Die Zensur der Wissenschaft hat alte Wurzeln, die tatsächlich mit dem Eppstein Fall zusammenhängen.
Robert Maxwell war Ghislaine Maxwells Vater.
Ghislaine Maxwell war Jeffrey Epsteins Partnerin
Die Meisten wissen vielleicht, dass Robert Maxwell unter mysteriösen Umständen umkam, für diverse Geheimdienste arbeitete und bei seinem Begräbnis Staatsmänner und Mossad Vertreter anwesend waren.
Robert Maxwell hat die moderne Publikationslandschaft als Gelddruckmaschine für die Verlage erfunden – profitabel für die Verlage, aber schädlich für echte wissenschaftliche Fortschritte.
Recherchiert und veröffentlicht wurden diese Zusammenhänge vom Guardian 2017, lange vor den Epstein Files und lange bevor dem Guardian Autor wohl wirklich klar war, was Robert Maxwell sonst noch für Hobbys hatte und mit wem seine Tochter abhing.
Buranyi, S. (2017, Juni 27). Is the staggeringly profitable business of scientific publishing bad for science? The Guardian. https://www.theguardian.com/science/2017/jun/27/profitable-business-scientific-publishing-bad-for-science
Den Artikel gibt es auch als Audioversion:
Buranyi, S., Silver, S., Beck, J., & Jackson, N. (2022, April 20). From the archive: Is the staggeringly profitable business of scientific publishing bad for science? – podcast. The Guardian. https://www.theguardian.com/news/audio/2022/apr/20/from-the-archive-is-the-staggeringly-profitable-business-of-scientific-publishing-bad-for-science-podcast
Maxwells Erbe ist die Kernstruktur der modernen Publikationswelt und hat ihr, vor allem in der Coronazeit, massiv geschadet. Kaum ein anderer Mensch im 20. Jahrhundert hat die Wissenschaft stärker geprägt als Robert Maxwell – nicht durch eigene Forschung, sondern durch die kommerzielle Maschine des Publikationsunwesens, die bis heute Forschung behindert, statt sie zu fördern.
Ich übersetze hier nur die Highlights des Artikels. Der Artikel ist es definitiv wert, ihn sich komplett anzuhören oder komplett zu lesen. Das ist die Version für Eilige, könnte man sagen.
[…] Heute weiß jeder Wissenschaftler, dass seine Karriere vom Publizieren abhängt und dass der berufliche Erfolg insbesondere davon bestimmt wird, ob man seine Arbeiten in den renommiertesten Fachzeitschriften veröffentlichen kann. Die lange, langsame und fast richtungslose Arbeit, die einige der einflussreichsten Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts betrieben haben, ist heute keine tragfähige Karriereoption mehr. Unter dem heutigen System hätte Fred Sanger, der Vater der Gensequenzierung, der in den zwei Jahrzehnten zwischen seinen Nobelpreisen 1958 und 1980 nur sehr wenig veröffentlichte, möglicherweise seinen Job verloren.
Selbst Wissenschaftler, die sich für Reformen einsetzen, sind sich oft nicht der Wurzeln des Systems bewusst: Wie Unternehmer in den Boomjahren nach dem Zweiten Weltkrieg Vermögen aufbauten, indem sie den Wissenschaftlern das Publizieren aus den Händen nahmen und das Geschäft in einem zuvor unvorstellbaren Ausmaß ausweiteten. Und niemand war transformativer und genialer als Robert Maxwell, der wissenschaftliche Zeitschriften in eine spektakuläre Geldmaschine verwandelte, die seinen Aufstieg in der britischen Gesellschaft finanzierte. Maxwell wurde später Abgeordneter, ein Pressemagnat, der Rupert Murdoch herausforderte, und eine der berüchtigtsten Persönlichkeiten des britischen öffentlichen Lebens. Aber seine wahre Bedeutung war weitaus größer, als den meisten von uns bewusst ist. So unwahrscheinlich es auch klingen mag, nur wenige Menschen im letzten Jahrhundert haben mehr dazu beigetragen, die heutige Wissenschaft zu prägen als Maxwell.
