Ukrainische Callcenter verdienen mit Telefonbetrug gegen EU-Bürger jeden Monat Milliarden
Als normaldenkender Mensch sollte man meinen, dass die deutschen – angeblich so kritischen, objektiven und unabhängigen – Medien darüber berichten und die Öffentlichkeit davor warnen würden, wenn es tausende Callcenter mit zehntausenden Mitarbeitern gäbe, die sich auf Telefonbetrug spezialisiert haben und damit in den Ländern des Westens eine Milliarde Dollar monatlich verdienen.
Wie wir gleich sehen werden, ist das Problem, dass es genau das gibt, dass sich in deutschen Medien darüber aber keine Berichte finden. Der Grund dafür ist, dass sich diese Callcenter in der Ukraine befinden. Da die Unterstützung der Ukraine gegen das angeblich so aggressive Russland für die europäischen Politiker und Medien höchste Priorität hat, wird alles verschwiegen, was dem Ruf der Ukraine schaden und den in der europäischen Bevölkerung ohnehin bröckelnden Willen zur Unterstützung Kiews weiter schälern könnte.
„Russische Propaganda“ erweist sich wieder mal als wahr
Im Gegensatz zu den deutschen und europäischen Medien berichtet der Anti-Spiegel schon lange über diese Callcenter. Im März habe ich beispielsweise eine Kurzmeldung veröffentlicht, in der es um ein ukrainisches betrügerisches Callcenter ging, das mindestens 20 lettische Staatsbürger um über 300.000 Euro betrogen hat. Damals hieß es, die Betrüger aus der Ukraine würden EU-Bürger anrufen und sie überreden, in „vielversprechende“ Kryptoprojekte zu investieren, wobei über simulierte Kryptowährungsbörsen schnelles Gewinnwachstum vorgetäuscht wird, sodass die viele Betrogene bis heute nicht verstanden haben, dass ihr Geld längst weg ist, sondern sich an den angeblichen Gewinnen auf dem Bildschirm freuen.
Als in Monaco Ende Juni ein Bombenattentat auf einen Ukrainer verübt wurde, habe ich berichtet, dass der Mann seine Millionen mit betrügerischen Callcentern verdient hat. Über den Anschlag haben deutsche Medien zwar berichtet, womit er seine Millionen verdient hat, haben sie aber verschwiegen. Und als Anfang September im Zuge der Operation „Karthago“ der ukrainischen Anti-Korruptionsbehörde NABU bekannt wurde, dass Mitarbeiter der ukrainischen Generalstaatsanwaltschaft die betrügerischen Callcenter gegen Schutzgelder vor Ermittlungen, Razzien und Anklagen geschützt haben, gab es in deutschen Medien darüber auch keinerlei Berichte.
Man hat sich in Deutschland und Europa nicht einmal die Mühe gemacht, das als „russische Propaganda“ zu diffamieren, die in Europa angeblich den Unterstützungswillen für die Ukraine brechen soll, diese Ereignisse und Tatsachen wurden einfach verschwiegen. Dabei ist all das wahr.
Die ukrainische „Betrugsindustrie“
Nachdem all das, obwohl es schon lange bekannt ist, in Europa so konsequent verschwiegen wurde, war ich überrascht, Anfang Oktober plötzlich in der Neuen Züricher Zeitung (NZZ) einen Artikel mit der Überschrift „Die Betrugsindustrie: Wie Callcenter in der Ukraine Russen, Amerikanern und Schweizern das Geld aus der Tasche ziehen“ zu finden, der über all das berichtet. Das kommt zwar mit mindestens einem halben Jahr Verspätung, aber wenn man bedenkt, wie es im Westen um den Journalismus bestellt ist, muss man sich schon darüber freuen, dass die westlichen Medien über so etwas überhaupt mal berichten – und sei es auch unvollständig, “eingefärbt” und mit einem halben oder einem Jahr Verspätung.
Wenn ich sage, dass die NZZ mit einem halben Jahr Verspätung berichtet hat, dann ist das keineswegs übertrieben, denn der Artikel der NZZ stützt sich auf drei Dinge: Erstens einen Bericht des Schweizer NGO Global Initiative Against Transnational Organized Crime (GI-TOC), der bereits im April 2026, also vor einem halben Jahr, erschienen ist, zweitens berichtet der NZZ-Artikel, mit “nur“ einem Monat Verspätung, über die Operation „Karthago“ des NABU, und drittens hat der Kiew-Korrespondent der NZZ anscheinend Insider gefunden, die für den Artikel aus dem Nähkästchen plaudern.
Außerdem hat die NZZ auch mit der Schweizer Polizei gesprochen und schreibt:
„Auch die Schweiz ist betroffen. Das Polizeinetzwerk Nedik, das den Kampf gegen digitale Kriminalität in der Schweiz koordiniert, beobachtet eine Zunahme von Betrugsdelikten mit mutmasslichem Bezug zur Ukraine. Konkrete schweizweite Zahlen hält es gegenüber der «NZZ am Sonntag» «aus taktischen Gründen» zurück.“
Das mit den „taktischen Gründen“ würde ich bezweifeln, der Grund dürfte eher sein, dass der Presse das ganze Ausmaß der ukrainischen Betrügereien nicht bekannt werden sollen.
Weltweiter Telefonbetrug
Die betrügerischen Callcenter gab es in der Ukraine schon immer, ihre Zahl ist nach der Eskalation von 2022 jedoch buchstäblich explodiert. Der ursprüngliche Vorwand war, dass man ja nur Telefonbetrug an Russen begehen würde und dass die Callcenter den Großteil der Gewinne natürlich für die ukrainische Armee spenden würden. So wurden die Betrugs-Callcenter, deren Existenz in der Ukraine kein Geheimnis ist, als regelrechte patriotische Helden präsentiert, auch wenn ihr „Geschäftsmodell“ in der Ukraine natürlich illegal ist.
