Wann beginnt Kiew, auch Frauen zwangsweise an die Front einzuziehen?
Während westliche Medien ihrem Publikum erzählen, die Ukrainer würden sich tapfer und motiviert gegen die „russische Aggression“ wehren, ist die Lage in Wahrheit anders. Millionen Wehrpflichtige sind aus dem Land geflohen und in der Ukraine machen Rekrutierer auf offener Straße Jagd auf Männer und zerren sie gewaltsam in Busse, um sie an die Front zu verfrachten. Nach offiziellen Zahlen sind fast 300.000 Ukrainer desertiert, während die Armee unter einem dramatischen Personalmangel leidet.
Wegen des akuten Personalmangels wird in Kiew seit Jahren die Frage aufgeworfen, ob auch Frauen zum Armeedienst einberufen werden sollten. In der TASS ist ein Artikel über die aktuellen Meldungen zu dem Thema aus der Ukraine erschienen, den ich übersetzt habe.
Beginn der Übersetzung:
Alle werden kämpfen, auch Frauen und Flüchtlinge
Pavel Kucharkin darüber, wie und mit wem Kiew versucht, die Reihen der ukrainischen Streitkräfte aufzufüllen.
Es ist allen klar, dass das Kiewer Regime im Jahr 2026 nicht vorhat, die Kampfhandlungen einzuschränken. Bei der Verlängerung des Konflikts wird es von seinen europäischen „Partner“ aktiv unterstützt. Allerdings gibt es ein Problem, das den „Strategen“ keine Ruhe lässt: Woher die Soldaten für den Kampf nehmen?
Schätzungen selbst der Kiew gegenüber freundlichsten Medien übersteigt die Zahl der Deserteure in den ukrainischen Streitkräften 290.000 (etwa ein Drittel der gesamten Streitkräfte) – und das sind nur diejenigen, gegen die Verfahren eröffnet wurden, weil sie ihre Einheiten ohne Erlaubnis verlassen haben. Denen muss man noch die Verluste hinzufügen. Entsprechend ist die zwangsweise und unmenschliche Mobilisierung in der Ukraine eine Folge des gravierenden Personalmangels in den ukrainischen Streitkräften.
Doch so sehr sich die Menschenjäger in den Rekrutierungszentren auch bemühen, sie können die Forderungen des Kommandos nicht erfüllen. Und so kehrt die Ukraine zu dem zurück, worauf sie sich lange vorbereitet hat: Zu Versuchen, die Reihen der ukrainischen Streitkräfte mit Frauen und Flüchtlingen aufzufüllen.
Mobilisierung von Frauen
Das Thema einer möglichen Wehrpflicht für Frauen taucht in den ukrainischen Nachrichten immer wieder auf. Da es bisher keine offizielle Mobilisierung gab, dienen ukrainische Frauen seit 2014 in großer Zahl in Freiwilligenbataillonen.
Ich würde Neofaschisten nicht nach Geschlechtern unterscheiden, insbesondere nicht bei Gruppen wie Asow, denn deren Nazi-Ideologie ist ihre Basis. Wie auch immer, die Zahl der Frauen in den ukrainischen Streitkräften wird auf 65.000 geschätzt. Ich werde nicht näher auf die verschiedenen Reaktionen auf dem Schlachtfeld eingehen – Mitgefühl und Nachsicht –, da es kein Gesetz zur Mobilisierung von Frauen gibt. Der Beitritt zu den Streitkräften erfolgt daher ausschließlich freiwillig durch Unterzeichnung eines Vertrags.
Das stellt das Kiewer Regime jedoch vor ein formales Problem: Um die Mobilisierung von Frauen zu legitimieren, muss ein entsprechendes Gesetz verabschiedet werden. Andererseits bewegen sich die Rekrutierer und die aktuelle Mobilisierung (ebenso wie das Regime selbst) mit ihren Methoden bereits außerhalb des rechtlichen Rahmens.
Die Vorbereitungen für die Wehrpflicht von Frauen begannen früh. Bereits 2021 veröffentlichte das ukrainische Verteidigungsministerium die Anordnung Nr. 313, die Frauen aus Hunderten ziviler Berufe zum Wehrdienst zwingt. Arbeitgeber mussten überprüfen, ob ihre weiblichen Angestellten über einen Wehrdienstausweis verfügten. Wegen heftigem öffentlichen Widerstands wurde die Liste der Berufe jedoch mehrfach überarbeitet und gekürzt. Letztendlich besteht die Wehrpflicht seit 2023 nur noch für Frauen mit medizinischer und pharmazeutischer Ausbildung.
Gespräche über die Notwendigkeit der Mobilisierung von Frauen wurden seitdem immer wieder neu entfacht, konkrete Maßnahmen blieben jedoch aus. Was hat sich also 2026 geändert?
Wie bereits erwähnt, hat sich der Personalmangel für Kampfeinsätze verschärft. Programme im In- und Ausland zur Rekrutierung von Freiwilligen unter jungen Menschen und im Ausland lebenden Ukrainern sind gescheitert. Nun hat eine PR-Kampagne begonnen, die sich gezielt an Frauen richtet.
