Was der Spiegel über Russlands Warnung an die NATO verschweigt

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Russland hat die NATO davor gewarnt, die Lage um die russische Exklave Kaliningrad weiter zu eskalieren. Für diese Warnu...

anti-spiegel.ru📅 01.10.2026
Provokationen bei Kaliningrad

Was der Spiegel über Russlands Warnung an die NATO verschweigt

Russland hat die NATO vor einer weiteren Eskalation bei Kaliningrad gewarnt, auf die Russland auch mit Atomwaffen reagieren würde. Der Spiegel hat darüber zwar berichtet, seinen Lesern aber mal wieder verschwiegen, worum es dabei geht.

Russland hat die NATO davor gewarnt, die Lage um die russische Exklave Kaliningrad weiter zu eskalieren. Für diese Warnung gibt es handfeste Gründe, das Publikum der deutschen Mainstream-Medien jedoch nicht kennt. Entsprechend leicht war es für den Spiegel, die russische Warnung in ein vollkommen falsches Licht zu stellen. Schauen wir uns daher zunächst den Grund für Russlands Warnung und dann den Spiegel-Artikel darüber an, um zu verstehen, wie die „Propaganda durch Weglassen“ der deutschen Medien funktioniert.

Provokationen der NATO bei Kaliningrad

Die russische Exklave Kaliningrad ist den Strategen der NATO ein Dorn im Auge und das sagen sie auch ganz offen. Ich habe darüber viel berichtet und will hier nur einige Beispiele anführen, die vollständige Liste würde den Rahmen dieses Artikels sprengen.

Seit dem Zerfall der Sowjetunion gibt es Transitabkommen, die es Russland erlauben, Kaliningrad mit der Bahn durch das Staatsgebiet von Litauen zu versorgen. Über diesen Transit gibt es Abkommen, die zunächst Russland und Litauen und nach dem EU-Beitritt Litauens dann die EU und Russland abgeschlossen haben.

Aber die Baltenstaaten sind für ihre extrem anti-russische Politik bekannt und Litauen versucht immer wieder, den Transit zu stoppen, Kaliningrad also de facto unter eine Blockade zu stellen. Auch wenn die EU diese Versuche bisher ausgebremst hat, wird in Brüssel über Wege nachgedacht, wie man Kaliningrad trotz der bestehenden Verträge blockieren und dem einen pseudo-legalen Anstrich verpassen kann.

Aus diesem Grund hat Russland auch schon früher vor einer Eskalation in der Region gewarnt, weil „die EU und die baltischen Staaten, insbesondere Litauen, versuchen, die lebenswichtigen Lieferungen in die Region unter fadenscheinigen Vorwänden zu beeinträchtigen und den normalen Güter- und Personenverkehr zu behindern“, was sowohl über eine Blockade der Landverbindung als auch durch „die Verschärfung der Kontrolle der Schifffahrt in der Ostsee und den dänischen Meerengen der Ostsee, sowie durch die Schaffung von Hindernissen für den internationalen Seehandel in dieser Region“ geschehen soll.

All das sind keine russischen Fantasien oder russische Propaganda, darüber wird in Brüssel offen gesprochen und die Kaperungen russischer Tanker der angeblichen „Schattenflotte“ sind nichts anderes als Testballons, mit denen die EU- und NATO-Staaten austesten, wie weit sie gehen können und wie Russland auf diese Provokationen reagiert.

Hinzu kommen offene Drohungen von NATO-Generälen gegen Kaliningrad und auch andere russische Städte. Auch davon gibt es inzwischen so viele, dass ich nicht alle zitieren kann und mich daher darauf beschränke, Holger Neumann, den Chef der deutschen Luftwaffe, zu zitieren, der im Juni unter anderem gedroht hat, Kola-Halbinsel, Kaliningrad und St. Petersburg zu bombardieren.

