Invasion der Farben

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Als Maler die Normandie eroberten – Neben Claude Monet war auch ein Ostpreuße an dem künstlerischen Einmarsch beteiligt

paz.de📅 26.05.2026

Die Küste der Normandie war auch für deutsche Künstler ein Inspirationsort. Der aus dem ostpreußischen Tapiau stammende Maler Lovis Corinth ließ sich dort vom Leben der Fischer einnehmen. Und Otto Freundlich aus der Pommernstadt Stolp initiierte das Projekt „Straße des Friedens“, deren Skulpturenweg von der Normandie bis Moskau reichen sollte.

Wirklich bekannt aber wurde die Normandie als künstlerisches Sujet durch das Schaffen der Impressionisten. Vor allem dem Künstler Claude Monet (1840–1926) sind zahlreiche dort entstandene Gemälde zu verdanken. Das Frankfurter Städel-Museum hat sich nun des dortigen Schaffens von Monet und dessen Umfeld in einer großen Ausstellung mit 170 Exponaten angenommen.

Dabei steht ein Küstenort im Fokus, der im 19. Jahrhundert zahlreiche Künstler anzog: Étretat mit seinen ausdrucksstarken Felsformationen. Maler wie Gustave Courbet oder Henri Matisse und Schriftsteller wie Guy de Maupassant besuchten den Ort und fanden dort vielfältige Anregungen. Monet, der in der Normandie seine Kindheit verbracht hatte, besuchte zwischen 1864 und 1886 mehrfach Étretat und andere nahe gelegene Küstenorte, um dort zahlreiche Landschaftsgemälde zu erstellen. Dabei experimentierte er mit unterschiedlichsten Licht- und Wetterbedingungen. So zeigt das Gemälde „Stürmisches Meer bei Étretat“ von 1883 zwei Fischer neben ihren am Strand liegenden Booten, die aufgrund der aufgewühlten See an Land bleiben müssen. Die dynamische, wilde Pinselführung, mit der Monet die kreisförmigen Meereswellen auf die Leinwand bannt, erinnert an die expressive Technik seines Zeitgenossen Vincent van Gogh. Wie viel traditioneller oder mit feinerem Strich präsentieren sich im Vergleich die Werke Gustave Courbets oder der „Felsen im Meer an der Küste der Normandie“ (1836) von Johann Wilhelm Schirmer, einem Vertreter der klassizistisch geprägten Düsseldorfer Schule. Ganz anderes wiederum erscheinen die fast comichaft und ins Abstrakte vorgreifenden Küsten-Aquarelle Eugène Isabeys.

Durch das künstlerische Interesse wurde auch die Wandlung des Ortes festgehalten, die ein Beispiel für das Aufkommen des modernen Tourismus darstellt. Vom abgelegenen Fischerdorf ohne Straßen und Hafen wandelt sich der Ort schrittweise ab den 1820er Jahren zum Künstlerort und aufgrund der dadurch erzeugten Öffentlichkeit schließlich zu einem beliebten Badeort. Frühe Fotografen dokumentierten dabei die baulichen Veränderungen hin zu größeren und mondäneren Straßenzügen, die mit der massentouristischen Entwicklung im Gleichklang marschierten und die kleinen Fischerhäuser verdrängten.

 „Monets Küste. Die Entdeckung von Étretat“ bis 5. Juli im Frankfurter Städel-Museum, Schaumainkai 63, geöffnet täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr, Eintritt: 19 Euro.
www.staedelmuseum.de

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