Friedensrat“ im Oktober 2025 in seinem 20-Punkte-Plan zur Regulierung des Gazakrieges angekündigt, aber als die US-Regierung im Januar die Charta des „Friedensrates“ vorstellte, wurde klar, dass Trump viel weitergehende Pläne hat. Der „Friedensrat“ soll seinem Wunsch zufolge nicht nur für Gaza zuständig sein, sondern er soll Konflikte auf der ganzen Welt lösen.

Aber damit nicht genug, denn in der Charta gibt Trump sich selbst den Vorsitz und alle Macht in dem Friedensrat. Alles, was die Mitgliedsstaaten entscheiden, bedarf der Zustimmung des Vorsitzenden, zu dem Trump sich selbst ernannt hat. Sogar seinen Nachfolger darf er selbst aussuchen. Ironisch könnte man sagen, dass Trump sich damit zum König der Welt ernennen will, der bei allen internationalen Konflikten das letzte Wort hat und seinen Thron vererben kann.

Entsprechend verhalten war das Echo darauf und die Zahl der Staaten, die dem „Friedensrat“ tatsächlich beigetreten sind, ist überschaubar. Bemerkenswert ist, dass fast keine Staaten aus Europa beigetreten sind und natürlich ist auch keine der Großmächte Russland, China, Indien oder Brasilien beigetreten.

De facto ist Trumps „Friedensrat“ der Versuch, die UNO auszuhebeln, die den USA schon lange nicht mehr gefällt, weil sie sich immer öfter den Wünschen der US-Regierung widersetzt. Ein UNO-Ersatz, in dem die USA das Sagen und das letzte Wort haben, war daher der feuchte Traum jeder US-Regierung der letzten Jahrzehnte – und Trump versucht nun, das umzusetzen.

Das US-Außenministerium sagte das auch ganz offen, denn dort wurde nach der Erstunterzeichnung der Charta verkündet, die UNO sei in vielem ein riesiger Misserfolg und müsse – natürlich durch Trumps „Friedensrat“ – ersetzt werden.

Wer ist beigetreten?

Trump hat beim Weltwirtschaftsforum in Davos am 22. Januar die offizielle Unterzeichnung der Charta seines „Friedensrates“ zelebriert, allerdings haben dabei von den 193 Staaten der Welt nur 18 international anerkannte Staaten die Charta unterschrieben: Aserbaidschan, Argentinien, Armenien, Bahrain, Bulgarien, Ungarn, Indonesien, Jordanien, Kasachstan, Katar, Marokko, Mongolei, die Vereinigten Arabischen Emirate, Pakistan, Paraguay, Saudi-Arabien, Türkei, Usbekistan und das international nicht allgemein anerkannte Kosovo. Das hinderte Trump jedoch nicht daran, bei der Gelegenheit zu verkünden, über 50 Staaten würden dem „Friedensrat“ beitreten.

Tatsächlich sind per Mitte Februar nur 27 Staaten dem „Friedensrat“ beigetreten, zu den schon genannten kamen noch Ägypten, Israel, Kuwait, Albanien, Weißrussland, Bulgarien, Ungarn, El Salvador, Kambodscha und Vietnam hinzu. Außerdem haben folgende Staaten einen Beobachterstatus erhalten: Deutschland, Finnland, Griechenland, Indien, Italien, Japan, Kroatien, Mexiko, Niederlande, Norwegen, Oman, Österreich, Polen, Rumänien, Südkorea, Slowakei, Schweiz, Thailand, Tschechien, Großbritannien und Zypern.

Insgesamt hat Trump etwa 60 Länder zu Teilnahme eingeladen. Einige Länder (Frankreich, Schweden, Slowenien, Spanien und der Vatikan) haben das komplett abgelehnt und wollten nicht einmal Beobachter werden, andere (wie beispielsweise Russland und China) haben zwar nicht explizit abgelehnt, aber auch keine Beobachter zum ersten Treffen des „Friedensrates“ geschickt. Kanada spielt eine Sonderrolle, denn wegen seinem Streit mit Kanada hat Trump seine Einladung an Kanada später widerrufen.

Die EU und Großbritannien haben erklärt, sie würden den „Friedensrat“ unterstützen, wenn sich sein Mandat auf den Nahen Osten oder Gaza beschränkt.

