Das diesjährige internationale Festival „Wissenschaft auf der Bühne (Science on stage)“ stand unter der Schirmherrschaft des litauischen Präsidenten Gitanas Nausėda. Bei der Eröffnung betonte Nausėda die wachsende strategische Bedeutung von Bildung in einer Zeit globaler Herausforderungen. Angesichts technologischer Entwicklungen, ökologischer Krisen und geopolitischer Spannungen sei die Fähigkeit, Wissen zu vermitteln und Kreativität zu fördern, ein zentraler Faktor nationaler Stärke.
Die Hochschule Memel (Klaipėdos universitetas) präsentierte dabei insbesondere ihr Methodologisches STEAM-Zentrum, in dem Studenten bereits in den Bereichen Robotik, Programmierung und Ingenieurwissenschaften praktisch ausgebildet wurden. Die Abkürzung STEAM steht für Science (Naturwissenschaften), Technologie, Engineering (Ingenieurwesen/Technik), Arts (Künste/Gestaltung) und Mathematik. Es handelt sich um ein europäisches Netzwerk für Lehrkräfte.
Der Universitätsdirektor Artūras Razbadauskas betonte die Offenheit der Stadt für internationale Zusammenarbeit und den Austausch von Ideen. Im Zentrum des viertägigen Programms standen mehr als 250 Bildungsprojekte, die von Lehrkräften aus unterschiedlichen Ländern präsentiert wurden. In Workshops, Ausstellungen und Diskussionen wurden Unterrichtsmethoden vorgestellt, die darauf abzielen, naturwissenschaftliche und technische Bildung praxisnäher und interaktiver zu gestalten. Die Themen reichten von Mikroplastik-Analysen bis hin zu experimentellen Modellen aus Physik und Umweltwissenschaften. Ziel war es, Schüler stärker in forschendes Lernen einzubinden und komplexe wissenschaftliche Inhalte verständlicher zu vermitteln.
Teilnehmer aus mehr als 30 Ländern
Rund 1.000 Teilnehmer aus mehr als 30 Ländern nahmen an dem Festival teil, darunter Lehrkräfte, Bildungsexperten und Innovatoren aus ganz Europa sowie aus Kanada, Kasachstan und der Türkei. Die Veranstalter des alle zwei Jahren in wechselnden Ländern stattfindenden Veranstaltung sprachen von einem der bestbesuchten Festivals in der Geschichte der Initiative.
Besonders betonten viele Teilnehmer die offene und praxisnahe Atmosphäre des Festivals. Der direkte Austausch zwischen Lehrkräften unterschiedlicher Bildungssysteme führte zu zahlreichen neuen Partnerschaften. Das diesjährige „Wissenschaft auf der Bühne“-Festival hat Memel vorübergehend zu einem europäischen Zentrum der Bildungsinnovation gemacht. Die Kombination aus internationalem Austausch, praktischer Wissenschaftsvermittlung und politischer Unterstützung zeigt die wachsende Bedeutung von STEAM-Bildung in Europa. Das Festival brachte zahlreiche internationale Bildungsprojekte zusammen.
Die Universität sieht das Festival als Bestätigung ihrer Entwicklung seit der Unabhängigkeit Litauens. Die heutige Universität Memel, gegründet 1991 in einer ehemaligen preußischen Kasernenanlage, hat sich in kurzer Zeit zu einem zentralen akademischen Standort im Westen des Landes entwickelt und spielt eine wachsende Rolle in der Förderung naturwissenschaftlicher Bildung. Ein Höhepunkt war der sogenannte „Open Day“, an dem auch die Öffentlichkeit Zugang zu den Projekten erhielt.
Für die Stadt war das Festival nicht nur ein Großereignis, sondern auch ein weiterer Schritt in ihrer Entwicklung von einer traditionellen Hafenstadt hin zu einem modernen Wissenschafts- und Bildungsstandort mit internationaler Ausstrahlung.