Spielt Trump mit Russland?
Ich denke, inzwischen sehen alle, die in Trump einst einen Friedensbringer sehen wollten, dass er das nicht ist. Darüber habe ich heute bereits einen Artikel veröffentlicht, in dem ich auch angekündigt habe, auf die Frage von Trumps Strategie gegenüber Russland und der Ukraine gesondert einzugehen. Das will ich hiermit tun.
Ich habe immer davor gewarnt, dass Trumps zweite Präsidentschaft für den Iran und Venezuela nichts Gutes bringen würde, habe aber darauf gehofft, dass Trump den Krieg in der Ukraine beenden und den Konflikt mit Russland zumindest entschärfen würde. Damit habe ich offenbar falsch gelegen.
Ich habe lange geglaubt (oder glauben wollen?), dass Trump tatsächlich die Beziehungen zu Russland normalisieren will, weil er gerade im Bereich der Rohstoffe an einer Zusammenarbeit mit Russland interessiert ist. Und vor allem habe ich geglaubt, dass Trump den Krieg in der Ukraine wirklich beenden will. Beides glaube ich inzwischen immer weniger.
Schauen wir uns zunächst eine mögliche Zusammenarbeit mit Russland im Bereich der Rohstoffe an. Leider hat Trumps erstes Jahr als US-Präsident vor allem eines gezeigt: Er ist nicht daran interessiert, mit irgendwem ehrlich und fair zusammenzuarbeiten. Schwächeren Ländern droht er, sanktioniert sie und drangsaliert sie mit Zöllen, anstatt zunächst zumindest zu versuchen, eine Verhandlungslösung zu finden, denn Trump will gar nicht verhandeln, er will allen den Willen der USA aufdrängen und einseitige Vorteile für die USA herauspressen.
Das haben auch alle anderen US-Regierungen in den Jahrzehnten zuvor getan, aber niemand hatte es dabei so eilig und ging dabei so brachial vor, wie Trump es nun tut. Sogar China und Indien hat er, wenn auch vergeblich, versucht, mit Zöllen in die Knie zu zwingen. Von seinem Verhalten gegenüber den US-Vasallen in Europa – oder auch gegenüber Kanada – gar nicht zu reden.
Da stellt sich eine Frage: Warum sollte Trump ausgerechnet mit Russland ehrlich und fair verhandeln wollen, wenn er das mit niemandem sonst tut?
Und damit kommen wir zum zweiten Thema, dem Ukraine-Krieg. Wenn Trump den Krieg – und vor allem das massenhafte Sterben dort – tatsächlich beenden wollte, dann hätte er das tatsächlich in buchstäblich 24 Stunden erreichen können, wie er im Wahlkampf immer versprochen hat. Dazu hätte er nur den Verkauf oder auch die Übergabe von US-Waffen an die Ukraine durch andere Staaten verbieten müssen, und er hätte die Lieferung von Geheimdienstdaten an Kiew sofort stoppen können. Die Ukraine hätte dann keine andere Wahl mehr gehabt, als einem Frieden zuzustimmen.
Wer nun einwendet, das wäre ja ein „russischer Diktatfrieden“ geworden, der muss sich nur anhören, was Trump offiziell von der Ukraine fordert, denn das sind im Großen und Ganzen die russischen Forderungen: Eine Absage an einen NATO-Beitritt und die Abtretung des Donbass, den Russland inzwischen als russisches Staatsgebiet betrachtet.
Damit stellen sich zwangsläufig einige Fragen: Erstens, wenn Trump den Krieg wirklich beenden will, warum tut er das dann nicht? Zweitens, da seine Erklärungen zu einem Frieden weitgehend den russischen Forderungen entsprechen, warum zwingt er Kiew dann nicht, diese zu akzeptieren? Und daraus folgt drittens: Warum lässt Trump, der in allen Fragen absolut kompromisslos ist, sich ausgerechnet in der Ukraine-Frage von den US-Vasallen in Europa und in Kiew herumschubsen, anstatt mit der Faust auf den Tisch zu hauen, wie er es bei allen anderen Themen tut?
Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr beschleicht mich das Gefühl, dass Trump mit Russland spielt, dass er weder an einer fairen wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Russland, noch an einem Frieden in der Ukraine interessiert ist. Anscheinend hält er Russland mit der Hoffnung auf eine Friedenslösung in der Ukraine hin, um Zeit zu gewinnen.
Aber Zeit wofür?
Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.
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