Johan Anderberg – Flocken (Die Herde) Teil 1

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Johann Giesecke Zöglinge und ihre Gegner

drbine.substack.com📅 06.09.2026

In seinem Buch “Der andere Weg” empfiehlt Anders Tegnell zwei Bücher, die man lesen will, wenn man die wissenschaftlichen Fakten zum Schwedischen Weg haben möchte.

Eines dieser Bücher ist Johan Anderbergs – Flocken. Aud Deutschl wäre der Titel “Die Herde”. Das Buch gibt es aber nur auf Schwedisch oder Englisch. Ich habe mich also für die englische Version entschieden.

Das Buch ist in sieben Teile unterteilt, die ich für die Analyse beibehalten werde.

Die jeweiligen Kapitel sind sehr kurz und der Schreibstil eher witzig ironisch.

Ich kann das Buch wirklich empfehlen, es ist unterhaltsam zu lesen.

Das Buch erschien 2021 und rekonstruiert die Hintergründe des schwedischen Sonderwegs während der P(l)andemie.

Das Buch erzählt die Geschichte der Entscheidungsträger und Wissenschaftler, die sich in Schweden öffentlich geäußert haben und so den öffentlichen Diskurs in den schwedischen Medien geprägt haben.

Der Autor macht auch Exkurse in die Geschichte der Epidemiologie und erklärt woher bestimmte Werte und Formeln historisch ihre Wurzeln haben (den Teil lasse ich weg).

Der Autor analysiert, warum Schweden so anders reagierte und damit langfristig richtig lag.

Mir ist die Chronologie der Ereignisse in Schweden wichtig. Wer hat wann, wie die Einschätzung der Situation beeinflusst oder gedreht oder versucht zu drehen?

Warum hat man in Schweden anders reagiert?

Welche Strukturen waren dafür verantwortlich?

Ich vergleiche auch mit den Reaktionen der restlichen Welt und stelle sie gegenüber.

Ich vermute, dass Emails, die durch IFG herausgegeben wurden, mit Grundlage für das Buch waren. Es gibt also Primärdaten mit den man arbeiten kann, wenn man will.

Hier ist der Kontext der veröffentlichten Telll-E-Mails

Die Tegnell-E-Mails: Wie Herdenimmunität bei der schwedischen Gesundheitsbehörde Fuß fasste.

Die Tegnell-E-Mails: Die Geschichte von Johan Giesecke und der schwedischen Gesundheitsbehörde

Why is everyone in Sweden talking about Anders Tegnell’s emails?

Teil 1

Teil 1 führt die Hauptpersonen der Geschichte ein sowohl auf der Befürworterseite des Schwedischen Weges als auch deren erbittertste Gegener im eigenen Land.

Der Patriarch

Eine der Hauptfiguren in Schweden war Johann Giesecke, von dem in Deutschland wohl kaum einer jemals gehört haben dürfte. In Deutschland ging es immer nur um Anders Tegnell. Man ignorierte komplett, dass es ein Team um Anders Tegnell gab. Einer aus dem Team war sein alter Chef und Mentor Johann Giesecke.

„Das neue Jahr war erst wenige Tage alt, als sich ein weißhaariger schwedischer Rentner an seinen Computer setzte, um nachzusehen, welche neuen Krankheiten sich weltweit möglicherweise ausbreiteten. […]. Johan Giesecke war wie ein pensionierter Marineoffizier, […]

Die Lieblingswebsite des alten Epidemiologen war ProMED, eine Datenbank, die aus den Anfängen des Internets hervorgegangen war. Dort konnten Ärzte, Tierärzte – ja, eigentlich so ziemlich jeder, der sich mit Krankheitserregern befasste – erste Anzeichen und inoffizielle Vermutungen darüber veröffentlichen, dass sich eine neue Ansteckungskrankheit anzubahnen drohte.” (S. 5)

Johan Giesecke gilt in Schweden als „Graue Eminenz“ und der entscheidende Architekt hinter dem schwedischen Sonderweg in der COVID-19-Pandemie. Seine enge Bindung zu Anders Tegnell, dem damaligen schwedischen Staatsepidemiologen, war dabei von zentraler Bedeutung: Giesecke war nicht nur ein fachlicher Berater, sondern über Jahrzehnte hinweg Tegnells direkter Mentor, früherer Chef und wichtigster Vordenker.

Johan Giesecke war von 1995 bis 2005 selbst schwedischer Staatsepidemiologe. In dieser Rolle holte er Anders Tegnell ins schwedische Institut für Infektionsschutz.

Beide arbeiteten später zeitweise für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und publizierten zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten zusammen. Fachlich teilten sie von Anfang an eine tiefe Skepsis gegenüber drakonischen, politisch motivierten Quarantänemaßnahmen. Gieseckes historische Erfahrungen (etwa mit HIV oder der Schweinegrippe 1976) prägten auch Tegnells pragmatischen, rein mathematisch-medizinischen Blick auf Seuchen.