Das sind keineswegs die leeren Worte eines durchgeknallten deutschen Generals, denn schon im April berichteten polnischen Medien, an der Ostflanke der NATO, vor allem über der Ostsee und Nordpolen, also der Region Kaliningrad, würden gemeinsame französisch-polnische Luftwaffen-Manöver durchgeführt. Dazu wurden auch französische Atomsprengköpfe nach Polen gebracht, die aber nicht dauerhaft dort bleiben sollten. Die Franzosen haben bei den Übungen den Einsatz von Atomsprengköpfen gegen Russland simuliert. Diese Provokationen, bei denen französische Atomwaffen direkt an die russische Grenze gebracht werden, um die atomare Bombardierung Russlands zu üben, werden der europäischen Öffentlichkeit übrigens positiv als „französischer Nuklearschirm“ verkauft.

Und auch das ist noch nicht alles, denn im Rahmen regelmäßiger NATO-Manöver wie Steadfast Defender und Baltops, die jedes Jahr in der Ostsee nahe Kaliningrad abgehalten werden, werden offen Szenarien für eine Blockade von Kaliningrad und St. Petersburg geübt.

Die Liste der Manöver, die die NATO praktisch ununterbrochen unmittelbar an der russischen Grenze durchführt, ist ebenfalls sehr lang und eine komplette Aufzählung würde den Rahmen sprengen.

Außerdem wurde im Rahmen der NATO-Operation Baltic Sentry bereits eine 24-Stunden-Überwachung in der Region eingerichtet und alle paar Tage umfliegen Spionageflugzeuge der NATO die russische Exklave. Und im Rahmen der NATO-Operation Eastern Sentry hat die NATO weitere Bodentruppen in die russische Grenze geschickt, auch bei Kaliningrad.

Man kann also ganz objektiv nicht bestreiten, dass die NATO- und EU-Staaten bei Kaliningrad eine Lage geschaffen haben, die Russland nur als ernsthafte Bedrohung auffassen kann. Und genau das war der Grund für die neuerliche Warnung Russlands an die NATO. Am Ende dieses Artikels finden Sie dazu eine russische Erklärung im Original, aber zunächst schauen wir uns an, wie der Spiegel seine Leser bei dem Thema desinformiert.

Russische Gewaltandrohung?

Der Spiegel hat unter der Überschrift „Spannungen wegen russischer Exklave Kaliningrad – Nato verurteilt russische Gewaltandrohung »aufs Schärfste«“ über Russlands Warnung berichtet und den Artikel damit begonnen, NATO-Sprecherin Allison Hart zu zitieren, die dazu erklärte, die NATO sei ein Verteidigungsbündnis und keine der Aktivitäten der NATO oder Übungen stellten eine Gefahr für irgendeinen Teil Russlands dar.

Das kann der Spiegel so stehen lassen, denn seine Leser glauben ja, die NATO sei ein reines Verteidigungsbündnis. Vor allem aber wissen die Spiegel-Leser nichts von all den oben genannten Aktivitäten der NATO bei Kaliningrad und wie sie auf Russland wirken müssen.

Und weil Spiegel-Leser von all diesen Provokationen der EU- und NATO-Staaten noch nie gehört haben, klingen die Vorwürfe Russlands, das der Nato, wie der Spiegel schreibt, eine „beispiellose Eskalation der militärisch-politischen Lage rund um die russische Region Kaliningrad“ und äußerst provokative öffentliche Äußerungen von Vertretern der Nato-Mitgliedstaaten vorwirft.

Wüssten die Spiegel-Leser, dass fast täglich Spionageflugzeuge der NATO um Kaliningrad herumfliegen, dass die NATO in diversen Manövern mehrmals jährlich die Blockade und sogar die Bombardierung Kaliningrads Atomwaffen übt, und dass der Chef der deutschen Luftwaffe persönlich mit der Bombardierung Kaliningrads gedroht hat, dann könnten sogar Spiegel-Leser ein gewisses Verständnis für Russlands Sorgen entwickeln. Deshalb verschweigen deutsche Medien all das konsequent.

