Warum die Verleihung des diesjährigen Friedensnobelpreises die Spaltung des Westens dokumentiert

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Um zu verstehen, warum ich den Friedensnobelpreis als “Propaganda-Instrument der europäischen Staaten” bezeichne, müssen...

anti-spiegel.ru📅 10.10.2026
Propaganda-Instrument

Warum die Verleihung des diesjährigen Friedensnobelpreises die Spaltung des Westens dokumentiert

Dieses Jahr bekommt eine Juristin den Friedensnobelpreis, die Völkermörder verurteilt hat und Israels Vorgehen in Gaza als Völkermord einstuft. Da der Preis ein Propaganda-Instrument der europäischen Staaten ist, zeigt die Verleihung, wie tief der Westen gespalten ist, denn die Auswahl der Preisträgerin ist ein Affront gegen Trump und Netanjahu.

Um zu verstehen, warum ich den Friedensnobelpreis als “Propaganda-Instrument der europäischen Staaten” bezeichne, müssen wir uns zunächst anschauen, wer die Preisträger nach welchen Kriterien auswählt. Danach kommen wir zur aktuellen Preisträgerin und der Frage, was die diesjährige Verleihung bedeutet.

Wie der Friedensnobelpreis verliehen wird

Anders als alle anderen Nobelpreise, die in Stockholm an von Experten vorgeschlagene Wissenschaftler vergeben werden, erfolgt die Verleihung des Friedensnobelpreises im Rathaus von Oslo. Der Friedensnobelpreisträger wird von einem fünfköpfigen Komitee, dem Norwegischen Nobelkomitee, ausgewählt.

Die Mitglieder des Komitees werden vom norwegischen Parlament für einen Zeitraum von sechs Jahren ernannt, wobei sich die politische Zusammensetzung des Parlaments dabei naturgemäß auch in der Zusammensetzung des Komitees widerspiegelt. Die Sitzungen des Komitees müssen nicht protokolliert und seine Entscheidungen müssen nicht gerechtfertigt werden.

Da die Mitglieder des Komitees damit alle vom Parlament eines europäischen Staates ernannt werden und die politische Wirkung der Verleihung des Friedensnobelpreises natürlich allen klar ist, erklärt sich auch, warum alle Preisträger weniger ihre Verdienste für den Frieden als ihre Treue zu den politischen Zielen der europäischen Staaten eint, wie auch die Beispiele von Preisträgern der letzten Jahre zeigen, die wir uns am Ende dieses Artikels anschauen.

Früher, als der Westen noch politisch geeint war, konnte man sagen, dass der Friedensnobelpreis im Grunde der „NATO-Preis“ war, mit dem Menschen geehrt wurden, die in irgendeiner Form wichtig für die Interessen der NATO waren. Seit Trump und die Europäer im offenen Streit liegen und viele EU-Staaten nur mit größter Mühe davon abgehalten werden können, Israel für seinen Völkermord in Gaza und dem Westjordanland mit Sanktionen zu bestrafen, ist es um die Einheit des Westens bekanntlich schlecht bestellt.

Wer ist die Preisträgerin Navi Pillay?

Daher haben die Europäer den Friedensnobelpreis in diesem Jahr an die 85-jährige Navi Pillay verliehen, die in ihrer Laufbahn unter anderem Richterin am Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) und UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte war. Sie hat den Unmut von Trump und Netanjahu auf sich gezogen, weil eine von ihr geleitete UNO-Untersuchungskommission im September 2025 zu dem Schluss kam, dass Israel in Gaza einen Völkermord begeht, weil das Ausmaß der Tötungen und Zerstörungen sowie dem Einsatz von Hunger als Kriegswaffe gegen die palästinensische Bevölkerung in Gaza zeigt, dass Israel die Palästinenser zumindest teilweise vernichten will, was entmenschlichenden Äußerungen führender israelischer Politiker bestätigen.

Eigentlich wurde der Internationale Strafgerichtshof, der den Haftbefehl gegen Netanjahu ausgestellt hat und der von den USA dafür sanktioniert wurde, selbst als diesjähriger Preisträger gehandelt, aber zu einem so offenen Angriff auf Netanjahu fehlte den Europäern offenbar dann doch der Mut, weshalb sie sich dann für eine ehemalige Richterin des Gerichtshofes entschieden haben.

Es ist daher ganz und gar kein Zufall, dass die USA unmittelbar nach der Verkündung der diesjährigen Friedensnobelpreisträgerin neue, sehr umfangreiche Sanktionen gegen den Internationalen Strafgerichtshof verhängt haben.

Die offensichtliche Spaltung des Westens

Wie tief die Spaltung des Westens ist, zeigen schon die Spiegel-Überschriften nach der Verkündung der diesjährigen Friedensnobelpreisträgerin. Zum Beispiel lautete eine Überschrift „Ehemalige Richterin am IStGH – Friedensnobelpreisträgerin Pillay droht scherzhaft damit, ihren Preis mit Trump zu teilen“, was ein Seitenhieb auf das letzte Jahr war, als Trump, der den Friedensnobelpreis seiner Meinung nach schon mehrfach verdient hätte, ihn nicht bekam, sondern die angebliche Oppositionsführerin aus Venezuela, die Trump dann im Januar 2026 wenigstens Friedensnobelpreis-Medaille überreicht hat – was ihr bekanntlich aber nicht dabei geholfen hat, in Venezuela an die Macht zu kommen.