Giesecke war während der COVID-19-Krise kein aktiver Forscher in der Behörde mehr, sondern fungierte im Hintergrund als reiner Senior-Berater, Sparringspartner und medialer „Schutzschild“ für Tegnell.

Der erste Fall

Auch die Schweden hatten ihren ersten Fall. Bei uns war es Webasto in Schweden war es eine Frau in Jönköping.

“Vier Tage nach ihrer Rückkehr nach Hause entwickelte die Frau in Jönköping einen leichten Husten. Zwei Tage später – am 30. Januar – wandte sie sich an die Gesundheitsbehörden. Es stellte sich heraus, dass sie mit dem Coronavirus infiziert war. Sie wurde im Ryhov-Kreiskrankenhaus in Jönköping unter Quarantäne gestellt. Schweden hatte seinen ersten Fall. Es war einer von rund 150 Fällen, die außerhalb Chinas entdeckt wurden.” (S. 25)

Die Frau kam von einem Besuch aus Wuhan am 24. Januar völlig symptomfrei nach Schweden zurück. Erst vier Tage später traten die ersten leichten Symptome auf. Ihr besonnenes Handeln, die sofortige telefonische Kontaktaufnahme mit der Klinik und die freiwillige Isolation, verhinderte damals eine weitere Ausbreitung durch diesen spezifischen Fall.

“Am 3. Februar beschloss die Leitung der Behörde, eine spezielle Krisenmanagementorganisation einzurichten. Der Leiter der Behörde, Johan Carlson, hatte angeordnet, das Coronavirus „als außergewöhnliches Ereignis innerhalb der Behörde zu behandeln, bei dem besondere Verfahren aktiviert werden“.

Nun wurde die bürokratische Maschinerie mit größerer Kraft in Gang gesetzt. Am 3. Februar beschloss die Leitung der Behörde, eine spezielle Krisenmanagement-Organisation einzurichten. Drei Tage später begab sich Carlson zum schwedischen Parlament, um den Ausschuss für Gesundheit und Soziales über das neue Virus zu informieren.” (S. 25)

Johan Carlson war der Generaldirektor der schwedischen Gesundheitsbehörde (Folkhälsomyndigheten) zu Beginn und während der Hochphase der COVID-19-Pandemie. Carlson Arzt und Experte für Infektionskrankheiten und öffentliche Gesundheit. Während der Staatsepidemiologe Anders Tegnell das öffentliche Gesicht der schwedischen Corona-Strategie war, war Carlson als Behördenleiter sein direkter Vorgesetzter und der administrativ und politisch Hauptverantwortliche im Hintergrund.

Auch Carlson hatte bereits bereits Jahre zuvor im Institut für Infektionsschutz eng mit Johan Giesecke zusammengearbeitet, als dieser noch Staatsepidemiologe war.

Johan Carlson bildete zusammen mit Anders Tegnell und dem Berater Johan Giesecke das Triumvirat, das den schwedischen Sonderweg gegen alle internationalen Widerstände durchsetzte.

Man könnte sagen Anders Tegnell und Johan Carlson waren Giesekes Jungs und Gieske der Patriarch.

In Schweden haben Regierungsbehörden eine verfassungsrechtlich garantierte Unabhängigkeit von der Zentralregierung. Carlson nutzte diese Macht konsequent aus. Während Tegnell die wissenschaftlichen Daten analysierte, fing Carlson den politischen Druck der schwedischen Regierung ab und stellte sicher, dass die Politik den Empfehlungen der Wissenschaftler folgte.

Wie Tegnell und Giesecke war Carlson ein erklärter Gegner von harten Lockdowns und Grenzschließungen. Er argumentierte stets, dass ein Lockdown die Wirtschaft und die psychische Gesundheit der Bevölkerung nachhaltig schädigen würde, ohne das Virus langfristig aufzuhalten.

Dass Carlson am 6. Februar vor den Ausschuss für Gesundheit und Soziales (Socialutskottet) trat, war der Beginn einer ganz bewussten politischen Strategie. Schweden unterscheidet sich verfassungsrechtlich stark von Ländern wie Deutschland oder Österreich: Minister dürfen den Behörden keine direkten fachlichen Weisungen erteilen (Verbot von Ministerstyre). Carlson informierte die Politik frühzeitig, um das Mandat und das Vertrauen des Parlaments für die Behörde zu sichern. Seine Botschaft war damals: Wir haben die Lage unter Kontrolle, die Prozesse laufen.