[…] Führende britische Wissenschaftler – von Alexander Fleming, dem Entdecker des Penicillins, bis zum Physiker Charles Galton Darwin, dem Enkel von Charles Darwin – waren besorgt, dass die britische Wissenschaft zwar Weltklasse war, ihr Verlagswesen jedoch miserabel. Wissenschaftliche Verlage waren vor allem dafür bekannt, ineffizient und ständig pleite zu sein. Zeitschriften, die oft auf billigem, dünnem Papier erschienen, wurden von wissenschaftlichen Gesellschaften fast wie nebenbei produziert. Die British Chemical Society hatte einen monatelangen Rückstand bei der Veröffentlichung von Artikeln und war auf Geldzuwendungen der Royal Society angewiesen, um ihren Druckbetrieb aufrechtzuerhalten.
Die Lösung der Regierung bestand darin, den traditionsreichen britischen Verlag Butterworths (heute im Besitz von Elsevier) mit dem renommierten deutschen Verlag Springer zusammenzubringen, um dessen Fachwissen zu nutzen. Butterworths würde lernen, mit Zeitschriften Gewinne zu erzielen, und die britische Wissenschaft könnte ihre Arbeiten schneller veröffentlichen. Maxwell hatte bereits sein eigenes Unternehmen gegründet, das Springer dabei half, wissenschaftliche Artikel nach Großbritannien zu versenden. Die Direktoren von Butterworths, selbst ehemalige britische Geheimdienstmitarbeiter, stellten den jungen Maxwell als Manager des Unternehmens ein und einen weiteren ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter, Paul Rosbaud, einen Metallurgen, der während des Krieges über den französischen und niederländischen Widerstand Nazi-Atomgeheimnisse an die Briten weitergegeben hatte, als wissenschaftlichen Redakteur.
Das moderne wissenschaftliche Publikationswesen wurde von Ex-Geheimdienstmitarbeitern gegründet. DAS muss man sich bewusst machen. Wie ehemalig diese Mitarbeiter wirklich waren sei mal dahin gestellt. Robert Maxwell arbeitete parallel für mehrere Geheimdienste. Man kann sich also durchaus vorstellen, dass Technologie, die dem Militär unbequem war, bereits an dieser Stelle zensiert wurde. Wie viele Mitarbeiter bei wissenschaftlichen Zeitschriften arbeiten aktuellen den Geheimdiensten zu? Hat man das in der Coronazeit vielleicht mal bedacht?
Als Butterworths 1951 beschloss, das noch junge Projekt aufzugeben, bot Maxwell 13.000 Pfund (heute etwa 420.000 Pfund) für die Anteile von Butterworths und Springer und übernahm damit die Kontrolle über das Unternehmen. Rosbaud blieb als wissenschaftlicher Direktor tätig und benannte das neue Unternehmen nach einer Münze aus der antiken griechischen Stadt Pergamon, auf der Athene, die Göttin der Weisheit, abgebildet war. Diese Münze wurde für das Firmenlogo adaptiert – eine einfache Strichzeichnung, die sowohl Wissen als auch Geld angemessen repräsentiert.
Der wissenschaftliche Direktor war ein (Ex-)Geheimdienstmitarbeiter. Perfekt für die Zensur platziert bzw. Wissenschaftler in militärische Projekte umzulenken statt ihre Artikel zu veröffentlichen. Das ist natürlich nur Spekulation, mir liegen dafür keine Belege vor, denkbar wäre aber ein derartiges Vorgehen der Militärforschung durchaus.