Das Internet ist voll von Bildern von Frauen in Uniformen der ukrainischen Streitkräfte, die als stilvoll und modisch beworben werden. Die Medien (die in der Ukraine alle unter der Kontrolle des Regimes von Wladimir Selensky stehen) berichten vermehrt über Soldatinnen und mögliche Szenarien einer Mobilisierung. Das ukrainische Verteidigungsministerium hat eine direkte Informationskampagne gestartet, um Frauen für den Vertragsdienst zu rekrutieren. Die Straßen der Städte sind mit Plakaten voll, die für den Vertragsdienst von Frauen werben, mit Slogans wie: „Dienen ist Frauensache!“, „Kämpfen ist Frauensache!“ und „Verteidigen ist Frauensache!“
Das ist erst der Anfang
Dabei hat der Prozess sozusagen bereits begonnen. In mehreren Regionen der Ukraine haben die Rekrutierungszentren „irrtümlich“ damit begonnen, Frauen ohne militärische oder medizinische Ausbildung in die Wehrpflichtregister aufzunehmen. Immer wieder werden sie wegen Wehrdienstverweigerung sofort auf die Fahndungsliste gesetzt, obwohl es dafür keine rechtliche Grundlage gibt. Kann man das auf einen Computerfehler schieben? Doch das würde nicht erklären, warum sie Polizei die Adressen der Wehrdienstverweigerinnen aufsucht und sie zum Rekrutierungszentrum bringen. Ein solcher Fall konnte in Charkow gefilmt werden.
Die Bodentruppen der ukrainischen Streitkräfte räumen „Fehler“ ein, weisen aber darauf hin, dass die Entfernung der Frauen aus dem Register aus technischen Gründen unmöglich sei.
Meiner Meinung nach deutet alles darauf hin, dass Frauen zunehmend an die Front geschickt werden, egal wie sehr sich die Kiewer Regierung auch herausreden mag.
Rückkehrerbataillon
Diejenigen, die die Ukraine in Richtung Ausland verlassen haben, werden zunehmend zu einer weiteren Quelle von Personal für die ukrainischen Streitkräfte. Obwohl Freiwilligeninitiativen im Ausland bei ihren Zielgruppen nicht beliebt sind, werden die westlichen Regierungen Kiew auch hier unterstützen.
Bislang ist es noch zu keinen Massenabschiebungen gekommen, es gab lediglich vereinzelte Fälle, beispielsweise aus Polen aufgrund von Gesetzesverstößen, doch Gesetzesinitiativen für 2025 und 2026 deuten darauf hin, dass bereits Maßnahmen in dieser Richtung ergriffen werden. Ich habe bereits ausführlicher über die Politik des Sozialabbaus und der Kürzung von Leistungen für ukrainische Flüchtlinge geschrieben. Das geschieht nicht nur zum „wirtschaftlichen Wohl“ der westlichen Länder oder als Reaktion auf die Unzufriedenheit der dortigen Bevölkerung, sondern auch, um die Kampfhandlungen gegen Russland zu verlängern.
Bei seinem Treffen mit Selensky im April erklärte Bundeskanzler Friedrich Merz unmissverständlich: „Wir werden eng in Fragen der ukrainischen Staatsbürger zusammenarbeiten, die in unserem Land Asyl gefunden haben, und ihre Rückkehr in die Heimat erleichtern. Wir werden mit der Ukraine zusammenarbeiten, um die Zahl der ukrainischen Männer, die hier Asyl suchen, zu begrenzen, da es wichtig ist, dass diese Männer dort sind und ihrem Land helfen.“
Mit anderen Worten: Berlin wird jede Gelegenheit nutzen, um Kiew bei der Rekrutierung von Soldaten zu unterstützen. Zwar erwähnte er keine direkte Abschiebung (europäische Bürokratie, gesetzliche Beschränkungen), doch man sollte mit strengeren Aufenthaltsregeln für Migranten aus der Ukraine rechnen. Das läuft im Grunde schon.
Gleichzeitig gibt es Fälle von Zwangsrekrutierung von Menschen mit doppelter Staatsbürgerschaft, insbesondere von solchen mit ukrainisch-ungarischer Staatsbürgerschaft, in die ukrainischen Streitkräfte. Brüssel hingegen, mit seiner Doppelmoral, kümmert sich nicht um diese Menschen, insbesondere nicht um die aus kleineren EU-Mitgliedstaaten. Das wichtigste Ziel ist die Fortsetzung der Kampfhandlungen gegen Russland. Und wenn die „ukrainischen Kräfte“ völlig ausgehen, könnte man anderswo – in Moldawien, Georgien etc. – einen Konflikt provozieren.
Selensky akzeptiert seine Rolle als Vollstrecker des ukrainischen Volkes mit Freude, schließlich kann er in der Zwischenzeit an der Macht bleiben. Wie die aktuellen Lücken in den ukrainischen Streitkräfte gestopft werden soll, ist im Wesentlichen bereits entschieden. Die verstärkte Mobilisierung der Männer wird durch eine „weibliche Komponente“ ergänzt – inklusive Verschärfung der Repression und Einschränkung der Bürgerrechte.
Ende der Übersetzung
Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.
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