In Kiew ist ein Krieg zwischen ukrainischen Geheimdiensten ausgebrochen

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In der Nacht auf Mittwoch fand in der ukrainischen Hauptstadt auf offener Straße eine Schießerei statt, bei der, wie sic...

anti-spiegel.ru📅 02.09.2026
Schießereien auf offener Straße

In Kiew ist ein Krieg zwischen ukrainischen Geheimdiensten ausgebrochen

In der Nacht auf Mittwoch gab es in Kiew eine Schießerei zwischen dem Militärgeheimdienst GUR und dem Geheimdienst SBU, bei der drei GUR-Mitarbeiter verletzt wurden. Offenbar wird der Machtkampf in Kiew immer brutaler.

In der Nacht auf Mittwoch fand in der ukrainischen Hauptstadt auf offener Straße eine Schießerei statt, bei der, wie sich herausstellte, Mitarbeiter des Militärgeheimdienstes GUR und des Inlandsgeheimdienstes SBU aneinander geraten sind. Im Ergebnis wurde ein GUR-Mitarbeiter erschossen und drei teilweise schwer verletzt. Videos von der Schießerei sind im Netz zu finden.

Am Vormittag hat der SBU dann gemeldet, bei der Schießerei habe es sich um eine Operation gehandelt, die gegen einen Agenten des russischen Geheimdienstes FSB gerichtet war, der in Kiew einen russischen Oppositionellen ermorden wollte. Dabei sei es zu der Schießerei gekommen.

Um zu verstehen, worum es bei der Schießerei tatsächlich ging, über die in Deutschland nicht berichtet wurde, müssen wir uns einige Monate zurückerinnern.

Der Mordanschlag in Monaco

Am 29. Juni wurde in Monaco ein Bombenanschlag auf den ukrainischen Oligarchen Wadim Jermolajew und seine Familie durchgeführt. Jermolajew besitzt in der Ukraine ein ganzes Netz von Callcentern, die auf Telefonbetrug spezialisiert sind und vor allem in Russland arbeiten. Da dabei Russen geschädigt werden und Millionenbeträge in die Ukraine fließen, wird darüber in der Ukraine – und vor allem im Westen – der Mantel des Schweigens gelegt. Das geht so weit, dass es in Politik und Medien in Europa auch keinen Aufschrei gab, als Jermolajews Sohn im Baltikum Callcenter gegründet hat, die in Europa selbst mit Telefonbetrug Geld gemacht haben. Der Sohn wurde im Baltikum nur zu einer Bewährungsstrafe verurteilt und schnell in die Ukraine abgeschoben.

Über die Hintergründe des Bombenanschlags von Monaco wurde viel spekuliert. Jermolajew gilt als Unterstützer und Financier von Selenskys Konkurrent Saluschny, weshalb auch die ukrainische Präsidialverwaltung als möglicher Drahtzieher genannt wird. Aber der Hintergrund könnte auch sein, dass Jermolajew – ganz nach Mafia-Manier – gezwungen werden sollte, seine Gewinne mit Leuten zu teilen, die bisher leer ausgehen.

Aber kommen wir zum besseren Verständnis zur Chronologie der Vorgänge.

Am 29. Juni führte die in Deutschland lebende Ukrainerin Anastasia Beresovskaja den Bombenanschlag in Monaco durch, ist dann zu Fuß nach Frankreich geflohen und mit einem Auto nach Frankfurt gefahren. Nach Angaben der ukrainischen Behörden traf sie am 1. Juli in der Ukraine ein. Am 3. Juli, an dem Tag, als ihre Identität bekannt wurde und Interpol sie zur internationalen Fahndung ausschrieb, wurde sie mit vier Schüssen in den Hinterkopf regelrecht hingerichtet und am 6. Juli wurde ihre Leiche nahe Kiew gefunden. Sofort nach Entdeckung der Leiche hat der SBU zwei Tatverdächtige verhaftet, die beide sofort gestanden haben. Einer ein aktiver Offizier des GUR, in dessen Keller sogar eine Folterkammer gefunden wurde, der zweite ist ein ehemaliger SBU-Offizier.

Mord im Auftrag des GUR

Bei den Gerichtsverhandlungen über die Untersuchungshaft erklärte der Anwalt von einem der Täter, dass die beiden Männer Beresovskaja nicht ermordet, sondern im Auftrag ihrer Vorgesetzten „liquidiert“ hätten, weshalb man hier nicht von Mord sprechen könne. Sein Mandant, so der Anwalt, wolle „einfach nicht dafür ins Gefängnis, dass er seine Pflicht getan hat“.

