Irankrieg oder Ukraine-Krieg, wer ist Schuld an den steigenden Benzinpreisen?
In den USA sind die Benzinpreise ein sehr wichtiges Thema und US-Präsident Trump hat die Wahlen vor zwei Jahren unter anderem deshalb gewonnen, weil er Biden für die damaligen Rekordpreise an den amerikanischen Tankstellen verantwortlich gemacht und eine Senkung der Preise in den USA versprochen hat. Allerdings sind die Benzinpreise in den USA infolge der Kriege im Iran und in der Ukraine heute aber noch höher als vor zwei Jahren unter Biden und natürlich machen die Medien dafür den Irankrieg und die Schließung der Straße von Hormus verantwortlich.
Da in den USA im November Zwischenwahlen anstehen, hat Trump ein handfestes Problem. Nach allen Umfragen werden seine Republikaner die Wahlen verlieren, also werden seine Maßnahmen immer verzweifelter.
Seine neueste Idee war, dass er am Montag auf TruthSocial geschrieben hat, Selensky müsse „aufhören, den Dieselkraftstoff in Russland lahmzulegen“. Selensky könne „andere Ziele“ angreifen, aber keine Raffinerien zur Herstellung von Diesel, „weil er eine Dieselknappheit verursacht“.
Angeblich, so Trump, habe er Russland und die Ukraine dazu bringen können, die Angriffe auf die Energieinfrastruktur des jeweils anderen einzustellen. Aus Russland gab es dazu bisher keine offizielle Bestätigung und russische Experten sind aufgrund der Erfahrungen mit den Absprachen, die Russland in den letzten 12 Jahren mit Kiew getroffen hat, ohnehin skeptisch, ob Kiew sich an so einen „Energiewaffenstillstand“ halten würde.
Darum soll es hier aber nicht gehen, sondern weil deutsche Medien das Thema meiden, will ich hier der Frage nachgehen, ob die ukrainischen Angriffe auf Raffinerien in Russland tatsächlich den weltweiten Dieselpreis in die Höhe getrieben haben.
Russland war weltweit der zweitgrößte Dieselexporteur
Seit vielen Monaten beschießt die Ukraine Raffinerien in Russland und deutsche Medien freuen sich über die daraus folgende Benzinknappheit in Russland. Generell stellen deutsche Medien diese ukrainischen Angriffe tief ins russische Hinterland als großen Erfolg und als Wende im Krieg dar, obwohl die Angriffe auf den Krieg selbst und auf die Lage an der Front keinen Einfluss haben.
Dafür beeinflussen sie, was deutsche Medien jedoch verschweigen, die weltweiten Märkte für Diesel und damit den Dieselpreis, denn Russland war vor den ukrainischen Bombardements auf russische Raffinerien nach den USA der weltweit zweitgrößte Exporteur von Dieselkraftstoff. Wegen der ukrainischen Bombardements hat Russland den Export von Diesel und Benzin vor einigen Monaten eingestellt, was natürlich Auswirkungen auf die weltweiten Dieselpreise haben musste. Und genau die erleben wir nun.
In Kalifornien kostet Diesel inzwischen acht US-Dollar pro Gallone, also umgerechnet etwa 1,80 Euro pro Liter. Für die USA, wo die Preise für Benzin und Diesel traditionell sehr niedrig sind, sind das geradezu apokalyptische Preise. Und obwohl die Ölförderung in den USA auf Rekordniveau liegt und die meisten Raffinerien voll ausgelastet sind, sind die inländischen Vorräte an Ölprodukten, einschließlich Dieselkraftstoff, auf dem niedrigsten Stand der letzten 25 Jahre für diese Jahreszeit, weshalb ein baldiger Preisrückgang kaum zu erwarten ist.
Dass Trump von Selensky nun ein Ende der ukrainischen Angriffe auf russische Raffinerien fordert, ist daher vor allem innenpolitisch begründet, denn die Amerikaner geben Trumps Irankrieg die Schuld an der Preisexplosion. Davon will Trump natürlich ablenken, also zeigt er mit dem Finger auf Selensky.
Allerdings hat Trump trotzdem nicht Unrecht, denn die auf dem Weltmarkt fehlenden Mengen an Dieselkraftstoff aus Russland haben spürbaren Einfluss auf die Preise, die ja auch in Europa immer neue Rekorde brechen. In Frankreich ist der Preis für einen Liter Diesel auf 2,30 Euro gestiegen und im EU-Durchschnitt kostet Super-Benzin nach Angaben des Preisbulletins der EU-Kommission 1,91 Euro pro Liter, während Dieselkraftstoff an Tankstellen in der EU für durchschnittlich 2,01 Euro verkauft wird.
Spritpreise in Deutschland bald bei 3 Euro?
In Deutschland sind die Preise traditionell viel höher, aber das muss ich Ihnen, liebe Leser, die Sie in Deutschland leben, natürlich nicht extra erklären. Und gerade erst hat der deutsche Tankstellenverband mitgeteilt, er erwarte einen Anstieg der Spritpreise auf drei Euro.