In einem Umfeld, das nun von Geld und Optimismus geprägt war, war es Rosbaud, der die Methode entwickelte, die den Erfolg von Pergamon vorantreiben sollte. Mit der Expansion der Wissenschaft erkannte er, dass neue Zeitschriften benötigt würden, um neue Forschungsbereiche abzudecken. Die wissenschaftlichen Gesellschaften, die traditionell Zeitschriften herausgaben, waren schwerfällige Institutionen, die sich nur langsam bewegten und durch interne Debatten zwischen den Mitgliedern über die Grenzen ihres Fachgebiets behindert wurden.
Rosbaud hatte keine dieser Einschränkungen. Er musste lediglich einen prominenten Wissenschaftler davon überzeugen, dass sein Fachgebiet eine neue Zeitschrift benötigte, um es angemessen zu präsentieren, und diese Person an die Spitze der Zeitschrift setzen. Pergamon begann dann, Abonnements an Universitätsbibliotheken zu verkaufen, die plötzlich über viel Geld von der Regierung verfügten.
Maxwell lernte schnell. 1955 nahmen er und Rosbaud an der Genfer Konferenz über die friedliche Nutzung der Atomenergie teil. Maxwell mietete ein Büro in der Nähe der Konferenz und besuchte Seminare und offizielle Veranstaltungen, wo er den Wissenschaftlern anbot, ihre Vorträge zu veröffentlichen, und sie bat, Exklusivverträge für die Herausgabe von Pergamon-Zeitschriften zu unterzeichnen. Andere Verleger waren schockiert über seinen dreisten Stil. Daan Frank von North Holland Publishing (heute im Besitz von Elsevier) beklagte sich später, Maxwell sei „unehrlich”, weil er Wissenschaftler ohne Rücksicht auf bestimmte Inhalte abwarb.
Auch Rosbaud soll von Maxwells Profitgier abgeschreckt worden sein. Im Gegensatz zu dem bescheidenen ehemaligen Wissenschaftler bevorzugte Maxwell teure Anzüge und nach hinten gegelte Haare. Er hatte seinen tschechischen Akzent zu einer beeindruckend vornehmen, tiefen Nachrichtensprecherstimme abgemildert und sah und klang genau wie der Tycoon, der er sein wollte. 1955 erzählte Rosbaud dem Nobelpreisträger Nevill Mott, dass die Zeitschriften seine geliebten kleinen „Lämmer“ seien und Maxwell der biblische König David, der sie schlachten und verkaufen würde, um Profit zu machen. 1956 kam es zum Zerwürfnis zwischen den beiden, und Rosbaud verließ das Unternehmen.
[…] Wissenschaftliche Gesellschaften wie die British Society of Rheology sahen die Zeichen der Zeit und begannen sogar, Pergamon gegen eine geringe regelmäßige Gebühr ihre Zeitschriften zu überlassen.
[…] Die Zusammenarbeit und die Präsentation der eigenen Arbeit auf internationaler Ebene wurden zu einer neuen Form des Prestiges für Forscher, und in vielen Fällen hatte Maxwell den Markt erobert, bevor andere überhaupt bemerkten, dass es ihn gab.
[…] Maxwells Erfolg beruhte auf einer Einsicht in die Natur wissenschaftlicher Zeitschriften, für deren Verständnis und Nachahmung andere Jahre brauchen würden. Während seine Konkurrenten sich darüber beschwerten, dass er den Markt verwässerte, wusste Maxwell, dass der Markt in Wirklichkeit unbegrenzt war. […] Wissenschaftliche Artikel handeln von einzigartigen Entdeckungen: Ein Artikel kann einen anderen nicht ersetzen. Wenn eine seriöse neue Zeitschrift erschien, forderten Wissenschaftler einfach, dass ihre Universitätsbibliothek auch diese abonnierte. Wenn Maxwell dreimal so viele Zeitschriften wie seine Konkurrenz herausbrachte, verdiente er auch dreimal so viel Geld.
