Warum Europa fast keine Reserven an Luftverteidigung mehr hat

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Die ständigen Provokationen der EU-Staaten, die es darauf anzulegen scheinen, Russland zu einer bewaffneten Antwort auf ...

anti-spiegel.ru📅 01.09.2026
Der Raketenmangel

Warum Europa fast keine Reserven an Luftverteidigung mehr hat

Associated Press berichtete, dass die europäischen Bestände an modernen Abfangraketen auf ein kritisches Niveau gesunken sind und derzeit nicht einmal zur Abwehr eines einzigen ballistischen Angriff ausreichen. Wie ist es dazu gekommen?

Die ständigen Provokationen der EU-Staaten, die es darauf anzulegen scheinen, Russland zu einer bewaffneten Antwort auf Ziele in Europa zu bringen, sind vor allem angesichts des offensichtlichen Mangels an Luftabwehrsystemen vollkommen unverständlich, denn die europäische Rüstungsindustrie kann derzeit nicht genug Luftabwehrmunition für eine großen Krieg produzieren. Und auch die Lager der USA sind leer.

Darunter leidet vor allem die Ukraine, die seit August meldet, dass sie wegen des Mangels an Abfangraketen keine russischen ballistischen Raketen mehr abfangen kann, die ihre Ziele in der Ukraine nun vollkommen ungehindert treffen.

In der TASS ist ein Artikel über die Gründe des Raketenmangels in der NATO erschienen, den ich übersetzt habe.

Beginn der Übersetzung:

Der Raketenmangel der NATO: Was und wer hat Europas Reserven an Luftverteidigung dezimiert?

Boris Roschin erklärt, warum die westliche Rüstungsindustrie die Lücken in der Luftverteidigung nicht schließen kann.

Was würde geschehen, wenn morgen ein massiver Raketenangriff auf Militäreinrichtungen in Europa erfolgte?

Associated Press berichtete unter Berufung auf Quellen, dass die europäischen Bestände an modernen Abfangraketen, vorwiegend amerikanischen Patriot-Raketen, auf ein kritisches Niveau gesunken sind. Sie stellte außerdem klar, dass das Kontingent derzeit nicht einmal einen einzigen ballistischen Angriff abwehren kann.

Gleichzeitig hat die russische Führung wiederholt erklärt, keine Pläne für eine Aggression gegen Europa und die NATO zu haben. Es ist selten, aber einige Politiker in europäischen Hauptstädten haben das bestätigt. Erst heute, am 31. August, sagte der rumänische Verteidigungsminister Radu Miruță: „Ich glaube nicht, dass Russland beabsichtigt, ein NATO-Land anzugreifen.“

Dennoch ist es wichtig zu verstehen, wie es zu einem derart systemischen Versagen der hochgelobten westlichen Rüstungsindustrie kommen konnte und wohin die Raketen verschwunden sind.

Wohin sie gegangen sind

Die Aggression der USA und Israels gegen den Iran in den Jahren 2025/26 legte eine Reihe von Problemen in der amerikanischen Waffenproduktion offen, die vor den Angriffen auf die Islamische Republik im Sommer 2025 und Frühjahr 2026 nicht als kritisch galten.

So konnte Washington seine Verbündeten beispielsweise bis zum Sommer 2025 durchaus ausreichend mit Flugabwehrraketen beliefern. Auch für die Ukraine gab es keine besonderen Hindernisse, die Raketen wurden entweder direkt (unter der Regierung von Joe Biden) oder über Verkäufe an NATO-Staaten mit anschließender Übergabe an Kiew (unter der Regierung von Donald Trump im Rahmen des PURL-Programms) geliefert. Doch der zwölftägige Krieg im Juni 2025 offenbarte ein gravierendes Problem: Die jährliche Produktion von Patriot-Abfangraketen erwies sich bei einem raschen Verbrauch der gelagerten Bestände als völlig unzureichend, um die nötigen Arsenale aufrechtzuerhalten. Das betraf unmittelbar sowohl das US-Militär selbst als auch die Satelliten der USA, die die PAC-2- und PAC-3-Varianten des Systems nutzen. Die Situation wirkte sich auch auf die Ukraine aus, die bereits 2025 über einen kritischen Mangel an Patriot-Raketen klagte.

