Im 19. Jahrhundert war für die Erreichbarkeit der pommerschen Ostseebäder eine möglichst weit in die See ragende Seebrücke unverzichtbar. Sie war nicht nur Schiffsanleger, sondern zugleich Flaniermeile und Statussymbol. Die einzige Brücke aus dieser Zeit ziert das Ostseebad Ahlbeck. Sie wurde im Jahre 1882 erbaut und ist heute die älteste Seebrücke Deutschlands.
Den Vogel hatte seinerzeit das hinterpommersche See- und Solbad Kolberg abgeschossen. Die dortige Seebrücke – die erste in Pommern – wurde bereits im Jahr 1881 eröffnet. Ein 100 Meter langer hölzerner Seesteg in der Form eines „T“ lud zum Flanieren und Sonnenbaden ein. An seinem Brückenkopf konnten Segelschiffe mit geringerem Tiefgang anlegen.
Einen kurzen Weg zur Brücke hatten die Gäste des Strandschlosses. Sie begann unmittelbar vor ihrer Seeterrasse. Das im Jahre 1899 erbaute, luxuriös ausgestattete Strandschloss diente auch als Kurhaus und trug in hohem Maße zu dem ausgezeichneten Ruf des Ostseebades bei.
Auf drei Stockwerken beherbergte das Haus 42 luxuriöse Gästezimmer, Lesesäle, Spielzimmer sowie Konzertsäle für 500 bzw. 1.000 Personen. Die Besucher konnten sich auch an der großzügigen Glasgalerie erfreuen, die einen Blick auf das Meer bot. Etwas später vervollkommnete die Stadt das Areal durch eine Konzertmuschel, eine Pergola, eine Tanzfläche und Teiche, die von dekorativen Skulpturen umgeben waren.
Im Jahr 1919 wurde das Gebäude als Sitz des Generalstabs der Weimarer Republik genutzt. Chef des Generalstabs des Heeres war Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg.
Ein bedeutender Kurort an der See
Im Jahre 1924 gab es im Kurhaus einen Festakt anlässlich des einhundertsten Todestages von Joachim Nettelbeck. Er hatte nämlich entscheidend mit dazu beigetragen, dass Napoleon und seine Truppen die Stadt Kolberg im Jahr 1807 nicht einnehmen konnten.
Der in der Geschichte Pommerns Bewanderte erinnert sich sogleich an die erfolglose Belagerung der pommerschen Stadt Stralsund durch Wallenstein im Jahr 1628. Angelastet wird Nettelbeck der Dienst auf einem Sklavenschiff. Stellungslos geworden, hatte er im Jahre 1771 auf einem holländischen Sklavenschiff als Obersteuermann angeheuert. In seinen Lebenserinnerungen hatte sich Nettelbeck vom Sklavenhandel distanziert und sich bei den „geneigten Lesern“ für solches Tun entschuldigt.
Am Ende des Zweiten Weltkriegs, während der Schlacht um Kolberg, wurden die Seebrücke und das Strandschloss zerstört. Die neue, 230 Meter lange Kolberger Brücke wurde im Juni 1971 offiziell eröffnet. Sie ist die zweitlängste Beton-Seebrücke in Polen und eine der Hauptattraktionen der Stadt. Konzipiert war sie auch als Anlegestelle für Ausflugsschiffe. Wegen des wechselnden Wasserstandes verlegte man die Anlegestellen der „Ausflugsdampfer“ jedoch an die Mündung der Persante. Im Sommer fährt von hier aus täglich ein Katamaran nach Bornholm.
In den 70er Jahren hatte man geplant, auf dem Brückenkopf ein Café zu eröffnen, das Projekt wurde jedoch damals verworfen. Heute, nach Jahren der Verzögerungen, ist die Seebrücke fertiggestellt. Das moderne Café zieht sowohl Touristen als auch Einheimische magisch an.
Und es gibt noch eine weitere Neuerung: In der Saison kostet der Eintritt zur Seebrücke sieben bzw. vier Złoty.