Der Mathematiker

“Fünfundvierzig Wissenschaftler hielten sich an den von Britton aufgestellten Zeitplan. Sie stellten einige Forschungsergebnisse vor, unterhielten sich über Mathematik und lernten sich gegenseitig kennen.

Es war eine Konferenz wie jede andere.

An diesem Abend stand die Sitzung zum neuen Coronavirus auf dem Programm. Als Erste ergriff die britische Professorin Julia Gog von der Universität Cambridge das Wort: „Ich weiß, dass Sie alle an sehr interessanten Forschungsprojekten arbeiten …“, begann sie.” (S. 33)

Tom Britton ist ein schwedischer Professor für mathematische Statistik an der Universität Stockholm. Während der COVID-19-Pandemie im Jahr 2020 wurde er neben Tegnell, Giesecke und Carlson zu einer der meistzitierten wissenschaftlichen Stimmen Schwedens. Er fungierte quasi als der mathematische Vordenker, der versuchte, den schwedischen Sonderweg mit statistischen Modellen zu untermauern.

Britton lieferte mit seinen mathematischen Arbeiten den theoretischen Rahmen, den Johan Giesecke und Anders Tegnell für ihre Argumentation nutzten. Giesecke zitierte im Frühjahr 2020 häufig Brittons Thesen, um international zu untermauern, dass Schweden dem Rest der Welt in Sachen Immunität schlicht ein paar Monate voraus sei.

Britton war jedoch nie Angestellter der Gesundheitsbehörde, sondern bewahrte sich seine akademische Unabhängigkeit. Nach der Pandemie widmete er sich in seiner Forschung unter anderem der Frage, wie man die statistische Treffsicherheit solcher Modelle bei künftigen Ausbrüchen verbessern kann.

Der hypochondrische Malthusianer

Björn Olsen war so etwas wie das genaue Gegenteil einer der führenden Persönlichkeiten der Gesundheitsbehörde. Während der Rest der epidemiologischen Elite in Schweden mehr oder weniger aus Akademikerfamilien stammte, entstammte Björn Olsen einer sozialen Schicht, die viele von ihnen nur aus Filmen kannten oder über die sie in Büchern gelesen hatten.” (S. 38)

Björn Olsen ist Professor für Infektionsmedizin und Chefarzt an der Universität Uppsala. Er nimmt im Buch die Rolle des prominentesten und schärfsten Gegenspielers von Anders Tegnell und Johan Giesecke ein. Olsen war einer der Initiatoren und Co-Autoren eines berühmt gewordenen, extrem scharf formulierten Gastbeitrags in der schwedischen Tageszeitung Dagens Nyheter im April 2020. Darin warfen 22 renommierte schwedische Forscher der Gesundheitsbehörde (Folkhälsomyndigheten) vor, die Bevölkerung sehenden Auges ins Verderben laufen zu lassen, und forderten den Rücktritt der Verantwortlichen.

Das Schisma

Ein Schisma ist eine Kirchenspaltung oder Spaltung innerhalb einer Glaubensgemeinschaft.

In Umei verfolgte ein weiterer Virenexperte die Berichte aus China. Fredrik Elgh neigte nicht so sehr dazu, sich Sorgen zu machen wie Björn Olsen. Eher das Gegenteil.[…] Am 2. März veröffentlichte das „Svenska Dagbladet“ seinen Text. Und nun war es an Fredrik Elgh, Ausrufezeichen zu setzen: „Bislang kann noch niemand genau sagen, wie das aussehen wird. Aber eines ist sicher: Wir müssen uns sofort auf den schlimmsten Fall vorbereiten!“

Lange bevor sie in der Pandemie öffentlich aneinandergerieten, arbeiteten Elgh und Tegnell eng zusammen. In den Jahren 2000 bis 2002 war Elgh am damaligen Institut für Infektionsschutz (Smittskyddsinstitutet) sogar Tegnells direkter Vorgesetzter. Elgh leitete zudem von 2006 bis 2009 ein großes, staatlich finanziertes Forschungsprojekt, das historische Influenza-Pandemien analysierte, um Lehren für zukünftige Krisen zu ziehen. Aufgrund dieses Hintergrunds besaß sein Wort in Schweden großes fachliches Gewicht.

Wie unversöhnlich das „wissenschaftliche Schisma“ in Schweden war, zeigt eine berühmte Anekdote aus dieser Zeit, die auch in wissenschaftlichen Aufarbeitungen der schwedischen Corona-Strategie zitiert wird:

Als Elgh Anfang März 2020 öffentlich schärfere Maßnahmen anmahnte, wurde er vom Generaldirektor der Gesundheitsbehörde, Johan Carlson, scharf attackiert. Carlson spottete öffentlich, Elgh benehme sich wie ein Sami (ein Angehöriger des indigenen Volkes im Norden Schwedens), „der die Zukunft aus Fischgedärmen liest“. Diese herablassende Reaktion der Behördenleitung sollte Kritiker diskreditieren und das Vertrauen in Tegnells Kurs schützen.