In Deutschland ist die Lage übrigens sehr interessant, denn während Deutschland die Raffineriekapazitäten hat, sich beim Benzin weitgehend selbst versorgen zu können, wenn genug Öl vorhanden ist, muss Deutschland Diesel und Kerosin importieren, weil es selbst nur etwa 70 Prozent des Bedarfs an Diesel und nur knapp die Hälfte des Bedarfs an Kerosin produzieren kann.
Das bedeutet, dass Deutschland, auch wenn es wegen der Russland-Sanktionen offiziell keinen Diesel aus Russland mehr kauft, trotzdem von den Folgen der ukrainischen Angriffe auf die russischen Raffinerien betroffen ist, denn es muss seinen Bedarf an Diesel teilweise auf dem internationalen Markt decken., wo die Preise – auch wegen des fehlenden Dieselkraftstoffs aus Russland – steigen.
Die Rolle der EU und ihrer Mitgliedsstaaten
Man darf nicht vergessen, wie wichtig, ja sogar unersetzlich Diesel ist. LKW, die für die Versorgung der Bevölkerung mit allem – von Lebensmitteln bis zu Luxuswaren – unerlässlich sind, fahren mit Diesel. Schiffe werden oft mit Diesel angetrieben. Lokomotiven werden in Ländern, deren Bahnstrecken nicht elektrifiziert sind, mit Diesel angetrieben. Und so weiter. Explodierende Dieselpreise erhöhen sofort die Transportkosten und damit die Preise von allen Waren, ohne Ausnahme.
Daher ist es wenig überraschend, dass deutsche Medien es vermeiden, auf den Zusammenhang zwischen den hohen Spritpreisen und dem ukrainischen Beschuss russischer Raffinerien hinzuweisen, schließlich soll die öffentliche Unterstützung für den Krieg, den die EU in der Ukraine gegen Russland führt, in Deutschland ja nicht sinken.
Da die Drohnen, die nun Raffinerien und andere Ziele tief im russischen Hinterland treffen, von den Staaten der EU bezahlt und inzwischen auch in der EU produziert werden, ist es de facto die EU, die Russland beschießt – und die damit auch einen Großteil der Schuld an den explodierenden Dieselpreisen trägt.
Aber um Russland zu schaden, ist der EU bekanntlich jedes Mittel recht, auch wenn es ihr selbst nicht weniger schadet als Russland.
Wie der Spiegel das für Propaganda nutzt
Der Spiegel hat heute einen Artikel mit der Überschrift „Frust an der Zapfsäule – Der Spritpreis steigt und steigt – womit Autofahrer rechnen müssen“ veröffentlicht, der übrigens ursprünglich die Überschrift „Spritpreise – Experten erwarten noch monatelang hohe Kosten für Benzin und Diesel“ trug. Aber das war der Spiegel-Redaktion wohl zu pessimistisch, weshalb dann eine sachlich klingendere Überschrift gewählt wurde.
In dem Artikel erklärt der Spiegel die Gründe für die Preisexplosion und dabei liegt der Schwerpunkt natürlich auf Trumps Irankrieg, der Sperrung der Straße von Hormus und den Angriffen des Iran und der Huthis auf die alternativen Exportrouten Saudi-Arabiens über das Rote Meer.
Aber immerhin erwähnt der Spiegel das Problem mit den Raffinerien, aber dabei spielt der Spiegel den Effekt der ukrainischen Angriffe auf russische Raffinerien herunter und weckt auch Verständnis dafür, was beim Spiegel so klingt:
„In den vergangenen Wochen und Monaten haben sich die Marktpreise dieser Kraftstoffe nochmals abgekoppelt vom ohnehin schon hohen Ölpreis. Das hat mehrere Gründe. Im Zuge des Irankriegs wurden auch Raffinerien in Ländern wie Saudi-Arabien, Bahrain oder Kuwait beschädigt. Parallel zerstört die Ukraine seit Monaten weitere Produktionskapazitäten in Russland, zum Beispiel für Diesel. »Die Ukraine versucht damit, den Krieg in die russischen Haushalte zu bringen«, erklärt Analyst Hettler.“
Die zum Verständnis nicht unwichtige Tatsache, dass Russland noch vor wenigen Monaten weltweit Dieselexporteur Nummer 2 war und dass die ukrainischen Angriffe dazu geführt haben, dass Russland den Export von Diesel, Benzin und Kerosin eingestellt hat, verschweigt der Spiegel seinen Lesern lieber.