Die einzige potenzielle Grenze war eine Verlangsamung der staatlichen Finanzierung, aber dafür gab es kaum Anzeichen.
[…] „Er war ein Tyrann, aber ich mochte ihn sehr“, sagt Denis Noble, Physiologe an der Universität Oxford und Herausgeber der Zeitschrift Progress in Biophysics & Molecular Biology. Gelegentlich lud Maxwell Noble zu einem Treffen in sein Haus ein. „Oft fand dort eine Party statt, mit einem schönen Musikensemble, es gab keine Trennung zwischen seiner Arbeit und seinem Privatleben“, sagt Noble. Maxwell versuchte dann, ihn abwechselnd einzuschüchtern und zu bezirzen, damit er die halbjährlich erscheinende Zeitschrift in eine monatliche oder zweimonatliche Publikation umwandelte, was zu einem entsprechenden Anstieg der Abonnementzahlungen führen würde.
Letztendlich gab Maxwell jedoch fast immer den Wünschen der Wissenschaftler nach, und diese lernten seine patronale Art zu schätzen. „Ich muss gestehen, dass ich, obwohl ich seine räuberischen und unternehmerischen Ambitionen schnell erkannte, dennoch eine große Zuneigung zu ihm entwickelte“, schrieb Arthur Barrett, damals Herausgeber der Zeitschrift Vacuum, 1988 in einem Artikel über die Anfangsjahre der Publikation. Und das Gefühl beruhte auf Gegenseitigkeit. Maxwell pflegte seine Beziehungen zu berühmten Wissenschaftlern, die er mit ungewöhnlicher Ehrerbietung behandelte. „Er erkannte früh, dass die Wissenschaftler von entscheidender Bedeutung waren. Er tat alles, was sie wollten. Das machte den Rest der Belegschaft verrückt“, erzählte mir Richard Coleman, der Ende der 1960er Jahre bei Pergamon in der Zeitschriftenproduktion arbeitete.
Und hier haben wir eine Parallele und vielleicht auch eine Erklärung, warum Jeffrey Epstein Wissenschaftler um sich scharte. Ghislaine hat ihm sicherlich auch von ihrem Vater erzählt und wie dieser sich zur Imagesteigerung mit Wissenschaftlern umgab. Eine Foundation/Stiftung ist auch ein schönes Steuersparmodell, dass einem gleichzeitig die Möglichkeit gibt, diese Gelder so einzusetzen, wie man es für sinnvoll hält und nicht um es sinnlos zu verschwenden wie es der Staat mit Schulden machen würde.
Das Renommee der Wissenschaftler färbte auf Maxwell ab und überstrahlte seine einfache Herkunft. Ich schätze, genau das bezweckte auf Jeffrey Epstein, der selbst keinen Uniabschluss hatte.
Auch in Deutschland gibt es haufenweise derartige Stiftungen:
Für Biologie und Promotion als Suchworte gibt es einen Treffer.
Nicht gerade die Auswahl.
Wer prüft jeden der Stifter im Detail? Wenn die Stiftung zum Projekt passt und einen fördert, wird man als Wissenschaftler den Teufel tun und den Stifter vergrätzen.
Mit meiner Promotion im Bereich der gerichteten Evolution wäre ich vielleicht sogar in seinem Förderbereich gewesen. 2011 war aber schon lange nach meiner Promotion.
Maxwell hatte das Verlagswesen revolutioniert, aber die tägliche Arbeit in der Wissenschaft blieb unverändert. Wissenschaftler veröffentlichten ihre Arbeiten nach wie vor größtenteils in der Zeitschrift, die für ihr Forschungsgebiet am besten geeignet war – und Maxwell war gerne bereit, alle Forschungsergebnisse zu veröffentlichen, die seine Redakteure für ausreichend fundiert hielten. Mitte der 1970er Jahre begannen die Verlage jedoch, sich in die wissenschaftliche Praxis einzumischen, und schlugen einen Weg ein, der die Karrieren der Wissenschaftler an das Verlagswesen band und der Forschung die eigenen Standards der Branche auferlegte. Eine Zeitschrift wurde zum Symbol dieser Veränderung.