Fredrik Elgh schloss sich in der Folge der Gruppe aus 22 hochrangigen Wissenschaftlern an (darunter Björn Olsen), die die Strategie der Folkhälsomyndigheten unermüdlich angriffen. Das kommt noch in einem der späteren Kapitel. Das kam bei den Schweden nicht gut an und er erhielt hunderte Hassnachrichten und Morddrohungen. Er wurde auf der Straße als „Landsverräter“ beschimpft, weil er das schwedische Dogma der Freiwilligkeit infrage stellte.

“Am selben Tag hielt das Schwedische Gesundheitsamt eine Pressekonferenz in Stockholm ab. Generaldirektor Johan Carlson skizzierte ein „schlimmster denkbares Szenario“, bei dem 15.000 Schweden erkranken würden. Die Zahlen basierten auf einer Analyse der Zahl der Krankenhausaufnahmen in China. In der Provinz Hubei (Wuhan ist die Hauptstadt) waren zwischen 1 und 1,5 Menschen pro 1.000 Einwohner betroffen. Auf schwedische Zahlen umgerechnet bedeutete dies, dass zwischen 10.000 und 15.000 Schweden möglicherweise medizinische Versorgung benötigen würden. „Worst-Case-Szenario“, in dem 15.000 Schweden erkrankten. Die Zahlen basierten auf einer Analyse der Zahl der Krankenhausaufenthalte in China. In der Provinz Hubei (deren Hauptstadt Wuhan ist) waren zwischen 1 und 1,5 Menschen pro 1.000 Einwohner betroffen. Auf schwedische Verhältnisse übertragen bedeutete dies, dass zwischen 10.000 und 15.000 Schweden möglicherweise medizinische Versorgung benötigen würden. Carlson sagte außerdem, es gebe viele Anzeichen dafür, dass Schweden besser davonkommen würde als die Provinz Hubei. Zu den Vorteilen des Landes zählte unter anderem die geringere Bevölkerungsdichte. Dadurch sei es wahrscheinlicher, dass ein etwaiger Ausbruch Carlson sagte außerdem, es gebe viele Anzeichen dafür, dass Schweden besser davonkommen würde als die Provinz Hubei. Zu den Vorteilen des Landes zählte unter anderem die geringere Bevölkerungsdichte. Dadurch sei es wahrscheinlicher, dass ein etwaiger Ausbruch kleiner ausfallen und auf ein geografisches Gebiet beschränkt bleiben würde.” (S. 43f)

Die Pressekonferenz gibt es noch online.

Studien zeigen, dass Schweden im gesamten europäischen Vergleich (trotz der hohen Todeszahlen in der ersten Welle 2020) über den gesamten Zeitraum 2020–2021 eine der niedrigsten kumulierten Übersterblichkeitsraten in Europa aufwies. Dies belegt, dass ein Teil der frühen Todesfälle eine sogenannte „Mörtalitätsverschiebung“ (Mortality Displacement) war – d.h., das Virus traf 2020 vor allem sehr fragile, ältere Menschen in Pflegeheimen, was zu weniger Sterbefällen in den Folgejahren führte. Während Schweden die Übersterblichkeit massiv in der ersten Welle 2020 konzentrierte (60 % aller schwedischen Exzess-Todesfälle), stieg die Übersterblichkeit in den Nachbarländern Dänemark, Norwegen und Finnland erst in den Jahren 2021 und 2022 deutlich an. iDie Übersterblichkeit in Schweden war fast ausschließlich auf Menschen über 70 Jahre (und insbesondere über 85 Jahre) beschränkt. Bei jüngeren Altersgruppen gab es statistisch keine signifikante Erhöhung der Sterbezahlen im Vergleich zu den Jahren 2015–2019.

“Gleichzeitig ging die dänische Gesundheitsbehörde davon aus, dass sich in Dänemark mehr als eine halbe Million Dänen infizieren könnten. In Norwegen lagen die Zahlen der norwegischen Gesundheitsbehörde sogar noch höher. Was wie große Unterschiede zwischen den Prognosen aussah, wurde nun auch von den Medien aufgegriffen. Die politische Kommentatorin von „Dagens Nyheter“, Ewa Stenberg, bezeichnete die Informationslage in Schweden als „verwirrend“.