Eine weitere Überschrift beim Spiegel lautete „»Goebbels applaudiert bestimmt aus der Hölle« – Israels Außenministerium verurteilt Friedensnobelpreisvergabe an Navi Pillay“, was zeigt, wie erbost man in Israel auf die Europäer ist. Die Wahl des Nobelkomitees legitimiere „anti-israelischen Hass“, erklärte das israelische Außenministerium am Freitag auf X. Joseph Goebbels applaudiere „bestimmt aus der Hölle“, fügte das Ministerium hinzu. Ich denke, Nazi-Vergleiche der israelischen Regierung, die seit Jahren, ganz nach Manier der Nazis, versucht, ein ganzes Volk auszurotten und damit selbst den weltweiten Antisemitismus befeuert, benötigen keine weitere Kommentierung.

Viele europäische Staaten, allen voran natürlich Deutschland, haben bekanntlich Angst, Israel offen für seine Kriegsverbrechen und Verbrechen an der Menschlichkeit zu kritisieren. Trotzdem gehört Deutschland nun zu den Staaten, die Israel zumindest indirekt kritisieren, indem sie sich gegen die US-Sanktionen aussprechen, die die Trump-Regierung sofort nach der Bekanntgabe der diesjährigen Friedensnobelpreisträgerin verhängt haben. Darüber berichtet der Spiegel, der auch nie Kritik an Israels Völkermord äußert, unter der Überschrift „Internationale Diplomatie – Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande, Dänemark, Kanada und Japan kritisieren US-Sanktionen gegen Strafgerichtshof“.

Da die Europäer eigentlich alles daran setzen, die Spaltung des Westens herunterzuspielen und bei allen passenden und unpassenden Gelegenheiten Einheit zu demonstrieren, ist die Auswahl der diesjährigen Preisträgerin ein durchaus unerwarteter – und noch vor kurzem undenkbarer – offener Protest gegen Trump und Netanjahu, den man auf der internationalen Bühne genau zur Kenntnis nimmt, der für die breite Öffentlichkeit aber (zumindest vorerst) wohl weitgehend unbemerkt bleiben dürfte.

Wer den Friedensnobelpreis in den letzten Jahren bekommen hat

Wie eingangs angekündigt, werfen wir nun noch einen Blick auf die Friedensnobelpreisträger der letzten Jahre, als die NATO und der Westen in ihren politischen Zielen noch weitgehend einig waren – und man den Preis daher als höchste Auszeichnung der NATO verstehen musste.

Dass US-Präsident Obama den Preis nach seiner Wahl 2009 bekommen hat, muss ich wohl nicht weiter kommentieren, dazu wurde schon genug gesagt.

2010 bekam der Chinese Liu Xiaobo den Preis für seinen „Kampf für die grundlegenden Menschenrechte in China“.

2012 bekam die EU den Preis, weil sie „zur Entwicklung von Frieden und Versöhnung, Demokratie und Menschenrechten in Europa“ beigetragen habe. Wenn man sich die heutige EU anschaut, müsste ihr dieser Preis wieder aberkannt werden.

2013 bekam die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) den Preis „für ihre umfänglichen Bemühungen zur Beseitigung chemischer Waffen“. Interessanterweise war das das Jahr, in dem die OPCW Syrien wegen des angeblichen Einsatzes von chemischen Waffen zu beschuldigen begann, die sich später allerdings als unwahr herausstellten, wie Whistleblower enthüllten. Die Anschuldigungen waren vom Westen gewollt und die OPCW-Berichte wurden vom Westen bezahlt, um sie propagandistisch gegen Assad zu benutzen.

2021 bekamen zwei Personen den Preis, eine Philippina und ein Russe, „für ihre Bemühungen um die Wahrung der Meinungsfreiheit, die eine Voraussetzung für Demokratie und dauerhaften Frieden ist“. Die Philippina war eine Gegnerin des damaligen, vom Westen ungeliebten philippinischen Präsidenten Duterte und der Russe war ein Kritiker des russischen Präsidenten.

2022 stand ganz im Zeichen des Kampfes des Westens gegen Russland, weshalb ein Weißrusse, eine vom Westen finanzierte und in Russland verbotene NGO und eine ukrainische NGO den Preis „für die Förderung des Rechts zur Machtkritik und den Schutz der Grundrechte der Bürger sowie für die herausragenden Bemühungen, Kriegsverbrechen, Menschenrechtsverletzungen und Machtmissbrauch zu dokumentieren“ erhielten, wobei es aber natürlich nicht um ukrainische Kriegsverbrechen oder den Schutz der Grundrechte von Menschen in der Ukraine oder den Kampf gegen den Machtmissbrauch und die Korruption in der Ukraine, sondern gegen Russland ging.

2023 bekam eine iranische Regierungskritikerin den Friedensnobelpreis und 2025 bekam ihn María Corina Machado, die schon erwähnte, vom Westen aufgebaute angebliche Oppositionsführerin in Venezuela, an die sich heute niemand mehr erinnert, nachdem Trump Venezuela durch die völkerrechtswidrige Entführung von Präsident Maduro dem Willen der USA unterworfen hat.

Ich denke, diese Auswahl zeigt, wie politisch motiviert der Friedensnobelpreis verliehen wird, den zwar viele Kritiker von Regierungen bekommen, die der Westen zu Gegnern erklärt hat, aber den nie jemand bekommen hat, der irgendetwas an der Politik des Westen kritisiert hat. Gegner der Kriege des Westens gegen den Irak, Libyen, Syrien etc. wurden übrigens nie geehrt.

Während der Westen diese Kriege geführt hat, ging der Friedensnobelpreis übrigens an Frauenrechtler, Unterstützer der Klimawandel-These und so weiter. An Fragen von Krieg und Frieden wollte das norwegische Friedensnobelpreis-Komitee in den Zeiten der Kriege der USA und des Westens in den 2000er und frühen 2010er Jahren lieber nicht erinnern.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.


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