„Zu Beginn meiner Karriere achtete niemand besonders darauf, wo man veröffentlichte, aber 1974 änderte sich mit Cell alles“, erzählte mir Randy Schekman, Molekularbiologe in Berkeley und Nobelpreisträger. Cell (heute im Besitz von Elsevier) war eine Zeitschrift, die vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) ins Leben gerufen wurde, um das aufstrebende Gebiet der Molekularbiologie zu präsentieren. Sie wurde von einem jungen Biologen namens Ben Lewin herausgegeben, der seine Arbeit mit einer intensiven, fast literarischen Neigung anging. Lewin schätzte lange, rigorose Artikel, die große Fragen beantworteten – oft das Ergebnis jahrelanger Forschung, die an anderen Orten zu mehreren Artikeln geführt hätte – und brach mit der Vorstellung, dass Zeitschriften passive Instrumente zur Vermittlung von Wissenschaft seien, indem er weit mehr Artikel ablehnte, als er veröffentlichte.
Er schuf damit eine Plattform für wissenschaftliche Blockbuster, und Wissenschaftler begannen, ihre Arbeit nach seinen Vorgaben zu gestalten. „Lewin war clever. Er erkannte, dass Wissenschaftler sehr eitel sind und Teil dieses exklusiven Clubs sein wollten; Cell war ‚das‘, und man musste seinen Artikel dort veröffentlichen“, sagte Schekman. „Auch ich stand unter diesem Druck.“ Am Ende veröffentlichte er einige seiner für den Nobelpreis nominierten Arbeiten in Cell.
Plötzlich wurde es immens wichtig, wo man veröffentlichte. Andere Herausgeber verfolgten einen ähnlich aktivistischen Ansatz in der Hoffnung, den Erfolg von Cell zu wiederholen. Die Verlage führten auch eine Kennzahl namens „Impact Factor“ ein, die in den 1960er Jahren von Eugene Garfield, einem Bibliothekar und Linguisten, erfunden wurde, um grob zu berechnen, wie oft Artikel in einer bestimmten Zeitschrift in anderen Artikeln zitiert werden. Für Verlage wurde dies zu einer Möglichkeit, die wissenschaftliche Reichweite ihrer Produkte zu bewerten und zu bewerben. Die neu gestalteten Zeitschriften, die den Schwerpunkt auf bedeutende Ergebnisse legten, schossen an die Spitze dieser neuen Rankings, und Wissenschaftler, die in „hochrangigen“ Zeitschriften veröffentlichten, wurden mit Jobs und Fördermitteln belohnt. Fast über Nacht war in der Welt der Wissenschaft eine neue Währung des Prestiges entstanden. (Garfield bezeichnete seine Erfindung später als „wie Kernenergie … ein zweischneidiges Schwert“).
Es ist kaum zu überschätzen, wie viel Macht ein Zeitschriftenherausgeber nun hatte, um die Karriere eines Wissenschaftlers und die Richtung der Wissenschaft selbst zu beeinflussen. „Junge Leute sagen mir ständig: ‚Wenn ich nicht in CNS [eine gängige Abkürzung für Cell/Nature/Science, die renommiertesten Zeitschriften im Bereich der Biologie] veröffentliche, bekomme ich keinen Job‘“, sagt Schekman. Er verglich das Streben nach hochrangigen Veröffentlichungen mit einem Anreizsystem, das genauso verwerflich sei wie Bankboni. „Sie haben einen sehr großen Einfluss darauf, in welche Richtung sich die Wissenschaft entwickelt“, sagte er.