„Die Gesundheitsbehörde geht von einem Worst-Case-Szenario aus, bei dem sich einer von tausend Einwohnern infiziert. Dänemark stützt seine Berechnungen jedoch auf 10 bis 15 Prozent und Norwegen auf 25 Prozent der Bevölkerung, die sich potenziell infizieren könnten.“

Der Vergleich beruhte jedoch auf einem Missverständnis – das sich aus der von der schwedischen Gesundheitsbehörde gewählten Berechnungsmethode ergab. Während die Schweden die Zahl der Menschen prognostizierten, die „erkranken“ und somit irgendeine Form der Versorgung benötigen, gingen die dänischen und norwegischen Prognostiker von der Zahl der „Infektionen“ aus.“ (S. 44)

Weil die schwedische Gesundheitsbehörde logischer Weise nur die Zahl der voraussichtlich Behandlungsbedürftigen nannte, weil Menschen, die keine Behandlung brauchen alleine klar kommen und kein Problem darstellen, dachten die Presse und die schwedische Öffentlichkeit, die Behörde erwarte für das gesamte Land lediglich 15.000 Corona-Fälle.

Kritiker wie Björn Olsen oder Fredrik Elgh sahen sich durch diesen scheinbar eklatanten Unterschied in den Zahlen bestätigt. Es feuerte den Verdacht an, das schwedische Triumvirat sei naiv und unterschätze die Bedrohung im Vergleich zu den dänischen und norwegischen Behörden dramatisch.

Genau diese Begriffsverwirrung war auch in Deutschland (und weltweit) einer der größten Treiber für hitzige Debatten, Missverständnisse und politische Fehlentscheidungen im Jahr 2020.

Die Gleichsetzung von CFR (case fatality rate) und IFR (infection fatality rate) führte zu massiver Verwirrung, weil der Unterschied mathematisch gewaltig ist.

CFR (case fatality rate) Anteil der Todesfälle an den offiziell bestätigten (durch Tests erfassten) Covid-Fällen.

IFR (infection fatality rate) Anteil der Todesfälle an allen tatsächlich Infizierten (inklusive aller unentdeckten, symptomfreien Fälle).

In Deutschland ließ sich diese definitionsgemäße Spaltung perfekt an zwei Lagern festmachen, die medial aufeinanderprallten:

  • Das Robert Koch-Institut (RKI) und Virologen wie Christian Drosten meldeten nur die CFR, also wie viele Menschen nach einem positiven Test (im Krankenhaus) verstorben waren. Die CFR war natürlich hoch, weil die Menschen, die gar nichts bemerkten, in dieser Metrik nicht erfasst wurden. Als das Virus die älteren Bevölkerungsgruppen und Altenheime erreichte und gleichzeitig die Testkapazitäten extrem überlastet waren (wodurch milde Fälle gar nicht erfasst wurden), schoss die CFR drastisch in die Höhe. Zu diesem Zeitpunkt meldete das RKI eine CFR von ca. 4,5 % bis 4,7%.

  • Die Heinsberg-Studie war schon deutlich realistischer und hat sich langfristig als korrekt erwiesen. Im April 2020 ergab die „Heinsberg-Studie“ nach einer systematischen Messung auf Antikörper eine IFR von ca. 0,37 %.

Oder, um es einfacher auszudrücken:

Weil nur ein kleiner Teil der Infektionen durch Tests erfasst wurde, lag die Dunkelziffer extrem hoch. Da die Gesamtzahl der Infizierten viel höher war als gedacht, war der Anteil der Todesfälle im Vergleich dazu viel geringer. Damit war COVID-19 weit weniger gefährlich, als von Behörden dargestellt, und im Grunde mit einer schweren Grippewelle vergleichbar.

Die Schweden haben, basieren auf IFR und der Konzentration auf die für das Gesundheitssystem relevanten Daten seriös informiert. Der Rest der Welt hat um den Faktor 10 aufgebauscht, um Panik zu verbreiten, obwohl man intern wusste, dass die Immunität bereits viel höher war.

Oder, um es mit den Worten des RKI vom 22.04.2020 auszudrücken: “§22 Abs. 5 Dokumentation Immunstatus: BMG Wunsch, auch eventuell in Zusammenhang mit Impfpass, praktische Umsetzung noch zu klären, ziemlich unklar wie dies handhabbar sein soll (Immunitätsdauer, Testprobleme), außerdem Risiko, dass Personen sich auf Antikörper testen und dann nicht impfen lassen wollen”

Nur zur Erinnerung: Die Studien Phase I begannen im Mai 2020.

“Nach dem Gastbeitrag von Fredrik Elgh am 2. März begann sich die Mikrobiologen-Diaspora zu mobilisieren. Sie richteten einen langen E-Mail-Thread ein, der immer weiter wuchs. Darin kritisierten sie die mangelnde Kompetenz der Gesundheitsbehörde.

