Warum der Iran-Krieg für Russland auch eine Riesenchance ist

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Ein Aspekt des Iran-Krieges, der vor dem Hintergrund der akuten Katastrophenmeldungen über einen möglichen Energieschock...

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Naher Osten und Südasien

Warum der Iran-Krieg für Russland auch eine Riesenchance ist

Der Iran-Krieg wird die Weltwirtschaft wahrscheinlich dauerhaft erschüttern, weil er das Vertrauen in bisher als sicher geltende Transportwege und Logistik zerstören kann. Davon kann Russland, das seine Infrastruktur seit fast zwei Jahrzehnten komplett modernisiert hat, auf ungeahnte Weise profitieren.

Ein Aspekt des Iran-Krieges, der vor dem Hintergrund der akuten Katastrophenmeldungen über einen möglichen Energieschock bisher nur wenigen aufgefallen ist, ist die Erschütterung der bisher als sicher betrachteten internationalen Transportwege. Der Krieg ist auch ein Angriff auf China, das nicht nur ein großer Abnehmer von iranischem Öl ist, sondern in dessen Milliardenprojekt der Neuen Seidenstraße der Iran eine Schlüsselrolle spielen sollte. Hinzu kommt der Krieg zwischen Afghanistan und Pakistan, der das chinesische Projekt ebenfalls betrifft.

Für Russland tun sich hingegen ungeahnte Möglichkeiten auf, weil es seine Rolle als Öl- und Gaslieferant für China stärken kann, aber auch, weil es bei der Planung künftiger Transportrouten der große Profiteur sein könnte.

Ein russischer Experte hat für die TASS darüber einen sehr informativen Artikel geschrieben, den ich übersetzt habe.

Beginn der Übersetzung:

Naher Osten und Südasien: Das Ende der Ära des planbaren Handels

Dmitri Zarkow über die Auswirkungen der geopolitischen Lage um Iran, Pakistan und Afghanistan auf die Weltwirtschaft und die russische Wirtschaft.

Die aktuelle geopolitische Konstellation im Nahen Osten und in Südasien, die Iran und die instabilen Grenzgebiete Pakistans und Afghanistans umfasst, ist nicht länger eine Ansammlung lokaler Ereignisse, sondern entwickelt sich zu einer fundamentalen makroökonomischen Herausforderung. Wir erleben heute nicht nur einen vorübergehenden Anstieg der Volatilität, sondern eine tiefgreifende strukturelle Umstrukturierung der globalen Handelsrouten und Lieferketten.

Was beeinflusst was, und vor allem wie?

Der Übergang von „Just-in-Time“ zu „Just-in-Case“

Aus finanzanalytischer Sicht bedeuten die aktuellen Spannungen in der Straße von Hormus und den Landkorridoren Zentralasiens das Ende der Ära der extrem günstigen und planbaren Logistik, die jahrzehntelang das Fundament der Globalisierung bildete. Der geografische Aufschlag wird zu einem festen Bestandteil der Betriebskosten.

Institutionelle Anleger und große Industrieunternehmen sind gezwungen, vom Just-in-Time-Modell zur Kostenoptimierung (bei dem Rohstoffe und Komponenten in exakt benötigten Mengen für einen bestimmten Zeitraum geliefert werden) zu einer Just-in-Case-Strategie zur Sicherstellung der physischen Versorgungssicherheit überzugehen. Das führt auf globaler Ebene unweigerlich zu langfristigem Inflationsdruck. In dieser neuen Realität sind traditionelle Seewege – wie das Rote Meer und der Suezkanal – durch regionale Instabilität beeinträchtigt, was Reedereien zwingt, Routen zu überdenken und längere und teurere Wege um das Kap der Guten Hoffnung zu wählen.

Diese erzwungene Maßnahme gewährleistet zwar die physische Sicherheit der Fracht, erhöht aber den Bedarf an Betriebskapital der Unternehmen aufgrund der um zwei bis drei Wochen verlängerten Lieferzyklen drastisch. Vor dem Hintergrund der restriktiven Geldpolitik führender Zentralbanken entsteht zudem eine zusätzliche (kritische) Belastung für die Schuldentragfähigkeit des Unternehmenssektors weltweit.

Das Transportdilemma

So verschiebt sich die globale Wirtschaftsentwicklung hin zur Fragmentierung, wobei wichtige Rohstoffverteilungszentren unter den sogenannten Engpasseffekt geraten. Obwohl der Energiesektor traditionell als erster auf Eskalationen reagiert, sind die tatsächlichen und weitreichenderen Auswirkungen auf die Frachtkosten (Seetransporte) und Versicherungsprämien zu spüren, die in Krisenzeiten im Persischen Golf innerhalb weniger Tage sprunghaft ansteigen können.