Auf dem ersten Treffen des „Friedensrates“ am Wochenende in Washington wurde dann auch nichts Interessantes beschlossen. Stattdessen ließ Trump sich mit schönen Bildern feiern, das war im Grunde alles.

Trumps „Friedensrat“ wird also wohl eine Luftnummer bleiben, bei der die Länder mitmachen, die Trump aus irgendeinem Grund gefallen wollen. Aber spätestens nach seinem Abgang aus dem Weißen Haus wird der „Friedensrat“ in der Versenkung verschwinden, denn die US-Demokraten werden, wenn sie mal wieder den US-Präsidenten stellen, sicher kein internationales Gremium unterstützen, in dem Trump selbst der allmächtige Vorsitzende ist. Und selbst wenn der nächste US-Präsident wieder ein Republikaner wird, ist es mehr als fraglich, ob er sich seine Außenpolitik allzu lange von Trump diktieren lassen würde.

Kuriositäten

Trotzdem gab es einige Kuriositäten. Der weißrussische Präsident Lukaschenko sucht eine Annäherung an Trump und ist dem „Friedensrat“ beigetreten. Allerdings waren beim ersten Treffen in Washington keine Vertreter aus Weißrussland dabei, weil die US-Regierung nicht rechtzeitig die nötigen Visa ausgestellt hat.

Interessant war auch, was sich nach der Verkündung der Charta des „Friedensrates“ zwischen Putin und Trump abgespielt hat. In der Charta ist geregelt, dass Länder, die dem „Friedensrat“ eine Milliarde Dollar überweisen, einige Sonderrechte bekommen sollen.

Der russische Präsident Putin erklärte daraufhin, er sei durchaus bereit, dem „Friedensrat“ eine Milliarde Dollar explizit für den Wiederaufbau von Gaza zu überweisen, wenn man die Milliarde aus den in den USA eingefrorenen russischen Vermögenswerten nimmt. Darüber habe er auch schon mit Trump gesprochen.

Trump wiederum bestätigte das und sagte, er unterstütze Putins Idee, die Milliarde aus den eingefrorenen russischen Geldern zu nehmen.

Man könnte fast meinen, die beiden hätten das abgesprochen, um die Europäer ein wenig zu erschrecken, denn in der EU war der Schock groß. Der Grund dafür ist, dass damit ein Präzedenzfall geschaffen würde, der auch auf die in Europa eingefrorenen russischen Gelder angewendet werden könnte: Man könnte fordern, sie für den Aufbau bestimmter, vom Krieg in Mitleidenschaft gezogener Gebiete zu verwenden. Aber bekanntlich wollen die Europäer die Gelder nicht freigeben, sondern konfiszieren, um ihre ruinöse Ukraine-Unterstützung zu refinanzieren. Das würde damit noch unwahrscheinlicher, als es ohnehin schon ist.

Russland könnte mit so einer Vereinbarung gut leben, wenn die Gelder beispielsweise zweckgebunden für den Wiederaufbau der neuen russischen, ehemals ukrainischen Gebiete verwendet würden. Dort sind – ich war oft genug da und weiß daher, wovon ich rede – gigantische Aufbauarbeiten zu leisten, und zwar nicht nur wegen der Zerstörungen des Krieges, sondern vor allem, weil die Ukraine über 30 Jahre nichts in die seit der Sowjetzeit ohnehin marode Infrastruktur investiert hat. Straßen, Leitungssysteme, Strom- und Wasserversorgung, Schienen und so weiter waren dort – auch ganz ohne Krieg – de facto ein Totalschaden und müssen von Grund auf repariert und erneuert werden. Russland tut das in einem atemberaubenden Tempo, wie ich selbst gesehen habe, und investiert dort viele Milliarden.

Aber offenbar war das – ob zwischen Trump und Putin abgesprochen oder nicht – wohl nur ein Gag, denn das Thema, in den USA eingefrorene russische Gelder für den “Friedensrat” zu nutzen, ist schnell wieder verschwunden und Russland macht keinerlei Anstalten, dem „Friedensrat“ beizutreten, ob mit der Freigabe einer Milliarde Dollar für Gaza oder ohne.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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