Viele Teilnehmer des E-Mail-Threads waren auf Molekularforschung spezialisiert, doch schon bald hatte sich die Gruppe erweitert und umfasste nun auch Mathematiker und andere Epidemiologen.” (S. 47)

Was als digitaler Hilferuf unter Labor-Molekularbiologen begann, entwickelte sich zu einem großen E-Mail-Verteiler. Aus diesem informellen, frustrierten Netzwerk ging wenig später die berühmte „Gruppe der 22“ hervor. Sie bündelte akademische Disziplinen – von der Genetik über die Virologie bis hin zur Datenwissenschaft –, die in der schwedischen Gesundheitsbehörde (Folkhälsomyndigheten) zu diesem Zeitpunkt kaum oder gar nicht repräsentiert waren.

Einer der Epidemiologen war Joacim Rocklov, ein akademisches Wunderkind und aufstrebendes Talent an der Universität Umeå. Er befasste sich hauptsächlich mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit.

Während die schwedische Regierungsbehörde auf die Prognosen von Tom Britton vertraute, der eine rasche Herdenimmunität voraussagte, lieferte Rocklöv den Kritikern das mathematische Fundament. Seine Berechnungen zeigten frühzeitig, dass der schwedische Kurs ohne drastische Verhaltensänderungen und Kontaktnachverfolgungen die Intensivstationen (ICUs) heillos überlasten würde. Er wurde zu einem der schärfsten mathematischen Kritiker Tegnells.

Doch der bekannteste Name war zweifellos Bjorn Olsen. Mit jedem alarmierenden Bericht aus China verkaufte sich sein Buch über die Pandemie nun in immer größeren Auflagen. Sein Verlag musste zusätzliche Druckauflagen in Auftrag geben. Er war ständig im Fernsehen zu sehen.

Wieder einmal folgte sein Prominentenstatus dem Verlauf einer Infektionskrankheit.” (S. 47)

Olsen hatte bereits Jahre vor Corona Sachbücher über die unweigerlich drohende Gefahr globaler Pandemien durch Zoonosen geschrieben.

Im April 2020 berichtete die schwedische Zeitung Aftonbladet in einem großen Porträt, dass das Buch zehn Jahre lang ein kommerzieller Misserfolg war, durch COVID-19 jedoch über Nacht zum hochaktuellen Bestseller avancierte und neu aufgelegt werden musste.

Mit dem realen Ausbruch der Krise im März 2020 wurden seine düsteren Prophezeiungen über Nacht zur Realität. Er mutierte in Talkshows und Nachrichtensendungen zum gefragten Dauergast.

Diese enorme mediale Reichweite nutzte er geschickt als Hebel, um den moralischen Druck auf das Triumvirat um Carlson, Tegnell und Giesecke maximal zu erhöhen.

ein Schwimmer an Land

“Bis zum 2. März hatte die Behörde ihre Einschätzung erneut aktualisiert, doch das Risiko einer Übertragung innerhalb der Bevölkerung wurde weiterhin als mäßig eingestuft.” (S. 51)

Um den 28. Februar / 1. März 2020 – also exakt zeitgleich zu der im Buch beschriebenen schwedischen Pressekonferenz von Johan Carlson – passte das RKI seine Bewertung an: Die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung wurde von gering auf mäßig hochgestuft.

Der endgültige Bruch mit der abwartenden Haltung erfolgte am 17. März 2020. An diesem Tag änderte das RKI die Risikobewertung offiziell von mäßig auf hoch.

In Schweden agierte das Triumvirat (Carlson, Tegnell, Giesecke) über formelle, wenn auch intern umstrittene behördliche Strukturen. Jede Änderung der Risikostufe war das Resultat einer offiziellen bürokratischen Anordnung, die aufgrund des Öffentlichkeitsprinzips sofort im System registriert und für Journalisten einsehbar war.

In Deutschland hingegen zeigt der Fall des 15. März, dass die wissenschaftliche Unabhängigkeit der Behörde (RKI) und die politische Weichenstellung im Kanzleramt in einer informellen Grauzone am Wochenende verschmolzen – ohne dass die betroffene Bevölkerung im Nachhinein anhand von Akten nachvollziehen kann, wer an diesem Sonntag tatsächlich das finale Signal gab.

“Am Morgen des 6. März schickte Tom Britton seine erste E-Mail an Anders Tegnell. Er ahnte, dass es sich nicht lohnen würde, ihn allzu sehr zu kritisieren. Er wusste, dass diejenigen, die dies getan hatten, nichts erreicht hatten.” (S. 52)

Die Passage legt die psychologische Dynamik im schwedischen Triumvirat offen. Tegnell und Carlson sahen sich als rationale, krisenerprobte Beamte, die das Land vor einer hysterischen Überreaktion (wie einem Lockdown) bewahren mussten.

Jede Kritik von außen wurde von ihnen fast reflexartig als unwissenschaftliche Panikmache eingestuft.

