Östlich von Oder und Neiße – Dieselgeruch, wo das Schlachtfeld des Königs stand

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Die Eisenbahnplanstadt Königszelt ist ein nostalgisches Pflaster für Bahnenthusiasten

paz.de📅 06.07.2026

Schon allein der Dampf- und Dieselgeruch lässt Eisenbahnerherzen höherschlagen. Im Eisenbahnmuseum Königszelt [Jaworzyna Śląska] kann man schlesische Verkehrsgeschichte und die technische Entwicklung aus nächster Nähe erleben. Erzählt wird die Geschichte von Eisenbahnern, die in historischer Kleidung erscheinen. Am 28. Juni starten auch die polnischen Ferien, auf die sich Museumsleiterin Katarzyna Szczerbińska-Tercjsak freut, denn dann kommen besonders viele Kinder: „Wir zeigen die harte Arbeit der Eisenbahner. Durch die Authentizität des Ortes können unsere Besucher in die Vergangenheit reisen. Wir zeigen, wie man früher gereist ist und sorgen dafür, dass die Maschinen weiterleben.“ Das Museum greife dabei auf pensionierte Eisenbahner als Fremdenführer zurück, die ihr Wissen weitergeben.

Seit 20 Jahren werden in Königszelt Loks und Waggons gesammelt und renoviert. Dafür wurde die Stiftung zum Schutz des Schlesischen Industrieerbes (Fundacja Ochrony Dziedzictwa Przemysłowego Śląska) ins Leben gerufen, die Mittel für die Sanierung von technischen Denkmälern beschafft.

„2004 war in diesem Lokschuppen nichts mehr da. Es gab ein Loch im Dach, keine Exponate, nichts. Erst durch die Zusammenarbeit der Gemeinde, der polnischen Bahn (PKP) und vor allem durch den Enthusiasmus des Stiftungsvorsitzenden Peter Gerber konnte hier ein privates Eisenbahnmuseum entstehen“, sagt die Historikerin Szczerbińska-Tercjsak.
Das Museum sammelte auf mehr als zwei Hektar Bahngelände und in den Lokschuppen 150 Waggons von 1880 bis in die 70er Jahre. Mehr als 40 Dampfloks deutscher, polnischer, amerikanischer und englischer Bauart sowie Diesel- und Elektrolokomotiven sind hier zu sehen.

Krzysztof Czarnecki ist Fremdenführer und berichtet mit glänzenden Augen, dass der Bahnhof Königszelt zu den ältesten Bahnhöfen im heutigen Polen gehöre. „Die Eisenbahnstrecke von Breslau nach Freiburg in Schlesien [Świebodzice] von 1843 ist somit über 180 Jahre alt. Sie war neben der oberschlesischen Strecke die zweite Eisenbahnlinie Niederschlesiens. Ein Jahr später wurde unser Bahnhof ausgebaut. Es entstand auch eine Nebenstrecke nach Schweidnitz [Świdnica]. Damit wurde Königszelt zum ältesten Eisenbahnknotenpunkt Schlesiens“, sagt er.

Der Bahnknotenpunkt entstand im damals offenen Gelände und erhielt seinen Namen, weil der preußische König in den Schlesischen Kriegen hier sein Zelt aufgeschlagen hatte. Der polnische Ortsname wollte darauf hingegen nicht Bezug nehmen und verweist auf die Zugehörigkeit zum einstigen Fürstentum Jauer [Jawor]. Noch vor 30 Jahren fuhren hier Dampfloks. Sie pfiffen, machten Lärm und Getöse. Hier wurde Kohle umgeschüttet, Wasser rauschte. Es war ein Ort, wo hart gearbeitet wurde. Die älteste Lokomotive im Museum ist mehr als 135 Jahre alt. „Es ist eine preußische Lokomotive des Typs T8. Sie wurde 1890 in Königsberg hergestellt. Diese Rangierlokomotive wurde im Bergbau eingesetzt. Bei uns erhielt sie ein zweites Leben“, so Czarnecki.

Hier werden Kinderträume wahr

Besonders gerne zeigt Czarnecki die Büroräume des Bahnhofsvorstehers. In einem hängt das Bild von Kaiser Wilhelm II. und seiner Familie an der Wand. Das Büro eines polnischen Bahnvorstehers in den 70er Jahren war da schon wesentlich einfacher eingerichtet. „Es ist Genosse Edward Gierek, der erste Sekretär des Zentralkomitees der Vereinigten Polnischen Arbeiterpartei. Als Zeichen der Modernität steht hier ein Fernseher. Heute weiß die Jugend wahrscheinlich gar nicht mehr so recht, wie so ein Fernseher funktioniert“, lacht er.

Eine Modelleisenbahn diente damals nicht zum Spielen, erklärt Czarnecki, sondern zum Erlernen der Eisenbahnverkehrssteuerung. „Generationen von Eisenbahnern lernten an genau dieser Anlage die Grundlagen der Eisenbahnsteuerung. An dieser Anlage ist ein Steuerpult aus den 70er Jahren angeschlossen. Das war damals der neueste Stand der Technik. Ich gebe zu, dass die Modelleisenbahn bei den Besuchern stets großes Interesse weckt, da sie für sehr viele immer noch ein Kindheitstraum ist.“

Diese und andere Kindheitsträume kann man sich im Museum Königszelt seit Mai noch bis September täglich von 10 bis 18 Uhr erfüllen lassen. Von Oktober bis März geht es ebenfalls täglich, aber von 10 bis 16 Uhr und im April wird an den Wochenenden von 10 bis 18 Uhr und in der Woche von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Die Internetseite muzeumkolejnictwa.pl informiert zudem in polnischer und englischer Sprache.

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