Schon wieder ein neuer Korruptionsskandal in Selensky Umfeld
Das Nationale Antikorruptionsbüro der Ukraine (NABU) hat am Freitagabend mitgeteilt, es führe im Rahmen einer „Spezialoperation Karthago“ Durchsuchungen in der Generalstaatsanwalt durch. Die Operation richtete sich demnach gegen ein Netzwerk von auf Telefonbetrug spezialisierten Callcentern, die von einem leitenden Mitarbeiter der Generalstaatsanwalt geschützt wurden. Die Callcenter sind vor allem in Russland, aber auch in Europa aktiv und betrügen Menschen um Geld. An diesen Gewinnen war laut der Erklärung des NABU von Freitagabend ein Mitarbeiter der Generalstaatsanwalt beteiligt, der auch abei geholfen hat, die eingenommenen Gelder zu waschen. Die „Ukrajinskaja Prawda“ berichtete am Abend, dass Sergej Kropiva, der stellvertretende Leiter der Abteilung für internationale Zusammenarbeit bei der Generalstaatsanwaltschaft, im Zuge der Ermittlungen festgenommen wurde.
Die Pressestelle der Generalstaatsanwaltschaft teilte an dem Abend mit, dass der Beamte, gegen den wegen möglicher Verwicklung in illegale Aktivitäten ermittelt wird, für die Dauer des Vorermittlungsverfahrens vom Dienst suspendiert worden sei und sicherte zu, vollumfänglich mit den Antikorruptionsbehörden zusammenzuarbeiten, um den Sachverhalt vollständig aufzuklären.
Das scheint jedoch nur ein Lippenbekenntnis gewesen zu sein, denn am Samstagvormittag ließ das NABU die nächste Bombe platzen und veröffentlichte ein mehr als halbstündiges Video, in dem – wie so oft, bei Ermittlungen des NABU – als Beweise lange Passagen mitgeschnittener Gespräche veröffentlicht wurden. Das NABU veröffentlichte keine Klarnamen der zu hörenden Personen, sondern nur die Codenamen, die sie sich selbst gegeben hatten.
Wenn diese von den Medien korrekt identifiziert wurden, handelt es sich dabei unter anderem um den Ruslan Kravtschenko (Codename „Chef“), den Generalstaatsanwalt der Ukraine, und um Sergej Krapiva (Codename „Kanzler“), den Chef der Cyberabteilung der Generalstaatsanwaltschaft, der laut ukrainischen Medien festgenommen wurde. Außerdem ist unter dem Codenamen „Muse“ die Freundin von Krapiva zu hören. In einem der veröffentlichten Gespräche befiehlt er ihr, ihren Instagram-Account zu säubern, da sie sich dort mit Luxusartikeln wie Taschen von Hermes und Schmuck von Messika (der laut ihren Worten viel besser ist als der von Cartier) zeigt.
Ich werde noch detaillierter über den Fall berichten, denn er steht natürlich im Zusammenhang mit dem Machtkampf in der Ukraine, in dessen Verlauf es in dieser Woche in Kiew zu einer Schießerei zwischen den ukrainischen Geheimdiensten SBU und GUR gekommen ist. Außerdem ist am Freitag eine Drohne direkt in das Fenster des Büros von SBU-Chef Alexander Poklad geflogen und dort explodiert.
Bei der Drohne handelte es sich um eine Beutedrohne russischer Bauart vom Typ Geranie, um den Angriff Russland anzuhängen und von den Tätern in Kiew abzulenken. Aber der plumpe Versuch, diesen Angriff Russland anzuhängen, wurde in der Ukraine schnell enttarnt, denn die Drohne wurde laut ukrainischen Medienberichten in der Ukraine unweit von Kiew gestartet.
Da das NABU vom Westen kontrolliert wird, kann man mit Sicherheit sagen, dass diese neuesten Enthüllungen des NABU wieder gegen Selensky gerichtet sind, denn der Generalstaatsanwalt untersteht, wie übrigens auch der Geheimdienst SBU, seiner Präsidialverwaltung. Selensky hat ihn erst vor einem Jahr, im Sommer 2025, zum Generalstaatsanwalt ernannt.
Dass es bei der Operation „Karthago“ laut dem NABU um betrügerische Callcenter geht, weist auf einen Zusammenhang zu dem Bombenattentat von Monaco auf den ukrainischen Oligarchen Jermolajew von Ende Juni hin, der sein Geld mit auf Telefonbetrug spezialisieren Callcentern gemacht hat. Die Spuren dieses Mordversuches führen zum ukrainischen Militärgeheimdienst GUR, dessen Mitarbeiter vor einigen Tagen bei der Schießerei in Kiew von SBU-Beamten verletzt wurden, wobei es ersten Berichten zufolge eine Verbindung zum Bombenanschlag von Monaco gab.
In jedem Fall wird der Machtkampf in der Ukraine mit fast schon täglich härteren Bandagen geführt und offenbar verliert der Westen die Geduld mit Selensky, wenn er das NABU nun in so kurzen Intervallen immer neue Korruptionsskandale aus Selenskys Umfeld veröffentlichen lässt. Die letzte derartige Veröffentlichung gab es am 19. August, also vor gerade mal zwei Wochen.
Worum es dem Westen dabei geht, können Sie hier nachlesen.
Ich werde heute oder morgen noch eine detailliertere Analyse der Ereignisse veröffentlichen, dies war lediglich die Eilmeldung über die neuen Veröffentlichungen des NABU.
Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.
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