Wer sich gegen die Behörde stellte, wurde aus dem inneren Zirkel verbannt. Britton verstand diese „Wagenburg-Mentalität“ sehr früh und passte seine Tonalität an, um überhaupt Einfluss nehmen zu können.

In Schweden gab es eine monolithische Behörde, die Kritik von außen blockierte. Forscher mussten sich strategisch anpassen (wie Britton) oder bauten eine fundamentale Opposition auf (wie Olsen).

In Deutschland war die Struktur zersplitterter. Das RKI war zwar die offizielle Behörde, aber es bildete sich rasch ein informeller Zirkel aus verschiedenen externen Beratern (wie Christian Drosten, Hendrik Streeck oder der Leopoldina), die in ständigem, oft chaotischem Austausch mit der Politik standen, was wiederum zu den intransparenten Entscheidungsprozessen am Wochenende führte, wie wir sie am Beispiel des 15. März gesehen haben.

Drei Doktoren

“Es war nicht nur die übliche Riege von Mikrobiologen – Björn Olsen, Fredrik Elgh und andere, die der Behörde stets kritisch gegenüberstanden. Es war Tom Britton. Es war die Leitartikelredaktion von „Dagens Nyheter“. Es waren Wissenschaftler an den Universitäten in Umeå und Uppsala. Es waren Ärzte im ganzen Land, die seine Denkweise in Frage stellten, als er medizinischem Personal, das über die Feiertage in Italien gewesen war, riet, wieder an die Arbeit zu gehen. Es war nicht nur die übliche Gruppe von Mikrobiologen – Björn Olsen, Fredrik Elgh und andere, die der Behörde stets kritisch gegenüberstanden. Es war Tom Britton. Es war die Leitartikelseite von „Dagens Nyheter“. Es waren Wissenschaftler an den Universitäten in Umeå und Uppsala. Es waren Ärzte im ganzen Land, die seine Argumentation in Frage stellten, als er medizinischem Personal, das über die Feiertage in Italien gewesen war, riet, wieder an die Arbeit zu gehen.” (S. 54)

Der Konflikt zwischen der Great Barrington Declaration und dem John Snow Memorandum im Oktober 2020 markiert das größte und unversöhnlichste wissenschaftliche Schisma der weltweiten Pandemie-Geschichte. Beide Dokumente wurden im selben Monat im Abstand von nur wenigen Tagen veröffentlicht und bildeten die ideologischen Pole für die globale Corona-Politik.

  • Great Barrington: Das Papier argumentierte, es sei mathematisch und logistisch effizienter, gezielte Ressourcen (FFP2-Masken, PCR-Tests, separate Einkaufszeiten) ausschließlich für Pflegeheime und Senioren bereitzustellen, anstatt das Leben von 90 % der Gesellschaft einzufrieren. Die Autoren vertrauten – genau wie Tom Britton in seinen frühen Modellen in Schweden – auf die klassische epidemiologische Lehre: Infektionen erzeugen eine robuste, langfristige Immunität, die den Ausbruch natürlich stoppt.

  • John Snow: Das Memorandum hielt dies für eine gefährliche Illusion. In einer modernen Gesellschaft leben Generationen eng verzahnt. Wenn das Virus unter Millionen jungen Menschen (Schulen, Universitäten, Gastronomie) unkontrolliert zirkuliert, sickert es unweigerlich über das Pflegepersonal, Angehörige und den Alltag in die vulnerablen Gruppen ein. Die Unterzeichner warnten frühzeitig vor dem Phänomen der Reinfektionen und dem Auftreten neuer Mutationen. Sie argumentierten, dass eine natürliche Herdenimmunität ohne Impfstoff unzählige vermeidbare Todesopfer fordern und zu massiven Langzeitschäden (Long COVID) in der Bevölkerung führen würde

„Der staatliche Epidemiologe sprach weiter. Er war nicht nur nicht bereit, Schulen zu schließen. Er schien es auch für unnötig zu halten, die Schweden dazu aufzufordern, ihr Verhalten wesentlich zu ändern.“ (S. 55)

Die schwedische Kultur baut stark auf dem Vertrauen zwischen Bürger und Staat auf. Tegnell wollte keine Verbote aussprechen, sondern Empfehlungen. Er ging davon aus, dass die Schweden ihr Verhalten von sich aus vernünftig anpassen würden (z. B. durch freiwilliges Homeoffice oder Abstandhalten), ohne dass der Staat drakonische Gesetze erlassen muss.