Dieser Mangel hat einen objektiv Grund, denn Irans Vergeltungsangriffe mit ballistischen und Hyperschallraketen gegen Ziele im Persischen Golf und in Israel führten im gesamten Nahen Osten zu einem übermäßigen Verbrauch an Luftverteidigungsmunition. Ein ähnlicher Abbau der Bestände ist bei den Systemen THAAD und Arrow 3 sowie den Marine-Abfangraketen SM-3 und SM-6 zu beobachten.

Vor der Eskalation des Ukraine-Konflikts wurden die US-Bestände der wichtigsten Luftverteidigungssysteme auf etwa 3.000 bis 3.500 Patriot-Raketen, 200 bis 250 THAAD-Raketen und 400 bis 500 SM-3-Marine-Raketen geschätzt. Daher waren die damaligen Produktionsraten relativ niedrig: etwa 200 bis 250 Patriot-Raketen, 40 bis 50 THAAD-Raketen und nur 30 bis 40 SM-3-Raketen pro Jahr.

Faktisch war die amerikanische Rüstungsindustrie für kurze, begrenzte Konflikte ausgelegt, nicht für langwierige Abnutzungskriege.

Selbst als die jährliche Produktion bis 2026 auf 600 Patriot-Raketen, 50 THAAD-Systeme und 35 SM-3-Raketen erhöht wurde, macht der Verbrauch im Kampf, der diese Zahlen bei Weitem übersteigt, eine schnelle Wiederauffüllung der erschöpften Luftverteidigungsarsenale in absehbarer Zeit unmöglich.

Die zweite Phase der Aggression gegen den Iran, die Ende Februar 2026 begann und mit Unterbrechungen bis heute andauert, verschärfte diese Probleme nur noch. Ein wichtiger Faktor war natürlich der Verlust von Patriot- und THAAD-Raketenwerfern sowie deren wenigen Radarsystemen im Kampf. Daher war Washington während des Feldzugs gezwungen, andere Einsatzgebiete zu schwächen und dringend Reserven aus den USA, Europa, Südkorea und anderen Ländern in den Nahen Osten zu verlegen, um Verluste auszugleichen und ein akzeptables Niveau der Fähigkeit zur Raketenabwehr aufrechtzuerhalten.

Trotz dieser Maßnahmen war das US-Kommando nach nur 12 bis 14 Tagen heftiger Kämpfe gezwungen, auf eine Priorisierung der Ziele umzuschalten und die Versuche, alle iranischen Waffen abzufangen, aufzugeben. Das ermöglichte es dem Iran in der späteren Phase der Kampagne, mit dem Einsatz noch weniger Waffen eine hohe Dichte an Treffern auf militärische und Infrastrukturziele der USA, Israels, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwaits, Bahrains, Katars und Saudi-Arabiens zu erzielen.

Bei der Bewertung der Zwischenergebnisse der Offensive gegen den Iran erkannten das Pentagon und die Trump-Administration (logischerweise) den Mangel an Luftverteidigungsraketen (sowie an hochpräzisen luft-, see- und landgestützten Angriffssystemen) als eines der zentralen langfristigen Probleme des US-Militärs. Bei einem Treffen im März mit Vertretern führender Rüstungsunternehmen forderte Trump eine schnelle Vervierfachung der Produktion von Waffen „der Spitzenklasse“. Erste Schätzungen zum Zeitplan für die Wiederauffüllung der Bestände erwiesen sich als äußerst pessimistisch: Bei einigen Typen von Abfangraketen würde die aktuelle Produktionskapazität es den USA lediglich ermöglichen, bis 2031/32 das Vorkriegsniveau zu erreichen.

