Die Friedenskirche im niederschlesischen Jauer [Jawor] steht in diesem Jahr gleich doppelt im Mittelpunkt: Mit einem Festprogramm wird das 370. Jubiläum ihrer Einweihung begangen. Und zugleich jährt sich zum 25. Mal ihre Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste. Für die evangelische Kirche in Schlesien ist das ein Anlass, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit neu zu beleben.
Die Friedenskirche in Jauer gehört zusammen mit ihrer Schwesterkirche in Schweidnitz [Świdnica] zu den bedeutendsten Zeugnissen der protestantischen Kirchenbaukunst in Europa. Errichtet nach dem Westfälischen Frieden unter strengen Auflagen – aus Holz, Lehm und ohne Turm –, beeindruckt sie sich dennoch bis heute. Angelegt zunächst nur für zehn Jahre überdauerten zwei von drei schlesischen Friedenskirchen bis in unsere Zeit. Die Friedenskirche zu Glogau [Głogów] wurde 1758 im Siebenjährigen Krieg zerstört und nicht wieder aufgebaut.
Das Jauersche Doppeljubiläum gibt der Evangelisch-Augsburgischen Diözese Breslau Anlass zum Feiern. Im Zentrum steht am 15. und 16. Mai eine zweitägige Feierlichkeit. Am Freitag beginnt der Tag mit einem internen Treffen der Verwalter polnischer UNESCO-Welterbestätten. Am Nachmittag folgt ein Vortrag zur Aufnahme der Friedenskirchen Schweidnitz und Jauer in die Welterbeliste mit Führung. Um 18. Uhr werden dann in der Jauerschen Friedenskirche die 37. Schlesischen Musikfeste eröffnet. In dessen Rahmen bieten das polnische Mandolinenorchester mit der Sopranistin Joanna Klisowska das Konzert: „Vereint in der Musik“.
Der Samstag ist als öffentlicher Veranstaltungstag angelegt. Ab 10 Uhr findet im Kirchpark ein „Markt der Möglichkeiten“ mit Handwerks- und Kulturangeboten sowie Informationsständen zu lokalen Organisationen statt. Um 11 Uhr folgt ein ökumenischer Dankgottesdienst. Am frühen Nachmittag werden Workshops angeboten, darunter ein kunsthandwerklicher Kurs zur Polychromie (Holzbemalung) der Kirche sowie ein Backkurs im städtischen Regionalmuseum. Um 14 Uhr beginnt eine Stadtführung. Es gibt eine Podiumsdiskussion. Den Abschluss bildet um 17 Uhr ein Konzert „Harmonie des Friedens“ mit dem Knaben- und Mädchenchor des Nationalen Forums für Musik Breslau.
Dieses Konzert ist Teil der seit 1993 bestehenden Reihe der Friedenskonzerte, die jährlich von Mai bis September in ihr stattfinden. Veranstalter ist die evangelische Kirchgemeinde in Jauer. Auf dem Programm stehen vor allem Kammermusik sowie Chor- und Orchesterwerke mit internationaler Beteiligung. An beiden Tagen soll es im Pfarrgarten am Auguste-Viktoria-Haus bei Kaffee und Kuchen sowie am Sonnabend bei einem Mittagessen kommunikativ zugehen.
Parallel zum Jubiläumsprogramm ist für den 16. Mai eine deutsch-polnische Begegnung vorgesehen. Eingeladen sind Pfarrer und Gemeindemitglieder aus Sachsen und Niederschlesien. Auf der Tagesordnung stehen Fragen der Gemeindearbeit, der Nutzung historischer Kirchengebäude und grenzübergreifende Vorhaben. Hierbei hat Pfarrer Cezary Królewicz aus Lauban [Lubań] eine führende Rolle inne. Er ist Diözesanrat und stellvertretender Bischof der Diözese Breslau, leitet die evangelische Gemeinde in Lauban und führt polnischsprachige Gottesdienste im Umland.
Auch wenn die Breslauer Diözese mit mehr als 20 Pfarrern eher klein ist, so verzeichne man immer häufiger Übertritte aus der katholischen Kirche, so Królewicz. Den Grund dafür sieht der im oberschlesischen Ruda geborene Geistliche im starken Politisieren der polnischen katholischen Kirche. Das ist insofern eine Frischzellenkur, weil dem Protestantismus in Polen anhängt, im Wesentlichen auf Menschen mit deutschen Wurzeln zu fußen.
Seit 20 Jahren macht sich Królewicz für eine Gemeindezusammenarbeit im Dreiländereck stark. Grenzen seien für ihn kein Hindernis, weil „die Kirche die Plattform unserer Verständigung und Verbindung ist. Ich spüre überhaupt keine Barrieren“, sagt der in Kattowitz aufgewachsene Theologe, der am 26. Mai vor
30 Jahren in Hindenburg [Zabrze] zum Pfarrer der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen ordiniert wurde. Er fügt abschließend hinzu: „Die Offenheit der evangelischen Gemeinden, aller Pfarrer, die bisher da waren, ist deutlich spürbar. Sie kommen und gehen, aber ich bin immer noch derselbe.“