“Sollten sie ihr Vertrauen in abstrakte mathematische Modelle, Momentaufnahmen aus dem Chaos in Italien und unzuverlässige Sterblichkeitszahlen aus China setzen? Oder in die Zahlen, die zeigen, dass die Ausbreitung des Virus in Schweden gering blieb?” (S. 55)

Während Kritiker wie Björn Olsen und Fredrik Elgh fassungslos zusahen, wie das Virus ohne Verhaltensänderungen der Bürger zirkulierte, vertraute Tegnell auf die mathematischen Modelle (unter anderem von Tom Britton), die besagten, dass eine unaufgeregte, breite Durchseuchung der fitten Bevölkerungsteile der schnellste Weg aus der Krise sei, womit er auch recht behalten sollte.

Fazit Teil 1

Teil 1 mag den Eindruck erwecken, dass das Triumvirat aus Johan Carlson , Anders Tegnell und Johan Giesecke den schwedischen Kurs bestimmten. Dass Fredrik Elgh Hassnachrichten und Morddrohungen aus der Bevölkerung bekam, weil er Schweden genauso runterfahren wollte, wie die anderen westlichen Länder zeigt aber, dass diese Strategie eine breite Basis in der Bevölkerung hatte. Das lag aber nicht allein am Triumvirat, es gab noch andere einflussreiche Stimmen, die sich gegen die im Rest der Welt praktizierten Schwachsinnsmaßnahmen stellten.

Schweden hatte aber ein besondere Ausgangsposition mit seiner sehr mächtigen Gesundheitsbehörde. Es gab aber noch weitere Faktoren, die den Schwedischen Weg begründeten. Andere Lehren, die Schweden bereits einige Jahre zuvor gemacht hatten.

In Teil 1 greife ich beim Kontext teilweise Ereignissen vor, die erst später im Buch erzählt werden. Unterstützt wurde ich dabei von Gemini, die mir viel Kontext besorgt hat.


Unterstützungsmöglichkeiten:

Bücherwunschzettel: https://www.amazon.de/registries/gl/owner-view/30LG3DJ4ET90L?ref_=list_d_gl_lfu_nav

Andere Unterstützungsmöglichkeiten für Holgers und meine Forschung:

1

Strittmatter, K. (2020, August 20). Der Schattenmann, der die Herdenimmunität propagierte. Der Bund. https://www.derbund.ch/der-schattenmann-der-die-herdenimmunitaet-propagierte-553123100096

2

UnHerd. (2020, April 17). Why lockdowns are the wrong policy: Swedish expert Prof. Johan Giesecke [Video]. YouTube.

3

Die Aufarbeitung der Corona-Pandemie in Deutschland tut Not: Der vergleichende Blick nach Schweden ist interessant. Gesundheitswesen. 2024 Dec 5;86(12):751–2. German. doi: 10.1055/a-2436-7441. PMCID: PMC11626908. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11626908/

5

Andersson, S., & Aylott, N. (2020). Sweden and coronavirus: unexceptional exceptionalism. Social Sciences, 9(12), 232. https://doi.org/10.3390/socsci9120232

6

Pashakhanlou AH. Sweden’s coronavirus strategy: The Public Health Agency and the sites of controversy. World Med Health Policy. 2022 Sep;14(3):507-527. doi: 10.1002/wmh3.449. Epub 2021 Jun 3. PMID: 34226854; PMCID: PMC8242624. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8242624/

7

Edvinsson, R. (2022). The political economy of estimating immunity levels. In Sweden’s Pandemic Experiment (pp. 191–211). https://doi.org/10.4324/9781003289364-9 https://api.taylorfrancis.com/content/chapters/oa-edit/download?identifierName=doi&identifierValue=10.4324/9781003289364-9&type=chapterpdf

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Schwedische Medien kritisieren die Coronavirus-Strategie nicht kritisch genug: Professor für Infektionsmedizin | Schwedischer Rundfunk https://www.sverigesradio.se/artikel/7522447

9

SvD. (2020, March 16). Coronaviruset: Vi bör förbereda oss för ett värstascenario. SvD. https://www.svd.se/a/8mkwpE/professor-vi-bor-forbereda-oss-for-ett-varstascenario

10

Brusselaers, N., Steadson, D., Bjorklund, K., Breland, S., Sörensen, J. S., Ewing, A., Bergmann, S., & Steineck, G. (2022). Evaluation of science advice during the COVID-19 pandemic in Sweden. Humanities and Social Sciences Communications, 9(1). https://doi.org/10.1057/s41599-022-01097-5

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Karlsson, M. (2021, February 18). Professor Fredrik Elgh utsatt för hundratals hot under pandemin. SVT Nyheter. https://www.svt.se/nyheter/lokalt/vasterbotten/professor-utsatt-for-hundratals-hot-i-pandemins-spar

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Jakobson, H. (2020, March 3). Folkhälsomyndigheten: 10.000-15.000 kan bli sjuka i värsta fall i Sverige. DN.se. https://www.dn.se/nyheter/sverige/folkhalsomyndigheten-10000-15000-kan-bli-sjuka-i-varsta-fall/

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