Washington bleibt demonstrativ optimistisch und behauptet, viele Fabriken seien bereits in Betrieb und der Wiederauffüllungsprozess habe noch vor dem Treffen begonnen. Laut US-Medienberichten wies ein als geheim eingestufter Bericht des Generalstabschefs Dan Kane jedoch direkt auf den kritischen Mangel an Abfangraketen und die Unmöglichkeit hin, dieses Defizit schnell zu beheben, was als eine der Begründungen für die dringende Notwendigkeit diente, die Militäroperationen gegen den Iran einzuschränken.

Die Probleme auf dem europäischen Kriegsschauplatz

Natürlich haben diese Probleme auch Europa und den ukrainische Kriegsschauplatz betroffen. Die Umleitung der Produktionskapazitäten auf den Bedarf der US-Armee, Israels und der Golfstaaten an Luftverteidigung führte dazu, dass die vertraglichen Fristen für die Lieferung von Flugabwehrraketen nach Europa und Asien bis ins Jahr 2030 verschoben wurden. Außerdem waren die operativen Bestände in diesen Regionen selbst stark dezimiert. Das hat die Versorgung Kiews selbst im Rahmen des „Buy from the US and Transfer to Ukraine“-Mechanismus (PURL) erschwert.

Im Winter 2025/26 bemühte sich der gesamte NATO-Block fieberhaft, aus seinen erschöpften Arsenalen zumindest eine Mindestanzahl an Patriot-Abfangraketen für die ukrainischen Streitkräfte zu beschaffen. Trotz gemeinsamer Bemühungen konnten lediglich 35 Stück aufgetrieben werden, was nicht einmal ausreicht, um einen einzigen Großangriff abzuwehren. Eine ähnliche Situation wiederholte sich im Mai 2026, als Deutschland eine weitere Lieferung von 35 Patriot-Abfangraketen aus ganz Europa zusammenstellte. Dabei konnte Berlin selbst aus seinen eigenen Beständen nur fünf Raketen bereitstellen.

Bereits im Juni beklagte sich das Regime von Wladimir Selensky wieder aktiv über einen akuten Mangel an Patriot-Munition. Im Juli starteten die russischen Streitkräfte als Reaktion auf Kiews Strategie der Terrorangriffe eine intensive Angriffskampagne gegen Energieanlagen und militärische Infrastruktur, wodurch die ukrainische Luftverteidigung im August keine einzige ballistische Rakete mehr abfangen konnte. Schließlich stellte der Generalstab der ukrainischen Streitkräfte die Meldung der Anzahl der anfliegenden Raketen ein, um Panik über die Ohnmacht des eigenen Luftverteidigungssystems zu vermeiden.

Das spiegelt die Krise des europäischen Luftverteidigungssystems wider, da die europäischen Länder (die das schon lange zugeben) die wichtigsten Förderer und Ideologen dieses Konflikts sind. Laut Aussagen aus Kiew hat der akute Munitionsmangel sogar die italienisch-französischen SAMP-T-Systeme erreicht. Diese Systeme wurden im Nahen Osten nicht eingesetzt, doch herrscht dort seit Langem ein Mangel an Aster-30-Luftabwehrraketen.

Vorgeschlagene Lösungen, darunter die Übertragung von Lizenzen zur Produktion von Patriot-Raketen an Kiew, stoßen auf erhebliche politische, technologische und militärische Hürden. Selbst wenn solche Technologietransfers tatsächlich umgesetzt würden, lägen die betroffenen Werke aus Sicherheitsgründen (und zur Gewinnmaximierung) außerhalb der Ukraine. Sie wären zudem mit denselben Beschränkungen bei der Produktion teurer Komponenten konfrontiert, die die amerikanische Rüstungsindustrie betreffen.