Danach erklärt der Spiegel in mehreren Absätzen noch einmal, dass es „entscheidend wäre, dass die USA und Iran eine stabile Lösung für die Straße von Hormus finden“ und stellt das Raffinerie-Problem als nebensächlich dar:
„Wäre dort wieder stabil mehr Schiffsverkehr möglich, würde sich auch die Situation an der Meerenge Bab al-Mandab entspannen. Die knappen Raffineriekapazitäten fielen dann ebenfalls weniger ins Gewicht, glaubt Hettler.“
Lustig wird es dann am Ende des Artikels, als der Spiegel die Situation einmal mehr als „Argument“ für die Klima-Religion benutzt und schreibt:
„Um immuner gegen Ölpreisschocks zu werden, bräuchte Deutschland vor allem einen niedrigeren Spritverbrauch, sprich: weniger Verbrennungsmotoren, stattdessen mehr Elektroautos und andere Formen der Mobilität. Tatsächlich wurden zuletzt, im August, 75 Prozent mehr E-Autos neu zugelassen als im Vorjahresmonat, meldet das Kraftfahrt-Bundesamt; reine E-Autos erreichten einen Marktanteil von gut 32 Prozent.“
Dass E-Autos das Problem nicht lösen, dürfte inzwischen auch jeder Laie begriffen haben, denn für E-Autos braucht es viel mehr Strom, aber in Deutschland ist die Stromproduktion bekanntlich rückläufig, weil Deutschland die AKW abgeschaltet und unbrauchbar gemacht hat und die Kohlekraftwerke ebenfalls abschaltet.
Wo soll denn der Strom für all die E-Autos herkommen? Und vor allem, wer soll ihn bezahlen, da ja auch die Strompreise explodieren? Und da ist kein Ende abzusehen, im Gegenteil, denn die EU will den Import von billigem russischen Pipeline-Gas komplett verbieten, was in Europa erstens in jedem Fall zu weiter steigenden Gaspreisen führen wird und zweitens möglicherweise sogar schon in diesem Winter zu einer Gasknappheit führen dürfte, wie der Spiegel gerade erst selbst zugegeben hat.
Aber daran erinnert er seine Leser in dem Artikel über die explodierenden Spritpreise lieber nicht, denn sonst würden sogar Spiegel-Leser merken, dass die Narrative der Klima-Religion eine unrealistische Fantasie sind.
Die Lage in Russland
Angesichts der Berichte über die Benzinknappheit in Russland will ich auch darüber kurz berichten. Ich habe viele Jahre lang kein Auto gehabt, brauchte nun aber wieder eines und habe mir Anfang Mai ein Auto gekauft und bin damit bisher knapp 14.000 Kilometer gefahren. Die Benzinkrise in Russland begann Ende Mai, sodass ich sie ausgiebig „genießen“ konnte und kann.
Ich war mit dem Auto in weiten Teilen des europäischen Teils Russlands – bis fast an die Küste des Schwarzen Meeres – unterwegs und kann die Lage daher gut einschätzen.
Und es gibt tatsächlich überall Probleme. Mal sind Tankstellen leer, wobei Diesel praktisch überall verfügbar ist, aber Benzin ist oft ein Problem. Manchmal haben Tankstellen zwar Benzin, geben aber nur 20, 30 oder 50 Liter pro Fahrzeug ab. Und manchmal haben Tankstellen alles und verkaufen ohne Begrenzung. Das schwankt, eine Tankstelle, die heute Benzin hat, kann morgen leer sein und umgekehrt.
Und es schwankt auch regional. In meiner Wahlheimat St. Petersburg beispielsweise gab es vor zwei Wochen praktisch keine Probleme, aber vor einer Woche wurde Benzin plötzlich Mangelware und ein Großteil der Tankstellen hat nur noch Diesel, was zu Warteschlangen an Tankstellen mit Benzin von hunderten Metern Länge führt.
Trotzdem ist meine Erfahrung, dass man Benzin immer bekommen kann. Ich habe erst ein Mal tatsächlich in einer Schlange gestanden, das war vor einem Monat in Moskau, als ich eine Stunde warten musste, bis ich zur Zapfsäule gekommen bin. Derzeit bin ich wieder in Moskau und obwohl es von Petersburg nach Moskau 700 Kilometer sind, ist mein Tank voll, weil fast alle Tankstellen auf der Strecke Benzin haben.
Mit anderen Worten: Ja, es gibt in Russland Probleme mit der Benzinversorgung, aber man kann Benzin bekommen. Und es gibt einen recht einfachen Trick, mit dem es mir bisher gelungen ist, Warteschlangen zu vermeiden.
Man muss einfach öfter tanken, dann ist es kein Problem, wenn einige Tankstellen leer sind oder sich vor einigen lange Schlangen bilden. Ich tanke derzeit bereits nach, wenn der Tank noch zu 3/4 voll ist, weshalb ich genug Reserve habe, um an leeren Tankstellen oder an langen Schlangen vorbeizufahren, bis sich eine Tankstelle findet, bei der es keine Probleme gibt.
Ein wichtiger Unterschied zu Europa ist übrigens, dass die Benzinpreise in Russland trotz der Knappheit kaum gestiegen sind. Die russische Regierung geht gegen Krisengewinnler vor, die den Mangel nutzen, um ihre Margen zu erhöhen. Da der Ölpreis im Inland nicht gestiegen und Benzin in der Produktion daher nicht teurer geworden ist, kaufen die Tankstellenbetreiber es immer noch zum gleichen Preis ein, und dürfen ihre Preise daher auch nicht erhöhen. Behörden kontrollieren, dass die Betreiber die Lage nicht ausnutzen, um ihre Marge pro Liter zu erhöhen.
Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.
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