Trumps Iran-Bumerang
Auch am gestrigen Sonntag war der Bericht des USA-Korrespondenten, den das russische Fernsehen in seinem wöchentlichen Nachrichtenrückblick gezeigt hat, wieder von Iran-Krieg dominiert. Um zu zeigen, wie in Russland über die politische Woche in den USA berichtet wird, habe ich den Bericht aus den USA auch diese Woche wieder übersetzt.
Beginn der Übersetzung:
Ein weiterer, 12.000 Kilometer von den USA entfernter Krieg für die Freiheit
US-Präsident Donald Trump kam zur Dover Air Force Base in Delaware, um den ersten im Rahmen der Operation Epic Fury gefallenen amerikanischen Soldaten die letzte Ehre zu erweisen und CBS berichtete: „Alle sechs waren Reservisten des 103. Logistikkommandos. Diese Einheit sorgt für Lebensmittel, Treibstoff, Wasser, Munition und Transportmittel.“
Die fünf Männer und eine Frau starben zur selben Zeit am selben Ort, nur wenige Stunden nach Beginn der amerikanisch-israelischen Operation.
Am 1. März traf ein iranischer Luftangriff das Kommandozentrum im kuwaitischen Hafen Shuabaya. Die kuwaitische Luftabwehr hat irrtümlich amerikanische Kampfflugzeuge abgeschossen, konnte die anfliegende Shahed jedoch nicht abfangen.
Es ist ein weiterer, 12.000 Kilometer von den USA entfernter Krieg für die Freiheit. Die USA haben bisher offiziell sechs Opfer bestätigt, die Iraner hingegen behaupten, die Zahl der gefallenen amerikanischen Soldaten gehe bereits in die Hunderte.
Trump selbst rechnet offen mit weiteren Opfern, weigert sich aber weiterhin, mit Teheran zu verhandeln. Was sollte er dann als Sieg verkaufen?
Journalisten fragten ihn an Bord der Air Force nach der Trauerfeier: „Können Sie mir erklären, was bedingungslose Kapitulation für Sie bedeutet? Anders gefragt: Was wollen Sie vom Iran?“
„Ich sagte ‚bedingungslos‘. Das bedeutet, dass sie kapitulieren oder nicht mehr kämpfen können“, antwortete der US-Präsident.
Doch es ist bereits klar, dass es auch Trump nicht gelungen ist, einen schnellen, siegreichen Krieg zu erzwingen. Nun eilt eine dritte Kampfgruppe unter Führung des Flugzeugträgers USS George H.W. Bush in den Nahen Osten, um die beiden anderen Kampfgruppen zu verstärken. Sie wird innerhalb der nächsten zehn Tage im Kampfgebiet sein, um den Iran anzugreifen. Die Washington Post berichtet, dass an der neuen Phase der Operation Epic Fury atomwaffenfähige strategische Bomber teilnehmen.
Und das Wall Street Journal berichtet: „Zum ersten Mal in der Geschichte werden alle drei Typen US-amerikanischer Langstreckenbomber gleichzeitig im Kampf eingesetzt. Dazu gehören die B-2 Spirit, die B-1 Lancer und die B-52 Stratofortress.“
Offensichtlich sieht Trump derzeit keine andere Möglichkeit, als die Situation weiter zu eskalieren. Und er kündigt seine geplante Eskalation in den sozialen Medien an: „Heute wird der Iran sehr hart getroffen.“
Theoretisch hätte der Kongress Donald Trump stoppen können, da beide Kammern gleichzeitig Resolutionen vorbereitet haben, die ein Ende der Beteiligung US-amerikanischer Streitkräfte an den Militäraktionen gegen den Iran fordern, schließlich waren diese Aktionen nicht vom Kongress autorisiert. 47 Demokraten stimmten für die Antikriegsresolution.
Letztendlich scheiterte der Versuch, den Präsidenten in beiden Kammern zu zügeln. Und der Reaktion der Kongressmitglieder nach zu urteilen, wurden ihnen keinerlei Beweise dafür vorgelegt, dass der Iran einen Angriff plante. Der Demokrat Richard Blumental befürchtete, es könne zu einer Bodeninvasion kommen und er sagte, es sei nicht klar, welche Ziele die Trump-Regierung im Iran überhaupt verfolge.
Trump sprach die ganze Woche über eine Bodenoffensive gegen den Iran. Nachdem er zuerst erklärte hatte, „keine Bodentruppen“, sagte er später, das sei „eine Möglichkeit“. Dabei spekuliert die amerikanische Presse, dass die 82. Luftlandedivision als erste zum Einsatz kommen könnte.
Deren Fallschirmjäger haben ihre Übungen in Louisiana abrupt unterbrochen. Die Division hat bereits während des US-Einmarsches in den Irak mit kurdischen Einheiten zusammengearbeitet. Trump soll mit kurdischen Führern über die Idee einer Invasion des Irans mit Unterstützung der Rebellen gesprochen haben, doch vor den Kameras hat er direkte Frage zu einer Invasion bisher nicht beantwortet.
„Unter welchen Umständen entsenden Sie Bodentruppen? Wie stehen Sie dazu?“, wurde Trump gefragt.
„Ich will gar nicht darüber reden. Ich halte das für keine angemessene Frage, wissen Sie, ich werde sie nicht beantworten“, antwortete der Präsident.
