Israel weiter Aggression gegen Libanon und Gaza aus, aber die EU schweigt
Es waren Erklärungen, die deutschen Medien keine großen Artikel wert waren. Am 28. Mai hat der Spiegel einen Artikel mit der Überschrift „Anweisung an Streitkräfte – Netanyahu ordnet Einnahme von 70 Prozent des Gazastreifens an“ veröffentlicht, der nur fünf kurze und sachlich formulierte Absätze lang war, dabei war die Meldung ein Skandal.
Als Trump im Oktober seinen „Friedensplan“ für Gaza gefeiert hat, der den Krieg in Gaza beenden sollte, hat Israel etwa 50 Prozent von Gaza kontrolliert. Heute sind es 60 Prozent und Netanjahu hat nun angekündigt, das auf 70 Prozent ausdehnen zu wollen.
Mit anderen Worten: Der Krieg in Gaza geht praktisch ungebremst weiter und Israel setzt weiter auf eine ethnische Säuberung von Gaza oder die Vernichtung der Palästinenser durch Bomben und Hunger. Noch deutlicher ausgedrückt bedeutet das, dass dort ein Völkermord stattfindet, den westliche Politiker und Medien freundlichst übersehen.
Einen Tag später veröffentlichte der Spiegel einen Artikel mit der Überschrift „Strategische Stellung im Libanon – Israel nähert sich Kreuzfahrerburg Beaufort erstmals seit einem Vierteljahrhundert“ und berichtete wieder in nur fünf ausgesprochen sachlich formulierten Absätzen, dass die israelische Armee immer größere Teile des (souveränen Staates) Libanon erobert. Dass Israel auch dort eine ethnische Säuberung durchführt, indem es die Menschen aus dem Südlibanon vertreibt oder die, die nicht gehen wollen, wegbombt, verschweigt der Spiegel in dem Artikel hingegen.
Am 31. März hat Netanjahu angeordnet, den Krieg im Libanon sogar noch weiter auszuweiten:
„Ich habe die israelischen Streitkräfte angewiesen, ihre Manöver im Libanon auszuweiten. Unsere Truppen haben den Litani-Fluss überquert und den Beaufort-Rücken eingenommen. Nun lautet mein Befehl, unsere Kontrolle über die ehemals von der Hisbollah kontrollierten Gebiete zu vertiefen und auszuweiten.“
Die zynische Doppelmoral der EU
Israel hat in Gaza über 100.000 Zivilisten abgeschlachtet, im Libanon sind es seit März 2026 nach offiziellen Angaben über 3.000 tote Zivilisten. Auch im Iran haben die USA und Israel in knapp sechs Wochen Krieg über 3.300 Menschen abgeschlachtet. Angesichts dieser Zahlen frage ich mich immer, wie europäische Medien und Politiker in Russlands Vorgehen in der Ukraine, wo es pro Monat kaum zwei Prozent der Opferzahlen gibt, die die Israel und die USA im Nahen Osten monatlich produzieren, einen „brutalen“ Krieg sehen.
Und ich frage mich auch, wo denn die all die europäischen Politiker sind, die im Falle der Ukraine erklären, Grenzen mit Gewalt zu verschieben, das gehe gar nicht und müssen daher hart sanktioniert werden und die Ukraine müsse daher unterstützt werden, koste es, was es wolle, und wenn die EU dabei wirtschaftlich vor die Hunde geht.
Wo sind denn all diese europäischen Politiker, wenn Netanjahu ganz offen ethnische Säuberungen ankündigt und vornimmt, einen Völkermord veranstaltet und seinen Kriegen mehr als zwanzig Mal so viele Menschen pro Monat zum Oper fallen, wie dem Krieg in der Ukraine? Wo sind die europäischen Sanktionen? Wo ist die Solidarität der EU mit den Opfern von Netanjahus nun wirklich nicht bestreitbaren Kriegsverbrechen?
Wen kann es da wundern, wenn die EU mit ihrer zynischen Doppelmoral im globalen Süden und Osten immer mehr Verachtung hervorruft?
Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.
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