Theater der Hauptstadt unter die Wirtschafts-Lupe genommen – Aber hallo! Berlin hat’s Sparen verlernt

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300.000 Euro für ein „rassistisches Volksbad“ vergeudet – aber Studie sieht dennoch kein Einsparpotenzial

paz.de📅 10.09.2026

Eine im vergangenen Jahr von der Senatskulturverwaltung in Auftrag gegebene Untersuchung sollte ursprünglich Sparmöglichkeiten bei sechs Berliner Theatern ermitteln. Herausgekommen ist ein dickes Lob. Die sechs untersuchten Sprechtheater seien „insgesamt leistungsfähig aufgestellt“ und arbeiteten bereits in vielen Bereichen sehr effizient, so die Kulturverwaltung, als sie Ende August das Ergebnis der Untersuchung präsentierte. Größere Einsparungen durch Zentralisierung seien kaum möglich. Sparpotenziale sehen die externen Gutachter lediglich bei „hausspezifischen Optimierungen“ und punktuellen Kooperationen. „Die Ergebnisse bestätigen die hohe Professionalität der Theater. Das ist ein großes Kompliment an die Häuser“, so Staatssekretärin Cerstin Richter-Kotowski.

Die Kulturverwaltung hat bislang nur ausgewählte Schlussfolgerungen in einer Pressemitteilung veröffentlicht. Das vollständige Gutachten mit seinen Daten, Einzelbefunden und Empfehlungen ist öffentlich nicht zugänglich. Ob es bei den sechs Theatern tatsächlich kaum größeres Sparpotenzial gibt, lässt sich damit für Außenstehende nicht nachvollziehen. Vor einem Jahr hatte die Kulturverwaltung noch angekündigt, „bestehende Strukturen“ wie Werkstätten und Depots gemeinsam nutzen und gegebenenfalls auch eine Theaterstiftung zur gemeinsamen Verwaltung schaffen zu wollen.

Durchgeführt hatte die Untersuchung das Münchner Kulturberatungsunternehmen actori. Dieses hatte sich auf der Suche nach Sparpotenzial unter anderem auch mit der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz befasst. Diese hat erst vor Kurzem mit ihrem Umgang mit Steuergeldern bundesweit für Schlagzeilen und Diskussionen gesorgt: Zum Auftakt der neuen Intendanz hatte die Volksbühne nämlich im Sommer ein temporäres „Volksbad“ unmittelbar vor dem Theater installiert – „gratis und ohne Ausweispflicht“. Das nur für wenige Wochen aufgestellte Wasserbecken hat rund 300.000 Euro gekostet. Etwa 90.000 Euro entfielen auf das eigentliche „Volksbad“, der Rest auf Planung, Personal, Rettungsschwimmer und Sicherheit. Volksbühnen-Intendant Matthias Lilienthal verteidigte das Projekt als Teil des künstlerischen Programms: „In einer Stadt, in der in den letzten Jahrzehnten systematisch Infrastruktur abgebaut wurde und öffentliche Orte zunehmend kommerzialisiert und kontrolliert werden, ist das VOLKSBAD eine erste urbane Intervention der neuen Intendanz und eine sommerliche Einladung an die Hauptstadt“, so die Darstellung der Volksbühne auf ihrer Internetseite. Intendant Lilienthal räumte allerdings auch ein, die Kritik aus der freien Kulturszene verstehen zu können: „Ach Mensch, damit hätte man drei Produktionen machen können!“

Drastisch übertriebene Prognosen

Zur unfreiwilligen Pointe des mit Steuergeld finanzierten „Volksbades“ geriet dann auch noch ein geplanter Badetag ausschließlich für Menschen mit schwarzer Hautfarbe. Man kann auch sagen: Rassismus pur initiiert von angeblichen Anti-Rassisten! Wäre es nicht so traurig, müsste man beinahe lachen. Die Veranstaltung wurde dann auch nach heftiger Kritik von der Volksbühne abgesagt. Als Grund gab das Theater allerdings frei erfundene Sicherheitsbedenken an, „nachdem das Schwimmen für Schwarze Kinder und Jugendliche zum Ziel rechter und rassistischer Hetze geworden ist“ – angeblich.

Das kostspielige Sommerprojekt steht nicht nur im Kontrast zur behaupteten Effizienz der untersuchten Berliner Theater: Als der Senat im Herbst 2024 Einsparungen im Kulturetat von rund zehn beziehungsweise zwölf Prozent ankündigte, hatte sich die Berliner Kunstszene noch mit drastischen Prognosen überboten. Der Schaubühnen-Schauspieler Lars Eidinger warnte seinerzeit etwa: „Zehn Prozent sparen heißt für uns tatsächlich: die Schaubühne dichtmachen.“

Der geballte Protest zeigte Wirkung. Der Senat schwächte einen Teil der zunächst angekündigten Einsparungen wieder ab, einzelne Kürzungen nahm die schwarz-rote Koalition später sogar ganz zurück. Auf Dauer wird Berlin um drastische Einsparungen aber nicht herumkommen. Der Landesrechnungshof warnt bereits vor einer Haushaltsnotlage: Berlin reize sämtliche Möglichkeiten zur Verschuldung aus. Laut der Rechnungsprüfer gibt das Land strukturell jährlich zwei Milliarden Euro mehr aus, als es einnimmt. Bis 2029 könnte der Schuldenstand der Hauptstadt auf den Rekordwert von 84 Milliarden Euro steigen. Hinzu kommen weitere langfristige Verpflichtungen, etwa durch die Verbeamtung von Lehrern, die Berlin wieder eingeführt hat. Rechnungshofpräsidentin Karin Klingen warnte deshalb: „Die Alarmsignale sind deutlich. Der aktuelle Kurs ist falsch.“ Seien die Rücklagen erst aufgebraucht, nehme der wachsende Schuldenberg Berlin „fast jede Gestaltungsmöglichkeit“.

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