So wurde die Wissenschaft zu einer seltsamen Koproduktion zwischen Wissenschaftlern und Zeitschriftenredakteuren, wobei erstere zunehmend nach Entdeckungen suchten, die letztere beeindrucken würden. Heutzutage lehnt ein Wissenschaftler, wenn er die Wahl zwischen verschiedenen Projekten hat, fast immer sowohl die prosaische Arbeit der Bestätigung oder Widerlegung früherer Studien als auch das jahrzehntelange Streben nach einem riskanten „Moonshot“ zugunsten eines Mittelwegs ab: einem Thema, das bei Redakteuren beliebt ist und wahrscheinlich zu regelmäßigen Veröffentlichungen führt.
„Wissenschaftler werden dazu angeregt, Forschung zu betreiben, die diesen Anforderungen entspricht“, sagte der Biologe und Nobelpreisträger Sydney Brenner in einem Interview aus dem Jahr 2014 und bezeichnete das System als „korrupt“.
Maxwell verstand, dass Zeitschriften nun die Königsmacher der Wissenschaft waren. Aber sein Hauptanliegen war nach wie vor die Expansion, und er hatte weiterhin eine klare Vorstellung davon, wohin sich die Wissenschaft entwickeln würde und welche neuen Forschungsgebiete er erschließen könnte.
[…] Ende der 1970er Jahre hatte Maxwell auch mit einem überfüllteren Markt zu kämpfen. […] Wie Maxwell vorausgesagt hatte, führte der Wettbewerb nicht zu einem Preisverfall. Zwischen 1975 und 1985 verdoppelte sich der Durchschnittspreis einer Zeitschrift. Die New York Times berichtete, dass das Abonnement der Zeitschrift Brain Research 1984 2.500 Dollar kostete, 1988 hingegen mehr als 5.000 Dollar. Im selben Jahr überschritt die Harvard Library ihr Budget für Forschungszeitschriften um eine halbe Million Dollar.
Wissenschaftler stellten gelegentlich die Fairness dieses äußerst profitablen Geschäfts in Frage, für das sie ihre Arbeit kostenlos zur Verfügung stellten, aber es waren die Universitätsbibliothekare, die als Erste die Falle erkannten, die Maxwell auf dem Markt geschaffen hatte. Die Bibliothekare kauften mit Universitätsmitteln Zeitschriften im Namen der Wissenschaftler. Maxwell war sich dessen sehr wohl bewusst. „Wissenschaftler sind nicht so preisbewusst wie andere Berufsgruppen, vor allem weil sie nicht ihr eigenes Geld ausgeben“, erklärte er 1988 in einem Interview mit seiner Publikation Global Business. Und da es keine Möglichkeit gab, eine Zeitschrift gegen eine andere, günstigere auszutauschen, war das Ergebnis, so Maxwell weiter, „eine ewige Finanzierungsmaschine“. Die Bibliothekare waren in eine Reihe von Tausenden kleiner Monopole eingeschlossen. Mittlerweile wurden jährlich mehr als eine Million wissenschaftliche Artikel veröffentlicht, und sie mussten alle zu dem von den Verlagen geforderten Preis kaufen.
Aus geschäftlicher Sicht war dies ein voller Erfolg für Maxwell. Bibliotheken waren ein gebundener Markt, und Zeitschriften hatten sich auf unwahrscheinliche Weise als Hüter des wissenschaftlichen Prestiges etabliert – was bedeutete, dass Wissenschaftler sie nicht einfach aufgeben konnten, wenn eine neue Methode zum Austausch von Ergebnissen aufkam.