Im Zuge der Ermittlungen über den Mord an Beresovskaja kam auch ans Licht, dass offensichtlich der ukrainische Militärgeheimdienst GUR den Mordanschlag in Monaco befohlen hat, denn ihre Mörder haben die Kosten der Operation in Höhe 150.000 Dollar getragen und mit Geld- und Krypotüberweisungen bezahlt. Woher sollen sie das Geld gehabt haben, wenn nicht vom GUR? Zumal die beiden keinerlei eigenes Motiv hatten, Jermolajew zu töten und dafür aus eigener Tasche 150.000 Dollar zu bezahlen.

Der Machtkampf in Kiew

Dass der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU diesen Plan aufgedeckt und die Täter verhaftet hat, war ein klares Zeichen für einen Machtkampf innerhalb der ukrainischen Eliten, denn wie sonst lässt es sich erklären, dass die beiden wichtigsten ukrainischen Geheimdienste so offen gegeneinander arbeiten?

Man muss dazu noch wissen, dass der SBU direkt dem Büro von Selensky untersteht, er also quasi Selenskys „privater Geheimdienst“ ist, während der GUR dem Verteidigungsministerium untersteht und nicht immer ganz klar ist, wer hinter ihm steht: Die Armeeführung, der Verteidigungsminister oder gar noch andere Kräfte. Wenn man das weiß, ist es weitaus weniger überraschend, dass es zwischen den ukrainischen Geheimdiensten zu Machtkämpfen kommen kann, denn sie unterstehen unterschiedlichen Kiewer Interessengruppen.

All diese Ereignisse sind zum Monatswechsel Juni/Juli geschehen und nun, einen Monat später, kam es in Kiew auf offener Straße zu der Schießerei zwischen den beiden Geheimdiensten SBU und GUR. Interessant sind dabei die Beteiligten an der Schießerei.

Laut den ersten Meldungen war der Grund für die Schießerei, dass die SBU-Spezialeinheit Alpha den GUR-Mitarbeiter Stepan Kaplunow entführt hatte. Laut ersten Meldungen wurde er in der Nacht von Unbekannten entführt und an einen unbekannten Ort gebracht. GUR-Beamte fanden jedoch schnell heraus, wohin ihr Kollege gebracht worden war, und machten sich auf den Weg, um ihn zu befreien.

Als sie an der Adresse ankamen, trafen sie auf Mitglieder der Spezialeinheit Alpha, die Kaplunow, wie sie sagten, zu „Ermittlungszwecken“ mitgenommen hatten. Zunächst verlief das Gespräch ruhig und sachlich, doch dann eskalierte die Situation plötzlich und die SBU-Beamten eröffneten das Feuer auf Kaplunow und seine Befreier. Dabei wurde Kaplunow wurde getötet und drei GUR-Mitarbeiter wurden verletzt. Da das alles auf Video festgehalten ist, gibt es am Verlauf der Ereignisse keinerlei Zweifel. (Nachtrag: Ich habe mich hier auf die ersten Meldungen berufen, inzwischen ist klar, dass niemand gestrorben ist, und dass drei GUR-Agenten verletzt wurden. Wenn mir solche Fehler unterlaufen, ändere ich meine Artikel hinterher nicht, sondern füge Nachträge mit den Korrekturen ein. Für den Fehler bitte ich um Verzeihung.)

Damit stellt sich die Frage, wer Kaplunow war. Der war sowohl Mitarbeiter des GUR als auch Mitglied des Russischen Freiwilligenkorps, und er war Meldungen zufolge auch in den Mordanschlag auf den ukrainischen Oligarchen Wadim Jermolajew in Monaco verwickelt. Das Russische Freiwilligenkorps ist ein Zusammenschluss neonazistischer Exilrussen, die auf Seiten der Ukraine Krieg gegen Russland führen, siehe beispielsweise hier.

Es liegt also mehr als nur nahe, dass die Schießerei zwischen den Agenten von SBU und GUR mit dem Mordanschlag von Monaco, oder besser gesagt, mit den Hintergründen des Mordanschlages zusammenhängt.

Das plumpe Ablenkungsmanöver

Um den Schaden zu begrenzen, hat der SBU danach eine Pressemeldung herausgegeben, in der es hieß:

„Der SBU hat gemeinsam mit der Hauptnachrichtendirektion des ukrainischen Verteidigungsministeriums einen vom russischen Inlandsgeheimdienst FSB geplanten Terroranschlag auf einen der führenden Köpfe der russischen Oppositionsbewegung verhindert, der anlässlich des ukrainischen Unabhängigkeitstages in die Ukraine gereist war. Die Ermittlungen dauern an.“

Nun darf sich jeder selbst überlegen, welche Version er für glaubwürdiger hält: War die Schießerei das Ergebnis eines Machtkampfes in Kiew, oder war es eine aus dem Ruder gelaufene Anti-Terroroperation gegen einen Attentäter des russischen Geheimdienstes FSB?

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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