Die Straße von Hormus, durch die bis zu einem Drittel der weltweiten Öllieferungen und etwa 20 Prozent des Flüssigerdgases transportiert werden, bleibt der sensibelste Punkt. Doch das systemische Risiko dehnt sich heute auch auf die Landkorridore aus, die zuvor als sichere Alternative galten.

Die Instabilität an der pakistanisch-afghanischen Grenze stellt die Umsetzung großangelegter Transitprojekte infrage, darunter den ambitionierten Wirtschaftskorridor China-Pakistan, in den bereits Milliarden von Dollar investiert wurden. Für globale Unternehmen bedeutet das den Bedarf an umfassenden Absicherungen (Versicherungen) nicht nur gegen Rohstoffpreisrisiken, sondern auch gegen Logistikrisiken. Das wiederum fördert die Nachfrage nach neuen, sichereren und unabhängigeren Routen.

In diesem Kontext wird deutlich, wie der geopolitische Druck im Nahen Osten die Entstehung einer neuen globalen Handelslandschaft beschleunigt. In dieser Landschaft gewinnt die Transitsicherheit zunehmend an Bedeutung gegenüber ihren nominalen Kosten. Die Fähigkeit eines Staates, den physischen und rechtlichen Schutz von Verkehrsknotenpunkten zu gewährleisten, entwickelt sich zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil auf dem globalen Investitionsmarkt.

Geoökonomischer Wendepunkt: Der Internationale Nord-Süd-Transportkorridor und russische Interessen

Für Russland schafft die aktuelle Situation um den Iran und an der Schnittstelle zwischen Süd- und Zentralasien ein komplexes, aber (überraschenderweise) strategisch vorteilhaftes Umfeld. Bei richtigem Management könnte diese Situation über Jahrzehnte hinweg ein Motor für Wirtschaftswachstum sein.

Trotz der offensichtlichen Risiken – vor allem jener im Zusammenhang mit der Sicherheit der Transitknotenpunkte zu unseren südlichen Partnern – verfügt Russland über eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit und Instrumente zur Anpassung an diese tektonischen Verschiebungen. Der wichtigste Faktor ist hierbei der Internationale Nord-Süd-Transportkorridor. Wenn die traditionellen Seewege durch den Suezkanal blockiert oder immer teurer werden, entwickelt er sich zur einzigen Landverbindung.

Statistiken bestätigen dies: Der Güterverkehr entlang des Nord-Süd-Transportkorridors wächst stetig und Russland agiert als stabiler Akteur, der die Sicherheit auf seinem Streckenabschnitt gewährleisten kann. Russlands Stärke liegt in seiner hochentwickelten, souveränen Eisenbahninfrastruktur und seinen leistungsstarken Hafenzentren im Kaspischen Becken (Astrachan, Machatschkala). Diese Zentren sind nicht von den Unwägbarkeiten der internationalen Seeversicherung oder den Entscheidungen westlicher Reedereien abhängig.

Mehr noch, Russland legt mit seiner aktiven Beteiligung am Ausbau des iranischen Eisenbahnnetzes und der Hafenanlagen, einschließlich Projekten zur Schaffung eines nahtlosen Logistikumfelds, den Grundstein für ein geschlossenes und sicheres System, das den russischen Handel wirksam vor den Auswirkungen globaler Instabilität zur See schützt. Dies ermöglicht es russischen Unternehmen, externe Schocks nicht nur abzufedern, sondern internationalen Partnern auch eine verlässliche Zusammenarbeit beim Warentransit zwischen Asien und Europa anzubieten. Das stärkt langfristig die Staatseinnahmen außerhalb des Öl- und Gassektors und erhöht das geoökonomische Gewicht des Landes, auch innerhalb der BRICS-Staaten, erheblich.

Die Finanzarchitektur einer multipolaren Welt

Regionale Turbulenzen beeinflussen naturgemäß die Währungsmärkte und das Finanzsystem und führen zu globalen Kapitalflüssen in sichere Anlagen. Traditionell beobachten wir in Phasen der Eskalation im Nahen Osten eine Stärkung des Dollar-Index und steigende Goldpreise, was die Währungen von Entwicklungsländern erheblich unter Druck setzt.