[…] Viele ehemalige Pergamon-Mitarbeiter erzählten mir unabhängig voneinander, dass sie wussten, dass es für Maxwell vorbei war, als er den Elsevier-Deal abschloss, denn Pergamon war das Unternehmen, das er wirklich liebte. Später im selben Jahr geriet er in eine Reihe von Skandalen wegen seiner wachsenden Schulden, seiner zwielichtigen Buchführungspraktiken und einer brisanten Anschuldigung des amerikanischen Journalisten Seymour Hersh, er sei ein israelischer Spion mit Verbindungen zu Waffenhändlern. Am 5. November 1991 wurde Maxwell vor seiner Yacht auf den Kanarischen Inseln ertrunken aufgefunden. […]
Die Geschichte beherrschte monatelang die britische Presse, und der Verdacht, dass Maxwell Selbstmord begangen hatte, wuchs, nachdem eine Untersuchung ergab, dass er mehr als 400 Millionen Pfund aus dem Pensionsfonds des Mirror gestohlen hatte, um seine Schulden zu begleichen. (Im Dezember 1991 stufte ein spanischer Gerichtsmediziner den Tod als Unfall ein.) Die Spekulationen nahmen kein Ende: 2003 veröffentlichten die Journalisten Gordon Thomas und Martin Dillon ein Buch, in dem sie behaupteten, Maxwell sei vom Mossad ermordet worden, um seine Spionagetätigkeit zu vertuschen. Zu diesem Zeitpunkt war Maxwell längst verstorben, aber das von ihm gegründete Unternehmen florierte unter neuen Eigentümern weiter und erreichte in den folgenden Jahrzehnten neue Höhen in Bezug auf Gewinn und globale Macht.
Seit Anfang der 2000er Jahre setzen sich Wissenschaftler für eine Alternative zum Abonnement-Publizieren ein, die als „Open Access“ bezeichnet wird. Diese löst das Problem, wissenschaftliche und kommerzielle Erfordernisse in Einklang zu bringen, indem sie einfach das kommerzielle Element entfernt. In der Praxis geschieht dies in der Regel in Form von Online-Zeitschriften, für die Wissenschaftler eine Vorabgebühr zur Deckung der Redaktionskosten entrichten, wodurch sichergestellt wird, dass die Arbeiten für jedermann dauerhaft frei zugänglich sind.
Diese Publikationskosten muss man sich aber leisten können und das Internet muss funktionieren. Ist das Internet oder der Server weg, sind die Daten für immer verloren, anders als klassische Zeitschriften auf Papier.
Durch die teils sehr hohen Publikationsgebühren sind private Forscher wie ich raus aus dem Publikationswesen, weil die Gebühren teils einfach zu hoch für Privatpersonen sind, die ihr Forschung von Unterstützungen durch Leser betreiben und schließlich auch noch von etwas leben müssen. Ohne eine Uni-Anbindung oder eine Firma wird es schwierig bis unmöglich irgendetwas in einer wissenschaftlichen Zeitschrift zu veröffentlichen. Solchen Menschen bleibt, wie früher vor der Zeit des Robert Maxwell, das selbst verlegte Buch.
The Maxwell dynasty: what happened to the disgraced mogul’s family? (n.d.). The Telegraph. https://web.archive.org/web/20191215145423/https://www.telegraph.co.uk/family/life/maxwell-dynasty-happened-disgraced-moguls-family/
Davies, C. (2020, July 3). The murky life and death of Robert Maxwell – and how it shaped his daughter Ghislaine. The Guardian. https://www.theguardian.com/us-news/2019/aug/22/the-murky-life-and-death-of-robert-maxwell-and-how-it-shaped-his-daughter-ghislaine https://web.archive.org/web/20190822065210/https://www.theguardian.com/us-news/2019/aug/22/the-murky-life-and-death-of-robert-maxwell-and-how-it-shaped-his-daughter-ghislaine
Hencke, D., & Evans, R. (2017, May 8). Maxwell – the “red” the feds failed to nail. The Guardian. https://web.archive.org/web/20190712021823/https://www.theguardian.com/world/2000/oct/14/freedomofinformation.uk
Jeffrey Epstein | Individual Researchers funded by Jeffrey Epstein https://web.archive.org/web/20110415012347/http://www.jeffreyepstein.org/individualresearchers.html