Die von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron im August angekündigte Lieferung von vier weiteren SAMP-T-Batterien an die Ukraine löst den Raketenmangel nicht. Wenn die Munitionsmenge schon für die beiden zuvor gelieferten Systeme nicht ausreichte, wird sie bei der aktuellen Kapazität der Fabriken sicherlich nicht für sechs Systeme reichen. Offenbar in Kenntnis dessen kündigten Paris und Rom zeitgleich Pläne an, die Produktionstechnologie für Aster-30-Raketen nach Kiew zu transferieren und neue Montagelinien zu errichten (die höchstwahrscheinlich ebenfalls nicht in der Ukraine liegen werden). Allerdings sind diese Pläne auf Jahre ausgelegt, während die jährliche Produktionsmenge der Aster-30-Raketen des Konzerns Eurosam derzeit bescheidene 300 Stück nicht übersteigt.

Ukrainischer Ersatz

Parallel arbeitet die Ukraine an einem Ersatz für die Patriot-Raketen, den Luftabwehrraketen, die laut den Entwicklern günstiger als ihre amerikanischen Pendants sein sollen. Allerdings steht auch dieses Projekt vor dem systembedingten Problem der Massenproduktion. Die NATO-Staaten sind zwar bereit, Radargeräte und Hilfsausrüstung für diese Systeme bereitzustellen, doch die zusätzlichen Mittel für die Produktion der Raketen selbst sind äußerst begrenzt, was die potenziellen Produktionsmengen erheblich einschränkt. Derzeit ist geplant, die jährliche Produktion der Freya-Raketen auf 200 bis 300 Einheiten zu einem Stückpreis von etwa 700.000 US-Dollar zu steigern. Zum Vergleich: Eine einzelne europäische Aster-30-Rakete kostet 3,5 Millionen US-Dollar, während eine amerikanische Rakete für das Patriot-Luftverteidigungssystem etwa 4 Millionen US-Dollar kostet.

Dabei ist die Frage der Effektivität dieser neuen ukrainischen Raketen weiterhin ungewiss, und ihr erster Einsatz wurde erst für Anfang 2027 angekündigt. Man muss anmerken, dass selbst die Original-Patriot-Luftverteidigungssysteme keine hohe Abfangrate für russische Waffensysteme, insbesondere die Hyperschallraketen Kinschal und Zirkon sowie die Überschallraketen Onyx, garantieren können.

Das Zeitfenster

Die Präzisionsangriffe der russischen Streitkräfte auf Produktionsanlagen, Lager und Logistikzentren stellen nach wie vor einen destabilisierenden Faktor für die Rüstungsindustrie der Ukraine dar. Die erfolgreiche Zerstörung militärtechnischer Stützpunkte, darunter auch Depots mit Flamingo-Raketen, bestätigt Russlands hohe Kenntnis des Zustands der Verteidigungsprogramme des Gegners.

Die Erschöpfung der westlichen Arsenale und die technologische Komplexität der Produktion moderner Abfangraketen haben das Potenzial der ukrainischen Luftverteidigung erheblich reduziert. Natürlich versucht der Gegner, seine Bestände wieder aufzufüllen, von denen ein Teil an die Kiewer Machthaber fallen wird, sei es im Rahmen des PURL-Programms oder als Teil von Macrons angekündigten Plänen für die Aster-30. Das wird jedoch viele Monate, wenn nicht gar Jahre dauern.

Vor diesem Hintergrund beruhen Initiativen zur Erreichung eines sogenannten Waffenstillstands in der Luft auf dem Bewusstsein der eigenen Schwäche und dem Wunsch nach einer operativen Pause. Der Gegner benötigt diese Atempause ausschließlich, um seine Bestände an Flugabwehrraketen aufzufüllen und seine militärische Infrastruktur wiederherzustellen.

Dabei hat die Erschöpfung der Patriot-Depots deutlich gezeigt, dass der vielgepriesene europäische Schutzschild der NATO eine Illusion war und Europa mit seinen Ängsten allein gelassen hat.

Ende der Übersetzung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.


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