Immer mehr Schäden durch ukrainische Drohnenangriffe, Benzinrationierungen auf der Krim

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Westliche Medien haben schon vor Monaten über angebliche Benzinknappheit in Russland und Schlangen vor Tankstellen beric...

anti-spiegel.ru📅 02.06.2026
Wann schlägt Russland zurück?

Immer mehr Schäden durch ukrainische Drohnenangriffe, Benzinrationierungen auf der Krim

Die ukrainischen Drohnenangriffe auf die russische Ölindustrie gegen Russland zeigen Wirkung. Auf der Krim wurde der Verkauf von Benzin weitgehend eingestellt, Russland hat nach dem Export von Benzin auch den Export von Kerosin verboten. Immer mehr in Russland fragen sich, wann und wie schlägt Russland zurück?

Westliche Medien haben schon vor Monaten über angebliche Benzinknappheit in Russland und Schlangen vor Tankstellen berichtet. Damals waren das Fakes. Heute ist es, zumindest auf der Krim, anders, denn die ukrainischen Angriffe zeigen Wirkung. Nach dem Export von Benzin hat Russland am Montag auch den Export von Kerosin verboten, um die Versorgung des Inlandsmarktes zu sichern. Auf der Krim haben die ukrainischen Angriffe auf die Logistik dazu geführt, dass der Verkauf an Benzin praktisch verboten wurde, weshalb die Menschen auf öffentliche Verkehrsmittel und Fahrräder umsteigen.

In Russland, wo die Regierung alles tut, damit die Bevölkerung im Alltag vom Krieg so wenig wie möglich merkt, wird die Frage immer lauter, wann Russland endlich die Samthandschuhe auszieht und nicht nur härter gegen die Ukraine, sondern auch gegen die sie unterstützenden Ländern vorgeht, denn die steigende Anzahl Drohnen, mit denen die Ukraine Russland angreift, wird in Europa produziert und von europäischen Staaten bezahlt.

Der Krieg spielt im Alltag bisher keine Rolle

In Russland hat man vom Krieg im Alltag bisher nicht viel mitbekommen. Die europäischen Sanktionen haben kaum eine Wirkung gehabt, das Warenangebot ist wie immer, die ab 2022 zeitweise hohe Inflation wurde durch noch höhere Steigerungen der Löhne mehr als kompensiert, sodass die Realeinkommen in Russland sogar gestiegen sind. und so weiter.

Lediglich regional, beispielsweise in an die Ukraine angrenzenden Regionen wie Rostov oder Belgorod, war der Krieg zu spüren, weil die Ukraine die Gebiete immer wieder massiv angegriffen hat. Auch auf der Krim gab es immer wieder Drohnenangriffe. Die früher nur vereinzelten Drohnenangriffe auf andere Städte, wie auch Moskau, wurden im Großen und Ganzen schulterzuckend zur Kenntnis genommen. Wer nicht gerade Verwandte oder Freunde an der Front hatte, der hat vom Krieg eigentlich nichts bemerkt.

Die russische Regierung tat und tut alles, damit die Menschen den Krieg im Alltag nicht spüren. Sozialleistungen wurden angehoben, der Krieg rückte mit der Zeit auch in den Titelgeschichten der Medien in die zweite Reihe.

Seit einigen Monaten haben die Drohnenangriffe auf das russische Hinterland jedoch stark zugenommen. Auch wenn die russischen Medien den Ball bei dem Thema bewusst flach halten und über viele der Angriffe nicht einmal berichten, sind es inzwischen so viele Angriffe und auch Zerstörungen vor allem an der russischen Ölindustrie, dass die Menschen in Russland unruhiger werden.

Wenn beispielsweise in Petersburg, wo ich lebe, wochenlang jede Nacht Drohnenalarm galt und man in Regionalmedien auch von Treffern an Raffinerien hörte, so wurde darüber in landesweiten Nachrichten oft kaum berichtet. Gleiches habe ich vor einiger Zeit bei einer Reise in Zentralrussland erlebt, wo quasi vor meinen Augen eine Raffinerie getroffen wurde, darüber überregional aber nicht berichtet wurde.

Benzinknappheit auf der Krim

Die Krim wird über zwei Routen mit Benzin, Lebensmitteln und anderen Waren versorgt. Da ist zum einen die neu gebaute Krimbrücke, zum anderen die Straßenverbindung aus dem russischen Kernland durch Russlands neue Gebiete an Mariupol vorbei auf die Krim. Die Zerstörung der Krimbrücke ist seit ihrem Bau ein erklärtes Ziel der Ukraine und bekanntlich wurde sie seit 2022 schon mehrmals angegriffen und beschädigt.

Ich habe erst gestern über die aktuelle Spiegel-Titelstory geschrieben, in der der Autor sich über die ukrainischen Angriffe auf zivile Ziele in Russland gefreut hat, denn er schrieb über die ukrainischen Drohnenangriffe unter anderem:

„Ziel ist es, die Logistik der Russen lahmzulegen. Die Landbrücke zur Krim etwa, die Russland 2022 erobert hat, ist derzeit kaum mehr zu benutzen. Die Fernstraße entlang des Asowschen Meers musste wegen ukrainischer Angriffe für zivile Transporte gesperrt werden.“

Das ist dank der in Europa produzierten Drohnen, wo die Produktionsstätten sicher vor russischen Angriffen sind, inzwischen tatsächlich gelungen. Vor allem die Lieferungen von Benzin auf die Krim sind praktisch zum erliegen gekommen, weil ukrainische Drohnen zivile Fahrzeuge – und allem voran Tanklaster – mit Drohnen angreifen. Die Strecken auf die Krim, sei es über die Krimbrücke oder die Landverbindung, sind gefährlich geworden, vor allem für Tanklaster.