Tatsächlich, so erfahren wir in dem Artikel der NZZ, waren diese Spenden für die ukrainische Armee nur PR und betrugen nur ein „halbes Prozent, ein Prozent, zwei Prozent“. Und auch, dass nur Russen betrogen würden, ist unwahr, denn laut der NZZ waren „selbst zu der Zeit, als die Idee des «patriotischen Betrugs» am verbreitetsten war“, nur 10 bis 15 Prozent der Opfer Russen, der Rest waren Ausländer aus mindestens 29 (praktisch ausschließlich) westlichen Ländern. Dazu schreibt die NZZ:
„Mit der Verschärfung der Massnahmen in Russland zur Bekämpfung von Betrugsdelikten haben die Zentren ihre Aktivitäten nach und nach auf Europa und die Vereinigten Staaten verlagert.“
Die NZZ listet dann eine Reihe von Beispielen für solche Betrügereien auf, die in der Schweiz bereits aktenkundig sind. In einem Fall wurde ein Callcenter identifiziert, das nur in der Schweiz vier Millionen Franken erbeutet haben soll. Und die NZZ berichtet auch, was auf dem Anti-Spiegel schon Ende März zu erfahren war, nämlich über die Kryptowährungsbörsen, die Gewinne nur auf dem Bildschirm simulieren, während das überwiesene Geld längst verschwunden ist:
„Er berichtet von einem Amerikaner, der davon überzeugt war, dass ihm eine Plattform sechs Millionen Dollar schuldete. Tatsächlich hatte er eine Million überwiesen; die übrigen fünf Millionen existierten nur auf seinem Bildschirm. Der Amerikaner suchte Hilfe bei Halitsch und dessen Mitarbeitern. «Man sagte ihm: Vergessen Sie die sechs Millionen. Versuchen Sie lieber, die Million zurückzubekommen, die Sie tatsächlich überwiesen haben.»“
Laut Schätzungen der Global Initiative Against Transnational Organized Crime (GI-TOC) arbeiten etwa 60.000 Ukrainer in diesen Callcentern, die bis zu einer Milliarde Dollar pro Monat erwirtschaften.
Die korrupte Ukraine
Spätestens seit der Operation „Karthago“ ist bekannt, dass die Callcenter in der Ukraine unter dem Schutz von Justiz und Polizei stehen, wenn sie deren Beamten brav Schutzgeld bezahlen. In seinem Bericht vom April 2026 nennt das GI-TOC Beträge zwischen 10.000 und 15.000 Dollar pro Monat für diese Art von Schutz.
Diese Zahlen kommen der Wahrheit sehr nahe und zeigen, dass das GI-TOC gut informiert ist. Ukrainische Medien haben nach der Operation Karthago, also Mitte September, berichtet, dass das in der Ukraine so genannte „Abo“, also Schutzgeld, pro Callcenter-Standort früher bei über 20.000 US-Dollar im Monat lag, wobei 3.000 US-Dollar jeder Zahlung an Vertreter der Staatsanwaltschaft gingen. Nach dem Amtsantritt von Ruslan Krawtschenko als Generalstaatsanwalt wurde die Gebühr für Callcenter jedoch auf 24.000 US-Dollar pro Monat angehoben und der Anteil für die Vertreter der Staatsanwaltschaft stieg auf über 7.000 US-Dollar.
Krawtschenko hat nach der Operation Karthago seinen Job verloren, hat die Ukraine dann unter fragwürdigen Umständen verlassen, schließlich gilt dort ein Ausreiseverbot für Männer im wehrfähigen Alter, und ist in Europa untergetaucht. Ukrainische Medien spekulieren, dass er sich angesichts der Anklagen in der Ukraine europäischen Regierungen oder der EU-Kommission als eine Art Whistleblower über die Vorgänge in Kiew anbieten will, um der Strafverfolgung zu entgehen.
Wie die Geschichte mit den Schutzgeldzahlungen an die Staatsanwälte und Polizisten funktioniert hat, hat der Bericht von GI-TOC schon im April sehr korrekt so erklärt:
„Es gibt jedoch noch einen weiteren Aspekt, der ein rechtliches Vorgehen erheblich erschwert und manchmal sogar aussichtslos macht: den Schutz. Callcenter profitieren, wie auch andere Formen der organisierten Kriminalität in der Ukraine, seit Langem von einer sogenannten „Krysha“, oder „Dach“, mit anderen Worten einer Art Schutz vor den Strafverfolgungsbehörden. Gegen Zahlung einer Gebühr wird betrügerischen Callcentern erlaubt zu arbeiten; sollte eine Razzia erforderlich werden, erhalten sie entweder eine Vorwarnung, oder der Zugriff erfolgt in dem stillschweigenden Einvernehmen, dass der Betrieb nach einer reinen Showveranstaltung der Strafverfolgung wieder aufgenommen werden kann.“
Genau das berichtet der Anti-Spiegel schon lange. Aber die deutschen Medien halten es nicht für nötig, über die Callcenter zu berichten und die deutsche Öffentlichkeit vor den Betrügereien zu warnen.
Und auch die Politiker in Deutschland und Europa lassen die ukrainische Telefon-Mafia gewähren und fordern von Kiew nicht, damit aufzuräumen.
Dabei ist allen alles längst bekannt, wie auch der Bericht von GI-TOC gezeigt hat: Dort wurden im April sogar die Adressen und Fotos einiger Gebäude gezeigt, in denen solche Callcenter untergebracht sind.
Trotzdem tut niemand etwas dagegen und man lässt die Callcenter weiter einfache Europäer um viel Geld betrügen.
Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.
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