Dann zitiert der Spiegel in seinem Artikel aus der russischen Erklärung, die nicht veröffentlicht wurde, aber Nachrichtenagenturen wie der dpa vorliegt:

„Dieser gefährliche und rücksichtslose Kurs birgt ein hohes Risiko für den Ausbruch eines direkten bewaffneten Konflikts, bei dem bereits zu Beginn des Konflikts russische Angriffe auf die Entscheidungszentren in den Mitgliedstaaten des Bündnisses möglich wären. Russland wird bereit sein, das gesamte ihm zur Verfügung stehende Arsenal an Streitkräften und Fähigkeiten, einschließlich Atomwaffen, einzusetzen, um sein Territorium zu verteidigen, sollten die Nato-Staaten einen Versuch unternehmen mit dem Ziel, die Region Kaliningrad vom Rest des Landes zu isolieren.“

Die NATO-Mitgliedstaaten würden daher aufgefordert, „von weiteren destabilisierenden und eskalierenden Maßnahmen abzusehen, um eine groß angelegte Konfrontation zu vermeiden“.

Der wirksame Propaganda-Trick

Erst danach, gegen Ende seines Artikels, schreibt der Spiegel:

„In der Nato wird davon ausgegangen, dass das russische Schreiben insbesondere eine Reaktion auf ein Mitte August durchgeführtes Luftmanöver ist. Mit ihm sollte nach Angaben aus Militärkreisen gezeigt werden, dass die Nato im Fall einer militärischen Aggression Russlands gegen Bündnisterritorium in der Lage wäre, die Exklave Kaliningrad zu kontrollieren. Das polnische Verteidigungsministerium sprach von einer Demonstration der Fähigkeiten des Bündnisses zur schnellen Reaktion.“

Natürlich berichtet der Spiegel nicht, dass diese Luftmanöver, bei denen auch die Bombardierung Kaliningrads geübt wurde, Teil der Initiative des französischen Präsidenten Macron zur sogenannten „Vorwärtsabschreckung“ sind, bei der der Öffentlichkeit die Planung von Angriffen gegen Russland als „Verteidigung“ verkauft wird.

Aber etwas anderes ist fast noch wichtiger, denn es ist ein beliebtes Mittel der westlichen Propaganda, die chronologische Reihenfolge zu verdrehen. Hätte der Spiegel sich in seinem Artikel an die Chronologie gehalten und zuerst berichtet, dass die NATO im August ein Manöver durchgeführt hat, mit dem sie Russland, wie der Spiegel es formuliert, zeigen wollte, dass sie “in der Lage wäre, die Exklave Kaliningrad zu kontrollieren”, dann würde der Spiegel-Artikel gleich ganz anders wirken und der Leser könnte verstehen, warum Russland nach diesem Manöver seine Warnung ausgesprochen hat.

Aber indem der Spiegel in seinem Artikel die Reihenfolge von Ursache und Wirkung vertauscht, klingt die russische Warnung für den Spiegel-Leser wie eine unprovozierte Drohung. Daran ändert es auch nichts, dass der Spiegel die NATO-Manöver am Ende seines Artikels doch noch kurz erwähnt, denn das menschliche Gehirn funktioniert nun einmal chronologisch. Weil es in dem Artikel zuerst von der russischen Warnung erfahren hat, war diese für das Gehirn „zuerst da“, und erst danach kamen die NATO-Manöver – das ist eine klassische Vertauschung von Ursache und Wirkung, um das Unterbewusstsein der Leser in die gewollte Richtung zu beeinflussen.

Dieser kleine psychologische Trick ist ungemein wirksam.

Die russische Erklärung

Meines Wissens wurde die Erklärung, die Russland der NATO übergeben hat, nicht im Wortlaut veröffentlicht. NATO-Generalsekretär Rutte hat dazu auf Nachfrage nur gesagt, er habe die Erklärung erhalten, könne den Inhalt jedoch nicht preisgeben, aber er entspreche „in etwa dem, was sie den Medien mitgeteilt haben“.