Wie gesagt geht es hierbei nicht um Angriffe auf militärische Ziele. Die Ukraine greift vor allem zivile PKW und LKW, ja sogar Tankstellen, mit Drohnen an, und nicht etwa militärische Konvois.

Inzwischen ist die Lage auf der Krim so angespannt, dass Benzin dort nicht mehr frei verkäuflich ist. Und selbst diejenigen, die eine Sondererlaubnis haben, bekommen nur 20 Liter pro Tag und Person. Für die Bewohner der Krim bedeutet das, dass sie auf öffentliche Verkehrsmittel oder Fahrräder umsteigen. Für Touristen, die Krim ist bekanntlich ein bei den Russen sehr beliebter Urlaubsort, bedeutet das, dass sie zwar wie gewohnt mit dem Auto auf die Krim fahren können, dass sie am Ende ihres Urlaubs von dort aber möglicherweise nicht mehr wegkommen, weil ihr Tank leer ist und es kein Benzin gibt.

Russland hat als Ergebnis der ukrainischen Angriffe auf die Ölindustrie schon vor einiger Zeit den Export von Benzin verboten und aktuell wurde auch der Export von Kerosin verboten, was den internationalen Mangel an Kerosin, der wohl auch die Urlaubssaison in Europa stören wird, weiter verschärfen wird.

Die Unruhe wächst

In russischen Medien werden die Experten, die endlich ein härteres Vorgehen nicht nur gegen die Ukraine, sondern auch gegen die die Ukraine unterstützenden Staaten fordern, immer zahlreicher und lauter. Russland geht, auch wenn die westliche Medien das Gegenteil behaupten, in der Ukraine immer noch sehr zurückhaltend vor und schreckt immer noch vor dem Einsatz vieler Waffen zurück, weil es die Zivilbevölkerung in der Ukraine schonen will.

Das zeigen auch die nackten Zahlen. Seit dem Zweiten Weltkrieg liegt die Zahl der zivilen Opfer in modernen Kriegen bei 50 und mehr Prozent. Genaue Zahlen über die militärischen Verluste im Ukraine-Krieg gibt es nicht, aber dass in dem Krieg etwa eine Million (oder mehr) Soldaten gefallen sind, dürfte unstrittig sein, gestritten wird eher darüber, welche Seite die größeren Verluste erlitten hat. Dabei liegt die Zahl der zivilen Opfer auf ukrainischer Seite offiziell aktuell bei etwa 15.000, also bei nur etwa 1,5 Prozent, was bedeutet, dass es in den letzten über hundert Jahren keinen Krieg gegeben hat, bei dem prozentual weniger Zivilisten zu Schaden gekommen sind, als im Ukraine-Krieg.

Genau das ist der Grund, warum russische Experten immer lauter fordern, die russischen Streitkräfte sollten endlich Samthandschuhe ausziehen, denn während Russland alles tut, um die Zivilisten in der Ukraine zu schonen, greift die Ukraine gezielt russische Zivilisten an. Man erinnere sich nur an den ukrainischen Angriff auf das Schülerwohnheim im Gebiet Lugansk vor etwa einer Woche. Und sogar das AKW in Saporoschje hat die Ukraine am Wochenende wieder angegriffen.

Ich habe die Reaktion russischer Experten vor einer Woche selbst erlebt, als ich in einer Talkshow des russischen Fernsehens war und die Experten sich vor der Kamera noch weitgehend zurückgehalten haben, in den Werbepausen, als die Kameras nicht liefen, aber umso deutlicher geworden sind. Sie fordern beispielsweise gezielte Angriffe auf die ukrainische Führung und deren Familien, damit die Entscheidungsträger in Kiew nicht mehr glauben, der Krieg betreffe sie nicht und sie könnten tun und lassen, was sie wollen. Und immer mehr fordern auch Angriffe auf die Produktionsstätten ukrainischer Drohnen in der EU und auf die Länder, die ukrainischen Drohnen erlauben, ihre Lufträume für Angriffe gegen Russland zu nutzen, das sind in erster Linie die Baltenstaaten.

Die russische Regierung tut immer noch alles, um den Ball flach zu halten, aber der Druck auch aus der Bevölkerung, endlich hart zurückzuschlagen, wächst. Offenbar um diesen Druck nicht weiter wachsen zu lassen, verschweigen die landesweiten russischen Medien viele ukrainische Angriffe, denn wenn die Menschen in Russland wüssten, was in den letzten Wochen alles getroffen wurde, würde sie noch energischer fordern, in der Ukraine endlich mit allen Mitteln „reinen Tisch“ zu machen und auch den Europäern ihre Grenzen aufzuzeigen.

Aber die russische Regierung scheint noch die Hoffnung zu haben, eine Eskalation des Krieges vermeiden zu können. Die Frage ist, wie lange noch?

Anmerkung: Unmittelbar nachdem ich diesen Artikel geschrieben und zur Veröffentlichung am frühen Morgen eingestellt hatte, kamen die ersten Meldungen über einen schweren russischen Angriff auf die Ukraine, der der Beginn der angekündigten russischen Reaktion sein könnte.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.


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