Zuvor hatte der US-Präsident trotzig erklärt, dass ihn Umfragewerte prinzipiell nicht interessieren, doch diese Zahlen kann er nicht ignorieren. CBS berichtete: „62 Prozent der Befragten gaben an, die Ziele der USA in der Operation gegen den Iran nicht zu verstehen. Viele glauben, dass es sich nicht um einen kurzen Konflikt handeln wird. Viele gehen von mehreren Monaten, viele von mehreren Jahren aus. Vor allem aber lehnt die Mehrheit den Einsatz grundsätzlich ab.“
Kriege ohne Ende und Ziel, in denen auch noch Amerikaner sterben, sind das, was Trump den Globalisten seit Jahren vorwirft. Der Slogan „America First“, das Versprechen, die Ordnung im eigenen Land wiederherzustellen und sich nicht in die Angelegenheiten anderer Länder einzumischen, der ihn vor gut einem Jahr ins Weiße Haus zurückbrachte, wurde laut seinen treuesten Anhängern durch den jüngsten US-Krieg im Nahen Osten völlig zunichtegemacht.
Die Journalistin Megyn Kelly sagte: „Was denken Sie, macht es Sinn, zu behaupten, der Iran habe einen Präventivschlag gegen uns und unsere Bürger geplant? Der Iran, der genau weiß, welche Streitkräfte in der Region zusammengezogen sind, all die Flugzeugträger und so weiter. Das ist völliger Unsinn.“
Die Fernsehmoderatorin Megyn Kelly gehört zu den MAGA-Anhängern, die Trumps 180-Wende der israelischen Lobby zuschreiben. Der Journalist Tucker Carlson war der Erste, der das öffentlich äußerte. Er nannte den Angriff auf den Iran einen „absolut widerlichen, teuflischen Krieg“, behauptete, die Zahl der Todesopfer sei weitaus höher als offiziell angegeben, und bezweifelt wie viele andere, dass der Iran kurz vor der Entwicklung einer Atombombe stand: „Dieser Krieg wird nicht aus Gründen der nationalen Sicherheit der USA geführt, um die USA sicherer oder reicher zu machen. In diesem Krieg geht es nicht wirklich um die massenhafte Vernichtung von Waffen, um Atomwaffen. Dieser Krieg wird einzig und allein deshalb geführt, weil Israel ihn wollte.“
Trump bezeichnet Tucker Carlson und andere Kritiker von Epic Fury als Spalter und Verräter. In einem Gespräch mit einem anderen Journalisten von ABC News schloss er Carlson auf beschämende Weise aus der MAGA-Bewegung aus.
Die Verärgerung und Frustration des amerikanischen Präsidenten sind verständlich, schließlich läuft es im Nahen Osten nach seiner und nach Ansicht des Militärs gut, wie Trump sagte: „Irgendwer hat gefragt, wie ich die Lage auf einer Skala von null bis zehn bewerten würde. Ich antwortete, dass ich zwölf bis fünfzehn setzen würde. Ihre Armee ist zerstört, ihre Marine ist zerstört, ihre Kommunikationswege sind unterbrochen, ihre Anführer sind vernichtet.“
Wo er dem Zeitplan eindeutig voraus ist, ist der Einsatz der teuren Bestände an Luftverteidigung. Laut dem Wall Street Journal berichten Generäle, dass die Munition für das Raketenabwehrsystem THAAD bald ausgehen könnte und dass ein Mangel an Tomahawk-Marschflugkörpern droht.
Die zusätzlichen elf Milliarden Dollar, die das Pentagon dringend beim Kongress beantragt hat, werden höchstens für ein paar Wochen reichen. Das nächste große Finanzpaket wird voraussichtlich 50 Milliarden Dollar umfassen.
Für Pete Hegseth ist dieser Krieg der Höhepunkt seiner Karriere, und dem US-Kriegsminister ist die Rolle sichtlich ans Herz gewachsen. „Die dummen, politisch korrekten Kriege der Vergangenheit waren das genaue Gegenteil von dem, was wir heute tun. Damals gab es vage Ziele und streng begrenzte, minimalistische Einsatzregeln. Das wird es nicht mehr geben“, erklärte Hegseth.
Sie schießen Raketen auf den Iran, aber zerstören die Weltwirtschaft. In der zweiten Woche des Golfkriegs sind alle Indikatoren im Keller, und Washington hat immer noch keine Lösung für die explodierenden Ölpreise gefunden.
Daher versucht US-Handelsminister Scott Bessent, die Lage zu beschönigen und verkündet, dass die USA die Sanktionen gegen russisches Öl vorübergehend aufheben, wie er erklärte: „Gestern hat das Finanzministerium unserem Verbündeten Indien erlaubt, russisches Öl zu kaufen, das bereits auf Schiffen ist. Wir können auch die Sanktionen gegen weiteres russisches Öl aufheben. Hunderte Millionen Barrel sanktioniertes Öl sind derzeit in Tankern weltweit. Durch die Aufhebung der Sanktionen können wir das Angebot auf dem Markt erhöhen. Und wir prüfen diese Möglichkeit.“
Die US-Bürger brachten ihre Meinung zur aktuellen Lage durch Straßenproteste zum Ausdruck. Nach den ersten Angriffen begannen Massendemonstrationen in 40 amerikanischen Städten, und die Menschen gehen weiterhin täglich auf die Straße.
In dieser Lage ist die richtige Entscheidung für Trump, bei einer höheren Macht um Hilfe zu bitten. Amerikanische Pastoren haben Trump im Oval Office gesegnet. Viele fragen sich, ob da für Krieg oder Frieden gebetet wurde.
Ende der Übersetzung
Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.
Nächster Beitrag: Wenn der Westen verhandelt, ist das nur ein Ablenkungsmanöver