Die russische Botschaft in Irland hat am 29. September eine eigene Erklärung zu dem Thema veröffentlicht, aus der man erschließen kann, was Russland mitgeteilt hat. Damit Sie sich davon ein Bild machen können, habe ich die Erklärung übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

In jüngster Zeit ist in europäischen politischen Kreisen viel davon die Rede, dass Russland angeblich eine militärische Invasion Europas plane, seine vermeintliche hybride Kampagne gegen europäische Länder eskaliere oder beides. Das Schlagwort von der „russischen Bedrohung“ wird in den westlichen Medien täglich neu recycelt. Das Ziel ist klar: Es geht darum, höhere Verteidigungsausgaben und die allgemeine Militarisierung Europas zu rechtfertigen sowie weitere finanzielle, militärische und politische Unterstützung für das Kiewer Regime zu fördern, das als „Bastion gegen die russische Aggression“ dargestellt wird.

Die derzeitigen Regierungen in Europa möchten den Eindruck erwecken, sie seien Opfer von Russlands angeblicher Feindseligkeit oder Ziel einer unmittelbar bevorstehenden „russischen Invasion“. Für eine solche Behauptung gibt es keinerlei Belege. Moskaus Haltung zur Sicherheitslage in Europa war stets konsistent und wurde von Präsident Putin am 25. September erneut bekräftigt: Wir haben weder Pläne noch Gründe und, was am wichtigsten ist, keinerlei wirkliche Motive, die Lage im Verhältnis zu Europa zu verschärfen.

Dies sollte man als Signal der Zurückhaltung und Geduld seitens Russlands werten, angesichts der tatsächlichen Bedrohung seiner nationalen Sicherheit durch den Westen, die sich in einer deutlichen und erheblichen Zunahme der militärischen Aktivitäten von NATO und EU entlang der gesamten Westgrenze Russlands manifestiert. Allein in den Monaten von Juni bis September 2026 fanden fast ununterbrochen NATO-Militärübungen mit anti-russischen Szenarien in Polen, Lettland, Litauen, Norwegen und Finnland sowie in der Ostsee statt. Finnland und die baltischen Staaten sind nicht nur NATO-Mitglieder, die in die nukleare Planung des Bündnisses eingebunden sind, sondern sie haben sich auch der Initiative des französischen Präsidenten Macron zur sogenannten „Vorwärtsabschreckung“ angeschlossen, oder planen dies, welche die Stationierung französischer Atomwaffen auf ihrem Territorium (also direkt vor Russlands Haustür) vorsieht. Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang die gemeinsame Militärübung von Litauen, Polen und Frankreich unter dem Namen „Gallant Boar 2026“, die gezielt auf die russische Exklave Kaliningrad an der Ostseeküste ausgerichtet war. Es liegen Informationen vor, wonach die NATO eine Luft- und Seeblockade von Kaliningrad und der Region Kaliningrad vorbereitet.

Das ist keine Fiktion, sondern ein Grund für ernste Besorgnis aufseiten Russlands. Die unverantwortliche und kurzsichtige europäische politische Elite spielt ein gefährliches Spiel. Wie der russische Außenminister Sergei Lawrow kürzlich erklärte: Wenn der Westen uns angreift, werden wir reagieren und es wäre ein völlig anderer Krieg und ein sehr kurzer. Da darf es keinen Fehler geben: Russland wäre bereit, sein gesamtes Arsenal, einschließlich Atomwaffen, zur Verteidigung seines Territoriums einzusetzen, falls NATO-Staaten versuchen sollten, die Region Kaliningrad vom übrigen Land zu isolieren. In einem solchen Szenario wäre das Risiko einer bewaffneten Auseinandersetzung hoch, wobei die Wahrscheinlichkeit bestünde, dass Russland bereits in einem frühen Stadium des Konflikts Präventivschläge gegen Entscheidungszentren in den NATO-Staaten führt.

Das ist eine Angelegenheit von äußerster Ernsthaftigkeit und sollte von Europa als solche behandelt werden.

Ende der Übersetzung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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