Allerdings funktioniert dieser Mechanismus für Russland dank der tiefgreifenden Transformation des Finanzsystems und der konsequenten Abkehr vom dollarzentrierten Abwicklungsmodell derzeit unter grundlegend anderen Bedingungen. Die Verwendung nationaler Währungen im Handel mit Iran, Indien, China und den zentralasiatischen Ländern schafft einen wirksamen Schutz vor externen Schwankungen. Das russische Bankensystem (angepasst an den Betrieb unter beispiellosen Sanktionen) weist nun eine hohe Liquidität auf und ist in der Lage, Außenhandelsverträge auch in Phasen regionaler Krisen reibungslos abzuwickeln.

Mehr noch, die hohen globalen Energiepreise (deren Anstieg angesichts der Instabilität am Persischen Golf unvermeidlich ist) stützen die russische Zahlungsbilanz erheblich. Das schafft den notwendigen finanziellen Puffer für die Umsetzung kapitalintensiver Infrastrukturprojekte.

Meiner Ansicht nach beschleunigt die aktuelle Situation die Entwicklung einer unabhängigen Finanzarchitektur. Innerhalb dieses Systems sind Abwicklung und Clearing vollständig vor den geopolitischen Vorgaben von Drittstaaten geschützt – ein entscheidender Faktor für die Stabilität inländischer Exporteure und Importeure, die ihre Aktivitäten über einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren planen.

Logistiksouveränität: Eine Anpassungsstrategie für Unternehmen

Langfristig wird die Weltwirtschaft unweigerlich mit einer Neubewertung der Rolle von Staaten als Garanten für Logistiksicherheit konfrontiert sein. Die Ereignisse im Iran und die Instabilität in Pakistan und Afghanistan drängen Unternehmen zur Regionalisierung, das heißt, sie werden zusätzliche Produktions- und Logistikzentren errichten, um das Risiko einer Schließung wichtiger Meerengen zu minimieren. Diese Strategie wird eine explosionsartige Nachfrage nach neuen Versicherungsprodukten außerhalb westlicher Jurisdiktionen und nach an die Realitäten einer multipolaren Welt angepassten Rechtsschutzmechanismen für Investitionen auslösen.

Russland nimmt in diesem globalen Prozess eine aktive Haltung ein. Schließlich investiert das Land nicht nur in die physische Infrastruktur, sondern auch in die Digitalisierung der Logistik, die Vereinfachung der Zollverfahren innerhalb der Eurasischen Wirtschaftsunion und die Schaffung einheitlicher Standards für den Gütertransport. Die Stabilität des russischen Binnenmarktes und die Berechenbarkeit der Regierungspolitik zur Unterstützung der Außenwirtschaft ermöglichen es großen russischen Unternehmen, auch unter Bedingungen hoher externer Turbulenzen eine Expansion in südliche und östliche Märkte zu planen.

Es ist wichtig zu verstehen, dass Russland und seine großangelegten Infrastrukturprojekte in einer Welt, in der die physische Sicherheit von Transportrouten zu einer knappen und extrem kostspieligen Ressource wird, internationalem Kapital genau die Art von Planbarkeit bieten, die man auf dem offenen Finanzmarkt nicht kaufen kann.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die aktuellen Entwicklungen im Iran und den angrenzenden Regionen ein starker Katalysator für den endgültigen Übergang zu einem multipolaren Wirtschaftsmodell sind, in dem logistische Souveränität den gleichen Stellenwert wie technologische oder finanzielle Souveränität hat. Für die Weltwirtschaft bedeutet das eine schwierige Phase der Anpassung an höhere Kosten und die Suche nach neuen Gleichgewichtspunkten in fragmentierten Märkten.

Für Russland eröffnet sich, wie bereits erwähnt, ein einzigartiges historisches Zeitfenster, um seine Position als wichtiger Garant für die Sicherheit und Effizienz des gesamten eurasischen Transitverkehrs zu sichern. Aufbauend auf der beschleunigten Entwicklung des internationalen Nord-Süd-Transportkorridors, der Stärkung der direkten Beziehungen zwischen Banken und BRICS-Partnern sowie dem Ausbau unserer eigenen Tiefseehafeninfrastruktur schaffen wir einen Rahmen, der nicht nur geopolitische Krisen überstehen, sondern auch langfristige wirtschaftliche Vorteile daraus ziehen kann. In dieser Situation sollten russische Unternehmen eine besonnene und pragmatische Herangehensweise bewahren und sich darauf konzentrieren, bestehende logistische Engpässe zu überwinden, indem sie staatliche Förderprogramme und Exportfinanzierungsinstrumente aktiv nutzen.

Ende der Übersetzung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.


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