Sportereignis im kalten Nass – Quer durch die Dänische Wiek

📰 paz.de

Traditionelles Boddenschwimmen – 200 Schwimmer aus ganz Deutschland gehen an den Start

paz.de📅 10.07.2026

Das Wettschwimmen quer über die Dänische Wiek bei Greifswald ist ein besonderes Ereignis an der vorpommerschen Küste. Schon seit 1860 soll es Gedanken über ein Langstreckenschwimmen durch die Dänische Wiek gegeben haben, das dann vor 105 Jahren, am 14. August 1921, vom Greifswalder Turnerbund organisiert wurde. Dieser hatte schon 1915 eine eigene Schwimmabteilung gegründet. Der Sieger Ewald Müller benötigte für die zirka 2,6 Kilometer 57 Minuten.

Ein Jahr später starteten nur drei Bewerber, darunter Paula Mews, die den Wettkampf in einer Stunde und 45 Minuten gewann. Die beiden Herren mussten von einem Begleitboot aufgenommen werden. Im Jahr 1927 wurden zwei Stralsunder Schwimmer disqualifiziert, weil sie eine Untiefe, den sogenannten Mittelgrund der Dänischen Wiek, für ein Verschnaufpäuschen nutzten.

Das erste Wiekschwimmen, quer durch die Dänische Wiek einer neuen Folge, fand vor 95 Jahren, am 14. August 1931, mit Start in Ludwigsburg um 9 Uhr bei widrigen Wetter-, Strömungs- und Windverhältnissen, einer Wassertemperatur von 16,5 Grad und einer Lufttemperatur von 15 Grad über 3.000 Meter zur Südmole in Eldena statt. Die historische Badeanstalt an der Ryckmündung in Eldena existiert seit dem 15. Juni 1924. Unter den 35 Wagemutigen fanden sich acht Damen und elf männliche Jugendliche. Die Veranstaltung wurde vom Ausschuss für Leibesübungen organisiert, der auch andere Veranstaltungen wie Waldläufe, Straßenstaffelläufe, Meisterschaften auf der Kampfbahn (heute Volksstadion) und Turnwettkämpfe im jährlichen Programm hatte. Vor dem Schwimmen hatten sich die Teilnehmer mit Vaseline, Schmalz oder dem sehr beliebten Pferdefett eingerieben. In der Herrenklasse siegte Helmuth Dittler vom Greifswalder Bataillon in 56 Minuten und in der Meisterschaftsklasse der Frauen die 19-jährige Greifswalder Schmiedemeistertochter Käthe Preuß in 66 Minuten und 13,1 Sekunden vor Alice Jagdmann, der Tochter des Inhabers der Greifswalder Eisengießerei und Maschinenfabrik in der Brinkstraße, und Else Becker, der Tochter des Pächters des Universitätsguts in Eldena.

Wettbewerb seit 1931

14 Teilnehmer gaben auf und wurden von den Begleitbooten aufgenommen. Die Begleitboote wurden vom Ausbildungsbataillon, der Landwirtschaftsschule in Eldena, vom Ruderclub „Hilda“ und von Freunden der Schwimmer zur Verfügung gestellt. Der letzte Schwimmer kam nach zwei Stunden und 29 Minuten ins Ziel. Abends fand zum Abschluss der Veranstaltung ein gemütliches Beisammensein im Restaurant „Zur Fähre“ in Wieck statt.

Die Siegerin bei den Damen beim Neubeginn des Wiekschwimmens Käthe Preuß, ab 1936 verheiratete Lorenz, hat diesen Wettbewerb sechs Jahre von 1931 bis 1936 bestritten und errang dabei viermal den ersten und zweimal den zweiten Platz bei den Damen. Ihre Bestzeit im Jahr 1933 betrug 51 Minuten und 24 Sekunden.

Zum Training vor dem Wettkampf schwamm sie ohne Begleitboot von Wieck nach Ludwigsburg hin und zurück. Ihre Kleidung deponierte sie bei der befreundeten Familie in dem Kapitänshaus in der Hafenstraße 7 in Wieck, wie der Besitzer des Hauses, Peter Kliefoth, aus den Erzählungen seiner Großmutter berichtet. Seine Urgroß- und Großeltern betrieben auf dem Anwesen eine Fischfabrik mit bis zu 30 Angestellten. Sie produzierten Räucherfisch, Fischdosen und den Echten Wiecker Rollmops, der in extra angefertigten Holzfässern bis nach Amerika geliefert wurde.

Am 30. Juli 1939, knapp einen Monat vor dem Beginn des Zweiten Weltkriegs, fand das vorerst letzte Schwimmen quer durch die Dänische Wiek statt. Nach dem Krieg teilte die Landeszeitung am 31. Juli 1947 mit, dass man der Bevölkerung momentan keine langen Strecken zumuten und das Wiek- durch ein Ryckschwimmen ersetzen wolle. Im Jahr 1960 wurde das Wiekschwimmen erstmals nach dem Krieg, nun als Boddenschwimmen, fortgesetzt und findet seit dem 18. Juli 1988 wieder jährlich statt. 2006 übernahm die DLRG (Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft) Greifswald die Organisation der Veranstaltung. Die DLRG wurde am 19. Oktober 1913 in Leipzig als Konsequenz aus dem schweren Unglück auf der Seebrücke in Binz auf Rügen am 28. Juli 1912 mit 16 Ertrunkenen gegründet.

In diesem Jahr findet das Boddenschwimmen am 11. Juli statt. Start ist Ludwigsburg, Ziel die Südmole am Wiecker Hafen, Strandbad Eldena. Die Distanz beträgt 2,6 Kilometer. Parallel zum Schwimmen über die große Strecke wird um
14 Uhr ein Kinderboddenschwimmen über 100, 200 und 500 Meter veranstaltet. Start fürs Hauptrennen ist um 11.30 Uhr in Ludwigsburg, kann aber, sobald alle Schwimmer am Start eingetroffen sind, vorgezogen werden), und um 15 Uhr werden die Sieger geehrt.

👁 8 Aufrufe 👤 8 Leser