Warum verschweigen deutsche Medien, dass Kiew von der EU weitere 27 Milliarden fordert?

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Manchmal merke ich erst nach Tagen oder Wochen, was deutsche Medien alles verschweigen. In russischen und ukrainischen M...

anti-spiegel.ru📅 17.09.2026
Fass ohne Boden

Warum verschweigen deutsche Medien, dass Kiew von der EU weitere 27 Milliarden fordert?

Deutsche Medien verschweigen einhellig, dass Selensky von der EU weitere 27 Milliarden zusätzlich für 2026 gefordert hat, weil das ukrainische Verteidigungsministerium Mittel, die für die zweite Jahreshälfte vorgesehen waren, vorgezogen hat. Sogar in der EU ist man „alarmiert“.

Manchmal merke ich erst nach Tagen oder Wochen, was deutsche Medien alles verschweigen. In russischen und ukrainischen Medien ist es seit Wochen ein Thema, dass Selensky die EU gebeten hat, ein Defizit von 27 Milliarden Dollar (23 Milliarden Euro) im ukrainischen Verteidigungsministerium zu schließen. Kiew erklärt die Lücke damit, dass es Mittel, die eigentlich für die zweite Jahreshälfte vorgesehen waren, vorgezogen hat, um die Ausgaben der ersten sechs Monate zu decken. Das Geld werde für Personal, soziale Unterstützung und Beschaffung von Waffen benötigt, darunter rund sechs Milliarden Euro an Vorauszahlungen für Lieferungen, die Anfang 2027 fällig werden.

Das ist für mich Allgemeinwissen, weil es dazu fast täglich Meldungen aus Kiew gibt, wenn dieser oder jener Politiker oder Minister sich dazu äußert. Und weil das für mich Allgemeinwissen ist, ist mir vollkommen entgangen, dass deutsche Medien das seit Wochen verschweigen. Das habe ich erst jetzt bemerkt, als ich einen Artikel über ein anderes Thema schreiben wollte und in deutschen Mainstream-Medien nach Quellen zu den fehlenden 27 Milliarden Dollar gesucht habe – und keine gefunden habe.

In Deutschland haben darüber lediglich die Berliner Zeitung, AOL und natürlich RT berichtet. AOL hat allerdings keinen eigenen Artikel geschrieben, sondern die KI einen englischsprachigen Artikel von Euronews übersetzen lassen.

Ich sage immer wieder, dass jeder, der sich über politische Entwicklungen und Nachrichten informieren will, seine Zeit nicht mit der Lektüre deutscher Mainstream-Medien verschwenden darf, weil man dort ohnehin nichts erfährt. Damit will ich nicht sagen, dass man unbedingt russische Medien lesen muss, sogar britische und amerikanische Medien informieren ihre Leser weitaus besser als deutsche. In den USA hat beispielsweise die Washington Post gerade erst darüber berichtet.

Nur in deutschen Mainstream-Medien gibt es darüber praktisch keine Meldung. Die verschweigen das geschlossen – wie kommen Leute wie ich da nur auf die, die deutschen Medien könnten gleichgeschaltet sein?

Warum fehlt das Geld?

Die Berliner Zeitung, RT und englischsprachige Medien wie die Washington Post, Euronews und auch die New York Times haben darüber vor einigen Tagen, also auch mit erheblicher Verspätung, berichtet, als die Reaktion der EU auf die neue Finanzierungslücke aus Kiew durchgesickert ist.

In Brüssel ist man demnach nicht begeistert und verlangt eine vollständige Aufschlüsselung: Wie groß ist die Lücke, woher stammt sie, und wie lässt sie sich schließen? Auch der Internationale Währungsfonds, der mit Kiew über neue Zahlungen verhandelt, ist an den technischen Gesprächen beteiligt. EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis, der die Unterstützung für die Ukraine koordiniert, sagte gegenüber Euronews, die EU müsse den genauen Umfang des wachsenden Haushaltsbedarfs der Ukraine „präzise bestimmen“, bevor sie über neue Hilfen entscheidet.

Selensky hat als Ausweg vorgeschlagen, die EU solle die Auszahlungen aus ihrem Unterstützungskredit über 90 Milliarden Euro beschleunigen. Damit würde der ursprüngliche Zeitplan der Union kippen, denn das Geld war für zwei Jahre vorgesehen, wobei 45 Milliarden Euro 2026 und weitere 45 Milliarden Euro für 2027 vorgesehen sind. Ein Vorziehen dieser Zahlung würde also den kein Problem lösen, sondern spätestens im Sommer 2027 ein neues Problem schaffen.

So zumindest liest man es in den Berichten westlicher Medien, tatsächlich stellt sich die Sache aber wohl etwas anders dar.

Was tatsächlich wohl dahinter steckt

Ich berichte seit Monaten um den Machtkampf zwischen Selensky und der EU, bei dem es darum geht, dass die EU im Gegenzug für den 90-Milliardenkredit die totale Kontrolle über die Ukraine übernehmen will. In der Ukraine ist das als „Katschka-Kos-Plan“ bekannt, benannt nach dem damaligen ukrainischen Minister für EU-Fragen Taras Katschka und EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos, die diesen 10-Punkte Plan im letzten Dezember parallel zum Beschuss der EU über den 90-Milliardenkredit veröffentlicht haben (siehe hier).

Da Selensky sich weigert, die dafür nötigen Gesetze ins Parlament zu bringen, verzögert die EU die Auszahlungen der Gelder. Offiziell bestätigt das in Brüssel niemand, das erfährt man nur in ukrainischen Medien, aber es gibt auch Hinweise aus Brüssel, denn interessanterweise hat die EU-Kommission bisher nur mitgeteilt, im Juni 2026 sei die erste Tranche ausgezahlt worden, aber sie macht keine Angaben darüber, wie viel oder wofür sie bisher Geld überwiesen hat. Diese Geheimniskrämerei bestätigt, dass die EU Gelder zurückhält, denn normalerweise rühmt sie sich bekanntlich für jeden Cent, den sie Kiew überweist.

Das dürfte ein Grund dafür sein, dass Kiew in seiner Verzweiflung für die zweite Jahreshälfte reservierte Gelder benutzt hat, um die Finanzierungslücken im ersten Halbjahr zu decken. Und natürlich dürfte einiges an Geld in den dunklen Kanälen verschwunden sein, für die die Ukraine bestens bekannt ist.

Aber angesichts des Machtkampfes zwischen der EU und Selensky und den sehr zögerlichen Auszahlungen des 90-Milliardenkredits liegt es auf der Hand, warum der ukrainischen Regierung das Geld ausgeht. Anfang September hat der ukrainische Finanzminister übrigens mitgeteilt, dass er im September nicht alle anstehenden Zahlungen leisten kann.

Damit scheint der Machtkampf zwischen der EU und Selensky auf seinen Höhepunkt zuzustreben, denn irgendwann muss die EU sich entscheiden: Gibt sie nach und überweist das Geld, um eine Zahlungsunfähigkeit Kiews zu verhindern, die Russland im Krieg helfen würde? Oder bleibt sie hart und hofft, dass Selensky nachgibt? Oder lässt sie Selensky fallen, indem sie seine Korruption öffentlich macht, und tauscht ihn gegen einen gehorsameren Platzhalter aus?

Vielleicht erfahren wir das schon bald…

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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